Via Marmontana (2315 m) zum südlichsten und zum tiefsten Punkt Graubündens


Publiziert von PStraub , 20. Juni 2018 um 10:38.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:19 Juni 2018
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Mountainbike Schwierigkeit: WS - Gut fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Portola-San Jorio   CH-GR   I   CH-TI 
Aufstieg: 2640 m
Abstieg: 860 m

Am 1. Mai habe ich diese Tour schon einmal versucht, siehe hier, bin aber im Schnee stecken geblieben. Immerhin habe ich damals gelernt, dass die E-Bike-Akkus mehr hergeben, als ich angenommen hatte - ich war mit fast vollem Akku zurückgekommen.

Also wie gehabt: Mit dem IC nach Bellinzona und dort bei BikePort ein vorab reserviertes E-MTB abholen. Sie sind jetzt direkt im Bahnhof, Service und Bikes dieses Anbieters sind ausgezeichnet.

Ab der Schranke in Arbedo fahre ich diesmal im "Tour"-Modus, also quasi im "zweiten Gang". Der Vorteil ist die höhere Geschwindigkeit: Eine Stunde sparen, kann bei einer zeitlich ambitionierten Runde den Unterschied zwischen Gelingen und Misslingen machen.

Bis Alpe della Costa ist die Strasse gut, dann wird es bis vor Alpe di Gesero ein ziemlich wüster Ritt (kaum mehr Asphalt und Steine jeder Grösse).

Etwa um halb elf bin ich bei der Capanna Gesero UTOE angekommen, die jetzt bewartet ist. Nach einem Tee (!) bin ich zu Fuss weiter via Biscia zur auf der Karte namenlosen Bocchetta di Cugn. Die Signalisation dort ist bizarr, man sieht nur einen Wegweiser ohne Zielangabe Richtung Passo San Jorio. Wer es nicht weiss, sieht den "richtigen" Wegweiser etwa 10 m links in den Büschen vermutlich gar nicht. Von hier bin ich via Hütte bei P. 2070 auf die Cima di Cugn (2237 m) gestiegen und via die Einsenkung - gut 50 Hm - weiter zur Marmontana. Deren Südhang ist voller Wegspuren im T3-Bereich, es spielt kaum eine Rolle, wo man geht. Wie die Fotos beweisen, sieht man bei guter Sicht von hier aus ziemlich weit.

Der Abstieg zur Bocchetta del Lago folgt dem Grat und ist recht einfach (T3+). Dort machte ich noch den Abstecher zum südlichsten Punkt Graubündens, der auf dem angrenzenden Hügel liegt (kein Grenzstein).

Zwischen Bocchetta del Lago und Bocchetta di Cugn sind in der Karte Wegspuren eingezeichnet. Das ist reine Theorie, das Gelände besteht fast überall aus Gneisplatten, eine Wegspur kann sich da nicht bilden. Hingegen findet man immer mal wieder einzelne Steinmänner und Farbmarkierungen, aber ein System ist nicht auszumachen.
Es spielt auch keine grosse Rolle, man kommt fast überall ohne grosse Probleme durch. Vorteilhaft ist, immer eher ansteigend zu gehen. - Ab der Bocchetta di Cugn folgte ich wieder dem Hinweg.
Schwierig ist das alles nicht, aber es zieht sich. Gemäss SchweizMobil sind es ca. 12.6 km und 860 Hm, wofür gut 4 1/2 Stunden vorgegeben werden.

In der Capanna gabs jetzt ein Bier und einen Snack, wofür ein unglaublich tiefer Preis gefordert wurde.

Für die weitere Strecke benutzte ich wieder das Bike. Kurz nach der Verzweigung kam eine behelfsmässige Barriere mit einem Zettel "via sbarrato". Selbst mein Italienisch genügte, um den Inhalt zu erfassen. Doch versuchen konnte ich es ja.
Der Zustand der Strasse bis zum Tunnel ist tatsächlich unterirdisch, ein Stück ist sogar abgerutscht. Derzeit sind sie anscheinend am Reparieren. Mit Bikes ist die Strecke ohne weiteres zu schaffen, für Autos allerdings geht da bis auf weiteres gar nichts.

Hat man einmal das schwarze Loch hinter sich, sieht man ins Misox und ins Calancatal. Und auf die winzigen Häuser Roveredos, gut 1500 m weiter unten. 1500 m, die man mit rauchenden Bremsen "vernichten" muss. Bis Laura ist die Strasse sehr gut, dann wird es ein rechtes Geschüttel.

In Roveredo habe ich den Schlupf unter der neuen Autobahn gesucht und bin dann auf einer Wegspur gefahren, die in einigem Abstand der Moesa folgt. Erst im Nachhinein habe ich gesehen, dass ich nicht auf dem Weg unterwegs war, der auf der Karte eingezeichnet ist, sondern auf einer "wilden" Spur durch den Auenwald beim Fluss, die bei P. 269 in den Weg kommt.
Übrigens: Auch hier hiess es "via sbarrato", wegen "caduta sassi" (Steinschlag). Damit konnten ich - und viele andere Spaziergänger/Biker scheinbar auch - gut umgehen.

Bei La Crola habe ich kurz angehalten, um den (vermuteten) tiefsten Punkt Graubündens zu fotografieren. Lokal ist das nicht leicht zu verorten, anhand der Karte konnte dann ich feststellen, dass ich ihn fast punktgenau gefunden hatte (keine 10 m davon).

Ab hier gings via Arbedo zurück zum Bike-Verleih. Wo ich noch vor Ladenschluss eingetroffen bin.

Man kann von E-Bikes halten, was man will: So eine Route, 2640 Hm und über 60 km Distanz, wäre (für mich) im gegebenen Zeitfenster (09.00 bis 17.00 Uhr) anders nicht zu schaffen gewesen. Ich werde das bei vergleichbaren Umständen jederzeit wieder so machen.

Tourengänger: PStraub


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