Widderfeld via Mondmilch- und Stollenloch


Publiziert von Felix Pro , 23. November 2009 um 13:38. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:21 November 2009
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Pilatusgebiet   CH-LU   CH-OW 
Aufstieg: 1110 m
Abstieg: 1110 m
Strecke:Schybach (Blätz) - Birchboden - Mondmilchloch - Schyflue - Widderfeld - Stollenloch - Gemsmättli - Punkt 2054 - Tumli - Birchboden - Schybach
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW nach Alpnach und hinauf über Grunder Berg, Lütoldsmatt Richtung Blätz; unmittelbar nach dem Schybach Parkplatz, ab dort Fahrverbot
Kartennummer:1170

Das Mittaggüpfi resp. die Verbindung bis zur Tripoli-Hütte beabsichtigten wir ursprünglich zu unternehmen - vielleicht doch noch das Mondmilchloch zu besuchen ... Es kam dann ziemlich anders; sehr, sehr eindrücklich!
Der Startpunkt war allemal derselbe: vor Alpnach der Chli Schliere nach mit dem PW über die Lütoldsmatt (scheint noch bewartet zu sein) bis zum Fahrverbot beim Schybach; der dortige Parkplatz wird auch heute anscheinend rege benutzt - erkennen wir an der engen Parkiererei beim Zurückkommen). Gleich geht es dem Waldrand und anschliessend dem hübschen Tobel des Schybachs empor zur gleichnamigen Alp, knapp fünfzig Minuten nach dem Start sind wir auf der bereits verlassenen, friedlich gelegenen Alp Birchboden - wir kennen sie von der  Widderfeld-Südroute. Diesmal gehen wir jedoch erst horizontal in westlicher Richtung dem Wegspürchen nach zum auf der LK eingezeichneten Mondmilchloch.
Bei strahlendem Wetter näherten wir uns erst auf angenehmem "Höhenweg", dann doch steiler werdend, den Wänden der Schyflue - kurz vor Erreichen des Mondmilchloches, direkt vor den senkrecht sich aufbäumenden Felsen, mussten wir uns von herunterfallenden Steinen, von Steingeissen ausgelöst, in Acht nehmen. Das Mondmilchloch selbst sieht man erst wenige Meter vor dessen Erreichen, Ursula wies gekonnt darauf hin, dass da ein Bächlein zu hören sei, das trete sicher aus der Höhle aus ... (Wenn ich am Danken bin, dann natürlich auch delta und Tobi für die Hinweise zur unserer heutigen Tour - und dem SAC-Führer Zentralschweiz: er gibt recht genaue Angaben zum Erreichen des Stollenlochs.) Gleich vor dem Eingang zum Loch, wir haben nur die erste Kaverne besichtigt, liegt ein vierseitiges Dokument aus Wikipedia zur Geschichte und zu technischen Daten auf - sie soll 108 Meter lang sein, zum Teil nur kriechend erkundigt werden können und Wasserfälle aufweisen ... Auf jeden Fall sollen die Calzit-Ausschüttungen bis ins 19. Jahrhundert medizinisch als Heilmittel verordnet worden sein; erstmals erwähnt ist das Mondmilchloch im 16. Jahrhundert.
Auch wir nahmen ab der Höhle den direkten Aufstieg den Wänden entlang und querten auf ca. 1800 Metern auf schlecht sichtbaren Wildwechseln eine Zeitlang in östlicher Richtung. Weil wir auf der Vergrösserung der LK einen Durchstieg weiter oben zum Widderfeld-Plateau vermuteten, verlängerten wir den weiteren Aufstieg und setzten die Traverse Richtung Südrouten-Aufstieg (je eine rot und blau markierte Version) nicht fort. Das war der Beginn eines gelegentlich sehr abschüssigen, rutschigen (auf Gras und Geröll) Aufstieges. Erste Kraxelstellen folgten alsbald; und je weiter oben, desto häufiger mussten wir steilste Kalkriffe umgehen ...
