Scheffauer 2111m über Widauersteig


Publiziert von alpensucht Pro , 27. August 2011 um 16:34.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Kaiser-Gebirge
Tour Datum:12 Juni 2011
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1750 m
Strecke:Brentenjoch Bergstation-Kaindlhütte-Widauersteig-Scheffauer-retour-Duxer Alm-Kufstein
Unterkunftmöglichkeiten:Kaindlhütte

Nach einigen Diskussionen am Frühstückstisch über die heutige Tour fahren wir mit dem Auto nach Kufstein. Aus Rücksicht meinen Eltern und Geschwistern gegenüber sind heute für uns keine „fair means“ angesagt. Wir benutzen den Sessellift bis zur Bergstation, von der aus wir etwa eine Stunde bis zur Kaindlhütte 1293m gehen müssen. Dazu muss man von der Bergstation erst einmal ordentlich gute 150Hm talwärts laufen. Nach kurzer Pause an der Hütte entscheiden wir uns für den ohnehin schon angepeilten schwierigen Steig (schwarzer Bergwanderweg) auf den Scheffauer 2111m.
 
Zuerst recht sanft bis mäßig steil geht es durch Wald empor. Wo der Weg nach Süden abzweigt an einem Minisee, verlässt man den Wald und betritt herrliches alpines Gelände. Zum ersten Mal gibt der Nebel den unteren Teil der Wand frei. Imposant! Durch die vielen Kalkrinnen führen schöne alpine Kletterrouten. Kurz vor der Wand im Kar zweigt der Weg wieder nach Osten ab und quert dieses bis zum Einstieg in den gesicherten Steig.
 
Der führt zunächst über eine steile Rampe mit Stellen I aber immer mit Drahtseil gesichert. Weiter oben führen herrliche Verschneidungen direkt neben dem Wegverlauf ungefährlich empor. Viel lieber benutze ich diese (höchstens II) und muss dabei immer die Bewegungen meines jüngsten Bruders im Auge haben, denn er war bisher noch nie in solchem Gelände unterwegs. Etwas unsicher wirkend hangelt er sich langsam aufwärts, wird aber mit der Zeit sicherer im Tritt. Immer wieder gebe ich ihm Tipps. An den unausgesetzten Stellen hat er sich gut mit dem Gelände arrangiert. Wo es allerdings ausgesetzter wird, fällt es ihm schwer. Am Ende der langen Traverse mitten durch die Kalkwände mit einigen etwas ausgesetzten Stellen, entscheide ich, dass der Jüngste (14) nicht weiter gehen soll. Er wurde immer unsicherer und begann sich schon regelrecht an den Fels zu klammern. Mein ältester kehrt mit ihm um und steigt wieder ab.
Nun sind wir nur noch zu zweit, gelangen aber sicher hinauf, sind nun sehr schnell unterwegs. Mein zweitjüngster Bruder (17) meistert dieses letzte Stück mit Bravour, obwohl er auch keine alpine Erfahrung hat. Er bewegt sich sehr sicher in ausgesetzten Stellen I. Generell Passagen im I. Grad gibt es sehr häufig und im oberen Teil der Rinne zum Sattel hinauf sind diese auch nicht mehr gesichert. Es ist gar nicht einfach hier immer die richtige Wegspur zu finden. Vom Sattel aus, wo der Steig mit dem vom Süden her zusammen trifft, führt es nun die letzten wenigen Höhenmeter hinauf zum Gipfel des Scheffauers. Anfangs noch liebäugelte ich noch mit einem Übergang zum Zettenkaiser, nun war dafür aber keine Zeit mehr. Mit den anderen haben wir unten zu lange gebraucht. Schließlich wollen wir noch zu Fuß bis ganz hinunter nach Kufstein!
 
So machen wir uns nach einigen Fotos und einer verdienten Mahlzeit wieder auf den Rückweg. Mit der Aussicht haben wir kurz vor Aufbruch noch mal Glück, denn für kurze Zeit reißt der Nebel um uns herum auf und wir sehen den Hintersteiner See und im Norden den Zahmen Kaiser. Hinab benötigen wir nicht mehr als 45min bis an die Einstiegsstelle, wo sich gerade ein Pärchen mit kompletter Klettersteigausrüstung und allerlei zusätzlichem Sicherungsmaterial auf den Weg hinauf macht. Dagegen bezeichnete eine alteingesessene Wandersfrau vom OeAV den Weg als netten Wanderweg. Soviel zu den subjektiven Ansichten  bei einer Routenbeschreibung. Wenn man es überhaupt als Klettersteig bezeichnen darf, dann ist das höchstens A (oder K1).
 
Einige Abschnitte des Abstiegs begehen wir nun im Laufschritt, da wir gern unsere Geschwister einholen möchten. Am Abzweig von der Bergstation des Kaiserlifts ins Tal treffen wir sie und machen eine ausgiebige Pause. Der Rest des Abstiegs zieht sich arg in die Länge, muss man doch bis auf fast 500m hinab. Unser Jüngster lässt es sich nicht nehmen, die steileren Wiesen hinabzurollen. Zum Schluss gibt es noch viele, nicht enden wollende Serpentinen durch den Wald bis zur Talstation.
 
Zu gern würde ich wissen, ob man den Übergang Schaffauer – Zettenkaiser ohne Sicherungsmaterial machen kann. Ansonsten ist dieser Weg von Norden auf den Scheffauer ein wunderbarer Einstieg für Anfänger im Alpinwandern. Schwindelfreiheit vorausgesetzt. 

Tourengänger: alpensucht, A_Thorne

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