Rote Flüh (2108 m), Friedberger Klettersteig und Schartschrofen (1968 m)


Publiziert von ju_wi , 19. Juni 2008 um 08:13.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:14 Juni 2008
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettersteig Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m

Die Tannheimer Alpen mit ihren steilen Felsgipfeln sind ein tolles kleines Gebirge. Die Rote Flüh besitzt wegen ihres einfachen Normalwegs eine hohe Popularität. Ihre Besteigung lässt sich wunderbar mit dem Friedberger Klettersteig verbinden. Der Friedberger Klettersteig ist zwar kurz, aber ein echtes Highlight.

Wir sind mal wieder über das Wochenende für 2 Touren in den Allgäu nach Hinterstein gefahren. Dort abends angekommen treffen wir auf eine sehr starke Regenschauer, die einen tollen Regenbogen produziert (s.Fotos).

Am nächsten Morgen fahren wir bei bedecktem aber trockenem Wetter nach Nesselwängle - die Bergspitzen sind noch in den Wolken. Wagen am Parkplatz bei Nesselwängle abgestellt, steigen wir steil durch Wald und Brachflächen auf zum Gimpelhaus. Der Weg hat viele Serpentinen, der Boden ist sehr nass und matschig aufgrund der starken Regenfälle.

Am Gimpelhaus schauen wir nicht richtig auf die Schilder und nehmen intuitiv den Pfad nach links- ein Fehler. Es geht in sehr steiler Führung - die mir schon auffallend schmal vorkommt !? - durch Latschen und über Riesentritte in eine schrofige Flanke unterhalb der südlichen Felswände der Roten Flüh. Es folgt eine etwas ausgesetzte sehr schmale Traversierung - der Schwierigkeitsgrad ist mind. T4. Ein paar Kletterer biegen vom Pfad ab in die Wand und beginnen eine Felskletterei mit Seil. Nach knapp 30 Minuten - wir haben bisher noch keinen Verdacht geschöpft -  ist jedoch niemand mehr da und der Pfad wird immer unscheinbarer. Dann wird's klar: Wir sind falsch - uns schon nach Höhenmesserauf 1900 m - ärgerlich! Wir packen die Karte aus - die Route passt irgendwie nicht - also zurück.

Bei der nächsten Klettergruppe die Bestätigung: Ja ihr seid falsch - ihr müsst weit zurück. Also erstmal wieder die Querungen zurück, und 200 Hm runter. Aber noch weit über dem Gimpelhaus finden wir zum Glück eine schmale Traverse und gelangen zurück zum Normalweg, der harmlos durch ein Tal zwischen Gimpel und Roter Flüh hinaufführt.

Auf der Traverse treffen wir auf äusserst zahme Gemsen. Ein breiter Weg durch Geröll, Matsch und Schneefelder führt uns einfach hinauf in die Judenscharte zwischen Gimpel und Roter Flüh auf knapp 2000Hm. Ein paar Felstritte geht es mit Drahtseil gesichert einfach hinauf, und durch Geröll und zwei längere Schneefelder zum Gipfel der Roten Flüh. Wir haben Glück und eine tolle Sicht, wenn es auch insgesamt sehr dunkel ist. Auf dem Aufstieg und auch danach gibt es immer wieder leichten Schneefall, da es insgesamt doch recht kalt ist.

Nach dem Gipfel wird es anspruchsvoller: Es geht steil bergab, teils Pfad, teils Felsstufen, in denen man die Hände viel benutzen muss. Wir kommen zu einer unangenehmen senkrechten Bügelstelle mit großen Tritten im bergab. Diese ist rutschig, da nass. Es ist - auch durch die Nässe - die heikelste Stelle der gesamten Tour, da auch an 2 Stellen nur nach unten gebogene Eisenstifte ohne Gegenhalt z finden sind, die mit nassen Sohlen von oben ohne gute Einsicht kein sicheres Gefühl vermitteln.

Weiter geht es dann eigentlich ständig ausgesetzt. Zunächst über einen zackigen Grat mit Seil gesichert - nachher öfter über horizontalere Gratstellen - teilweise schmal und ausgesetzt. Die Felsstufen sind wegen Nässe im Abstieg auch nicht ganz einfach, aber machbar. Insgesamt ist man ca. 1 Stunde recht ausgesetzt unterwegs und wandert die ganze Zeit im Absturzgelände.

Der Friedberger Klettersteig ist genaugenommen wohl nur die fast senkrechte Felskletterei von der Gelben Scharte ca. 150 Hm hinauf zum Schartschrofen und dauert 20-30 Minuten. Kurz vor dem Einstieg kommt nochmal ein recht schmaler Grat mit ein wenig schwierigen Tritten - man muss die Hände benutzen. Ich lege Klettersteigzeug an. Es schneit wieder, bläst und es ist sehr kalt - Margit hat kalte Hände und will keine Ausrüstung anziehen, weil es zu lange dauert - auch gut... Der Fels im Klettersteig ist dann wirklich vertikal mit einigen Querungen. An 2-3 Stellen sind sehr große Tritten erforderlich - direkt im Einstieg von der Scharte. Der vergleichsweise geringe Schwierigkeitsgrad des Friedberger Klettersteigs - z.B. auch gegenüber dem Mindelheimer oder Hindelanger - erklärt sich für uns vor allem durch die geringe Länge. Die Kletterei ist aber durchaus interessant und steht den beiden nicht nach. Am Ende des Steigs steigt man aus der Wand auf den Gipfel des Schartschrofen (1968 m).

Der Abstieg vom Schartschrofen ist sehr ursprünglich und einsam, allerdings auch sehr schmierig und stellenweise sehr matschig bis sumpfig. 300 Hm unter dem Gipfel sehen wir ein Birkhuhn vor uns, dass sich aber gut tarnt und schlecht fotografieren lässt. Beim Annähern fliegt es irgendwann auf und lässt sich nicht mehr finden. Der weitere Abstieg führt zur Gessewangalpe, die aber nicht bewirtschaftet und verriegelt ist. Noch etwas tiefer läuft uns auch noch ein Hermelin über dne Weg. Wir kehren noch ein im Gsthaus Adlerhorst und kaufen eine hausgemachte Hirschwurst, von der wir auch unserer Pensionswirtin eine mitbringen.


Tourengänger: ju_wi

Galerie


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