Frühstücksplatz an den Schrammsteinen und Großer Winterberg (556m)


Publiziert von Kris , 2. September 2011 um 02:51.

Region: Welt » Deutschland » Östliche Mittelgebirge » Elbsandsteingebirge
Tour Datum:26 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 700 m
Abstieg: 800 m
Strecke:Altendorf - Ostrauer Zeltplatz - Ostrau - Schrammtor - Wildschützensteig - Frühstücksplatz - Schrammsteine - Gratweg - Großer Winterberg - Bergsteig - Schmilka

Die Planung versagte mal wieder - um 8.30 sitzen wir in der Unterkunft und der nächste Bus fährt erst in anderthalb Stunden - zu spät. Die kurzfristige Umdisponierung ergibt, dass es sowieso viel klüger ist, von Altendorf zum Ostrauer Zeltplatz abzusteigen und von dort zu den Schrammsteinen zu gelangen. Auf einen Tipp hin wollen wir dort versuchen, den Frühstücksplatz zu finden - ein exponierter Punkt unterhalb der Schrammsteine, der einsam - fern der Touristenmassen und nicht ganz einfach zu entdecken ist. Zusätzlich kommt hinzu, dass er nicht ohne Klettereinsatz zu erreichen ist. Klingt gut? Ist es auch! Danach wollen wir über den Gratweg an den Affensteinen vorbeiziehen, bis zum Großen Winterberg (556m) um von dort bis Schmilka abzusteigen und mit dem Bus zurückzufahren.

Altendorf - Ostrauer Zeltplatz - Schrammtor - Wildschützensteig (T2, 2h)


Von Altendorf aus laufen wir wieder den Feldweg nach Süden und wollen den Wald hinabsteigen, durch den wir auch am Tage zuvor in der Dunkelheit wieder hinauf gekommen waren. Allerdings war dieser Pfad aufgrund von Forstarbeiten abgesperrt. Also wählen wir die ausgeschilderte Alternative - den Altendorfer Rundweg, der in den Malerweg mündet und so ins Tal führt. Landschaftlich ist dieser auch schöner, aber länger. Erst über Forstweg führt dieser Teil des Malerwegs durch die Dorfbachklamm - teilweise recht steil über Steinstufen und ein paar Treppen hinab ins Kirnitzschtal. Kurz bevor wir dort ankommen, schlängelt sich eine Blindschleiche vor unseren Füßen schnell ins Gras. Die Straße im Tal wird überquert und auf der anderen Seite steigt man Richtung Ostrau/Schrammsteine den Malerweg weiter. Gut ausgeschildert geht es durch den Wald, meistens wenig ansteigend und mit wenig Aussicht.

Bald gelangt man ans Schrammtor - Tor ist übertrieben, eigentlich führt der Weg nur durch hohe Felsen hindurch, am Falkenstein vorbei an dem es anscheinend (mal wieder) ein paar anregende Kletterrouten zu ersteigen gibt - die Bohrhaken sprechen zumindest eine eindeutige Sprache. Helle kraxelt kurz zu einem markanten Felsenloch hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter (ausgewaschene Tritte, I) bevor wir weiter den Weg entlang - ziemlich eben - bis zur Abzweigung des Wildschützensteigs steigen. Dieser ist wohl die schnellste Variante, um zur Schrammsteinaussicht zu gelangen. Viele Treppen und eine kurze schmalere Felsquerung führen steil zwischen Felsen hinauf. Am nächsten Wegweiser, an dem alle Wege auf die Schrammsteine aufeinander treffen, sind es nicht einmal mehr 5 Minuten bis zur Schrammsteinaussicht. Doch wir halten uns an einer markanten doppelgliedrigen Eisenleiter links an die Holzabsperrung, über die es zu steigen gilt - der Einstieg in die Route zum Frühstücksplatz.

Frühstücksplatzroute (T3, I, 45min)

Über die Holzabsperrung hinweg gibt es zwei Alternativen, eine Pfadspur die direkt nach rechts führt, die wir als erste testen. Ich steige eine kurze, aber steile Felspartie hinab (I) und die Pfadspur endet abrupt an einer Felsspalte, die man nur kriechend durchsteigen könnte. Innen lockt glattes, ansteigendes Felsgelände ins Nirvana. In meiner Beschreibung von der Route steht nichts derartiges, also wird die zweite Variante ausprobiert: Der Hang direkt geradeaus hinter der Holzabsperrung wird etwa 20 Meter abgestiegen. Es gibt eindeutige Pfadspuren, die dann nach rechts ziehen. Teilweise etwas schmal gelangt man nach etwa 100 Metern an eine Bergungsbox der Bergrettung. Was diese beherbergt, ist dem Foto unterhalb zu entnehmen. Wir steigen die Felskante, teilweise etwas exponiert um eine Ecke herum weiter, genießen kurz die windige Aussicht. Aber die Frühstücksplatzroute führt direkt ab der Bergungsbox in die steile Schlucht unterhalb. Der Einstieg ist von oben gut ersichtlich - die Route an der gegenüberliegenden Schluchtseite ist einsehbar. Ich steige vor und stelle fest, das das Gelände problemlos gangbar ist. De Fels ist fest und es macht Spaß hier zu klettern (I). Der einzige Tiefblick erfolgt im Tiefpunkt der Schlucht, da linkerhand eine arg tiefe Felsschlucht ihren Anfang nimmt. Der sandige Bodentritt ist demnach mit Bedacht zu prüfen, da ich nicht weiß, wie er wirklich in Zukunft halten wird.

