Glegghorn (2447 m) - Dreiländertour


Publiziert von marmotta , 17. August 2009 um 00:38.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Prättigau
Tour Datum:15 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   FL   A 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 2500 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Maienfeld - Enderlinstein - Gleggtobel - Gleggkamm - Glegghorn - Unterst See - Alp Ijes - Barthümeljoch - Pfälzer Hütte - Alp Valüna - Steg, FL
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Maienfeld
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Steg FL
Unterkunftmöglichkeiten:Pfälzer Hütte
Kartennummer:LK 1156 Schesaplana (1:25.000)

Das Glegghorn (2447 m) zählt mit seiner beeindruckenden Westwand zusammen mit dem Schwarzhorn daneben sicherlich zu den markantesten Berggestalten über dem Rheintal. Schon seit langem war es mein Wunsch, diesen Gipfel einmal zu besteigen, der vom Rheintal so unnahbar erscheint, über seine Nord-bzw. Ostseite für den geübten Alpinwanderer aber leicht zu erreichen ist. Jedoch sind die Zustiegswege recht lang und mühsam, wenn man diese nicht durch diverse Auf- bzw. Abstiegshilfen (Bähnli, Bike etc.) abmildert.

Eigentlich hatte ich für dieses Wochenende ja ganz andere Pläne. Doch das Schicksal, oder eher meine potenziellen Tourenpartner (die mir allesamt eine Absage erteilten) wollten es, dass ich erneut in meine (nach dem Alpstein zweite) Lieblingsgegend pilgerte. Die Grauspitzen, mit 2599 m bzw. 2574 m sozusagen das "Dach" Liechtensteins, sollten es sein. Doch wie das bei mir üblich ist, reifen die Ziele oftmals erst während einer Tour bzw. werden spontan angepasst und so wurde auch dieser Plan spontan wieder verworfen und durch "Plan B" ersetzt...

Vom Bahnhof in Maienfeld gestartet, merkte ich schon nach wenigen Metern, dass es heute heiss werden würde, drückend heiss - bereits in den frühen Morgenstunden, ohne Sonneneinstrahlung, kam ich mir vor wie in einem finnischen Dampfbad. Ich weiss gar nicht, wie man soviel schwitzen kann... Und so beschloss ich, für einmal nicht den üblichen Weg via Enderlinhütte zum Fläscher Fürggli einzuschlagen, da diese Route nicht nur sehr steil ist, sondern unter den Falknistürmen auch bereits am Vormittag der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein würde. Ich entschied mich stattdessen, direkt durch den Gleggtobel zum Gleggkamm aufzusteigen. Dies hatte zum einen den Vorteil, dass praktisch die gesamte Aufstiegsroute noch im Schatten lag, zum anderen kürzt es den Weg zur Alp Ijes (und dort wollte ich ja ursprünglich hin) etwas ab.

Vom Enderlinstein (974 m), wo der blau-weiss markierte Steig zum Fläscherfürggli via Enderlinhütte beginnt, folgte ich weiter der Forststrasse, bis diese auf einer Höhe von ca. 1300 m endet. Dort beginnt ein stellenweise kaum sichtbarer, stark überwucherter Pfad, der steil und abenteuerlich durch den Gleggtobel hinaufführt. Trotz der Mühen, die mir die teilweise fast mannshohe Vegetation in manchen Abschnitten bereitete (im Spätherbst bei niedriger Vegetation ist dieser Pfad deutlich besser zu begehen), genoss ich den Aufstieg. Überall duftete es nach Pilzen, einige Gämsen keuzten überraschend (für sie und für mich) meinen Weg und die Ausblicke auf die senkrechten Westwände von Schwarzhorn und Glegghorn waren wie immer eindrücklich.

Nach ca. 2,5 h hatte ich den Gleggkamm (P. 2067 m) und damit endgültig die Sonne erreicht. Ein schöner Tiefblick ins Rheintal ist einem bereits hier beschert. Und wie ich so den Südgrat zum Glegghorn hochblicke, reift in mir der Entschluss, es doch einmal zu probieren, ob ich da irgendwo hinaufkomme. Plan B trat in Kraft...

Dem Vernehmen nach vermittelt der Nordostgrat den einfachsten Aufstieg auf den Gipfel des Glegghorns. Nur, wie dort hinkommen, wenn man nicht wieder zur Fläscher Alp absteigen und auf der Ostseite einmal um den ganzen Berg herumlaufen möchte? So suchte ich in der Südostflanke nach einer gangbaren Route, um direkt auf den Ostgrat und über diesen zum Gipfel zu gelangen. Vom Gleggkamm querte ich die steilen, von 2 Geröllrinnen unterbrochenen Grasflanken des Glegghorns bis unter einen Felsriegel. Hier sah ich, dass es dort keinen einfachen Weg über die senkrechten Felsplatten gab und stieg wieder einige Meter schräg nach Nordosten ab, bis ich weiter nördlich einen Durchstieg durch den Felsriegel fand. Entlang einer steilen Gras-Schrofen-Rinne, die sich unmittelbar vor den Felsabbrüchen des Ostgrats hinaufzieht, gelangt man unschwierig mehr oder weniger direkt zu P. 2238 und zum kleinen Holzkreuz, das dort auf einem Gratkopf errichtet wurde, zum Gedenken an den tragischen Tod eines jungen Einheimischen, der dort vor 7 Jahren beim Holztragen für das 1.August-Höhenfeuer abgestürzt war. Nach Überklettern einer kurzen Felsstufe (I) gewann ich über Gras-Schrofenbänder schnell an Höhe. Wenngleich das Gelände bei Trockenheit unproblematisch ist, hoffte ich, hier nicht mehr absteigen zu müssen, ist die Flanke stellenweise doch sehr steil und ohne Pickel im Abstieg nicht zu empfehlen. Ein Sturz infolge eines Ausrutschers könnte hier mit Sicherheit nicht aufgehalten werden...

