Widderfeld 2076m via Mondmilchloch & Schyflue


Publiziert von Bombo , 23. Oktober 2012 um 01:04.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:20 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Pilatusgebiet   CH-LU   CH-OW 
Zeitbedarf: 3:30
Aufstieg: 1090 m
Abstieg: 1090 m
Strecke:siehe GPS-Datei
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit PW bis Schybach, unmittelbar nach Alp Lütholdsmatt
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1170 "Alpnach"

Erlebnis und Anstrengung - die Vorgabe in die Realität umgesetzt


Wenn die Damenwelt nach einem anstrengenden Erlebnis fragt und dies dabei auch noch ernst und positiv meint, dann sollte Man(n) ein offenes Ohr dafür haben und solche Anforderungen schnellstmöglich in die Realität umsetzen. 

Bei uns im Kanton ist momentan Herbstmesse, das bedeutet am heutigen Tag auch eine zeitige Rückkehr, um dann das traditionelle Fondue in der Walliserstube auch noch warm geniessen zu können. Bedeutet somit auch, dass dieses obengenannte Abenteuer nicht all zu weit von zu Hause stattfinden sollte, um so nach dem erlebten Höhepunkt möglichst rasch wieder vom Tatort zu verschwinden. Jedoch nicht ohne vorher darauf angestossen zu haben - es gibt Dinge, die müssen einfach sein.

Ein klarer Fall somit für Pontius Pilatus. Willkommen auf meiner Schulreise (O-Ton der erlebnissuchenden Dame) zum Mondmilchloch und via Schyflue hoch zum Widderfeld sowie retour über den Direktabstieg zur Alp Birchboden

Gestartet beim Parkplatz Schybach 1191m oberhalb der Alp Lütoldsmatt und dem Wanderweg entlang hoch via Alp Schy 1336m zur Alp Birchobden 1616m. Hier folgen wir nach Westen dem Zaun entlang, treffen bald auf alte, kaum mehr sichtbare rote Farbmarkierungen und folgen diesen (welche später dann wieder besser ersichtlich sind) bis zum Mondmilchloch 1700m

Dort das Übergwändli angezogen - es empfiehlt sich das Tragen von Regenhose und -jacke, allenfalls einen Hut oder Helm - und die Stirn- oder Taschenlampe montiert. Die Rucksäcke lässt man besser beim Eingang, denn spätestens beim "Vierfüssler" kommt man mit diesen sowieso nicht mehr weiter. Wie schon bei meinem letzten Besuch vor 3 Jahren brachte ich auch heute wieder Rechaudkerzen mit, welche jedoch dem Höhlenwind meistens nicht stand hielten. Dafür aber gab's als Überraschung für unsere Crew im hinteren Teil der Höhle, also nach dem ersten Wasserfall mit Fixseil, jedoch noch vor der "Mausefalle" noch ein Becher Champagner, schliesslich müssen solche Exkursionen auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

Wieder zurück beim Ausgang - es empfiehlt sich für die von der Mondmilch total verschmutzten Kleider einen Plastiksack mitzunehmen - entscheiden wir uns für den Direktaufstieg zum Widderfeld via Schyflue. Entsprechend steigen wir unmittelbar bei der Höhle hoch und erreichen so bald die Südwände bei der Schyflue. An diesen folgen wir vorbei an diversen Kletterrouten bis es eigentlich nicht mehr weiter geht und müssen dann auch bereits wieder ein paar Meter absteigen. Besser wäre es gewesen, ungefähr auf der Höhe wo noch ein Seil aus der Wand hinunterhängt, direkt über die Schutthalde zu traversieren um so die richtige Höhe für die Fortsetzung zu erreichen. 

