Vom Brienzer Rothorn zum Harder Kulm mit allem was dazwischen liegt - Der Brienzergrat-Klassiker


Publiziert von 360 Pro , 7. Oktober 2010 um 16:07.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum: 6 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Brienzergrat   CH-BE   CH-LU   CH-OW 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Brienzer Rothorn
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Harder Klum

Eigentlich bin ich ja kein grosser Fan von "Modetouren" und wenn man sich die Anzahl Berichte über den Brienzergrat hier auf hikr anschaut, kann man diesen Grat schon fast als solche Tour bezeichnen. Allerdings hatte ich diesen Brienzergrat auf meine to-do Liste gestellt, lange bevor sie als solche bezeichnet werden konnte und ganz abgesehen davon, ist er tatsächlich eine Superlative und es lohnt sich auf jeden Fall, diesen einmal zu begehen, insbesondere an einem wunderbaren Herbsttag wie heute.
 
Die Route
Die Route selbst braucht eigentlich nicht allzu viele Erklärungen, denn einerseits findet man auf der ganzen Tour, dort wo der Weg nicht markiert ist, durchgehend sehr gute Wegspuren. Andererseits ist die Route auch logisch und einfach, nämlich tatsächlich fast ausnahmslos genau der Gratschneide entlang. Den offiziell markierten Weg verlässt man beim Chruterenpass und trifft erst wieder beim Blasenhubel auf diesen. Beim Briefehörnli habe ich den Grat ebefalls verlassen, und zwar um einen Abstecher auf die vorgelagerte Burg zu machen. Der Übergang weist ebenfalls Wegspuren auf und der Abbruch wird in der Westflanke der Burg umgangen (Stahlseil). Von der Schwierigkeit ähnlich wie das Tannhorn.
Hier kann man nachlesen was darüber in den Alpen steht, was die Route betrifft ist der Artikel jedoch nicht sonderlich ausführlich.
 
Die Schwierigkeiten
Im Allgemeinen empfand ich die Schwierigkeiten nicht sonderlich anspruchsvoll (ausser den Höji Egg Turm 1617, der ja offiziell gar nicht zum Brienzergrat gehört). Ja der Grat ist ab und zu ziemlich ausgesetzt, aber wenn ich in meinen Bewertungen konsequent sein soll, muss ich dem Brienzergrat nicht wie die meisten anderen hikr ein T5, sondern ein T5- geben. Die einzig wikrlich schwierigen Passagen (Aufstieg zur Burg und zum Tannhorn) sind zudem beide mit Stahlseilen ausgerüstet.
 
Die Bedingungen
Der Schnee ist überall geschmolzen, ich hatte keinen Schneekontakt auf der ganzen Tour. Allerdings waren die Pfade insbesondere nordseitig zum Teil unangenehm schmierig und rutschig, insbesondere am Morgen früh, je länger die Sonne schien, desto besser wurde die Sache jedoch.
 
100% Steinbockgarantie
Da der grösste Teil des Gebietes eidgenössisches Jagdbanngebiet ist, gibt es hier haufenweise Steinböcke, ich habe noch nie so viele an einem Tag gesehen (wahrscheinlich über 50!). Zu Beginn habe ich jedes Mal den Fotoapparat herausgeholt, am Schluss habe ich ihn dann sogar für 2 Herden drin gelassen und sie einfach nur bestaunt. Wer auf dieser Tour keine Steinböcke sieht, macht definitiv irgendwas falsch. Je näher man zum Augstbordhorn kommt, desto zahmer werden sie. Ich habe dort Szenen beobachtet, wo sich Leute sogar mit einer Gruppe von (notabene freilebenden) Steinböcken ablichten liess...
 
Zeit
Die Tour ist lang und 8-10 Stunden sollte man schon einplanen. An Wochentagen hat man von der Ankunft der ersten Luftseilbahn (8:25h) auf dem Brienzer Rothorn von Sörenberg her, bis zur Abfahrt der letzten Bahn von Harderkulm (18:40h) nach Interlaken eine halbe Stunde mehr Zeit als an Wochenenden (letzte Talfahrt vom Harder Kulm schon um 18:10h).
 
