Der Pass über die Bäralpl


Publiziert von stefan87 , 11. September 2014 um 14:17.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:26 Juni 2014
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 10:00
Kartennummer:Kompasskarte 6 - Alpenwelt Karwendel

Durchnässter Gerölluntergrund, tropfende Felswände, teils beschädigte Sicherungen - und das alles auch noch im Abstieg. Fast eine Stunde werde ich vom Bäralplsattel, durch die Nordwand der Raffelspitze, bis zum Abzweig Gjaidsteig / Bärensteig auf das Geröllfeld darunter brauchen. - Bei durchwachsenem Wetter ging es vom Karwendelhaus über die Bäralpl, der Fereinalm und den Sattel Jägersruh zum Soiernhaus.


Was bisher geschah

Am Montag dem 23.07.2014 war ich von Pertisau zur Lamsenjochhütte aufgebrochen.
Auf den letzten geschätzten 200hm war ich in einen Platzregen mit Gewitter aus der Gipfelregion um den Rauhen Knöll geraten.

"Thor will mir scheinbar etwas Wind aus den Segeln nehmen und zur Vorsicht mahnen. Plante ich doch wenigstens die Hütte, komme was wolle, noch am selben Tag zu erreichen."

Auf der Hütte angekommen, waren insbesondere meine Stiefel völlig durchnässt, weil ich keine Regenhose dabei hatte und so war ich gezwungen bis Mittwoch auf der Hütte zu bleiben.
Das war aber nicht weiter schlimm, denn den ganzen Dienstag über hatte es sowieso in der Größenordnung von 25l/m² geregnet. (Am Montag waren es ca. 13l/m².)

Am Mittwoch konnte ich schließlich meine Tour, wie geplant, zum Karwendelhaus fortsetzen. Das Wetter war jetzt relativ gut. Nur hin und wieder nieselte es ein wenig.

Bis hier hin waren zwar die Strecken- und Höhenmeter nicht zu vernachlässigen, jedoch war es technisch nicht anspruchsvoll.

Das sollte sich am nächsten Tag ändern.


Zeitlicher Ablauf

08:30 Uhr, Karwendelhaus (1771m)
10:30 Uhr, Bäralplsattel (1820m)
11:30 Uhr, Abzweig Gjaidsteig / Bärensteig  (1600m)
13:30 Uhr, Fereinalm (1406m)
2 1/2 Stunden Pause
16:40 Uhr, Abzweig Soiernspitze (1800m)
17:40 Uhr, Sattel Jägersruh (1900m)
18:40 Uhr, Soiernhaus (1622m)


Schwierigkeitsbeschreibung

[T2] - Vom Karwendelhaus bis zur Bäralpl
Hier muss man sich auf ewiges "rauf und runter" und gestufte Abschnitte einstellen.

[T3+ und als Anmerkung UIAA I] - Von der Bäralpl bis zum Hüfachboden
Gerölliger, ausgesetzter Nordsteig. (Im Aufstieg sollte der Steig sicherer zu bewältigen sein.)

[T2+] - Hüfachboden bis Fereinalm und Krinner-Kofler-Hütte
Es existieren nur wenige Markierungen aber die Wegspur ansich ist fast immer sichtbar. (Darum das "+").

[T2] - Fereinalm über den Sattel Jägersruh bis zum Soiernhaus
Ausgeschrieben mit 3 1/2 Stunden, was genügend Kraft und Kondition natürlich noch voraussetzt aber technisch gesehen, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Spaziergang.


Erlebnisbericht

Donnerstag, 26.06.2014, 07:00 Uhr,
Bettenlager Karwendelhaus.
Der Wecker klingelte.

Ein Blick aus einem der kleinen Fenster auf dem Dachboden ließ vermuten, das der Himmel klar sein musste. Erstmal aufgestanden und das Zeug soweit gepackt.
Nachdem ich kurze Zeit später aus dem Waschraum in die Gaststube unten kam, war die Hütte von Wolken eingehüllt.

"Egal. Erstmal ordentlich frühstücken."

Der Wirt hatte sich konsequent am Vorabend unaufgefordert an jeden Tisch gesetzt und gefragt was, das Ziel für den nächsten Tag ist. Das dieses hier so üblich ist, hatte ich schon von anderen Leuten unterwegs gehört und muss selber auch sagen, das ich es sehr gut finde. Insbesondere für Tourengänger, die über die Birkkarspitze wollen - aber auch die Infos zur Bäralpl sind sehr hilfreich gewesen.
So sagte mir der Wirt, das man mit einer Zeit von bis zu zehn Stunden rechnen müsse, wenn man bis zum Soiernhaus kommen will. Am Ende dieses Tages sollte sich das als absolut richtig herausstellen, auch wenn meine reine Gehzeit kürzer war.
Doch jetzt kam ich anhand meiner "Faustformeln", auf die 1:50000er Karte angewandt noch auf, eine Gesammtzeit (mit Pause) von etwa sieben bis acht Stunden. :)

Nach dem Frühstück ging es dann also los.
Draußen vor der Hütte war alles in Dunst gehüllt. Der Bäralplsattel war das erste Ziel, wofür ich etwa eine Stunde veranschlagt hatte. Nach einem kurzen Abstieg über die Lochalm war ich auf dem Gjaidsteig. Hier kam nach einer Weile doch tatsächlich ein Schild, auf dem zwei Stunden bis zum Sattel stand.
Weiter durch den Südhang des Schlichtenmassivs kam man langsam in ein Latschenkiefernfeld. Mehr und mehr führte der Weg auf und ab über Felsstufen, teils von Wurzeln durchwachsen was, das Vorankommen erschwerte und somit verlangsamte.
Letzten endes hatte ich etwa zwei Stunden vom Karwendelhaus bis zum Bäralplsattel gebraucht.

