Lagginhorn


Publiziert von D!nu , 18. September 2018 um 21:32.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum:16 September 2018
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1234 m
Abstieg: 1563 m

Endlich ist es soweit! Meine drei Kinder betrachten jeweils gespannt meine Photo's, die ich von meinen Touren zurück bringe. Dabei hat sie der Bergfieber auch schon gepackt. In meinen Hochtourenführern stöbernd kommen sie gelegentlich mit Wunschzielen und heften Post-it's in die relevanten Seiten. Vor zwei Jahren kam mein ältester Sohn - dazumal 11 Jährig - mit dem Vorschlag des Lagginhornes (4010 M.ü.M.) daher. Da es auf dem Normalweg des Lagginhornes keine Gletscherspalten zu übersteigen gilt und ich diesen 4000er mit meinen Ausbildungen & Erfahrungen auch Solo besteigen könnte, versprach ich ihm, bei genügendem Training und guten Verhältnissen das Lagginhorn mit ihm alleine zu besteigen. Das Training zwischen 600 bis 3500 Metern hohen Bergen - zum Teil mit Kraxeleinlagen und gehen am kurzen Seil - sowie die Motivation meines Sohnes versprach mir, dass die Besteigung des Lagginhornes ein Erfolg wird. Ganze zwei Jahre später, nachdem mein Sohn die Packliste für's Lagginhorn geschrieben hatte, machen wir uns - bei besten Wettervorhersagen - auf den Weg mit dem ÖV nach Saas-Grund. Dies auf absolut freiwilliger Basis und auf Wunsch meines Sohnes - Ein Traum für mich :-D

Nach der gestrigen Akklimatisierungstour auf dem höchstgelegenen Klettersteig der Schweiz, welcher auf's Jegihorn führt, konnten wir uns bereits ans Gelände gewöhnen. Leider meldete der Wetterbericht kurzfristig eine Störung gegen den Mittag vom nächsten Tag, dem Tag an welchem unsere Besteigung stattfinden sollte. Unser Plan, bei wärmenden Sonnenlicht das Lagginhorn zu besteigen wurde gebrochen. Wir entschieden uns somit, um 5 Uhr aufzustehen. Aufgrund meiner Erfahrungen hatten wir dann auch alles Material mit dabei: Strinlampen & warme Kleider welche zugleich auch noch Wind- und Regenschutz beinhalten. Zudem, da Kinder schneller Kalt haben, haben wir je 2 Paar Socken angezogen, Stülpen montiert, gefütterte Hosen und 5 Oberteil "Schichten" getragen. Zudem trugen wir eine Sturmkappe, einen Halsschlauch sowie einen Helm.

Als wir am Morgen in der Früh in Vollmontur vor die Weissmieshütten standen mussten wir bereits bemerken, dass Schneeflocken durch die Luft tanzen. Der Schnee setzte jedoch bisher nicht an und es schneite so wenig, dass der Boden absolut trocken war. Da wir am Himmel viele Sterne sahen, entschieden wir uns, unser Vorhaben zu starten. Zeitgleich  mit 3 italiänisch sprechenden  Berggängern liefen wir los, hinauf zum POI "Lagginhorn Biwakplatz" und von dort in Richtung Bergstation des Hosaas Bergbahn. Schon nach ca. 200 Metern überquerten wir den Bergbach und wanderten auf der Moräne in Richtung Laggingletscher hinauf. Die drei Berggänger mit welchen wir starteten liefen weiter Richtung Bergstation - zu dem Zeitpunkt vermuteten wir, dass sie den Weissmies machen würden. Später trafen wir sie jedoch wieder bei P.3539 als wir im Abstieg und sie im Aufstieg waren - somit ist die Abkürzung über die Moräne mehr als Lohnenswert ;-)

