VAL LODRINO – Hippehoppe auf den Spuren alter Alpwege


Publiziert von Seeger Pro , 8. Oktober 2010 um 16:49.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum: 6 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Poncione Rosso   CH-TI 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 200 m
Strecke:Val Lodrino: Legri Pt. 580 – Lagua 860m (westlich Pt. 883) – Peros – Garina – Carugo 1083m – Capanna Alpe d’Alva 1570m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Anfahrt: Ö.V.: Bellinzona – Lodrino mit Postauto, auf Wanderweg nach Legri 582m Auto: A2 bei Biasca verlassen – Iragna – 1,2km weiter bei Haltestelle Rodagliono rechts abzweigen (Merkpunkt: Kirche linkerhand) – 5 km bis Parkplatz (Helilandeplatz) bei Pt. 580, Legri
Zufahrt zum Ankunftspunkt:item
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Alpe d’Alva (www.capanneti.ch) , komfortable und wintertüchtige Selbstversorgerhütte
Kartennummer:Osogna 1293 + Alte Ausgaben

Die Hippe ist die Hochdeutsche Bezeichnung für Gertel, habe ich mir sagen lassen. Hoppe bezieht sich auf das ständige Auf und Ab durch Gräben, Gebüsch und teils exponierte Wiesen/Felsbänder. zaza ist an Allem Schuld. Er hat mich in dieses Tal entführt, von dem ich nicht mehr lassen kann. Einem Puzzle gleich folgte ich den vier alten, heute schwer begehbaren Wegen nach Carugo und konnte mit diesem letzten Zugang das letzte Teilchen legen. Dennoch alles andere wie ein Spiel!
Ich starte beim Parkplatz Legri Pt. 580 und steige auf gutem Weg der Rippe/Flanke entlang NW gegen das schön renovierte Haus  Lagua 860m (westlich Pt. 883) auf. Mit dabei habe ich den Gertel, die alte LK 1:50‘000 von 1948, die neueste Ausgabe der Karte Osogna 1:25‘000 und einen Ausdruck der Swissmap mit der eingezeichneten möglichen Linienführung (mit Profil auf Machbarkeit kontrolliert) und dem Bericht von Bachofen.
Hier begann die Expedition mit zaza letztes Jahr. Wir folgten dem Weg, welcher gleich hinter den Holzhütten beginnt, etwa 400m. Bei dem Reservoir suchten wir vergebens nach einem Weiterkommen. Unten und oben Felswände. Nirgends ein Durchkommen. Geradeaus Dornengebüsch. Unmöglich. Wir mussten zurück. http://www.hikr.org/tour/post17608.html
Heute kehre ich auf diesen Punkt (Peros) zurück und entdecke unter Laub, mannshohem Brombeergestrüpp, Farn und Gras das Trassee des Weges: GERADEAUS! Hundert unendlicher Meter kämpfe ich mich mit dem Gertel durch den Dschungel. Aus lauter Verbissenheit vergesse ich meine Handschuhe anzuziehen! Zeitraubend – doch vergesse ich auch die Zeit. Und welch eine Wohltat, als der Weg im Laubwald vom Gestrüpp verschont ist. Steintritte und Mäuerchen erleichtern das Durchkommen. Trittsicherheit ist ein absolutes Muss. Links die gähnende Leere…..Nach weiteren 400m der grosse AHA-Effekt: Eine Steinplattentreppe! Darüber eine Runse mit Geschiebe. Von den Vorbereitungen her weiss ich, dass ich jetzt zwei Gräben überwinden müsste. Dazu wieder Gestrüpp von unübersehbarem Räumaufwand. Ich habe dazu rundweg Null-Bock. Und Not macht erfinderisch. Drei Fliegen auf einen Streich: Die Überquerung von zwei Gräben und Ausweichen des Dickichts. AUFSTEIGEN wie beim Passo di Piatto ist die Devise!
Andere hatten offensichtlich die gleiche Idee. Ich finde senkrecht über der Runse Wegspuren in den Wald hinein. 30 Höhenmeter über der Treppe finde ich anthropogene Spuren: Ein Kohlenmeiler-Plateau, kunstvoll gestützt durch eine Trockensteinmauer von zwei Meter Höhe. Bequeme Mittagsrast mit Menü 1 , Guetsli und gedörrten Feigen.
Ich folge den nach leicht links hinauf führendem Pfad und stehe nach 120 Höhenmetern unter der 150m hohen Felswand. Spielerisch fliegen rund fünfzig Schwalben dieser entlang. Idylle inmitten der Wildnis. Weniger idyllisch und dennoch angenehm schlängelt sich mein Pfad entlang der Felswand nach links hinunter, wo ich auf den alten Weg auf etwa 950m treffe, welcher mich angenehm rund 300m entlang dem Waldrücken Garina zum Graben vor der Carugo-Rippe führt. Abweisende Felsen.
Es führt nur EIN Durchgang auf die Rippe hinauf. Auf 1000m Höhe. Das ist mir bekannt. Dass aber der Weg dieses Hindernis nur leicht ansteigend angeht, erstaunt mich. Felsabsätze klug ausnützend meistert der Weg diese Schlüsselstelle zwischen hohen Steinwänden. Geschafft! Hier kann man auf einem abenteuerlichen Pfad zum Fluss hinunter und nach Dureda hinüber. Ich wähle den 80 hm Aufstieg zur Ruine Carugo 1083m  hinauf. Oder war es eher ein langsames Ansteigen mit Verschnaufpausen? Siehe auch Bericht auf www.alpi-ticinesi.ch . Der ehemals stolze Stall fasziniert mich immer wieder von Neuem.
Und weiter steige ich auf der Carugo-Rippe hinauf. 30 Höhenmeter über der Ruine zweigt links gut sichtbar quasi horizontal der Weg nach Bercögn ab. Immer schön links des Felsgrates entlang erreiche ich auf 1400m den Verbindungsweg von Piancora nach Bercögn. Der direkte, alte Weg zur Alpe d’Alva verläuft in Verlängerung der Carugo-Rippe. Diesen zu erreichen folge ich etwa 50 m dem Weg nach rechts um die Nase herum und finde dort gut sichtbar den vorerst steilen Einstieg zur Linken. Angenehm immer brav auf der bewaldeten Rippe führt mich der Weg auf die schöne Terrasse der Alpe d’Alva mit derCapanna Alpe d’Alva 1570m. Die ganze, komfortable Hütte allein für mich! Anfeuern, einrichten, Nachtessen kochen. Kästchen herausputzen und neu einräumen. Dazu zwei Dosen Cardinal. Grazie al Patriziato di Lodrino per questa comfortissima capanna!
Von der „Unvollendeten“ zur „Vollendeten“. Dank meinen Freunden zaza und Frank Seeger. Ob ich es alleine auch geschafft hätte? Kaum.
 

Tourengänger: Seeger


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Kommentare (2)


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alpstein Pro hat gesagt: Bravo!
Gesendet am 8. Oktober 2010 um 17:16
Hallo Andreas,

wieder ein gelungener Bericht, bei dem man als Leser das Gefühl hat dabei gewesen zu sein, gratuliere.

Beste Grüße vom Bodensee
Hanspeter

Seeger Pro hat gesagt: RE:Bravo!
Gesendet am 10. Oktober 2010 um 17:07
Ciao Hanspeter

Danke. Bin schon in den Startlöchern für Teil II. Zwei Tage mit Übernachtung auf 2000m in Selbstversorgerhütte. Brrrr.
Gruss aus dem verhangenen Tessin
Andreas


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