VAL DI LODRINO – Sentiero Alto della Valle Teil I


Publiziert von Seeger Pro , 8. Oktober 2010 um 20:42.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum: 7 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Poncione Rosso   CH-TI 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 2400 m
Strecke:Val Lodrino: Capanna Alpe d’Alva 1570m – Piacacra 1728m – Alpe Stüell 1910m – Alpe Negheisc 1881m – Alpe Pasturescia 1705 – Alpe del Venn 1849m – Alpe dei Laghetti 1947m – Alpe Verzasca 1643m – Brücke Pt. 1142 – Dureda 892m – Brücke Pt. 633 – Legri Pt. 580
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ö.V.: Bellinzona – Lodrino mit Postauto, auf Wanderweg über Citt nach Pön di sopra (1 ½ Std); Auto: A2 bei Biasca verlassen – Iragna – 1,2km weiter bei Haltestelle Rodagliono rechts abzweigen (Merkpunkt: Kirche linkerhand) – nach etwa 4km Abzweigung nach rechts – bis Ende Strasse (Parkplatz) Pön di sopra; Von Pön di sopra entlang dem wrw-markierten Wanderweg zur Capanna Alpe d’Alva (2Std)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:item
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Alpe d'Alva, Capanna Alpe Stüell, Capanna Negrös, Capanna Negheisc, Capanna Nasgeda, Capanna Alpe dei Laghetti (www.capanneti.ch)
Kartennummer:Osogna 1293

