Alpinwanderklassiker Sunniggrat, Ruchälplistock (2476m) und Jakobiger (2505m)


Publiziert von Chrichen , 2. Oktober 2016 um 13:33.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 7 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Strecke:ca. 15.5 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem ÖV: Zug bis Erstfeld / Bus bis Intschi, Seilbahn / Luftseilbahn Arnisee
Zufahrt zum Ankunftspunkt:(gleicher Weg umgekehrt)
Unterkunftmöglichkeiten:Sunniggrathütte / SAC Leutschachhütte

Die Rundtour zum Ruchälpelistock und Jakobiger zählt zu den bekannteren Alpinwanderklassikern. Nebst knackigen und luftigen Passagen bietet die abwechslungsreiche Tour schöne Wanderwege zwei Hütten und viele Seelein. So stand sie schon seit längerem auf meiner Wunschliste.

Freitag abends gerade erst zurück aus den Ferien und am Sonntag sehr schönes Wetter vorhergesagt. Da musste dem akuten Bergmangelsyndrom trotz Restmüdigekeit sogleich entgegengewirkt werden. Ruchälpelistock und Jakobiger boten sich an, da die Route durchgehend markiert und bestens beschrieben ist. So reduziert sich der Planungsaufwand erheblich. Orientiert habe ich mich vor allem an der Beschreibung im SAC Führer Alpinwandern/Gipfelziele Gotthard und der Karte.

Arnisee - Sunniggrathütte - Sunnig Grat (T2)
Start morgens um 8 Uhr beim Arnisee. Dank der frühzeitigen Anreise gab es noch keinen Stau bei der Seilbahn. Scheinbar sind Wartezeiten bis zu einer Stunde bei der Kleinseilbahn Arnisee durchaus möglich, wie ich am abend erfahren und erleben darf.

Der Arnisee präsentiert sich im schönsten Licht, und ich lege meinen ersten Fotohalt ein, bevor die Tour überhaupt begonnen hat. Zuerst geht es ein Stück dem Seeufer entlang bis zum Abzweiger zur Sunniggrathütte. Der Alpinwanderweg zum Ruchälpelistock und Jakobiger ist schon hier mit "Leidsee" angeschrieben. Auf angenehmem Weg geht es durch den Grüenwald hinauf. Dank dem frühen Start ist es noch kühl, und es geht zügig empor. Einige Passagen sind feucht, aber kaum rutschig. Manchmal verzweigen sich die Pfadspuren und man muss ein bisschen schauen, wo es weiter geht. Schwierig ist die Wegfindung dennoch nicht.

Langsam beginnt sich der dichte Wald zu lichten. Über sanft geneigte Alpwiesen mit Legföhren und einigen sumpfigen Passagen geht es aussichtsreich über den Rietboden der Sunnigrathütte entgegen. Dominiert wird die Landschaft vom omnipräsenten Bristen. Die Hütte lasse ich aus Zeitgründen links liegen und gehe weiter dem Weg folgend zum Grat hinauf. Den lohnenden Abstecher zum Sunnig Grat Gipfelkreuz (2x 10 min) leiste ich mir. Wunderbar die Tief- und Weitblicke von hier.

Sunnig Grat - Ruchälplistock (T5, I-II)
Nach dem Sunnig Grat Gipfel gehe ich wieder zurück und dann auf dem Wanderweg oberhalb der Hütte weiter. Der Weg folgt mehr oder weniger dem stellenweise breiten Grat. An einer weiten flachen Stelle lege ich eine erste Pause ein. Kurz darauf beim P.2039 folgt schliesslich der Verzweiger, wo der Alpinwanderweg zum Ruchälplistock, Jakobiger und Leidsee den Wanderweg verlässt. Der Weg ist mit einem blauen Wegweiser "Leidsee" angeschrieben. Ab hier wird der vorbildlich markierte Pfad merklich schmäler und verläuft sich bisweilen auch mal. Bis zum Grossgand, an dem man knapp vorbeigeht, bleibt die Schwierigkeit im Bereich T2.