Auf der anderen Schluchtseite geht es ebenfalls die 10-12 Meter wieder in anhaltender I-er Kletterei hinauf. Steht man oben, dann kann man die weiteren Pfadspuren nicht verfehlen. Allerdings gibt es einige falsche Fährten, die einen ins wildere Gelände entführt, teilweise wohl Zustiege zu den Kletterrouten (zB zur Tante Südostkante (V)). Auf dem Weg zum Frühstücksplatz müssen immer wieder beiderhand Felsspalte überwunden werden, über die allerdings Pfadspuren (Brücken) führen. Scheint alles recht stabil zu sein. Findet man nicht mehr weiter, ist es ratsam ein paar Schritte zurück zu gehen und nach Pfadspuren, die hinab führen zu suchen - öfter sind kleine Abstiege und folgend etwas luftige Querungen zu absolvieren. (T3) Die zweite Schlüsselstelle lockt direkt bei der Tante. Eine weitere dieser Brücken wird begangen, dann folgt ein leicht ausgesetzter Felsaufschwung, der mit ausgewaschenen Tritten aber keine Probleme bringen sollte. Einzig beim Abstieg sollte man hier vorsichtig sein.

Auf einem aussichtsreichen Plateau enden die Pfadspuren - über eine etwa ein Meter breite Felsspalte könnte man ungesichert noch etwas weiter hinaus auf das Felsplateau steigen. Es ist windig, wir verzichten darauf. Die Aussicht ist grandios, am Plateau scheinen Pfadspuren überall und nirgendwo zu führen. Nach einigem Prüfen scheinen die meisten nur zu weiteren aussichtsreichen Standpunkten zu führen. Der Blick zur Schrammsteinaussicht und den Touristenscharen befriedigt - man kann dieses tolle Panorama allein genießen! Uns ist auf der Frühstücksroute niemand anders begegnet. Auf gleichem Weg steigen wir zurück und können so abermals die schöne Schluchtkletterei am Ausstieg genießen.


Ich nehme meinen zuvor an der Bergungsbox abgelegten Rucksack wieder auf und wir steigen einen direkten Weg zur Schrammsteinaussicht hinauf: Ein Couloir mit vereinzelten Pfadspuren lockt uns und fordert nochmal kräftigen Einsatz der Hände. Das Couloir teilt sich in der Mitte in zwei Hälften, rechterhand eine steile Dreckwühlerei, kaum zum Begehen zu empfehlen, linkerhand zwei Felsstufen, teilweise erschwert durch umgefallene Bäume. Die linke Variante ist machbar, aber nicht wirklich angenehm (I+) Das Couloir endet an einem weiteren Holzgeländer: entgeisterte Touristen fragen uns, ob wir dort wirklich gerade hinaufgekommen sind und das wir auf uns aufpassen sollen, dass wir nirgendwo runterstürzen. Danke für den Tipp. In 2 Min stehen wir auf der Schrammsteinaussicht und es sind gerade gar nicht so viele Menschen oben. An Geländern überwindet man eine Felsspalte, hangelt sich über kurze Felspartien und genießt die unglaubliche Aussicht auf die restlichen Schrammsteine, die Tante und den Falkenstein und natürlich hinab ins Elbtal. Beim Abstieg von der Schrammsteinaussicht passe ich kurz nicht auf und stoße mir ziemlich hart den Kopf am Sandstein an - aber außer einer Beule ist nichts passiert und es kann weiter gehen.

Gratweg - Großer Winterberg (T3-, 3h)

