Moiry -Garde de Bordon- Zinal


Publiziert von Schneeluchs , 8. Juli 2012 um 14:42.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum: 7 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 2000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Postauto bis Moiry Barrage
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Postauto von Zinal
Kartennummer:1307 und 1327

Da es in der Nacht geregnet hat, kommt nur etwas eher Anspruchsloses in Frage. Dazu die Lust, etwas Neues kennenzulernen. Ich entscheide mich für die Garde de Bordon, die ich vor einem Jahrzehnt im Anschluss an das Bishorn und die Pointe d'Ar Pitetta mal besteigen wollte, aber infolge nächtlichen Wettersturzes nicht konnte - beinahe wäre ich zum einzigen Mal mit allem nass geworden, musste im Regen mein Biwak einrichten (!) und es strömte durch bis zum Morgen. Ich hatte diese Krete dann lange Zeit vergessen, bis sie mir Ende letzte Saison von den Becs de Bosson aus wieder ins Bewusstsein gelangte.
Mit dem Postauto bis Moiry Barrage, dann auf Wanderweg hoch zum Col de Sorebois. Alles pfludinass, ob das wohl gehen wird? Zudem einige Wolken um die Krete.
Ich gehe mal los, kann ja immer noch umkehren. Aber doch, es geht ganz gut. Die Steine sind schon teilweise wieder trocken, und die Route ist fast gänzlich unschwierig. Zwischen P.3046 und 3139 taucht mal ein grösseres Hindernis auf, es lässt sich jedoch problemlos ersteigen, nachdem man das erste Stück auf Pfadspuren westlich umgangen hat. Es hängt ein Fixseil in der Flanke, aber ich bin direkt über den Grat. Danach folgt Genusswanderei bis zum Gipfel. Links der Kante die Wolke, rechts Sonnenschein, ähnlich wie man es südlich des Zwischbergenpasses oft beobachten kann.
Ohne Schwierigkeiten weiter zu P.3274. Von dort gibt es die Möglichkeit, durch die E-Flanke abzusteigen. Oder auch von 3310m durch die Comba Rossa (und aufs Postauto, "Moiry Glacier", beim kleinen See 2349m) sollte keine Probleme geben. Beides ist unschwierig, höchstens T4- und panoramisch sehr empfehlenswert, zudem sehr einsam. Hoffentlich bleibt diese wunderschöne Krete auch in Zukunft vom Markierungsboom verschont.
Ab P.3196 wird es deutlich schwieriger. Zuerst muss über loses rutschiges Schiefergestein steil und ein wenig heikel in eine Scharte abgestiegen werden. Auf der andern Seite wieder rauf, wobei man beinahe nichts klettern muss. Meistens kann man dann einfach über den Grat wandern, an zwei Stellen ist der Weg durch ein kleineres Hindernis verbaut. Ich überklettere sie genüsslich (eines ist überhängend aber überhaupt nicht ausgesetzt, so dass man sich an den nicht so stabilen aber grossen Griffen hochziehen kann). Kurz vor dem Col de la Lé komme ich auf einen Absatz, von wo es erstmal nicht weitergeht, der aber eine gute Übersicht bietet. Mache also eine Pause und beobachte 4 Kletterer, die gerade vom Col Richtung Moiry absteigen. Die sind bestimmt über die Aiguilles de la Lé geklettert. Ich studiere das ein wenig, die direkte Ersteigung wird in Wanderschuhen und ohne Seil wohl nicht drinliegen... Aber links gäbe es wohl eine T6-Variante - doch da bräuchte ich definitiv die andern Schuhe. Und rechts hat es laut SAC-Führer ein Couloir, durch das man den Col des Aiguilles erreichen könnte und von dort aus vielleicht weiterkommt bis zur Pigne de la Lé. Mein Tagesziel war die Garde de Bordon mit Erkundung des Gratstücks bis zum Col de la Lé (was auch die Richtung vorgegeben hatte - umgekehrt hätte es mir mehr Aufstiegshöhenmeter gebracht, aber dafür wäre der Gipfelerfolg ausgeblieben, wenn ich auf dem Grat nicht weitergekommen wäre - so habe ich ja die Möglichkeit, schlimmstenfalls bis P.3196 zurückzugehen und von dort abzusteigen). Ich entscheide angesichts der fortschreitenden Zeit, es genau bei dem bewenden zu lassen.
Doch muss ich zuerst in den Col de la Lé kommen, und das ist nicht leicht, erweist sich als die eigentliche Schlüsselstelle. Zuerst versuche ich es links (östlich), muss allerdings aufgeben, weil die Felsen nicht trocken genug sind für ein kurzes ausgesetztes Manöver. Schliesslich gelingt es, das Hindernis äusserst vorsichtig westlich auf einem deulich sichtbaren schmalen abschüssigen Band zu umgehen.
Vom Col kann ich dann herrlich und nur kurz unterbrochen 300m abrutschen.
Über Petit Mountet nach Zinal (was länger dauert als erwartet). Schön die vielen Alpenrosen und sonstigen Blumen.
Jede Tour in eher unbekanntem Gebiet führt zu neuen Projekten. Besonders aufgefallen sind mir neu die Pigne de la Lé und die Pointes de Mourti. Auch die ganze Krete vom Sasseneire bis zum Col du Tsaté merke ich mir vor für wenn mal wieder ein leichtes Projekt gefragt ist oder nach dem ersten Schnee im Herbst. Zinalrothorn und Ober Gabelhorn... Ich komme wieder, keine Frage :)

Tourengänger: Schneeluchs


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