Schaut man sich nun die 25'000 LK an, so findet man unterhalb beim Buchstaben "L" vom Wort Widderfeld (der ganze Berg meinend, nicht der Gipfel!) eine kleine, mögliche Lösung, wo man die steilen Flanken (T5+) verlassen und so das "sichere" Widderfeld erreichen kann. Und genau diesen Durchschlupf peilten wir an, vorbei am Wandbuch der Kletterroute, bei welchem man eigentlich auch darüber hätte klettern (I-II) und so 20 Meter weiter oben ebenfalls das Widderfeld erreichen können. Ich wollte mich aber mangels Geländekenntnis nicht auf ein Risikospiel hinauswagen, weshalb wir beim Wandbuch eine kurze, abschüssige jedoch gut gestufte Traversierung machten und so den genannten Durchschlupf erreichten. Spätestens jetzt konnten wir nicht nur das Erlebnis sondern auch die Anstrengung abhaken. 

Die Schweisstropfen bei Erreichen der beiden Gipfel des Widderfeld wurden jedoch dem sehr zügigen Südwind schnell zum Opfer, entsprechend blieben wir nicht all zu lange auf diesen Aussichtspunkten. Da wir schon vom Gipfelkreuz hinunter die zahlrichen Steinböcke beobachten konnten und die Zeit eben doch bereits keine Gnade walten liess, hiess es sich langsam auf den Rückweg zu machen. Auch hier sollte das Erlebnis wieder im Vordergrund stehen, weshalb wir den südseitigen Direktabstieg begingen, beginnend beim Steinmann auf dem Widderfeld, vorbei am Südende des Stollenlochs und endend bei der Alp Birchboden 1616m.

Von dort dann wieder der markierten Route via Alp Schy 1336m zurück zum Schybach 1191m, wo die nächste und letzte Schlüsselstelle auf uns wartete: Wie und wo stelle ich nun meine völlig verschmutzten Bergschuhe in das nigelnagelneue Auto meiner Begleiter hinein...

Keine Tour ohne darauf angestossen zu haben - auch wenn wir dies bereits im Mondmilchloch zelebriert hatten - hierfür eignet sich die Alp Lütoldsmatt perfekt dazu. Hier konnten wir nicht nur das Urchige und das Bodenständige geniessen, sondern auch noch die letzten Sonnenstrahlen dieses absolut perfekten und für diese Jahreszeit sehr warmen Herbsttages. Und ja, mindestens ein Fondue musste an der Herbstmesse wohl in ziemlich kaltem Zustand gegessen werden - der Cityring-Stau in Luzern lässt grüssen...


Fazit: 

Obige "Schulreise" kann jedem versierten Berggänger empfohlen werden. Aber Achtung: Ich wurde auf dem Gipfel des Widderfeld noch aufmerksam gemacht, dass wir vermutlich genau dort hochgestiegen sind, wo die Steinadler ihr Nest haben und deshalb auch diverse Kletterrouten rückgebaut und geschlossen wurden. Ich erinnere mich, dass ich in der Vergangenheit etwas ähnliches einmal von dieser Gegend gelesen habe. Legebeginn bei einem Steinadler ist meistens Ende Februar, anfangs März und die Brut dauert dann 40 bis 50 Tage. Es folgen weitere 75 bis 80 Tage, bis die Jungvögel das Nest verlassen. Und: Die Adler besiedeln ganzjährig ihr Brutrevier! Deshalb sollte diesem Umstand ganz klar Sorge getragen werden. Mir war das schlichtwegs nicht mehr präsent und hätte ich das gewusst, so hätten wir auf alle Fälle viel tiefer traversiert, sodass wir dann in die Route Alp Birchboden - Stollenloch-Süd - Widderfeld gekommen wären. Aber etwas ist klar: Erlebnis und Anstrengung ist auf dieser Route garantiert... 


Tour mit L., E. & R.

Tourengänger: Bombo


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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 20. Dezember 2012 um 19:29
schön, schön, Dominik - da warst du wohl etwa auf unserer Route unterwegs - immer wieder schön, dieses Gebiet!
lg Felix


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