Marwees - Überschreitung bei Wind und Wetter


Publiziert von Ivo66 Pro , 26. August 2012 um 19:42.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:26 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-AI   Alpstein 
Zeitbedarf: 5:15
Aufstieg: 1180 m
Abstieg: 1180 m
Strecke:Pfannenstil (Brülisau) - Plattenbödeli - Alp Sämtis - Marwees P. 1991 m - Widderalpsattel - Alp Sämtis - Plattenbödeli - Pfannenstil
Kartennummer:1:25'000 Säntis

Die Marwees ist ein bedeutender Bergkamm im Herzen des östlichen Alpsteins, auf der mittleren der drei markanten Hauptketten dieses kleinen Gebirges in der Ostschweiz. Seine Überschreitung erfolgt auf einem als alpine Route markierten Bergweg und bietet eine aussichtsreiche Gratwanderung. Gemäss den Einträgen im Gipfelbuch im grossen Holzkreuz bei P. 1991 m wird diese Tour sehr häufig unternommen. Der höchste Punkt der Marwees (P. 2056 m) - gut 1 km weiter südwestlich gelegen - erhält dagegen nur wenig Besuch.

Aufgrund des unsicheren Wetters begaben wir uns heute völlig planlos ins Appenzellerland. Der Alpstein war auch morgens um 10:00 Uhr noch in dichten grauen Wolken eingehüllt, weshalb wir uns von Brülisau aus einfach mal auf den Weg Richtung Sämtisersee - Fählensee aufmachten. Mal schauen, was der Tag bringt.

Zu Beginn begleitet von Nieselregenschauern trat auf der Alp Sämtis bald einmal die Sonne hinter den Wolken hervor und der eiskalte Wind sorgte schon bald für mehrheitlich blauen Himmel. So fiel die Wahl des weiteren Aufstiegs bald auf die von oben herab lachende Marwees, hintermalt vom klaren Appenzeller Himmel. Zuversichtlich, dass der starke Wind die Nässe auf dem Gipfelgrat inzwischen abgetrocknet hatte, stiegen wir Richtung Bogartenlücke auf. Dass der Wanderweg dort hinauf gleichzeitig ein Bach war, störte aufgrund des schön ausgebauten Trassees kaum.

Etwas heikel gestaltete sich der Aufstieg zur Marwees auf der alpinen Route (weiss-blau-weisse Markierungen): Der Pfad war - wo erdig - ziemlich matschig und das Profil der Bergschuhe war vom Schlamm aufgefüllt, weshalb auch in den schrofigen Passagen besondere Vorsicht angezeigt war, die Schuhsohlen schienen auf den soliden Kalksteinfelsen keinen richtigen Halt zu finden. Die stellenweise Ausgesetztheit nimmt man bei solchen Verhältnissen viel mehr wahr, als bei Trockenheit.

Kurz nachdem wir das Gipfelkreuz erreicht hatten, setzte leichter Regen und Graupelschauer ein. Dazu peitschte der Wind in heftigen Böen über den Grat, der Himmel zeigte sich nun wieder von der düsteren, dunkelgrauen Seite. Ein Zurück gab es allerdings nicht mehr, denn die Flucht nach vorne schien weniger heikel, als ein Abstieg zurück auf dem schmierigen Pfad. Den höchsten Punkt liessen wir rechts liegen, zu wenig einladend wäre anschliessend der Abstieg über die steilen, nassen Grashalden gewesen und zu gering die Motivation für den Ausflug unter den gegebenen widrigen Umständen.

Zügig erreichten wir nach einigen bei diesen Verhältnissen nicht ganz trivialen Passagen am und auf dem Grat wieder sicheres Gehgelände und bald auch den Widderalpsattel. Zuletzt kämpften wir gegen sehr starken, eisig-steifen Gegenwind an und waren froh, den Widderalpsattel erreicht zu haben, von wo der Abstieg gemütlich und gefahrlos zu begehen war.

Routenbeschreibung:

(Die Wege und Steige sind durchgehend hervorragend markiert und ausgeschildert. Es gibt auch bei weniger guter Sicht kaum Orientierungsprobleme).

Der alpine Weg über die Marwees setzt etwas unterhalb der Bogartenlücke ein, auf der Südosstseite (der Einstieg ist gut ausgeschildert). Man folgt den weiss-blau-weissen Markierungen, meist ist auch ein gut ausgetretener schmaler Pfad vorhanden. Eine etwas ausgesetzte Querung nach einem steilen Aufstieg durch die Rinne, erfordert Schwindelfreiheit und Trittsicherheit (und eigentlich auch trockene Verhältnisse...).

Im Bereich von P. 1991 m weicht der Pfad auf beide Seiten des Grats aus, zum Teil verläuft er auch auf demselben. Nach einer weiteren Querung über Schrofengelände verläuft der Pfad wieder durchgehend ausgeprägt und ist dann ohne Schwierigkeiten begehbar. Es finden sich keine künstlichen Sicherungen auf der alpinen Route, mit Ausnahme von zwei, drei Eisentritten in der steilen Aufstiegsrinne zu Beginn.

Wichtig: Zu Beginn der Wandersaison ist die markante Rinne zu Beginn der Route oft lange Zeit mit Schnee gefüllt, je nach Schneereichtum des Winters bis Ende Juni. Eine Begehung ist dann in meinen Augen nicht zu empfehlen.

Vom Widderalpsattel kann man entweder direkt Richtung Brülisau absteigen (T2) oder die Wanderung Richtung Meglisalp fortsetzen (T2) und von dort z. B. zum Seealpsee absteigen (T3) oder gar über den Gross Schnee weiter zum Säntis aufsteigen (T3). Sehr gut kombinieren lässt sich die Marweesüberschreitung auch mit dem anschliessenden alpinen Aufstieg zum Hundstein durch die Schlucht (T5) und dem anschliessenden Abstieg auf der anderen Seite zum Fählensee (T4).

Tourengänger: Ivo66, Lena

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