Das Val di Lodrino ist eines der abgeschiedenen Seitentäler der Riviera zwischen Biasca und Bellinzona. Unbekannt. Obere Abgrenzung ist der Grat zum Val Verzasca, besser bekannt unter Via Alta Verzasca. Zweiter Tag, ohne eine Menschenseele getroffen zu haben. In der Capanna Alpe d’Alva habe ich mich von der gestrigen Tour von Lagua über Carugo hierher teils mit Rodungs-Aktionen durchgekämpft http://www.hikr.org/tour/post28884.html. Die Müdigkeit sitzt noch recht tief in meinen Knochen. In aller Hergottsfrühe erwache ich und nutze diesen Umstand. Losziehen auf Geratewohl im Schein der Stirnlampe.
Im Tal rumort es schon (oder immer noch). In der Nacht fällt einem der Lärmpegel noch mehr auf. So trapple ich den Weg hinauf zum Kreuz gegen Westen, um dann endgültig ins Val di Lodrino einzutauchen. Das Rauschen des Baches wird stärker wie der Lärm der Zivilisation. In Piacacra ist der Weg über die ebene und gut unterhaltene Wiese auch Tags nicht gut sichtbar. Doch kenne ich ihn auswendig. Am Waldrand steht ein hölzerner Wegweiser, welcher in der Nacht gespenstisch wirkt. Im Lichtkegel der Stirnlampe lese ich: Sentiero del Valle. Schon beim letzten Mal unterwegs auf den Poncione Rosso habe ich hier gestanden und mir einen Plan ausgeheckt….
Genau – dies ist das Programm für heute. Schön horizontal von Alp zu Alp um dann ins Val di Drosina (Seitental des Val di Lodrino) abzusteigen. Unvorbereitet, wie ich bin, kann ich mir die Dimension dieses Easy-Peasy-Projektes gar nicht vorstellen. Daraus soll eine Mordstour werden mit 1400m Aufstieg und 2300m (!!!) Abstieg!
Der oberste Talkessel des Val di Lodrino ist bekränzt mit einer Kette von anmutenden Bergen: Poncione Rosso, Cima di Precastello, Poncione di Venn, Poncione dei Laghetti bis hinüber zum Poncione di Piotta, allesamt rund fünf bis sechshundert Metern sich aufbäumend. Unter dieser hindurch führt ein teils schwer auffindbarer, teils gelb bezeichneter Weg, welcher in die Flussläufe absteigt und auf die Alpanhöhen wieder ansteigt.
Ich erreiche bei Tagesanbruch Negeisc mit seiner neuen Selbstversorgerhütte (Patriziato di Lodrino) und quere zum Einstieg in den Skyrace-Weg, welcher in Direttissima zur Forcorella di Lodrino rechts steil hinauf ansteigt (somit auch zum Poncione Rosso). Ich folge dem Weg horizontal. Von hier weiter nimmt die Qualität des Weges rapide ab. Ob der Alpe Pastürescia verschwindet er gar und man ist auf die LK angewiesen. Noch ein kleiner Abstecher zur lieblichen Hütte hinunter. Am liebsten wäre ich hier geblieben. Doch reizt mich die einladende, herausgerodete Schneise gegen Punkt 1950m und somit ins Val Drosina hinüber. Also weiter zurück zum „Weg“, welcher hier auf 1750m schwer auszumachen ist. Doch finde ich ihn nach einigem Auf und Ab und gelange an das erste gelbe Zeichen. Zum Glück!
Ich folge dem vagen, leicht abfallenden Weg mit den gelben Zeichen und steige rechts des tiefen Grabens strenge 100m an. Weiter unten ist es unmöglich, direkt zu den Ruinen von Alpe della Pianca 1717m zu gelangen. So erreiche ich die stark abgebauten Ruinen der Alpe Venn 1849m. Herrlich, sich im Schosse der Felswände, durch den Einschnitt des Val di Lodrino 1600m ins Tal hinunter zu blicken. Auf der andern Seite der Riviera erhebt sich majestätisch die Gebirgskette vom Torrone Alto zum Pizzo di Claro. Links die Cima di Negrös und rechts die Cima di Vished, dazwischen der Ausläufer des Poncione dei Laghetti, welche sich bis Piansgeira hinunterzieht und das Val di Drosino vom Haupttal des Val di Lodrino trennt. Das Spiel sich wiegender Wölklein macht das ganze Spektakel zu einem einmaligen Ereignis. Mittagessen Menü 1, Krachnussschokolade und Guetsli zum Dessert im traumhaften Amphitheater.
Wieder einmal möchte ich am liebsten da bleiben. Doch dieses Grasband…möchte..unbedingt. Und wie das Verlangen eines kleinen Kindes („Wött au“) zieht es mich weiter. Den gelben Markierungen entlang steige ich gegen DIESES Grasband. Plötzlich verschwinden die gelben Zeichen und ein breiter Weg beginnt. Auf 2000m erreiche ich die Grasrippe und steige alsbald 50 m zur Alpe dei Laghetti hinunter. Ich schaue mir die Selbstversorgerhütte an, welche von der Raiffeisen-Bank zu ihrem Jubiläumsanlass gesponsert wurde. Alles vorhanden, was eine Übernachtung braucht. Die Fortführung des Höhenweges ist auffallend. Breite Schneise gegen die Alpe Picoll und weiter zur Alpe Piotta. Einladend. Aber die Zeit hat mich eingeholt. Rückzug!
Von jetzt an geht’s nur noch abwärts, tröste ich mich schon etwas mitgenommen. Der Weg auf der Kuppe ist im hohen Gras versunken. Nach einigem Üben finde ich ihn weiter unten. Ausgeprägt an Alpe Verzasca vorbei in den Wald. In Vallegia Scura (Dunkles Tal) ist der Weg auf 1380m Höhe einfach weg. Diese lumpigen 10m muss man sich hart erkämpfen. Umgehung unten oder oben möglich. Zurück zum Weg und bis zur massiven Steinbogenbrücke hinunter. In 30m Tiefe tost die Drosina in engem Korsett. 
Schöner und leichter Talweg, denke ich mir. Denkste! Unwetterschäden haben ihm stark zugesetzt. Dazu hat es in den letzten Tagen ausgiebig geregnet. Das heisst, dass alle Steine glitschig sind wie Schmierseife. Mit starkem Stockeinsatz kämpfe ich mich abwärts. Im Sprügh di Sprüera ist der Übergang sehr schwierig (nass: T4 auf sicher), jedoch in Reparatur (Schon seit 1988  J ). In Revue lasse ich das lieb gewonnene  Tal an mir vorbeiziehen: Hier der Aufstieg zur Alpe Foch, da der Anfang des Wegs nach Piansgeira, da der Anfang des Weges nach Carugo, hier der Aufstieg nach Bergnauri. So erreiche ich Dureda und gönne mir eine Pause auf dem Helilande-Plateau (eine umgebaute Ruine). Direkt gegenüber habe ich gestern den Hang von Lagua nach Carugo gequert.
Und alle Schmerzen in Beinen und Füssen sind wie weggeblasen!
Die Fortsetzung ab Alpe dei Laghetti findest Du hier:
http://www.hikr.org/tour/post29109.html
Kommst Du mit mir? Es wird abenteuerlich. Allzu abenteuerlich.