Wenig nach dem Grossgand ändert sich dies schlagartig. Bevor es losgeht packe ich die Stöcke weg und mache nochmals eine kleine Pause. Meist in der Flanke geht es grossomodo dem SE-Grat des Ruchälplistocks folgend steil und kraxelig empor. Nach einer kurzen Querung hilft ein Fixseil mit Knoten eine steile Rinne hinauf. Wenig später folgen einige Passagen mit Drahtseilen. Das Gelände ist nicht besonders schwierig, aber ziemlich exponiert. Erwähnenswert ist eine Querung an einem Drahtseil ca. im oberen Drittel, wo man viel Luft unter dem Hintern hat. Hier bin ich froh um das Fixseil. Danach wird es wieder einfacher, und bald schon erreiche ich den ersten Zacken, von dem aus man den eindrücklichen Felskopf mit dem Gipfelkreuz begutachten kann. Da ich im letzten Teil des Aufstiegs beginnende Muskelkrämpfe verspürt habe, lege ich eine Rast ein.

Der kurze Abstieg vom ersten Zacken an den Fuss des Felsbrockens mit dem Gipfelkreuz ist unangenehm rutschig. Der Gipfelkopf (der übrigens nicht den höchsten Punkt darstellt) besteht aus steilen plattigen Felsen. Ketten helfen hinauf. Im alleruntersten Teil gibt es kaum Tritte, und ich hänge mich regelrecht in die Kette rein. Danach finden sich kleinere und grössere Tritte und Griffe, und mit Hilfe der Kette lässt sich der Aufstieg gut bewältigen. Oben angekommen mache ich eine kurze Pause und geniesse das wunderbare Panorama. Bald gesellt sich ein zweiter Wanderer hinzu. Der Aufstieg zum Gipfelkreuz verdient wohl eine T5, II, der Teil davor ist etwas einfacher und von Ier Stellen dominiert.

Ruchälplistock - Jakobiger (ca. T4+, I)
Der Abstieg vom Gipfelplateu geht deutlich einfacher als erwartet. Vielleicht liegt es an der besseren Übersicht von oben, denn plötzlich zeigen sich viel mehr gute Tritte und Griffe als zuvor. Nur zuunterst geht es wieder mit mehr Armkraft an die Kette. Anschliessend folgt eine Querung, von wo aus man nochmals einen schönen Rückblick zum Gipfelkreuz geniessen kann. Wenig später folgt schliesslich ein sehr steiler Abstieg über eine Grasflanke und ein Gras-/Schrofencouloir. Einige Stellen sind rutschig, und es gibt wenig Stabiles zum Festhalten. Für mich die moralische Schlüsselstelle der Tour. Hier war ich trotz guter Verhältnisse froh, dass ich einen kleinen Pickel dabeihatte (bei Nässe empfehlenswert). Ab und zu gibt es ein kurzes Drahtseil. Am Fuss angekommen, wird das Gelände für ein Weilchen gemütlicher, bevor die Umgehung des namenlosen Felszackens mit dem P.2452 in dessen ausgesetzten Flanke in Angriff genommen wird. Diese gestaltet sich dank einiger Fixseile und bester Bedingungen als problemlos.

Der restliche Aufstieg zum Jakobiger ist dann ziemlich einfach (ca. T3). Entweder dem Weg folgend oder frei geht es die nicht allzu steile Flanke zum Gipfelkreuz hoch. Besonders erwähnenswert ist der Tiefblick zum Leidsee.

Jakobiger - SAC Leutschahhütte (T4)
Nach einigen Fotos vom Panorama weiss ich zunächst nicht, wie es nun weitergehen sollte. Ein kurzer Blick auf die mitgeführte Kopie aus dem Führer schafft Klarheit. Man muss ca. 50 Höhenmeter wieder auf demselben Weg absteigen und dann eine Pfadspur nach rechts (in Abstiegsrichtung) wählen. Diese ist mir schon beim Aufstieg aufgefallen. Das Weglein führt leicht absteigend unschwierig durch die Flanke bis wieder einige steilere Passagen und ein kurzer Gratabschnitt folgen. Der letzte Teil des Abstiegs bis zum Wegweiser ist wieder etwas kraxelig.