Auf dem Grat angelangt, war die weitere Route zum Gipfel offensichtlich: einfach immer auf der Schneide, mal mehr, mal weniger ausgesetzt, einige Gratzacken überkletternd, wobei mich ein senkrechter Gratabbruch zumindest im Aufstieg (wo dieser abgeklettert werden muss) doch etwas forderte (II+, sehr ausgesetzt). Zwischendurch hat es immer wieder Wegspuren, der Fels ist auf der Gratschneide zumeist sehr solide, dennoch empfiehlt sich aufgrund der Exponiertheit eine genaueste Überprüfung der Haltbarkeit. Nicht, dass es einem so ergeht, wie dem zuvor erwähnten jungen Einheimischen, dem dazumals ein Griff herausgebrochen sein soll...

Möglicherweise können die meisten Kletterstellen auf dem Grat auf teilweise ausgesetzten Grasbändern in der Südostflanke umgangen werden, ich habe es nicht ausprobiert, da ich die Route direkt auf dem Grat spannender fand.

Auf dem Gipfel mit Gipfelsteinmann und Gipfelbuch dann eine grandiose Rundumsicht und ein gewaltiger Tiefblick ins Rheintal hinunter. Etwas unterhalb des Gipfels auf dem Ostgrat übrigens sehr schöner Edelweissbestand! Abstieg auf dem gleichen Weg über den Ostgrat und zuletzt in der Nordflanke über steiles Gras zum Unterst See (1888 m).

Vom Unterst See ging es dann in grosser Hitze, die mir an diesem Tag sehr zu schaffen machte, auf markiertem Bergweg zur Fahrstrasse, welche durch 2 Tunnels (wäre dieses Rätsel auch gelöst – sowohl Trasse als auch Tunneleingang waren im Winter unter meterhohen Schneemassen verborgen) zur Alp Ijes (1934 m) führt. Der Tunnel durch das gewaltige Bergmassiv der Krüzplatten wurde einst zu militärischen Zwecken gebaut und vermittelt eine bizarre Atmosphäre – wenigstens wars drinnen schön kühl…
 
Von der Alp Ijes zunächst auf dem ausgeschilderten und markierten Weg Richtung Schesaplana-Hütte. Nach wenigen hundert Metern zweigt meine Route zum Barthümeljoch (Grenze CH-A) nach links ab, kein Wegweiser, lediglich ein unscheinbarer Pfeil auf einem Stein weist darauf hin. Es sind nur spärliche Wegspuren und Markierungen (rot-weiss) vorhanden, jedoch kann man das Joch –zumindest bei ausreichenden Sichtverhältnissen- kaum verfehlen. Oben bin ich froh, diesen letzten grösseren Anstieg des Tages geschafft zu haben, in der Mittagshitze war dieser steile Südhang kein Zuckerschlecken. Die Aussicht ist jedoch auch hier sehr schön, vor allem der Anblick des östlich des Barthümeljochs aufragenden Bergklotzes des Tschingels (2541 m) und der Kalkberge des Rätikons ist eindrücklich.
 
Über den Liechtensteiner Höhenweg ging es dann erneut über eine Landesgrenze (A-FL) hinweg zur Pfälzerhütte (2108 m). Von dort in 1 h 45 min nach Steg, von wo mich das Postauto zurück ins Unterland bringen sollte. Als ich im Valünatal realisierte, dass das anvisierte Postauto um 16.58 Uhr nur unter grösster Anstrengung zu erreichen wäre, kehrte ich noch auf ein Glas Most in der gemütlichen Alp Valüna ein. Noch ahnte ich ja nicht, welche Odyssee mir bevorstand, um nach Buchs zu gelangen…
 
Anlässlich des Fürstenfests in Vaduz kam ich zwar in den Genuss einer Gratisfahrt in den Liechtensteiner Bussen, verlor aber in Vaduz eine geschlagene Stunde, da hier absoluter Ausnahmezustand herrschte und der Verkehr grossräumig um die abgesperrte Innenstadt geleitet wurde. Erst um 21.30 Uhr befreite ich nach rund 16 Stunden meine geschundenen Füsse von den engen, schweren Bergstiefel…

Fazit: Eine laaange und tolle Tour, bei der ich in verschiedener Hinsicht Grenzen überschritten habe ;-)

Tourengänger: marmotta

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