Gerstelflue


Publiziert von Delta Pro , 4. Mai 2009 um 19:36.

Region: Welt » Schweiz » Basel Land
Tour Datum: 3 Mai 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BL 
Zeitbedarf: 2:00
Aufstieg: 380 m

 
Sehr lohnende, alpine Gratüberschreitung – die Gerstelfluh hält, was sie verspricht!
 
Nach ironknees eindeutigem Lob für die Gerstelflue und meiner ersten Besichtigung vor anderthalb Monaten, war es nur noch eine Frage der Zeit bis ich den Gratkamm unter die Füsse nehmen würde. Die Überschreitung bietet eine schlussendlich doch erstaunlich lange Tour im typischen Jura-Gelände mit felsigen, aber doch vegetationsreichen Graten. In meinen Augen ist die Tour als ganzes ein klares T6. Die Kletterstellen sind normalerweise ziemlich kurz und nie steil (nach meiner Einschätzung nie mehr als II). Für T6 spricht auch der oft etwas brüchige Fels (vor allem im ersten Gratabschnitt) und die allgegenwärtige Vegetation – Wurzelgriffe gehören auch hier als willkommene Zutat in die Suppe. Ich war erstaunt, wie häufig der Grat begangen zu sein scheint. Die Route ist meist ausgetreten und einschlägige Baumgriffe sind deutlich durch hunderte von Händen gekennzeichnet. Insgesamt ergibt sich eine alpine Kraxeltour mit eindrücklichen Passagen, die sehr lohnend ist und den grünen Bereich nie verlässt.
 
Gleich hinter Ruine Waldenburg dem blauen Pfeil an einer Felswand nach hinauf auf den Grat. Der erste Gratabschnitt von der Ruine bis zum grossen Turm ist meistens Gehgelände (bis T5). Zwei relative kurze, aber exponierte und sehr fotogene Passagen fordern heraus (T6). Vorsicht, der Fels ist teils nicht ganz solide. Den Direktaufstieg zum Turm schenkte ich mir gleich wie meine „Vor-Hikr“ ironknee und markom und stieg über das Band in der Nordflanke (T4) auf den guten Aussichtspunkt. Das Zwischenstück der Gerstelflue bis zum Sattel Pt. 811 sollte man nicht einfach auf dem Weg abspulen. Man findet einige hübsche Kraxelstellen, z.B. das „Messer“, dessen Überkletterung mir jedoch zu heikel war (Umgehung in der Südflanke auf einem Band, T5-T6). Auch beim kleinen Felsenfenster gibt’s noch eine Variante zu holen: Durchs Loch durch und in der Nordflanke steil aufwärts (Wurzelgriffe-Moos-Kletterei, T5).
 
Das Herzstück der Gerstelfluh ist der Gratabschnitt vom Sattel zum höchsten Punkt. Anfangs geht es recht steil bergauf, meist angenehm in rund 10 Meter hohe Aufschwünge gegliedert (max II). In abwechslungsreicher Kraxelei geht es über Türme und durch Scharten. Zwischen den Kletterpassagen folgt immer wieder Gehgelände, wo man sich entspannen kann. Richtig exponiert wird die Gerstelfluh im Abschnitt über dem grossen Felsenfenster. Eine nordseitige Querung auf einem sehr schmalen Band ist mit einer Kette gesichert – ohne diese wäre es eine rechte Mutprobe. In gutgriffigem und solidem Kalk klettert man weiter (T6, II) und erreicht bald ironknees „Häng und Spring“ Stelle. Tatsächlich scheint das abgegriffene Bäumchen die beste Abkletterhilfe zu sein. Ist man vorsichtig kommt man auch ohne Springen durch. Das folgende, horizontale Gratstück ist sehr ausgesetzt, für mich die grösste Anspannung der Tour. Anschliessend geht es einfacher, aber immer noch abwechslungsreich bis zum Gipfelbuch. Weiter bis zum Wanderweg, durch die Südflanke ins Tobel und zurück zum Ausgangspunkt bei der Zivilschutzanlage Waldenburg, wo sich mittlerweile rund 2 Dutzend Fahrzeuge verschiedener Nation zu einem Volksfest eingefunden haben.

Tourengänger: Delta

Galerie


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Kommentare (1)


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ironknee hat gesagt: :)
Gesendet am 4. Mai 2009 um 21:52
Hallo Delta

Gratuliere zur erfolgreichen Begehung des Gerstelgrates! Ich war mit Put erst kürzlich wieder einmal dort.
Soweit ich informiert bin wird der Grat auch im Winter, sogar mit Steigeisen, begangen. Wäre auch mal was, oder?

Ja, somit wäre im Wanderbereich noch der "Turm" offen. Für eine weitere Begehung (mit "Turm") weisst Du ja welche hikrs dabei sind. ;-)

Gruss, ironknee


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