Nun folgt eine Gegensteigung über ca. 80 Höhenmeter bis der Übergang zur SAC Leutschachhütte erreicht wird. Das denkwürdige Schild "Velo + Mofas abstellen verboten" markiert den Einstieg zum Abstieg. Auf einem abschüssigen Band traversierend geht es zahlreichen Drahtseilen folgend bergab. Manchmal helfen zusätztlich Trittbügel. Einige Verankerungen sind leicht beschädigt, und die Stahlkarabiner sind z.T. recht rostig. Einige Passagen müssen ohne künstliche Sicherung begangen werden. Dieser Teil zieht sich etwas. Schliesslich geht es eine Wiese in Serpentinen hinab und über flache Alpwiesen am Obersee vorbei zur Leutschhütte. Von der Hüttenterrasse aus hat man einen herrlichen Tieflick zum türkisfarbenen Nidersee.

Leutschachhütte - Nidersee - Heitersbüel - Arnisee (T2, T1)
Zu diesem geht es nun auch wild fotografierend hinunter. Am See angekommen lege ich eine kurze Pause ein, bevor es auf gut markierten Wanderwegen zunächst über eine Talstufe und dann meist dem Leitschachbach folgend via Heitersbüel und Chäserli talauswärts geht. Dieses Teilstück erscheint mir schier endlos lang. Nach der Brücke beim kleinen Kraftwerk führt die Wanderung einem Strässchen folgend zurück zum Arnisee, der sich nun in einem ganz anderen Licht als am Morgen präsentiert. Ich mache noch einige Fotos, bevor ich mich in die lange Schlange zur Seilbahn einreihe.


Bis zum Nidersee eine abwechslungsreiche Alpinwanderung mit einem guten Mix aus schöner Landschaft und Schwierigkeit, der restliche Abstieg ist eher langgezogen und leicht eintönig. Beherzt gekraxelt werden muss/kann vor allem am Ruchälpelistock. Dort gibt es auch die exponiertesten Passagen. Der weitere Weg zum Jakobiger und zur Leutschachhütte ist vorwiegend anspruchsvolles Gehgelände mit einigen kurzen Kraxeleinlagen. Am Ruchälpelistock herrscht der Gneis vor. Ansonsten viel Gras-/Schrofengelände. Die Route ist mit zahlreichen Fixseilen versehen, es sind aber bei weitem nicht alle schwierigen Passagen abgesichert. D.h. man sollte sich schon einigermassen wohl fühlen im T4/T5 Gelände. Für meinen Geschmack war der Anteil an Fixseilen etwas zu hoch, was aber nicht heissen soll, dass ich sie hätte missen wollen. Ganz schön fand ich die zahlreichen Seelein und Tümpel. Ich hatte befürchtet, dass sich gegen Nachmittag Quellwolken breit machen könnten, was jedoch glücklicherweise kaum der Fall war.

P.S.: Vielen Dank allen Teilnehmenden und vor allem auch den Organisatoren für den tollen Hikr-Treff in der Melchsee-Frutt!!

Tourengänger: Chrichen


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Kommentare (4)


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kopfsalat hat gesagt:
Gesendet am 3. Oktober 2016 um 11:46
Besten Dank für den auch photographisch super dokumentierten Bericht.

Steht auf meiner Pendenzenliste. War mir aber noch nicht so sicher, was mich dort erwarten wird. Nun hab ich sehr gutes Bild bekommen.

Gruss
Dani

Chrichen hat gesagt: RE:
Gesendet am 4. Oktober 2016 um 07:44
Vielen Dank für das Feedback! Die Wanderung sollte für Dich eigentlich keine grossen Probleme darstellen. Nur am optionalen Gipfelkopf vom Ruchälplistock muss man sich richtig ins Zeug legen. Für das Steilstück beim Abstieg vom Ruchälplistock können je nach Bedingungen eventuell auch Deine Microspikes sinnvoll sein. Wobei Du ja an solches Gelände glaub ich recht gewöhnt bist.

Viele Grüsse, Christian

kopfsalat hat gesagt: RE:
Gesendet am 4. Oktober 2016 um 07:52
Da mein Hauptproblem der Höhenschwindel ist, nützen mir Fotos eben viel mehr, als reine Beschreibungen, um abschätzen zu können, wieviel Mühe mir eine Stelle bereiten würde.

Deshalb nochmals besten Dank für die vielen Fotos.

Gruss
Dani

Stevo47 hat gesagt:
Gesendet am 5. Oktober 2016 um 23:24
Gratulation mal wieder zu diesen grandiosen Bildern und der Tour. Ist soeben auf meiner Projektliste gelandet;-). Danke und viele Grüsse, Steve


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