Zwölferkogel (2988 m), Südflanke von Kühtai


Publiziert von DHM123 , 9. September 2011 um 22:12.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Stubaier Alpen
Tour Datum: 9 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 1 Tage 6:00
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1100 m
Strecke:12,5 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Kühtai (2020 m)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Kühtai (2020 m)
Unterkunftmöglichkeiten:z.B. Dortmunder Hütte
Kartennummer:AV Karte (1:25 000) 31/2 Sellrain

Der Zwölferkogel erhebt sich direkt südlich von Kühtai (daher wohl auch der Name, er steht
sozusagen um 12 Uhr von Kühtai aus gesehen direkt in der Sonne).
Es gibt eine recht bekannte Klettertour über den Nordgrat direkt von Kühtai aus
(II, eine Stelle III), über festen Fels, die stellenweise sehr ausgesetzt ist.
Die hier beschriebene Route von Kühtai über den Finstertaler Speicher folgt zunächst dem Anstiegsweg zum Sulzkogel (siehe die diversen Berichte im Forum), biegt dann aber auf ca. 2450 m Höhe in das (unbenannte) Kar zwischen Sulzkogel und Mittagsturm ein und geht - zunächst in diesem Kar steil bergauf - und nach Erreichen von 2800 m Höhe kurz bergab über den Rest des Gletschers am Mittagskopf an jenem vorbei und in die Scharte zwischen Mittagskopf und Zwölferkogel. Den Gipfel erreicht man über Blöcke und Schutt und muss die letzten Meter zum Gipfel bei wenig Höhengewinn noch etwas Klettern (I) – eine Stelle (I+) ist sehr ausgesetzt. Darüber erzählt der AV-Führer Stubaier Alpen (Klier) nun gar nichts – unschwierig, wie der Weg über die Südflanke hier bezeichnet wird, sind diese letzten Meter gewiss nicht, denn die Hände braucht hier selbst der erfahrene Bergfex. Der Zwölferkogel erreicht nun leider nicht die magische Zahl - sonst wäre er bestimmt öfters besucht als sein bekannter Kollege im Süden, der Sulzkogel, der allerdings auch einfacher zu besteigen ist.
 
Start in Kühtai (2020 m), möglichst nahe der abschreckenden Staumauer des Finstertaler Speichers – wirklich ein finsteres Bauwerk. Dann den Weg Richtung Sulzkogel entlang des Stausees nehmen (man erreicht diesen nach ca. 45 Minuten) und diesem Weg bis auf eine Höhe von 2450 m folgen (weitere 45 Minuten). Man erkennt das Blockkar zwischen Sulzkogel und Mittagsturm schon von Weitem, verlässt den markierten Weg und steigt in Richtung Südwesten rechts eines Baches in Richtung des Blockkars auf. Man biegt dann in das Blockkar ein und steigt weiter im Kar steil auf (fester Schutt und Blockwerk, überraschend gut zu begehen) - nunmehr in Richtung Westen. Immer im Kar bergauf bis auf eine Höhe von ca. 2700 m, dann hält man sich mehr nordwärts und erreicht eine Felsrampe auf ca. 2800 m Höhe – nach weiteren 45 Minuten. Von hier kann man auf den kleinen nördlichen Gletscherrest hinabblicken (von Kühtai aus gut sichtbar), auf dem man (zunächst sehr steil) für ca. 60 – 80 Höhenmeter nördlich abwärts läuft – im ausgeaperten Zustand u.U. Steigeisen notwendig ! Anschließend erreicht man ein Blockfeld nordöstlich vom Mittagskopf, mit etwas mühsam zu begehendem groben Blockwerk und steigt in diesem nordwestwärts in Richtung Gipfelflanke auf. Für den Anstieg empfiehlt es sich, nicht direkt zur Scharte zwischen Mittagskopf und Zwölferkogel aufzusteigen, sondern mehr in der Mitte der Flanke zu bleiben; hier ist es zwar steiler (grobes Blockwerk), aber weniger schuttreich.
Wenn man oben angekommen ist, stellt man dann überrascht fest, dass man noch nicht am Gipfel ist, sondern nordwärts zum höchsten Punkt noch kurz über einen kleinen Felsgrat (ca. 30 m Länge, I, mit einer ausgesetzten Stelle I+) bei geringem Höhengewinn zum Gipfelsteinmann aufsteigen muss.
Am Gipfel (ohne Gipfelkreuz und Gipfelbuch, aber mit Gipfelzettel in grüner Brotzeitdose) kann man dann über den ausgesetzten Nordgrat hinabschauen und hat eine grandiose Aussicht auf den von oben nun wieder sehr schön aussehenden Finstertaler Stausee.
Der Sulzkogel verdeckt die Aussicht kaum und man eine gute Fernschau zu den zentralen Stubaier Alpen, den Ötztalern und nach Norden zum Karwendel und zum Wetterstein, sowie natürlich auch zu den Zillertalern.
 
