Dom (4545 m) via Festi-Grat


Publiziert von alpinos , 21. Oktober 2009 um 21:18.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:29 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 1 Tage 2:00
Aufstieg: 3200 m
Abstieg: 3200 m
Strecke:Randa - Domhütte - Festijoch - Festi-Grat - Dom - Normalroute - Festijoch - Domhütte - Randa
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit dem Zug bis Bahnhof Randa
Unterkunftmöglichkeiten:Domhütte SAC, Europahütte SAC, diverse Pensionen in Randa

Gleich mal vorne weg: Ich hatte unsere Kamera vergessen! Es gibt also leider kein einiziges Fotos von dieser großartigen Tour bei wolkenlosem Himmel und optimalen Hochtour-Bedingungen. Naja. Muss ich halt nochmal hoch und Fotos machen. Als ich den Bericht geschrieben hatte, stellte ich fest, das MaeNi den Dom am selben Tag zusammen mit Alpinist bestiegen hatten. Ich verweise deshalb hier auf ihren Bericht und die super Fotos dort (www.hikr.org/tour/post16287.html)
 
Nach der großartigen Finteraarhorn-Besteigung Mitte August konnte ich meinen Kollegen Reto noch einmal zu einer gemeinsamen Hochtour begeistern; diesmal wollten wir den Dom besteigen, den höchsten Berg, der ganz in der Schweiz liegt. Außerdem wollten wir testen, wieviele Höhenmeter wir in einem Stück absteigen konnten; nachdem wir am Finsteraarhorn die 3000 m-Marke nicht geknackt hatten sollte es jetzt soweit sein...


