Mont Avril


Publiziert von Meeraal , 8. März 2013 um 08:08.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Unterwallis
Tour Datum: 5 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 23:45
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel Mauvosin oder Chanrion- Hütte

 

Nachdem bei mir im Sommer in den Bergen aus mehreren Gründen nicht viel gelaufen ist (alle weiteren Sektionstouren des DAV sind ins Wasser gefallen), bin ich nun Anfang Oktober nochmals ins Wallis gefahren und habe dort ein paar Berge gemacht. Geplant hatte ich den Mont Avril (hinter dem Lac de Mauvoisin), das Sparrhorn und Bella Tola zusammen mit Rothorn. Also ausschliesslich einfache Berge, die auch im Oktober noch machbar sein müssten.

Da der Mont Avril sehr abgelegen ist, bin ich am  Abend des 4. Oktober mit dem Schlafsack losgegangen. Geplant hatte ich, in einer leeren Almhütte bei La Lia zu übernachten. Leider war die erste Almhütte unbrauchbar, da sie keine Fenster hatte und von außen verschließbar war. Hätte da irgendein "Spassvogel" zugemacht, wäre ich möglicherweise bis zum nächsten Frühjahr dringesessen. Darauf habe ich mich natürlich nicht eingelassen. Die zweite Hütte war etwas oberhalb und hatte den gleichen Schließmechanismus, allerdings zwei Fenster, durch die man notfalls rauskrabbeln hätte können. Allerdings handelte es sich bei dieser Hütte um einen leeren Kuh- oder Schafstall, der zwar grob geputzt war, aber auf dessen Boden sich dennoch eine dünne Schicht angetrocknete Kuh- oder Schafscheiße befand. Daher wollte ich hier auch nicht gerade schlafen. Also begutachtete ich die dritte Hütte, die sich noch ein paar Meter weiter oben befand. Diese war nicht abschließbar und darin befand sich ein Tisch, zwei Pritschen, vier Matratzen und ein paar fest eingebaute Bänke. Vermutlich nächtigten hier die Hirten im Sommer. Außerdem lag auf dem Fenstersims eine riesige Spritze und eine Kanüle mit einem Durchmesser wie sie bei Menschen nur beim Blutspenden verwendet wird. Vermutlich hatte der Tierarzt damit eine Kuh behandelt und dieses Werkzeug anschließend liegen gelassen. Bei genauerem Hinsehen war aber alles voll mit Mäusedreck. Zur Not aber benutzbar, wenn ich meine eigene Luftmatratze verwenden würde. Also machte ich erst einmal Abendessen und wollte dann schlafen gehen, als ich beim Hinausschauen sah, dass unten auf der Straße zwei Autos heraufkamen. Da ich mich einerseits hier nicht bei einer illegalen Übernachtung erwischen lassen und mir andererseits am Mäusedreck auch kein Hanta-Virus oder sonstige Krankheitserreger einfangen wollte, packte ich kurzerhand meine Sachen zusammen und verschwand von hier. Ich fasste den Plan, zur Chanrion-Hütte zu gehen und dort entweder im Winterraum oder notfalls unter einem Dachvorsprung zu übernachten. Als es dunkel wurde ging ich mit der Stirnlampe weiter. Nach einiger Zeit kam ich an ein Gebäude, an dem Licht brannte und wo auch die beiden Autos standen, die zuvor hier heraufgefahren waren. Dies war aber nicht die Chanrion-Hütte, sondern ein Bergbauernhof, von dem ich bisher nichts wusste. Ein Schild zeigte, dass es von dort zur Hütte noch 20 Minuten waren. So ging ich weiter und wunderte mich bald, dass die Hütte nicht zum Vorschein kommen wollte. Nach einer weiteren Stunde erreichte ich ein Schild, auf dem die Wegzeit zur Chanrion-Hütte mit etwas über einer Stunde angegeben war. Da war mir klar, dass ich mich in der Dunkelheit verlaufen hatte, und dass ein Weitergehen jetzt keinen Sinn machte und ich erst einmal den nächsten Tag abwarten musste, um festzustellen wo ich genau war. Kurz zuvor hatte ich einen Gletscherbach passiert, der an dieser Stelle eingefangen und durch einen Stollen irgendwohin weitergeleitet wurde. Daneben waren am Wegrand zwei Nischen im Fels. In einer stand ein Großtransformator der laut brummte, die andere enthielt eine unverschlossene Stahltüre, hinter der Material und Werkzeug gelagert war. Vor dieser Türe breitete ich nun meine Luftmatratze und meinen Schlafsack aus und habe den Umständen entsprechend gut geschlafen. Jedenfalls besser als in so mancher Hütte oder im Auto. In der zweiten Nachthälfte beleuchtete der Mond die Bergwelt und man sah die Sterne vorbeiziehen.

Am nächsten Morgen stellte ich auf meiner Karte fest, dass ich einfach in der Dunkelheit den Weg verpasst und etwa einen guten Kilometer zu weit gegangen war. Also ging ich ein Stück zurück, überquerte irgendwo den Bach, der zu dieser Zeit fast kein Wasser führte und machte mich auf in Richtung Fenetre de Durand, wo die schweizerisch-italienische Grenze verläuft und von wo man auf den Mont Avril steigt, der ebenfalls ein Grenzgipfel ist. Der Gipfel war problemlos zu erreichen, auf dem Rückweg nahm ich noch den benachbarten P 3011 mit, was lediglich 20 Minuten in Anspruch nahm. Danach folgte der fast endlose Abstieg bis nach Mauvoisin.

Eine tolle Tour bei makellosem Wetter. Am nächsten Tag stand das Sparrhorn auf dem Plan.

 http://www.hikr.org/user/Meeraal/

 


Tourengänger: Meeraal


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Kommentare (3)


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lampbarone hat gesagt:
Gesendet am 25. März 2013 um 11:03
Was lernen wir daraus ... man sollte immer eine Säge dabeihaben :)

Meeraal hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. März 2013 um 13:53
Die hätte ohne Bohrer auch nicht viel genützt. Da hätte man erstmal ein größeres Loch reinbohren müssen, um das Sägeblatt durchschieben zu können. Aber durch das Dach hätte man möglicherweise rauskommen können, nur habe ich da in diesem Moment nicht drangedacht.

Vielen Dank für Dein Interesse an meinem Bericht

Gruß, Michael

lampbarone hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. März 2016 um 20:18
Gern geschehen mit dem Interesse. Ich bin ja auch oft noch in nächtlicher Mission unterwegs...
OK, dann Säge und Bohrer. Oder einfach ein GPS :)


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