Once Moor - Déjà Vu im Alpstein


Publiziert von marmotta , 14. September 2009 um 02:58.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:13 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-SG 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:Wildhaus - Flürentobel - Wildhuser Schafboden - Jöchli - Moor Hauptgipfel (P. 2342) - Jöchli - Nädliger - Altmannsattel - Löchlibettersattel - Westl. Fälenturm (P. 2224) - Alp Häderen - Fählensee - Stifel - Rheintaler Sämtis - Plattenbödeli - Pfannenstiel - Brülisau
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Wildhaus, Post
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Brülisau, Kastenbahn
Kartennummer:LK 1115 Säntis (1:25.000)

Wie ich hier schon mehrmals kundgetan habe, ist der Alpstein zu jeder Jahreszeit und bei (fast) jedem Wetter immer einen Besuch wert. Sei es, wegen seiner einzigartigen Berggastronomie, seiner in hohe Felswände eingebetteten Bergseen - oder der meist zwischen Altmann und Moor anzutreffenden Steinbock-Kolonie...

Einmal mehr wurde der Alpstein heute auch seinem Ruf als Waschküche (oder Schüttstein) der Schweiz gerecht. Dabei hatte der Wetterbericht von SF Meteo am Vorabend noch durchaus vielversprechend getönt. Zumindest für mich, der ich naiverweise annahm, "zäher Hochnebel" bedeute, dass irgendwo über dem Nebel die Sonne von einem wolkenlosen Himmel scheint. "Irgendwo" war dann aber definitiv höher als die höchsten Alpsteingipfel. Aber eben, der Alpstein hat ja auch bei Sichtweiten von unter 20 m immer was zu bieten (s.o.)... :-)

Nachdem ich heute zugleich die "Mission" erfüllte, meiner Tourenbegleitung aus dem flachen Mittelland nördlich der heimlichen Hauptstadt der Schweiz die wohl spätestens seit dem gleichnamigen Film landesweit bekannten "Schönheiten des Alpsteins" näher zu bringen, fiel die Wahl der Tour nicht schwer: Die (für mich schönste eintägige) Überschreitung des Alpsteins von Wildhaus nach Brülisau über den Nädligergrat -möglichst unter Mitnahme der direkt am Weg liegenden Gipfel Moor, Altmann und Westl. Fälenturm.

Die verschiedenen Abschnitte dieser klassischen Route sind hier auf hikr.org bereits sehr gut beschrieben und dokumentiert, so dass ich mich auf die Beschreibung einiger Besonderheiten unserer Tour sowie meiner Empfindungen hinsichtlich Verhältnisse und Schwierigkeiten beschränken möchte.

Wildhaus - Wildhuser Schafboden - Jöchli (T4)

Auf dieser an "normalen" Sonntagen vielbegangenen Route haben wir gerade mal 3 andere Wanderer getroffen. Die Verhältnisse waren tiptop, trotz des dicken Nebels waren die Wege und Felsen grösstenteils trocken und gut zu begehen.

Moor Hauptgipfel, P. 2342 (T5, I+)

Nachdem der Nebel sich just in dem Moment, als wir das Jöchli erreichten, kurz etwas lichtete, beschloss ich spontan, dem Moor und meinen dort "wohnenden" Freunden, den Alpstein-Steinböcken einen Besuch abzustatten. Als ich mich auf dem schmalen Grasgrat der Felsstufe zum Hauptgipfel (2342 m) näherte, lugten auch schon 2 Steinböcke neugierig herunter. Ist schon etwas speziell, wenn man dann beim Klettern plötzlich einem ausgewachsenen Steinbock aus einer Distanz von 2 Metern in die Augen blickt. Ich weiss nicht, wer von uns mehr Angst hatte (Ausweichmöglichkeiten sind auf der Gratschneide ja -zumindest für Zweibeiner- sehr begrenzt), jedenfalls kamen wir schlussendlich gut aneinander vorbei, auch wenn ich mich jedesmal ein wenig als Eindringling fühle, der im "Dihei" der Steinböcke Hausfriedensbruch begeht - dabei wollte ich doch nur meiner Pflicht als aufrechter Hikr nachkommen, und mich ordnungsgemäss im Gipfelbuch eintragen (das sich übrigens noch immer in ausgezeichnetem Zustand befindet und auf weitere Einträge wartet!). Nächstes Mal bringe ich auch ein paar Leckerli mit, versprochen... ;-)

Der Aussicht wegen hat der Aufstieg nicht gelohnt, die war nämlich dank des Nebels gleich Null! Den Abstieg über die Gratkante ging ich zwar mit der nötigen Vorsicht (ob des etwas brüchigen Gesteins und des durch die Feuchtigkeit ziemlich schmierigen Mooses) an, jedoch ohne die Anspannung, die mich noch bei meiner ersten Begehung vor einem Jahr überfiel, als ich mir die einfachste Route um die kompakte Stelle in der Mitte der Felsstufe herum beim Aufstieg nicht gemerkt hatte.

Jöchli - Nädliger - Altmannsattel (T4-) 

Blindflug im Nebel, so dass der Altmann (2435 m) kurzerhand gestrichen wurde, da eine Besteigung bei diesen Bedingungen wirklich keinen Sinn gemacht hätte.

Altmannsattel - Löchlibettersattel - Westl. Fälenturm (T4)

Der steile Abstieg vom Altmannsattel (2368 m) nach Nordosten war dank halbwegs trockener Felsen und Drahtseilsicherung völlig problemlos zu begehen. Die Nordflanke besteht derzeit lediglich aus einem grossen Geröllfeld, der Altschnee ist auch dort längst restlos abgeschmolzen.

Der Westliche Fälenturm (2224 m) war selbst vom Löchlibettersattel aus im dicken Nebel nicht auszumachen, dennoch stiegen wir über die Südwestflanke entlang der Gratschneide auf und erreichten -zum Schluss in ganz leichter Kraxelei über Schrofen- in wenigen Minuten den Gipfel mit Gipfelsteinmann und Gipfelbuch. Erstaunlich, dass dieser wirklich unschwierige und damit auch für weniger Geübte erschwingliche Gipfel so selten bestiegen wird - das schöne Gipfelbuch aus dem Jahr 2002 weist erst wenige Einträge auf!
 
Für mich war mit der Besteigung des höchsten Punkts der Fälentürm eine weitere Pendenz im Alpstein erledigt, jedoch gibt es hier -wie ich beim Blick über den Grat zu den östlichen Fälentürm schemenhaft im Nebel erkennen konnte- noch einiges zu entdecken... 

Löchlibettersattel - Alp Häderen - Fälensee - Stifel - Plattenbödeli - Brülisau (T2)

Der sonst so aussichtsreiche Abstieg vom Löchlibettersattel war ziemlich langweilig und trostlos, da der Nebel so dicht war und das Licht derart abdeckte, dass der Eindruck entstand, es sei bereits später Abend und kurz vorm Eindunkeln. Völlig überraschend tauchte dann irgendwann aber doch einmal der Fälensee auf (als wir schon fast mit den Füssen drinstanden). Nach einem schnellen Kaffi im Berggasthaus "Bollenwees" gings dann über den "Stifel" hinunter zur Sämtiser Ebene und von dort auf dem Fahrweg nach Brülisau, wo wir gerade noch das Postauto um 17.14 Uhr erwischten.  

 

Tourengänger: marmotta

Galerie


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