"Wenn sich ein auf der Karte scheinbar unproblematischer Steig als unwegsam erweißt, dann kann man seine Zeitplanung vergessen."

Auf dem Bäralplsattel angekommen war ich froh diese Latschenkiefertortur hinter mich gebracht zu haben. Hier oben auf etwa 1800m wurde die Vegetation jetzt auch immer weniger. Auch wenn die Gipfel noch teilweise von Wolken verhangen waren, so hatte man doch eine recht schöne Aussicht auf die Soierngruppe und hinter mir das Birkkarmassiv.
Nun wollte ich aber endlich zum Hüfachboden absteigen, welcher von oben betrachtet schonmal interessant aussah. Kurz vor dem Einstieg in die Nordwand der Raffelspitze waren erstmal die üblichen Warnschilder platziert, denn ab hier ging es über einen teilweise mit Drahtseilen versicherten Steig.
Nach einer kurzen Begutachtungspause zog ich mir meine Halbfingerhandschuhe an und befestigte einen der beiden Teleskopstöcke auf der talgeneigten Seite meines Rucksackes um nicht irgendwo an der Wand hängen zu bleiben. - Dann ging es los.

"WTF?! Hier besteht ja alles nur aus Geröll und permanent tropft es von den Felsen auf den Steig. Oh und die eine Sicherung schlackert einfach nur so lose mit dem Drahtseil an der Wand herum. Auch nicht schlecht. - Oh und sehe ich es richtig, das dieser Felsbrocken erst kürzlich abgestürzt sein muss?!"

Ich arbeitete mich von einer vorher ausgemachten Position zur nächsten und begutachtete vorm losgehen die Seile, die Sicherungen und den Steig mehr denje. Fehler durften hier nicht passieren, weil der auslaufende Geröllhang auf dem man sich weiter unten noch hätte fangen können erst 100m bis 200m unterhalb der neben mir senkrecht abfallenden Wand begann.
Anfangs noch bemüht trotzdem zügig voranzukommen, hatte ich dann nach einigen Metern in der Wand komplett im Kopf umgeschaltet vom "Speed-Bergwanderer" zum "meditierenden Kletterer".

"Und wenn ich den ganzen Tag dafür brauche. Hauptsache ich komme sicher unten auf dem Geröllfeld an."

Es gab nur mich und diese Wand. Alles andere war unwichtig.

Ich war froh meine Handschuhe, welche die Griffigkeit erhöhten, angezogen zu haben, weil die wasserüberlaufenden Drahtseile sehr rutschig und im Schatten der Nordwand auch sehr kalt waren. Es ist doch immer wieder erstaunlich wie schnell man auch im Sommer an einem Drahtseil kalte Hände bekommen kann.

Fast eine Stunde später kam ich auf "Geröllfeldhöhe" an den Abzweig Gjaidsteig / Bärensteig an. Der Gjaidsteig verlief weiter entlang der Wand Richtung Hochlandhütte und der Bärensteig hinunter zum Hüfachboden und der Fereinalm.

Letzteres war mein nächstes Ziel.

Der Abstieg erfolgte anfangs in östlicher Richtung, quer über das Geröllfeld, unterhalb des Nordwandsteiges. Ab einer Stelle faste ich den Wegverlauf so auf, das man etwas direkt über, das Geröllfeld nach unten abfahren sollte, kam dann aber schließlich in ein Feld aus Latschenkiefern, wo sich der Weg plötzlich verlief.
Das war zum Glück nicht weiter schlimm, weil man schon vom Steig oben gesehen hatte wo letztendlich der Weg zum Hüfachboden verlief. Also bahnte ich mir noch selbst ein kurzes Stück durch die Latschen und gelang nach ein Paar Minuten wieder auf den grob sichtbaren Weg, der direkt bergab führte.

Ab dort ging es gemütlich hinunter in den Bergwald des Hüfbachbodens.

"Ja. - Dafür hatte es sich echt gelohnt hier abzusteigen. Ein wirklich sehr unberührt wirkendes Plätzchen, dieser Hüfachboden."

Ab hier hätte ich wieder problemlos schneller gehen können aber wollte es garnicht, weil diesem Ort einfach von sich aus schon, eine Gelassenheit anhaftete, das man am liebsten hier geblieben wäre.

"Am liebsten würde ich hier jetzt biwakieren, wenn es nicht noch so früh wäre und mir nicht, das allabendliche, angekündigte Unwetter im Nacken sitzen würde." :)

Über die Fereinalm und den Sattel Jägersruh zum Soiernhaus ging es ab hier wieder relativ gemütlich zu, was auf den Bildern (meiner Meinung nach) auch schön zu sehen ist.

Tourengänger: stefan87

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»