Überschreitung Rorspitzli 3220m


Publiziert von Bergamotte Pro , 10. Februar 2018 um 15:38.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 9 Februar 2018
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 2070 m
Abstieg: 1940 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Abfrutt
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Alpentaxi Baumann, Wassen (079 209 24 59)
Unterkunftmöglichkeiten:Salbithütte (Winterraum)
Kartennummer:255S (R. 74, 790a/b)

Ab Meien wird das Rorspitzli im Spätwinter und Frühling ausgiebig besucht. Wenig bekannt ist die Südroute aus dem Göschenertal via Salbithütte. Sie ist nicht nur einsam, sondern auch sonnig und landschaftlich äusserst eindrücklich. Für die Abfahrt hingegen ist sie wenig geeignet. Hier hält man sich besser an die Normalroute, was die Überschreitung perfekt macht.

Um 7:50 starte ich bei der Schranke in Abfrutt (1168m). Es herrschen eisige Temperaturen unten im engen Göscheneralptal. Nach einem knappen Kilometer der planierten Strasse entlang beginnt in Ulmi der ruppige Waldaufstieg über den steilen und engen Wanderweg. Je nach Verhältnissen müssen die Skier bis Regliberg (1680m) getragen werden. Heute kann ich mit Ausnahme von fünf Minuten alles hochfellen, kräfteraubend und anspruchsvoll. Im Abstieg müsste man zwingend alles tragen, was letzte Woche tatsächlich eine Zweiergruppe gemacht hat. Einer älteren Spur folgend erreiche ich durch eine steile Waldschneise die kleine Ebene von Grueben und wenig später die wunderbar gelegene Salbithütte SAC (2105m), Zeit für eine Pause. Übrigens, der gemütliche Winterraum - Küche und Matratzenlager kombiniert - ist ausgestattet mit Wein, Bier, Süssgetränken, Tee, Kaffee und Schokolade.

Bei guten Verhältnissen (wie heute) wäre der Aufstieg über die Bandlücke vermutlich die effizienteste Variante, die grosse Felswand Richtung Rorplatten zu überwinden. Dann kann fast durchgehend mit Skiern aufgestiegen werden. Aber bei Hartschnee wird's hier schnell gefährlich (Absturzgefahr). Und unbedingt die tageszeitliche Erwärmung beachten. Mich reizt hingegen die offizielle Route durchs Gemschiplanggencouloir, welches von der Hütte noch nicht einsehbar ist. Also Weiterweg Richtung Nordwest, wobei ich ab sofort frisch anspuren muss, bis sich zu meiner Rechten zwei markante, südwestexponierte Couloirs öffnen (nicht zu verfehlen), die direkt zum Meiggelengrat hochführen. Im Gegensatz zur Tourenkarte entscheide ich mich fürs linke Couloir; das empfiehlt übrigens auch der Hüttenwart. Äusserst steil (>40° auf 140Hm), aber bei Trittschnee wie heute unschwierig erreiche ich mit Steigeisen die schmale Lücke im Meiggelengrat.

Hier öffnet sich der Blick nach Westen über den Rorfirn zum Gipfelziel. Auch wenn das Rorspitzli nun in Sichtweite liegt, verbleiben 700Hm auf gut zwei Kilometern. Auch die Spurarbeit fordert ihren Tribut und ich bin ziemlich am Kämpfen. Das Skidepot auf dem Rorspitzli-Nordostgrat erreiche ich zuletzt sehr steil, aber durchgehend mit Skiern. Den folgenden Fussaufstieg durch die Nordflanke - viele Varianten möglich - habe ich mir einfacher vorgestellt. Die Kombination aus wenig Neuschnee und Ausgesetztheit macht die Sache irgendwie heikel (ohne Steigeisen ein No-Go). Drum muss das grosse Aufatmen oben auf dem Rorspitzli (3220m) noch etwas zuwarten.

Selbstredend lässt das Panorama auf einem Gipfel dieser Höhe wenig Wünsche übrig. Wobei die Aufmerksamkeit immer wieder auf den benachbarten Fleckistock fällt. Mittlerweile haben sich auch auf der Alpennordseite Wolken gebildet, was ganz schöne Stimmungen abgibt. Nach ausgiebiger Verpflegung mache ich mich bald schon an den Abstieg. Zwei Gruppen aus dem Meiental sind in der Zwischenzeit umgekehrt; die erste offenbar nach zwei erfolglosen Versuchen, den Grat zu gewinnen. Selber gelingt mir der Abstieg vom Grat auf den Kartigelfirn ohne schlimmeres Herzklopfen, wobei die Skier auf dem Rücken erhöhte Konzentration erfordern (hängenbleiben!).

Nun zur Abfahrt. Die ersten 150Hm sind Pulver pur, dann aber rasch gedeckelt. Immerhin, es bleibt gut fahrbar, auch wenn meine Beine nach dem langen Aufstieg völlig übersäuert sind. Wobei, im Kartigel-Kessel findet man eine richtiggehende Sauerei aus Lawinenkegeln vor. Bei deren Überquerung fühle ich mich wie in einem dieser alten "Jump-and-Run"-Videospiele... Hier müsste es mal kräftig draufschneien. Anschliessend unspektakulär über die Waldstrasse runter ins Meiental und per Alpentaxi zurück nach Göschenen.


Zeiten
2:15  Salbithütte
3:00  Rorspitzli
1:20  Meien

Tourengänger: Bergamotte


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Kommentare (2)


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El Chasqui Pro hat gesagt: bravo!
Gesendet am 11. Februar 2018 um 15:16
wow, grandiose Tour, gratuliere!

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:bravo!
Gesendet am 12. Februar 2018 um 13:48
Danke, Urs. Grandios, aber lang: ich spüre die Beine heute noch.


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