Hirzli – Flüebödeli : 5 Miles going West


Publiziert von Seeger Pro , 8. Mai 2009 um 17:17.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum: 7 Mai 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Oberseegruppe   Zürcher Hausberge   CH-SZ 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1350 m
Strecke:16 km: Morgenholz Bergstation 983m - Flüebödeli 620m, Busstation
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Anfahrt: mit SBB von Zürich – Ziegelbrücke, Bus nach Niederurnen, 200 m zu Fuss zur Talstation Morgenholzbahn (Abfahrten ab 07 00 Uhr, alle 30 Minuten oder nach Nachfrage)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Rückfahrt: mit Bus ab Flüebödeli (Taktfahrplan: alle 00.14) nach Siebnen, dort SBB nach Zürich
Unterkunftmöglichkeiten:Einkehr: Flüebödeli 620m : Restaurant Flüebödeli 055 440 16 57 Port 804: Gasthaus Kapelle, Mo/Di geschlossen
Kartennummer:1133 Linthebene

„Go West!“ war der Slogan der Goldgräber in Amerika. Und so kommt mir diese Traumtour auf dem Nagelfluh - Grat 1200 hm über dem Niveau Walensee – Gasterebene  – Zürichsee auch vor. Nach vollendeter Tour begreife ich die vielen HIKR-Kollegen, welche sich in dieses Gebiet verliebt haben und es immer wieder besuchen! „Go West“ kommt mir aber auch in Verbindung mit dem Mühsal der Gold-Tracker in den Sinn. Noch nie habe ich solch einen never-ending Grat erlebt. Du musst ihn selbst gemacht haben und wirst mir beipflichten!
 
Die Tour beginnt schön gemütlich mit der Bergfahrt in der Achtplatz-Mini-Gondel der Morgenholzbahn. Welch ein schöner Tag mit blauem Himmel; aus dem Winterschlaf ist der  Mischwald in dezentem Grün erwacht und die Alpwiesen sind übersäht mit Krokussen, Schlüsselblumen, Seidelbast;  und vieles weiteres erwartet uns am Aufstieg zum Hirzli. Der Weg – viel begangen, rot-weiss markiert und gelb beschildert - führt zuerst am Ferienlager-Haus vorbei, dann auf einer befahrbaren Kiessstrasse mit etwa 25% Steigung in engen Kehren empor. Ein Waldlehrpfad mit lustig geschnitzten Waldtieren (die Eichhörnchen gefallen mir am besten) säumt den Wegrand.
 
Der Weg schraubt sich über Schwinfärch 1174m konstant empor zu dem neu ausgebauten Forsthaus 1450m. Von dort an interessanten Nagelfluhabbrüchen und unkonventionellen, natürlichen Lawinenverbauungen (Alphornkulturen) vorbei im Zick-Zack-Kurs auf den Hirzli 1641m.
 
Wow! Was für eine Aussicht. Dank der vorgeschobenen Lage des Hirzli siehst Du ein Rundum - Panorama (wäre etwas für 360 ;-)): Von der Linthebene im Norden (dahinter Speer und Säntis ) , über den Walenseegraben (links die Churfirsten und rechts die „Glarner“ Mürtschenstock & friends , bis zum Vrenelisgärtli) . Gegen Westen wären noch die beiden markanten Mythenstöcke, den Aubrig und Pilatus zu erwähnen. In weiterer Distanz erahnt man den Blick zum Bodensee, die Stadt Zürich, die Urner und einige Berner Dreitausender, und… und .. und (im Wunschkonzert bringen sie immer wieder so einen köstlichen Song in breitem Bernerdialekt über den Grossvater mit seinem Enkel, welcher mich immer wieder einholt: „so schwig jetzt „) Das Gipfelkreuz erfreut sich einer hochtechnischen Einrichtung mit Solarzelle und Scheinwerfer, welcher sich in einen ausgehölten Stein vor den Unbill des Wetters duckt.
 