Gesamtzeit für den Aufstieg: ca. 3 ½ Stunden von Kühtai – der Weg über das Blockfeld am Mittagskopf kostet einige Zeit und die Gipfelflanke ist recht steil und anstrengend, ca. 1100 Höhenmeter.
  
Abstieg: zunächst wie am Anstiegsweg zurück über den kurzen Grat, dann jedoch etwas mehr rechts haltend steil abwärts auf Schutt in Richtung Scharte. Von der Scharte dann direkt nach Westen in das Zwölferkar, zunächst sehr steil über loses Blockwerk und immer im Kar bleibend bergab – ein mühsamer Weg; es wird sich kaum vermeiden lassen, dass man ein paar Steine lostritt.
Der Weg geht weiter steil auf Schutt und Blockwerk bergab, bis dieser in eine Bachschlucht mündet.
Nicht in diese Bachschlucht (rutschig, heikel und gefährlich), sondern nach links wenden (Steinmann) und auf etwa 2300 m Höhe dieser Schlucht ausweichend in steilen Latschen- und Schrofen-Feldern nordwestlich in das Längental absteigen, das man bei einem kleinen See auf ca. 2100 m Höhe erreicht. Im Längental immer weiter Richtung Stausee Längental absteigen, am Kraftwerk vorbei und in Richtung Dortmunder Hütte wieder ansteigen. Ab der Dortmunder Hütte dann wieder zurück zum Startpunkt der Tour (leider unschön an den Häusern von Kühtai vorbei).
 
Gesamtzeit für den Abstieg ca. 2 ½ Stunden, 1100 Höhenmeter (Gegenanstieg ab Längentaler Speicher), der Abstieg über das Zwölferkar erfordert gute Konzentration, da das Schuttkar viele lose Blöcke enthält. Tour alleine begangen.

Tourengänger: DHM123

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Kommentare (8)


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83_Stefan hat gesagt:
Gesendet am 9. September 2011 um 22:17
Klasse Tour auf einen schönen Berg, der ganz im Schatten seines Nachbarn steht. Müsste ich mir eigentlich auch mal "anschauen"... Gratuliere!

DHM123 hat gesagt: RE:
Gesendet am 10. September 2011 um 10:04
Nur zu, noch ist die Bergsaison für dieses Jahr nicht zu Ende :)
Vielen Dank und viele Grüße,
Detlev

trainman hat gesagt:
Gesendet am 9. September 2011 um 23:32
Schöne Bilder und ein interessanter Bericht über diesen von weitem abweisend aussehenden Berg,ich wusste nicht,dass man da ohne schärfere Kletterei hinaufkommt.
Beste Grüsse trainman

DHM123 hat gesagt: RE:
Gesendet am 10. September 2011 um 10:09
Vielen Dank - nach deinen vielen Berichten zu urteilen, kennst du dich ja auch hier gut aus - nur zu :)
Besten Dank auch für deinen schönen Bericht vom Schafgrübler - da konnte ich mir auch vor meiner Tour im April diesen Jahres ein gutes Bild machen
LG aus M

ADI hat gesagt:
Gesendet am 10. September 2011 um 12:43
Hey, Klassetour...hat mich schon immer mal interessiert der Berg!

Schöner Bericht, Danke!

