Fuchskarspitze-Südgrat und Wiedemerkopf


Publiziert von quacamozza Pro , 8. September 2011 um 10:20.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum: 6 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1620 m
Strecke:Giebelhaus-Prinz Luitpold-Haus-Fuchskarspitze-Prinz Luitpold-Haus-Wiedemer-Prinz Luitpold-Haus-Giebelhaus
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Zufahrt mit Pkw bis Ortsende Hinterstein Parkplatz "Auf der Höh" (Tagesgebühr 2,50 €), weiter mit Bus zum Giebelhaus
Unterkunftmöglichkeiten:Prinz Luitpold-Haus (1846m)
Kartennummer:Topografische Karte 1:50 000 Allgäuer Alpen

Leichte Kletterei und leichter klettersteigähnlicher Bergweg auf zwei (auch mir) weniger bekannte Gipfel der Allgäuer Alpen in einem kurzen Zeitfenster.

Wenn man nicht das Bike benutzt oder 2 Stunden zusätzlich ablaufen will/kann, bestimmt der Busfahrplan das Tagesgeschehen. Um 07.15 Uhr fährt der erste Bus von Hinterstein zum Giebelhaus, um 18.10 Uhr der letzte Bus vom Giebelhaus zurück.

Schwierigkeit:
Südgrat: III- (einige Stellen) und II
Normalweg: T 5 und I-II
Wiedemer: T 4+

Ausrüstung:
Kletterhelm ist Pflicht, auch für die Abstiegsroute,
ansonsten kann bei entsprechender Übung seilfrei gegangen werden. Ich hatte, da ich weder den Berg noch die Schwierigkeitsbewertung aus der vorhandenen Führerliteratur kannte, vorsichtshalber alles eingesteckt: 60 Meter Seil, komplettes Abseilequipment, Haken, Schlingen...braucht man aber nicht. Das darf einen natürlich nicht fuchsen...

Nomen est omen: Bei der Einfahrt in Hinterstein lief ein Fuchs in schnellem Tempo über eine feuchte Wiese.

Start um 07.35 Uhr am Giebelhaus (1065m). Über die Fahrstraße ins Bärgündeletal, auf ca. 1200 m den Bärgündelebach überquerend, an der Unteren Bärgündelealpe (1322m) vorbei mit zunehmender Steigung in gut 1,5 Std hoch zum Prinz Luitpold-Haus (1846m). 

Auf dem Weg zum Hochvogel bis zu einer Weggabelung auf ca. 2015m. Hier den linken markierten Weg nehmen und über eingerichtete Stufen und eine lange Alu-Treppenleiter hinauf in die Balkenscharte (2142m; 35-40 min vom Luitpoldhaus).

Wenige Schritte nördlich an den Einstieg. Der Grat verwirrt auf den ersten Blick: Linker Hand sieht man eine Gratschneide, die man unbeachtet lässt. Auf keinen Fall zu dieser hinübersteigen.
In der Draufsicht bestimmt eine scheinbar unstrukturierte, sehr steile und offenbar endlos brüchige Wand das Bild. Bei genauerem Hinsehen fällt etwas links der Wandmitte eine Rinne auf, die von links unten nach rechts oben schräg hinaufführt.

In dieser Rinne (I-II) bin ich, zunächst noch im Bruch, später aber deutlich besseren Fels vorfindend, aufgestiegen. Am Ende der Rinne ist die Gratkante erreicht. In ausgesetzter Kletterei (II) geht es steil aufwärts, tendenziell etwas links der Schneide. So werden zwei brüchige Zacken umgangen, bis man bald auf einem ersten Absatz ankommt.

Hier scheinen Trittspuren nach unten und in die Flanke zu führen. Dieser Versuchung darf man aber nicht erliegen, sondern muss immer am Grat und leicht unterhalb bleiben (Stellen II), schließlich rechts ausholend an den Beginn einer nach links aufwärts führenden Verschneidung, an deren Beginn sich ein alter kleiner Ringhaken befindet.

Die Verschneidung hinauf (III-, etwas abdrängend) auf einen weiteren Absatz (Steinmann) und im Anschluss die folgende steile Stufe direkt in gutem Fels rechts Richtung Grathöhe erklettern (III-, herausstehender auffälliger Haken, vorzügliche Griffe).
Nach wenigen Höhenmetern kommt das flache Gratstück, und man findet sich unversehends im Grünen wieder. An dieser Stelle kommt von rechts der Normalweg herauf.
Auf dem Normalweg an den Fuß des großen Gratturmes vor dem Gipfel. Der Normalweg führt um diesen Turm rechts herum.
Ich blieb am Südgrat: Gerade an den Fuß des Turmes und durch einen steilen Riss (III-) und wandartige, etwas brüchige Stufen. So gewinnt man schnell an Höhe. Oben geht es in leichtem Gelände hinüber auf den Gipfelgrat und den höchsten Punkt der Südlichen Fuchskarspitze (2314m). 