Begleitet von einigen Altschneefeldern überschreite ich den nicht immer ungefährlichen Verbindungsgrat zum Planggenstock 1675m. Lässig ist die kurze Kraxelei auf den Gipfel. Hinten wieder hinunter auf dem Muesalpgrat und ohne Orientierungsschwierigkeiten weiter (Wohin will man sich denn hier verirren bei diesem Grat?). Herrliche Stellen mit saftigem Tiefblick auf die Muesalp. Harz mischt sich mit Blumenduft und lassen das mühsame Auf und Ab vergessen. Ein aufgescheuchtes Auerhuhn flattert davon, um dann weiter unten mit Kolleginnen und Kollegen ein lautes Balzgurren verlauten zu lassen. So erreiche ich das Ende des Niederurnertales, das mit einem markanten NS-Riegel, der Rossweidhöchi, den Abschluss findet .( Kantonsgrenze Glarus – Schwyz).
 
Die meisten Bergwanderer steigen hier über das Niederurnertäli zum Restaurant ab. Ich folge jedoch dem markanten Nagelfluhgrat nach Westen und erreiche nach einigem Auf und Ab die Lauihöchi 1455m. Ob es wohl an den kantonalen Gepflogenheiten liegt, dass hier nach der Grenze zum Kanton Schwyz die Wanderwege weniger unterhalten, die Wege mit fast unüberwindbaren Stacheldraht-Hägen gespickt und die Wegzeichen immer spärlicher angebracht werden? Ich glaube kaum.  Jedoch ist es offensichtlich, dass der Rundweg im Niederurnertal viel begehrter ist, währenddem sich die Fortsetzung eher für Sonderlinge mit Kartenkenntnissen eignet. Dazu kommt das hier speziell vorhandene Konfliktpotential zwischen Landwirtschaft und Wandertourismus, das bei den vielen extensiv bewirtschafteten Alpweiden logischerweise Unbehagen bei den Bergbauern auslöst. Allzu viele Wanderer, auch Hundehalter, nehmen sich gerne unüberlegte Freiheiten aus.
 
Am Abstieg von der Lauihöchi lohnt es sich, ganz links dem Hag entlang hinunterzusteigen. In einem sensationellen Tiefblick sieht man eine stark errodierte Schlucht mit Nagelfluhfelsen und Kalksteinadern. Nach den Hütten geht es links in den Wald hinein zur Bigligerhöhi 1406. Im grossflächigen Jungwald verfolge ich den gut sichtbaren Weg etwa 200m bis an eine wichtige Abzweigung. Zum Glück steht hier ein Wegweiser! Ich zweige nach links ab und steige im Trosenwald ab über die Pt.1230 - Pt.1206 (Ruebergschwänd) und wieder hinauf über Pt.1259.3 - Pt.1177 (Wisliswald) - Pt.1183 zum Fusse des Stockberges, wo sich eine windschiefe Hütte befindet. Wenig weiter vorne steht ein Wegweiser, der in Richtung links unten den Weg gegen Flüebödeli anzeigt. Von diesem Weg fehlt jede Spur. Nur dank der Karte finde ich den Abstieg entlang dem Waldrand gelegenenen Weg. Auf etwa 1100m finde ich den Weg in einer Baumgruppe mit neuer Treppenanlage und Bezeichnung. Von hier aus gut bezeichnet nach Siebner Schwändi, dann weiter auf die Teerstrasse. Auf dieser nach links (ESE) vorerst ansteigen, dann wieder hinunter zur Wirtschaft Kapelle, Port 804m.
 
Es folgen die letzten 200 m Abstieg – zum Glück – übers Rinderweidli (junge Schafe) zur Wäggitaler Aa, welche sich in einer Druckröhre durch die Lüfte schwingt und sich um das ausgetrocknete Bachbett schert. Über die Brücke und leicht ansteigend auf einer Teerstrasse zur Busstation. Gleich 50 m darüber befindet sich ein Restaurant für wartende und erschöpfte HIKR‘s.
Ich muss nicht lange warten. Der Bus kommt und nimmt einen müden aber überaus glücklichen Wanderer auf. Gold habe ich keines gefunden, aber Erlebnisse: „Go West“ !

Strecke: Morgenholz Bergstation 983m-Schwinfärch 1174m-Forsthaus 1450m-Hirzli 1641m-Planggenstock 1675m-Kantonsgrenze GL/SZ 1489m-Lauihöchi 1455m-Bigligerhöhi 1406-Stockberg 1212m-Port 804m, Restaurant Kapelle-Flüebödeli 620m, Busstation


Tourengänger: Seeger

Galerie


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