Beim Laggingletscher montierten wir unsere Steigeisen und fixierten an uns das Seil. Mit dem Pickel ging es nun am kurzen Seil, in einer langgezogenen Kurve steil hinauf, zum Aufstieg auf den Felsengrat. Mein Sohn machte mir dabei einen vorbildlichen und sicheren Eindruck. Motiviert suchte er auf dem fortlaufenden Grat die Steinmänner und versuchte sie jeweils vor mir zu erwähnen. Dabei korrigierte er mich betreffend der Seilführung, wenn für eine kurze Strecke mal das Seil nicht Bergseitig war :-) Es machte uns beiden sichtlich Spass. dabei kamen wir in einem (für mich) eher schnellen Tempo vorwärts und ich musste ihn mehrmals ausbremsen. Die Taktik, bei jedem Schritt die 21 dann die 22 zu sprechen, damit man das richtige Tempo behält, hielt jeweils nur wenige Meter.

Kurz vor dem P.3539 hat sich die Schwierigkeit des Geländes erhöht. Wir befanden uns nun definitiv im Blockklettern, teilweise in abschüssigem Gelände. Es gab dabei jedoch immer optimale natürliche Sicherungsmöglichkeiten und so kamen wir weiterhin gut und sicher vorwärts. leider befanden wir uns inzwischen zeitweise in dichtem Nebel, welcher auch Wasser netzte. Der Stein war zwar teilweise feucht, aber weiterhin sehr Griffig. Der Halt auf dem Stein mit unseren Bergschuhen war optimal. Somit entschieden wir uns über die Schlüsselstelle zu klettern, eine ca. 20 Meter lange Platte mit anschliessendem schmalen Grat. 

Hinter dem Gratstück steigt man einen längeren Geröllhang hoch, dabei gibt es mehrere mögliche Pfade, Tendenz Mitte Rechts war nicht schlecht. Nach mehreren 1-2 Meter hohen Steilstufen, die wir im zweiten Schwierigkeitsgrad erklettern mussten, befanden wir uns nun in dichtem Nebel, mit ca. 20 Meter Sicht und ein fieser Nieselregen setzte ein. Zusammen entschieden wir kurz vor dem Gipfelfirn umzukehren, da wir vom Gipfel sowieso keine Aussicht hatten. Die Eiszapfen erinnerten uns an die Kälte und die zum Teil gefrorenen Stellen vor uns waren ganz klar ein Risiko für uns zwei. Glücklich und weiterhin Motiviert traten wir auf ca. 3950 Meter über Meer die Rückkehr an, langsam und vorsichtig kletterte zuerst mein Sohn ab, sicherte das Seil wie gelernt um Felszacken und blühte im Gehgelände weiter auf, wo ich ihn wieder bremsen musste :-D Nach nur 5,5 Stunden standen wir wieder in der Weissmieshütte, eine grosse Leistung für einen knapp 14 Jährigen. In der Weissmieshütte angekommen erreichte uns die Regenzone. Vollbepackt wanderten wir glücklich durch den Regen, hinunter zu Bergstation Kreuzboden.

Das wichtigste, so denke ich, ist die Kinder ernst zu nehmen, die Kinder bei den Entscheidungen voll und ganz einzubeziehen und trotzdem die Grenzen aufzuzeigen. So konnten wir zwei dieses Wochenende im Wallis voll und ganz geniessen - auch wenn das Wetter uns einen Streich spielte.

Wichtig zu Wissen: Die Hochtour auf das Lagginhorn via Normalweg ist nicht zu unterschätzen, es ist auch kein "Kinderspielplatz"! Unerfahrenen Hochtourengänger rate ich eine solche Tour ab.

Gefahren: Steinschlag --> vorallem auf dem Lagginhorngletscher, ausgehend von Tourengängern auf dem Grat zum Lagginhorn. 

Tourengänger: D!nu


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Kommentare (2)


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mbjoern hat gesagt: :-)
Gesendet am 20. September 2018 um 09:56
Super ! Gratuliere euch zu dieser super Tour und cool anzusehen wie die Jugend unterstützt von den Eltern so schöne Projekte unternimmt !!

D!nu hat gesagt: Danke :-)
Gesendet am 22. September 2018 um 12:17
es hat Spass gemacht. Gruss Leandro


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