Zeitbedarf: 3 Std vom Giebelhaus, 1 Std 25 min vom Prinz Luitpold-Haus bzw. 40 min von der Balkenscharte, dazu 45 min Pausenzeit


Sehr beeindruckend präsentiert sich der direkt gegenüber aufragende Hochvogel. Ein weiterer Blickfang ist die gerade noch sichtbare weiße Firnhaube des Tödi. Die schroffen Felsen der Hornbachkette, das dunkle Grün der Höfats, der Schneck mit der Ostwand und die auffallenden Felsfaltungen des Wiedemer...gegenüber am Hochvogel herrscht Hochbetrieb, hier auf dieser prächtigen Aussichtsloge ist man allein. In das Gipfelbuch tragen sich vor allem Einheimische ein, und auch dieser Personenkreis ist sehr überschaubar. 


Wenige Meter unter dem Gipfel fangen die Markierungen des Normalwegs an (roter Pfeil und Aufschrift: Abstieg Balkenscharte). Die roten Punkte und Pfeile weisen den Weg. Von unten sind sie nicht sichtbar, deswegen ist der Weg im Aufstieg schwer zu finden. Von oben alles kein Problem. Raffiniert, äh ausgefuchst, ist die Wegführung: geschickt werden brüchige Passagen umgangen, schuttige Rinnen gequert, grasige Absätze ausgenutzt und jede Änderung der Wegrichtung mit Pfeilen angezeigt.


Den Markierungen also bis zum flachen grasigen Gratstück folgen. An dessen Ende links hinunter (2 Standhaken) über Schrofen (I) zu einer langen, steilen und brüchigen Rinne (Abseilhaken und auffälliges rotes Graffiti). Da ich nun schon den ganzen Kletterplunder hochgetragen hatte, seilte ich hier ein Stück ab, aber das ist nicht empfehlenswert: Die Steinschlaggefahr ist meiner Ansicht nach viel zu groß, vor allem beim Seilabziehen und auch dann, wenn sich noch andere Kletterer in der Rinne aufhalten. Außerdem sind alle gängigen Seillängen nicht ausreichend: Die Rinne überbrückt 50 Höhenmeter, und ich habe zwischendrin keine Haken mehr gesehen. Also (weiter) abklettern (I-II) und unten (Steinmann) über steiles felsdurchsetztes Gras noch etwas weiter schräg rechts hinunter. Dort wieder den roten Markierungen folgen (auf diese und die leicht zu übersehenden Trittspuren achten) und auf Absätzen die Ostflanke queren, zuletzt in leichter Steigung auf nun deutlichen Wegspuren hinüber in die Balkenscharte. Auf dem Wanderweg zurück zum Prinz Luitpold-Haus (etwa 1 Std vom Gipfel).



Auf den Hausberg des Luitpoldhauses geht es nun mit leichtem Rucksack. Auf dem Weg zur Kemptner Hütte bis zu einer Abzweigung auf ca. 1840m. Links auf den Wiedemersteig und über Gras, mehrere klettersteigähnliche Passagen und teilweise auch ungesicherte leichte Felsen (I) zum Wiedemerkopf (2166m; 38 min vom Luitpoldhaus). Beeindruckend auch von hier der Hochvogel und die Höfats sowie die einzigartigen Fuchskarspitzen. Von hier kann man sehr gut die Überschreitung dieser vier Gipfel studieren.

Auf gleichem Weg in 32 min zurück zum Luitpoldhaus und nach kurzer Stärkung in 1 Std 20 min auf dem Anstiegsweg zurück zum Giebelhaus.

Leider fühlt man sich im (meist vollen) letzten Bus als Bergsteiger unter den vielen Ausflüglern und Gelegenheitswanderern nicht so sehr am richtigen Platz. Mit den Busfahrer(inne)n kann man Glück oder Pech haben. Der eine erzählt auf der ganzen Fahrt Witze, über die das Fußvolk vor allem nach reichlichem Alkoholgenuss lacht. Es gibt rasante Fahrer, aber auch wirklich gute und sympathische...alles schon erlebt bei Wechs.





Tourengänger: quacamozza

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Kommentare (2)


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ADI hat gesagt:
Gesendet am 10. September 2011 um 12:53
echt eine Klassetour; ich kannte bisher leider nur den Normalweg.
War 2005 oben...lang ist's schon wieder her.
Noch schöne Touren wünscht:

ADI, vlG; gern mal ne Tour zusammen....

quacamozza Pro hat gesagt: Schlaue Füchse
Gesendet am 11. September 2011 um 01:25
War gestern (Sa.) schon wieder auf den Fuchskarspitzen (Solo-Überschreitung mit viel Abseilen; Bericht folgt). Zu gemeinsamen Touren habe ich Dir ja schon geschrieben: Schick mir ne PM und dann Zeit und Wetter abwarten...

Sportliche Grüße von Ulf


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