Tourengänger: Seeger


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Kommentare (9)


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Ewuska hat gesagt: Metodico!
Gesendet am 9. Oktober 2010 um 00:30
Quest'anno tocca Val Lodrino:)
Complimenti per bel giro,come sempre curato in ogni particolare.
Tanti cari saluti.
Ewa


Seeger Pro hat gesagt: RE:Metodico!
Gesendet am 9. Oktober 2010 um 05:18
Ciao Ewa
Grazie per i complimenti.
E vero - il Val di Lodrino m'ha preso.
Ma non per sempre. Anchora il Parte II del Sentiero Alto e basta!
Cari saluti
Andreas

Kopfsalat Pro hat gesagt: Einsteigertour?
Gesendet am 6. Oktober 2011 um 15:11
Nachdem es das letzte Mal doch nichts wurde mit dem Tessin, sollte es das kommende Wochenende (Samstag bis Dienstag) endlich klappen.

Nach eingehendem Kartenstudium bin ich der Ansicht, dass die obige Tour verbunden mit Teil 2 ein guter Einstieg wäre in eine mehrtägige Erkundung der vergessenen Seitentäler des Tessins.

Wie siehst du das?

Gruss
Dani

Seeger Pro hat gesagt: RE:Einsteigertour?
Gesendet am 7. Oktober 2011 um 20:08
Ciao Dani
Sehe dies auch so.
Achte auf die Tessiner Jagdzeit. zaza kann Dir davon ein Lied singen (Belegung durch Jäger)
Viel Vergnügen
Andreas

Kopfsalat Pro hat gesagt: RE:Einsteigertour?
Gesendet am 7. Oktober 2011 um 23:35
Danke Andreas,
Daran hab ich auch gedacht. Wollte sowieso Tarp, Matte und Schlafsack mitnehmen. Werde wohl noch Teile einer Signalweste an den Rucksack nähen ... einfach so zur Sicherheit. Wird nun aber eher Sonntag bis Dienstag.

Gruss
Dani

Seeger Pro hat gesagt: RE:Einsteigertour?
Gesendet am 8. Oktober 2011 um 00:38
Ciao Dani
Ist das Tarp auch orange? Achtung Jagd von Hellwerden bis 08 00 Uhr und etwa 15 00 Uhr bis Einnachten :-(
Wettermässig könntest Du Glück haben dank Nordföhn :-)
Cari saluti
Andreas

Kopfsalat Pro hat gesagt: RE:Einsteigertour?
Gesendet am 8. Oktober 2011 um 09:07
ja, das wetter war eigentlich der auslöser. wollte ja eigentlich zuerst in den jura, aber hier ist übel.

werde wohl das hier mitnehmen und in der nähe von hütten biwakieren. da sollten sie mich eigentlich schon sehen? hattest du keine "probleme" mit jägern, dein obiger bericht war ja etwa um das selbe darum rum?

Kopfsalat Pro hat gesagt: RE:Einsteigertour?
Gesendet am 8. Oktober 2011 um 10:33
ps: gemäss irgend so einer internet-seite findet die hochjagd im tessin vom 1. bis 29. september statt. hoffe, das stimmt.

Seeger Pro hat gesagt: RE:Einsteigertour?
Gesendet am 8. Oktober 2011 um 12:42
Ich hatte keine Probleme, da bei Schönwetter das Wild weiter oben ist und die Jäger dann die Hütten "im Tal" weniger benützen.
Datum Hochjagt: Da müsste ich mich schlau machen


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