In Geröll und Schutt - Tristelhorn Südgrat


Publiziert von Bembelbub , 24. August 2012 um 22:40.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum:19 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-SG 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:Bargis - La Rusna - Surcruns - Ils Bots - Tristelhorn
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Postauto nach Flims dann Shuttel nach Flims, Bargis (Auch für GA BesitzerInnen Zuschlag ab Fidaz!). Die Strasse nach Bargis ist für Automobilisten ab "Waldrand" gesperrt.

Warum zum Tristelhorn über den Südgrat? Das muss man sich wirklich fragen, wenn man in den Führer schaut, so wie ich es tat. Gleich zu Anfang stand: "... lang und etwas eintönig". Dann kommen auch noch die Begriffe "Schutt" und "Geröll" reichlich oft in der Beschreibung vor. Trotzdem, aus dem Baselbiet war das Bargistal recht gut mit dem ÖV zu erreichen, die relative Unbekanntheit und Länge der Tour versprach Ruhe auf dem Gipfel und, da ich diesmal alleine unterwegs war, passte mir die Schwierigkeit und Gletscherlosigkeit auch ins Konzept.
Um 9 Uhr stand ich schon im Bargistal, welches in den noch relativ kühlen Morgenstunden rasch auf dem breiten Fahrweg durchschritten war. Der Fahrweg war schon etwas öde, aber die Landschaft unterhalb des Flimser Steins grandios. Später wurde der Wanderweg, der zur Fuorcla Raschaglius führt, etwas steiler (ein Ballon eines hochzeitlichlichen Ballon-Wettfliegens, der den Weg von Schönenwerd hierher fand und den ich an den Rucksack befestigte, verlieh zusätzlichen Auftrieb), aber immer gut begehbar und man muss sich nicht um die Orientierung kümmern. Bei P. 2106 änderte sich dies schlagartig; ab hier ist die Tour, abgesehen von Kuh- und Schafpfaden, weglos. Von hier geht es westwärts schräg den Hang hinauf bis man auf ca. 2220 (kurz unterhalb von Surcruns) einen Absatz erreicht. Man quert diesem Absatz - nur leicht ansteigend - zu einem schönen Talboden. Hier war die letzte Möglichkeit die Wasserflasche aufzufüllen und man konnte den Weiterweg studieren. Zunächste informierte mich jedoch ein Schild, welches unterhalb eines kleinen Felsbandes auf dem Boden lag, dass hier Hütehunde im Dienst sind. Ein paar Schafe waren auf der Flanke, welche zum Tristelhorn-Südgrat leitet, auch sichtbar; die Hunde waren wohl nicht weit. Hoffentlich verwechseln sie mich nicht mit einem Surselva-Wolf, dachte ich mir. Die Schafe hatten nicht nur das Grün gestutzt, sondern auch ein regelrechtes Wegesystem hinüber zum Tristelhorn S-Grat angelegt. Diese Spuren führten mich unterhalb einer kleinen Schroffenstufe zu einem wenig ausgeprägten Rücken bei Ils Bolts vor P.2398. Nun stieg ich die Flanke direkt empor und erreichte bei ca. 2600 m den eigentlich S-Grat. Aber zuvor machte ich Bekanntschaft mit einer Hütehündin, welche mich zuerst anbellte, dann aber doch freundlich begrüsste und sogar froh schien, endlich Besuch von einem anderen Tier als ein Schaf zu haben.
Der Südgrat selbst ist am Anfang gut zu begehen und landschaftlich doch recht interessant. Bei P.2831muss man etwas in die Westflanke ausweichen, bleibt aber meistens auf der Grathöhe. Auf ca. 2940 m steilt der Grat jedoch auf. Hier wird das Gelände etwas unangenehm (Stöcke helfen teilweise gut, sind aber bei einigen kleinen Kraxelpassagen etwas hinderlich). Man hält sich durch Schrofen zunächst einige Meter unterhalb der Gratschneide und erreicht diese wieder an einem auffälligen Gesteinwechsel von Flysch über ein kleines Stück Lochsitenkalk zum Verrucano (Glarner Hauptüberschiebung). Dieser Gesteinswechsel erlaubt es horizontal, später auf einem Felsband, zu dem westlich des Tristelhorns vorgelagerten Plateau zu gelangen. Der Weiterweg war im Rother-Führer etwas ungenau beschrieben. Ich suchte mir eine steile Geröllrinne aus, um die Scharte zwischen Gipfel und einem auffälligen Felszahn im S-Grat zu erreichen. Hier fand ich auch ein paar Spuren, die wie ich im nachhinein hier auf hikr lesen konnte wahrscheinlich von Polder stammten. Von der Scharte ging es wieder auf dem hier wenig ausgeprägten S-Grat zu den Gipfelfelsen. Aber wo war das "geräumige Gipfeldach" von dem im Führer stand? Ein Dach mit mehrern Schornsteinen könnte es schon sein. Der mittlere Schornstein war von einem mächtigen Steinmandel geschmückt, aber wie hoch? Auf der anderen Seite (Nordseite) sah es noch schwieriger aus. Zunächst genoss ich die Aussicht auf dem etwas niedrigeren Nordgipfel, bevor ich ohne Rucksack doch noch von Süden her einen Versuch unternahm den eigentlichen Gipfelfels zu ersteigen. "In einem IV Bouldering Zug..." (das passt perfekt was nprace schrieb) und oben war ich. Der Abstieg (zuerst Absprung) verlief besser als gedacht; das weiche Geröll war regelrecht knieschonend. Weiter unten begrüsste mich die Hütehündin wieder, welche in der Zwischenzeit eingedöst war, und kurz später wurde ich freundlich von zwei ihrer Kolleginnen oder Kollegen angebellt. Am Bach endlich Wasser und bald später war ich wieder am mittlerweile reichlich bewanderten Wanderweg. Die Zeit reichte sogar noch zu einem Fussbad im überraschend warmen Aua da Mulins bevor ich den vorletzten Bus von Bargis nach Flims nahm.

Fazit: Lang? Ja, schliesslich sind es 1600 Hm; Eintönig? Nein, sondern landschaftlich und besonder geologisch interessant.

Tourengänger: Bembelbub

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