Schliesslich, bereits an senkrechten Abstürzen mehrere Male etwas "leer geschluckt", erblickten wir - nicht den wunderbaren einfachen Gipfelschlussanstieg, sondern eine Steinwildgruppe: etwa zehn Tiere, von Kleinsten bis zu deren Mütter und den Böcken, beäugten uns von steilsten Felsen herab und wunderten sich wohl, wie denn diese zwei Zweibeiner den Schlussanstieg schaffen wollten!
Und doch, wieder einmal dank Ursulas bester "mentaler" Unterstützung schaffte ich auch die letzten kritischen Stellen: erst die senkrechten Abstürze umgehend, dann den kurzen Steilaufschwung über die erste Steilplatte (ca. 1,5 Meter hoch - dort ist in einer Gamelle auch ein Wandbuch vorliegend: 2008 haben Kletterer die "Promenade" eingerichtet), dann die Umgehung des kühnen Felszahnes und letztlich die Erklimmung der letzten paar Meter im I-II.
In der Zwischenzeit hatte sich das Wetter, entgegen den Prognosen, soweit verschlechtert, dass wir befürchteten, es könnte alsbald zu regnen beginnen - entsprechend trübe und kühl war es auf dem Widderfeld-Gipfel. Hier entschlossen wir uns auch, die Fortsetzung zum Mittaggüpfi für heute zu vertagen; das Stollenloch in unmittelbarer Nähe hatte es uns nun angetan. Aslo nichts wie los: der Steinmann etwa 100 Meter unterhalb des Gipfels in westsüdwestlicher Richtung weist ja den Einstieg zur Südroute. Diese um einiges einfachere als die vorhin begangene Route führt erst über eine seilgesicherte kurze Kraxelstelle. Über etwas steileres Grasgelände führt die blau markierte Route alsbald zum Eingang des Stollenlochs - auf 1950 Metern Höhe. Ein kurzer, 70 Schwellen langer Abstieg - mit grossem blauem Pfeil versehen - führt an die E-Wand des Widderfeld hinunter, nach SAC-Führer auf ca. 1930 m.ü.M. gelegen. Und hier beginnt der zweite Teil unseres intensiven Wandertages: Was uns unsere hikr-Kollegen schmackhaft gemacht haben, erweist sich als herausfordernde Bänderquerung - mal sogar gebückt, beinahe kriechend, in stetem Auf und Ab, mal etwas sandig-rutschig und oft an steilsten Grashängen vorbei, gelegentlich sogar über Felsbänder, welche einige Meter senkrecht abfallen, und unter Felsdächern hindurch, gilt es die phänomenalen "Brücken" zu queren. Wie da die Natur, die Geologie, Tektonik ihre Spuren hinterlassen hat - einfach überwältigend! Und es zieht sich hin, bis man schliesslich auf dem Gemsmättli ankommt; der nochmalige Aufstieg auf Punkt 2054 und der Abstieg zum "Wanderweg" auf Alp Tumli ist in der äusserst steilen Grasflanke angelegt - die teilweise Seilsicherung ist nicht umsonst (nördlich sind die Felsabbrüche hoch und senkrecht ...). Der Abstieg zur Alp Tumli verliert sich, erweist sich als steiles Kuhgelände; doch das Zwischenziel, Tumli, ist ja klar erkennbar. Und dort auch der Einstieg in eine nächste Begehung: der Südwestgrat des Tomlishorns beginnt hier, das Rastbänklein etwas oberhalb der Alp wirkt wirklich sehr einladend (da hat delta schon Recht ...)
Der abschliessende gut ausgeschilderte gemütliche Weg zum Birchboden, 16 Höhenmeter hinauf, und derselbe Weg wie am Vormittag zum Schybach hinunter lässt uns eine tolle, intensive Tour wiederholt "hochleben". Unseres Erachtens die Variante, auf welcher man|frau die eindrücklichsten Impressionen dieses "Nebengipfels" des Pilatus erlebt!

Tourengänger: Ursula, Felix


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