Negativen Seite
Wirklich Negatives kann ich eigentlich nicht berichten, aber dies muss ich doch erwähnen: Wer wie ich an einem Wochentag unterwegs ist, muss mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit diese Störenfriede in Kauf nehmen. Einige Male sind sie mir so nahe gekommen, dass ich das Gefühl hatte von den Schallwellen allein vom Grat gepustet zu werden. Bei aller Spektakularität dieser Dinger, ich könnte gut ohne sie leben.
 
 
Meine "Zusatzrunde" oder besser der "Abgang"
Der letzte Gipfel der Brienzergrat-Tour ist normalerweise die Suggiture, danach folgen die meisten dem Wanderweg zum Harder Kulm und lassen die weiteren Gipfel, respektive Gipfelchen und Graterhebungen aus, da der markierte Weg eigentlich all diese Gipfel die da noch folgen in den Flanken umgeht. Zum einen sind diese kleine Berge - nachdem was man hinter sich hat - halt nicht mehr sonderlich interessant, und zum anderen war die Tour ja eh schon lange und man hat wohl oft nicht mehr allzu viel Zeit übrig, bis die letzte Bahn den Harder Kulm verlässt. Ich war jedoch im Zeitplan erstaunlich gut drin (kurz nach 14h auf der Suggiture) und verspürte noch ein wenig Lust dem effektivem Grat weiter zu folgen. 
Dies hat einerseits den Vorteil, dass man so wirklich alle kotierten Gipfel des Grates mitnimmt und andererseits den nun doch zahlreichen anderen Wandernden aus dem Weg geht. Folgt man weiterhin mehr oder weniger strikt dem Grat (dort wo's möglich ist) trifft man vielleicht auch noch wie ich, auf den wohl ältesten Steinbock der ganze Sippe, der dort ruhig mitten im Wald, kaum 20m vom Wanderweg vor sich hin vegetierte... Ganz abgesehen davon bieten sich so auch ab und zu nochmals schöne Tiefblicke auf den Brienzersee. Zum Teil wird die Sache jedoch etwas mühsam, da man sich hier oft im Wald befindet und die Vegetation nicht immer nur hilfreich ist. 
Von den verbleibenden Gipfel(chen) nach der Suggiture möchte ich folgende erwähnen und als lohnenswert bezeichnen. 
Roteflue: Dort wo der Wanderweg südlich in die Flanke dreht, folgt man weiter dem Grat bis man zu einem kleinen Gipfelplateau gelangt. Man findet dort einen kleinen Steinmann, eine Feuerstelle und andere Zeichen menschlicher Zivilisation. Man geniesst hier nochmals eine wunderbare Aussicht z.B. auf das Dreigestirn. Da ich die Karte falsch inerpretiert hatte, dachte ich, dass ich einfach weiter dem Grat folgen könnte, musste aber ganz eindeutig und schnell feststellen, dass es da einen ziemlich senkrechten felsigen Abbruch von fast 100 Metern hat. Ich wählte deshalb einen abenteurlich steilen Abstieg etwas westlich des Gipfels direkt zum Weg hinunter (nicht wirklich empfehlenswert).
Höji Egg Turm (P. 1617): Die Höji Egg selbst ist nichts als eine waldige Kuppe, die man auf dem Weg (fast) überschreitet. Allerdings fallen einem die felsigen Türme ganz in der Nähe von da schon ins Auge, insbesondere der höchste mit einem kleinen Gipfelsteinmann. Der Aufstieg erfolgt am einfachsten vom Sattel südlich, in etwas brüchiger Kletterei (zwei auffällige rote Spraymarkierungen weisen den Weg... axi ?) und zuoberst dem ausgesetzten Grat entlang zum eigentlichen Gipfel. Er bietet einen schönen Tiefblick nach Habkern und ist als Dessert der Tour ganz anregend (axi's T6- geht meines Erachtens in Ordnung)
Wannichnubele: Der viel begangene Aussichtpunkt (mit Gipfelbuch!). Wenn man denn schon so viel gelaufen ist, kann man sich auch den letzten Gegenanstieg noch antun. Zudem kann man hier auf einem der aussichtsreichen Bänkli nochmals still (je nach Anzahl Touris auch nicht so still) geniessen, was man geleistet hat.
 
 
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Tourengänger: 360


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