 
Tourengänger   Reto & Robert
 

 
Tourenbeschreibung
 
  • Durch den neuen Lätschberg-Tunnel ist es möglich, in nur 3 Stunden mit dem Zug von Zürich ins Wallis zu fahren - eine Zeit, die auch eine Ein-Tages-Hochtour attraktiv erscheinen lässt. Von Randa aus stiegen wir mittags auf gut ausgebautem Wanderweg an der Europa-Hütte vorbei zur Domhütte auf. Anfangs ist die Beschilderung etwas verwirrend, aber spätestens auf Höhe der Europahütte weisen überdimensionierte Wegweiser auf den ohnehin nicht mehr zu übersehenden Weg zur Domhütte. Der eigentliche Aufstieg zur Domhütte (ab ca. 2400 m) ist ein leichter Klettersteig, der schon gute Trittsicherheit erfordert. Bei den guten Bedingungen an diesem Wochenende aber ein reiner Genuss und eine tolle Einstimmung auf den nächsten Tag. Nach nur 3,5 Stunden hatten wir die 1500 Höhenmeter zur Domhütte geschafft.
  • Auf der Hütte erwartete uns schon reges Treiben: Die Schlafplätze waren ausgebucht - zum Glück hatte Reto reserviert - und wir bekamen einen Platz in der ersten Abendessen-Schicht zugeteilt. Ja, genau, erste Schicht! Auf der Hütte gibt es 75 Schlafplätze (in einem gemütlich-kuscheligen runden Raum unterm Dach, man hat bei voller Belegung ca. 50 cm zum Schlafen), aber der Gastraum fasst nur die Hälfte. Deshalb: Essen in zwei Schichten, eine um 18 Uhr, die andere um 19.30. Naja, nicht so meine Vorstellung von Hüttenromantik, aber gut. Wir hatten uns ja auch ein Wochenende im August ausgesucht.
  • Für die Unbillen der Hütte entschädigte eine umwerfende Aussicht: das Matterhorn in voller Pracht, das Weisshorn gegenüber und eine ganze Reihe anderer Walliser Gipfel. Tief unter uns konnte man noch den Talboden und Randa erkennen. Aber wie gesagt: ich hatte die Kamera nicht mit, aber ich werde diesen Ausblick nicht vergessen! Selbst in der Dämmerung konnte man die Gipfel noch erahnen. Der Sternenhimmel war einzigartig!
  • Nach kurzer und halb durchwachter Nacht gabs um 3 Uhr gemeinsames Wecken: Irre. Manche standen förmlich schon 2 Sekunden später angezogen auf der Matraze. Was Herdentrieb so alles machen kann...Das Frühstück nahm man eher im Gehen am Buffet vorbei ein. Dann gings raus...
  • Reto und ich waren im Vorteil weil nur zu zweit und so kamen wir als dritte Gruppe weg (ca. 3:45 Uhr). Zunächst auf einem mit Steinmännchen markiertem Wanderweg, dann sich links haltend auf dem Gleschter stiegen wir zum Festijoch auf. Der Gletscher war recht ausgeapert und im mittleren Bereich ziemlich zerklüftet und spaltig - wir sahen es erst beim Abstieg im Hellen. Die letzten Meter zum Joch in der Dämmerung waren wieder etwas zum Klettern, das bröselige Gestein und eine Gruppe vor uns, die jede Menge Steine lostrat, machten diese Passage allerdings nicht so angenehm.
  • Im Joch machten wir kurz Pause; dann gingen wir den Aufstieg über den Festi-Grat an. Es hatte einige Tage zuvor geschneit; es lag einiges an Neuschnee. Als erste Seilschaft des Tages mussten wir stellenweise eine Spur in den verwehten Schnee legen, teils waren aber noch die Spuren des Vortages vorhanden. Kurz nach dem Joch war die erste Schlüsselstelle zu überwinden: eine ca. 40° Eisplatte, hier zum Glück noch mit Firn überzogen. Dann wurde es gemütlicher und wir kamen gut auf dem Felsgrat voran. An manchen Stellen wichen wir links in die Firnflanke aus. Im Mittelteil gab es dann wieder zwei steile Eisplatten, diesmal mit weniger Firn; durchaus etwas kitzelig, aber machbar. Der oberen Teil des Grates war dann problemlos, wenn auch wegen des vielen tiefen Neuschnees recht anstrengend. Zum Schluss schwenkten wir dann auf die Normalroute zum Gipfel ein, den wir nach 4 3/4 Stunden um 8:30 erreichten.
  • Auf dem Gipfel waren wir - alleine! Wir hatte es geschafft, die Gruppen, die auf der Normalroute aufstiegen, zu überholen. Etwa eine Viertelstunde konnten wir die Einsamkeit des Gipfel genießen. Ich war begeistert. Keine Wolke, die umliegenden Berge waren gestochen-schaf zu erkennen. Ich konnte es eigentlich noch nicht begreifen...
  • Nachdem wir die Aussicht ausgiebig genossen hatten, machten wir uns an den Abstieg über die Normalroute. Auch diese war ein Erlebnis: tolle Blicke auf den Nadelgrat gegenüber, atemberaubende Gletscherabbrüche. Zurück auf dem Festigletscher konnten wir die Spalten und das zerklüftete Eis bestaunen - zum Glück war es beim Aufstieg dunkel! Um 11:30 erreichten wir wieder die Domhütte und stärken uns mit Apfelstrudel und Tiramisu aus dem Glas.
  • Dann gings hinab ins Tal. Wir hatten ja schon 1700 m Auf- und Abstieg hinter uns, weitere 1500 m warteten noch auf uns. Um es kurz zu machen: wir haben es geschafft und waren schon um kurz nach 14 Uhr wieder in Randa. Wir waren innerhalb von ca. 5 1/2 Stunden 3200 m abgestiegen, nicht schlecht, fand ich. Die Füße brannten etwas, die Oberschenkel schmerzen, aber wir waren glücklich und konnten die Erlebnisse des Tages noch in der Sonne beim Warten auf den Zug und während der Zugfahrt genießen.
 
An dieser Stelle möchte ich auch Reto für die exzellente Führung während der Tour danken; ich habe mich sehr wohlgefühlt, es war ein Genuss und das reine Vergnügen!
 

 
Anmerkung
 
unbedingt Schlafplätze auf der Domhütte reservieren! Oder fast noch besser: ein Zelt mitbringen, man kann ca. 50 m oberhalb der Hütte wunderbar auf prima freigeräumten Flächen biwakieren!

Tourengänger: alpinos

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 1399.gpx Dom

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