Hinterer Brunnenkogel via Gletschersteig ab Taschachhaus


Publiziert von Jackthepot , 18. September 2015 um 01:54.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Tour Datum:10 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Klettersteig Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 50 m
Strecke:Taschachhaus - Querung Taschachgletscher - Moränenplateau - Brunnenkogel Westgrat - Hinterer Brunnenkogel

Trotz des nächtlichen Regens war der Himmel über dem Taschachhaus am frühen Morgen wolkenlos. Die gestrige, lange Tour auf den *Wurmtaler Kogel steckte mir kaum in den Beinen ... dennoch mein Entschluss stand fest:  die Hintere Ölgrubenspitze würde nicht -wie ursprünglich geplant- das Gipfelziel sein. Zum einen würde ich erst gegen 1h, halb 2h wieder beim Taschachhaus sein - mit Pause hätte ich dann immer noch 3-4h zurück.... zu lange für die angekündigte Wetterverschlechterung. Der Hintere Brunnenkogel war nun das neue Ziel. Der Weg dorthin hochalpin und um vieles interessanter, als die endlosen Geröllfelder im Sexegertental, der Gipfel höher und die Option bei Schlechtwetter vom Gipfel mit der Pitztaler Gletscherbahn ins Tal zu kommen. Wie sehr recht ich hatte - stellte sich schon bald am Nachmittag heraus ...

Bei meinem Aufbruch vom Taschachhaus war der Himmel schon bewölkt. Hinter dem Taschachhaus geht es etwa 100Hm steil bergauf. Dann wird der Steig eben und findet seinen Weg in das tiefeingeschnittene Tal des Taschachferners. Ausgesetzte oder felsige Stellen sind stets mit Tritthilfen oder Ketten gesichert. Nach ca. 30 min zieht der Steig hinunter zur Seitenmoräne des Taschachferners. Auf dieser ca. 5min bergauf, bis eine deutliche Spur (Stangen) zum Gletscher hinunterführt. Mit Grödel 'bewaffnet' gehts über die mächtige Gletscherzunge unterhalb der Gletscherbruchs auf die andere Seite der Gletscherzunge. Man sieht zwar schon länger eine größere Farbmarkierung an den glatt geschliffenen Felsen auf der gegenüberliegenden Seite, aber erst wenn man fast davor steht erkennt man, dass ein strammes Stahlseil und viele Trittbügel die ca. 10m hohe, teilweise senkrechte Wand überwinden. Oben angekommen, muss man in vielen Kehren 2 Möranenwälle gewinnen, Dahinter gehts dann erst einmal ein grünen Buckel hoch, bis man auf ca. 2800m  die bestens markierte kilometerlange Randmörane erreicht. Auf dieser ostwärts, mit bester Übersicht über den teils in majetätischer Ruhe dahinfließenden, teils wild zerborstenen Taschachferner, bis zum sog. Moränenboden, dem großen Kar östlich des Brunnenkarkopfs. Rechts oben ist bereits das Tagesziel zu erkennen: die Aussichtsplattform auf dem Hinteren Brunnenkogel. Daneben die hypermoderne Bergstation der Pitztaler Gletscherbahn mit Europas höchster Konditorei .... Die Marschrichtung wechselt nun auf Nord. Der Weg führt immer mehr als bestens markiert über verschiedene Geländestufen,  jede mit einem kleinen Seelein, Schmelzwassertümpel verziert - die meisten bereits mit eine dünnen Eischicht bedeckt. Schon bald ist die 3000m Grenze überschritten und der Pfad wir zunehmend steiler. Man erkennt oben am Grat eine kleine Scharte mit einem Schild auf die der Steig zusteuert. Nach einem üblen Blockfeld und einigen Drahtseilversicherungen und Tritthilfen über glatte Felsen hat man die Scharte erreicht ..auf dem Schild in absolut unverbaubarer, herrlichster Aussichtslage  steht 'Leo's Corner'.... der Grat ist erreicht.

Jäh, ändert sich nun der Charakter der Tour. Vorbei der Anstieg über trostlose, weite Geröllfelder. Der weitere Weg zum Brunnenkogel verläuft nun entlang eines scharfen, teilweise sehr luftigen Grates. Der gesicherte Steig führt zunächst auf der rechten, sonnigen Seite in die Höhe, aber wechselt bald auf die Schattenseite des Grates. Hier liegen 20-30cm hartgefrorener Schnee.  Handschuhe und wärmere Bekleidung sind nötig. Eine steile hölzerne Treppe führt zwischen Felsen hindurch nach oben, die Tritte sind glatt. Der Blick nach oben findet immer irgendwo einen Halt, der Blick nach unten fällt in bodenlose Abgründe... Weiter oben gibt 's nochmals schneeglatte Stege über den Abgründen. Dann wird der Grat breiter, ist aber jetzt kontinuierlich von tiefen Schnee bedeckt. In viele Kehren gehts nach oben - keine Sicherungsseile mehr. Irgendwann fällt der Fels zurück - ein kurze flache Querung auf breitem Steig und die Pitztaler Gletscherwelt öffnet sich. Keine 10 Minuten weiter thront am Gipfel des Hohen Brunnenkogels die Bergstation der Gletscherbahn, weiter unten schieben Pistenraupen den gebunkerten Schnee der vergangenen Winters an den Ort, wo er hin soll. ... Zivilisation - du hast mich wieder.

Epilog:  Nach dem wohlverdienten Bier, einer Käsesahnetorte in Europas höchster Konditorei und in Anbetracht des zunehmend dunkelgrauen Wetters, habe ich mich entschlossen mit dem Lift zur Talstation zu fahren.
Was ich bis dahin noch nicht wusste, könnt ihr hier *Mittagskogel nachlesen

Tourengänger: Jackthepot


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Kommentare (2)


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DHM123 hat gesagt: Natur ...
Gesendet am 18. September 2015 um 22:36
... ist ha hier nicht mehr viel zu sehen. Wer's mag ...
Ich find's ehrlich gesagt monströs.
Aber tolle Bilder,
LG

Jackthepot hat gesagt: RE:Natur ...
Gesendet am 21. September 2015 um 23:41
Hi DHM123,

klar, das Ende ist echt nicht angenehm ... aber ich wußte es und es war so geplant/erwartet/erlebt.
39 Fotos gewaltige Natur. 3 Fotos back to reality.
Wäre ich die Ölgrubenspitze gegangen (siehe Bericht) wäre ich voll nass/'nassschnee' geworden...
Ich sach einfach mal ... richtig entschieden, geplant und letzendlcih durchgezogen ...trotz "Zivilisationsschock" ;-) am Schluß
LG Harald


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