VLG, ADI

DHM123 hat gesagt: RE:
Gesendet am 10. September 2011 um 17:02
Vielen Dank :) Aber noch interessanter ist bestimmt der Nordgrat - das muss eine tolle Tour sein,
LG aus M,
Detlev

hupfulex hat gesagt: Ergänzungen Zwölferkogel
Gesendet am 14. September 2015 um 12:48
wahrlich eine super tour. bin sie vor einigen tagen selbst gegangen, deshalb ein paar Anmerkungen (korrekturen) zu deiner Beschreibung:
Nach der Abzweigung auf 2450 m geht's orographisch rechts des kleinen baches steil nach oben. allerdings ists hier noch ein grashang, also super zu gehen. danach folgt ein steiler Aufschwung im blockschutt, bevor man den eigentlichen karboden errreicht (kleine lacke) und eine demotivierend große weitere Schutthalde vor sich liegen sieht. Hier am besten gleich ganz nach rechst (im aufstiegssinn) hinaus. da gibt's schöne Grasnarben zwischen dem anstehendes Gestein, wo sich gut gehen lässt. immer weitestgehend rechts halten und die tiefste einschartung im rücken anvisieren, der vom mittagsturm nach O herunterzieht. da man hinter diesem rücken ohnedies wieder absteigen muss, erspart man sich so unnötige aufstiegshöhenmeter.
für den weiteren abstieg von ca. 60m ins zwölferkar gaaaanz links (orografisch) halten. hier kommt man über schutt erstens sehr rasch und (fast) bequem runter, und zweitens nie in die nähe des mini-fuzzi-eisrestes im kar. steigeisen also unbedingt daheim lassen!
dann möglichst hoch, direkt am anstehenden fels. um die mittagsköpfe herum queren. so verliert man weniger höhe, und zudem ist auf dieser seite (am rand des schuttfeldes) beim darauffolgenden anstieg in Richtung zwölferkogel der Untergrund wesentlich fester. dadurch bei weitem nicht so pathologisch...
nach dem ersten Aufschwung hinauf in die letzte karsenke vor der gipfelflanke. dann - wie du geschrieben hast - NICHT die scharte zwischen mittags- und zwölderkopf anvisieren. allerdings auch NICHT deine vorgeschlagenen route in der mitte der flanke. hier ist auch gescheid unfester Untergrund. ideale route ist - und diese leitet sich auch unverhohlen aus dem gelände und dem jeweiligen untergrundmaterial ab - sofort ganz nach rechts (im aufstiegssinn) auf den östlichen karrücken hinaus. hier ist erstens so gut wie kein schutt (fast durchgehend angenehm fester Untergrund) und zweitens finden sich sogar steigspuren dort (und man kann schon den super ausblick auf den Stausee genießen). nach den vorausgegangenen blockschuttfeldern eine dankbare Erleichterung.
über diesen Rücken gelangt man direkt auf den Ostgrat des Zwölferkogels. Hier total unschwierig über Grasnarben und Felsblöcke (zT wieder steigspuren) zum "Vorgipfel" und über die einzige schwierigere Stelle (von dir beschrieben) zum gipfelsteinmann.

im abstieg über die gleiche route bietet sich übrigens die Mitnahme der mittagsköpfe an. am schönsten wohl die direkte Überschreitung über den nordgrat. dürfte von der Optik her nicht schwierig sein (maximal die ein oder andere IIer stelle, wenn überhaupt). ich hab mich ob schneelage am nordgrat und ziemlich ruitschigen untergrundes allerdings für den "normalweg" über die Schutthalde südöstlich der Gipfel entschieden. - einfach zu gehen, die schuttflanke m.E,n. aber viel schlimmer, als hinauf zum zwölfer, weil hier so gut wie kein ausweichen auf festen Untergrund möglich ist.
Fazit: zwei sensationelle bichl in kühtai, wo es eine extreme ausnahme wäre, wenn man nicht allein am gipfel stünde.

DHM123 hat gesagt: RE:Ergänzungen Zwölferkogel
Gesendet am 14. September 2015 um 13:43
... also mir hat gerade das kleine Schneefeld Spaß gemacht - verlieh zumindest damals der Tour eine hochalpine Route
... ich fand die Blöcke in der Flanke nicht so schlimm, aber du hast Recht, der Weg über den Ostgrat ist viel logischer, das sieht man auch schon in Bild 6
... tja und allein war ich tatsächlich auch nicht, denn pünktlich, als ich am Gipfel ankam, kamen auch 2 Kletterer den Nordgrat hoch

LG :) und viel Spaß bei weiteren Touren !
Detlev


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