Ab dem Wegweiser unterhalb der Schrammsteinaussichten (Ausstieg des Wildschützensteigs) führt uns der Gratweg an Geländern entlang und Treppen hinab und hinauf (teilweise Naturtreppen) - mit vielen tollen Tiefblicken garniert. Nach diesen Passagen, wird der Weg etwas langwierig, da er sich endlos und ohne große Höhepunkte durch den Wald schlängelt. Die Affensteine und insbesonders der Große Winterberg scheinen, wenn man sie denn mal sieht nicht näher zu rücken. Wir interpretieren die Karte falsch und so zieht es sich noch mehr in die Länge - aber ausgeschildert ist alles bestens, schließlich befinden wir uns wieder auf dem Malerweg und dem so bekannten europäischen Fernwanderweg E3. Der Weg wird wieder etwas würziger, als man abermals Treppen hinauf auf einen Felsen steigen und dann teils etwas steiler Auf- und Ab wandert. Eine kurze Stelle ist mit einer Kette gesichert - es geht etwas über Felsen hinab, die Kette braucht es aber nicht wirklich. An einer Abzweigung wollte ich eigentlich den Carolafelsen besteigen, doch als hätte ich das "Glück" für diesen Tag gepachtet, stoße ich mir abermals den Kopf am Sandstein an! Unfassbar wie achtlos ich wohl gewesen sein muss, in den Alpen ist mir dies noch nie passiert! Also verzichte ich auf den Carolafelsen und wir haben folgend nun einfache Gehpassagen vor uns. Der Pfad wird immer weiter zur breiten Forsttrasse und wir nähern uns dem Großen Winterberg und der Kernzone der Sächsischen Schweiz an. Der Weg ist meistens eben, allein im Schlussaufschwung (10min) müssen noch ein paar Höhenmeter geschunden werden.

Die Gaststätte auf dem Großen Winterberg enttäuscht uns - ich hatte von billiger Kost gelesen - völlig deplaziert steht dort oben nun ein Restaurant, welches dem Kunden keine Wahl lässt - nur überteuerte Vegetarier, Veganerkost und Biofleisch warten auf den Zuspruch. Wir streichen den Plan etwas zu essen, und trinken nur kurz etwas und machen uns folgend an den Abstieg. Allerdings versäumten wir es, auf den Aussichtspunkt im Haus neben dem Restaurant zu steigen, denn ansonsten tendiert die Aussicht auf dem Großen Winterberg geschuldet der dichten Bewaldung gen 0.

Bergsteig - Schmilka (T2, 45min)


Zuerst steigen wir die asphaltierte Straße hinab um schnell auf den Bergsteig zu treffen, den schnellsten Abstiegsweg vom Gipfel hinab nach Schmilka (immerhin 400Hm) - dieser ist allerdings auch eine kleine Enttäuschung, ich erwartete aufgrund des Namens einen steilen Pfad, im Endeffekt war es eine kleine Knieschinderei, schätzungsweise 600 Holzstufen führen die steile Flanke hinab. Später etwas über Steine erreicht man später eine alte Straße, ausgelegt mit Natursteinen, die bei Nässe sicher unangenehm rutschig werden können. Noch einen großen Bogen herum und man steht in Schmilka, hier im Tal drückt die Hitze - kein Wald schützt uns vor der Sonne und den über 30 Grad. Wir fahren mit dem Bus zurück nach Bad Schandau und gehen kurz einkaufen - was folgt ist die größte Enttäuschung des Tages.

Wir lösen in Schmilka ein normales Ticket für 2 Euro pro Person und dürfen damit nur 1 Stunde fahren - aber in Bad Schandau fährt der nächste (und letzte) Bus erst in eineinhalb weiteren Stunden! Die etwa 4 Kilometer und 100 Höhenmeter wollen wir uns mit dem recht schweren Einkauf nicht antun und ziehen die Bergschuhe an der Haltestelle aus. Als der Bus dann endlich eintrifft, hoffen wir auf die Milde des Busfahrers, um für die 3 Stationen nicht extra nochmal für insgesamt 4 Euro Tickets lösen zu müssen! Doch nichts da, der Busfahrer ist extrem unfreundlich und verspottet uns förmlich, er hätte 0 Toleranzbereich, wir hätten uns doch für 8(!) Euro ein Tagesticket hätten kaufen können. In Berlin ist dieses schon teuer, aber da liegt es nicht einmal bei 7 Euro (bei mehr Möglichkeiten dieses Ticket zu nutzen und längeren Strecken). Da es der letzte Bus ist verkneife ich mir jegliches Gekeife und belasse es murmelnd dabei, die Tickets zu bezahlen. Meine Konsequenz? Ich werde die öffentlichen Verkehrsmittel im Elbsandsteingebirge meiden! Touristengebiet wollen sie sein und dann so unfreundliches Gehabe? Nicht mit mir.


Der Frühstücksplatz ist wirklich ein empfehlenswertes Tourenziel, so viel Rundsicht bei so viel Einsamkeit gepaart mit dem interessanten Zustieg findet man in der Sächsischen Schweiz wohl selten! Der Große Winterberg war dann nicht der Renner im Vergleich, der Weg dorthin zieht sich stellenweise ewig lang wie ein Kaugummi, aber der Gratweg und einige Abschnitte des E3 entschädigen doch dafür!


Tour mit Helle


KONDITION 2.5/5
ORIENTIERUNG 3/5
TECHNIK 2/5
EXPONIERTHEIT 2/5



Empfohlene Ausrüstung: gutes Schuhwerk

Tourengänger: Kris, Helle

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