Vergeletto-Trek : Cap. Ribia – Cap. d’Alzasca – Cap. Alpe Canaa – Loco


Publiziert von Seeger Pro , 20. August 2017 um 08:13. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:17 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Rosso di Ribia   Gruppo Pizzo Cramalina 
Zeitbedarf: 4 Tage
Aufstieg: 2722 m
Abstieg: 3076 m
Strecke:27.3km: 1. Tag: Parkplatz Piéi 1040m – Capanna Ribia 1996m. 2. Tag Capanna Ribia 1196m – Cima di Catögn 2398m – Capanna d’Alzasca 1734m. 3. Tag: Capanna d’Alzasca – Bocchetta di Doia 2054m – Alpe del Lago 1904m – Alpe Canaa 1843m. 4. Tag: Alpe Canaa 1843m – Passo della Bassa 1804m – Passo della Maggia 1973m – Loco 678m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bus von Locarno nach cff logo Vergeletto, Funivia Salei Von dort ca. 1km zum Parkplatz Piéi.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Loco
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Ribia: Selbstversorgerhütte. Capanna d’Alzasca: Bewartete Hütte (von Ende Mai bis Mitte Oktober). Capanna Canaa: Selbstversorgerhütte. Genauere Angaben (Reservation) unter www.capanneti.ch. „Dorfbeiz“ in Loco (Bei Erreichen der Hauptstrasse nach links).
Kartennummer:Swissmap 1:25‘000

Mit dem Ausbau der Selbstversorgerhütte Capanna Canaa ist dieser Vergeletto-Trek ermöglicht worden. Er folgt der Sonnenseite des Valle di Vergeletto auf einer Höhe von 1800m - 2400m bis hinunter ins Valle Onsernone. Immer wieder sind Tiefblicke in die angrenzenden Täler sensationell, so ins Val Bosco, Vallemaggia, Valle di Vergeletto und Valle di Lodano.

Und wer noch zusätzliche Schlaufen unternimmt – wie unsere Elite – kann ausser der Cima di Catögn noch den Pizzo Cramalina, der Pilone und Madone besucht werden, oder gar am ersten Tag noch der Rosso di Ribbia!


1.Tag: Hüttenanstieg Capanna Ribia. 3.29km, Auf 1000m, 3 - 4 Stunden

Wir treffen uns in Cadenazzo, wo der Ö.V. – gestresste lucama von uns Autofahrern jimmy und mir abgeholt werden. So fahren wir nach Loco und parkieren das Zielauto. Mit dem andern Auto geht’s nun zum Ausgangspunkt auf den Parkplatz Piéi 1040m.
Jeder passt seine persönliche Geschwindigkeit an. Das nenne ich Kollegialität. So kann ich ohne den Gruppendruck ganz gemächlich dem wunderschön angelegten alten Alpweg durch den Wald hinauf bis zur Waldgrenze folgen. Noch ein letzter Hang und ich stosse zur Elite auf der Capanna Ribia 1996m. Da ist schon eingeheizt und die Mäuse und ihre Kegel sind aus der Hütte gefegt….
Über den Apéro schweige ich mich aus. Nur Eines: Er kommt von Schottland…

Ich koche das obligate Hüttenmenü: Risotto con funghi. Die extragrosse Portion wird „rübis und stübis“ bis zum letzten Reiskorn (Steinpilz) verspeist. Die Hütte verfügt über ein gutes Getränkeangebot. So ist für Leib und Seele gesorgt.

Nach guter Übernachtung, unterbrochen von einer Maus-Rettung, erwartet uns ein fabelhaftes Morgenessen: Porridge mit Ebendiesem aus Schottland. Danke lucama !
Aufräumen, Abrechnen (Einzahlungsschein), Putzen (da ist jimmy einsame Spitze) und wir sind bereit zum Abmarsch.


 2. Tag: Capanna Ribia – Capanna d’Alzasca. 6.5km, Auf 647m, Ab 909m, 7 - 9 Std.

Von der Capanna Ribia 1196m steigt ein schöner, markierter Weg zum Sattel links des Saraliels hinauf. Weiter oben lugt der Uomo Tondo auf uns herab. Er hat so etwas wie ein behäbiger Mönch und Wächter mit Tonsur, findet lucama. Auf dem mit Seelein bespickten Talkessel unterhalb der Gemelli queren wir auf etwa 2000m, um auf dem Couloir bei der Cima di Catögn 2398m den Sattel zwischen den Gemelli und dem Catögn angenehm zu ersteigen. Wow! Dieser Tiefblick ins Val Bosco. Von hier führt ein Weglein auf den Gipfel.
Mittagessen Menü 1, traumhaftes 360°-Panorama mit Geographieunterricht vom Feinsten.

Der Abstieg zur Bocchetta di Catögn ist nicht zu unterschätzen. Hier könnte die Normalroute nach links in die Flanke des Pizzo Catögn eingeschlagen werden (Steinmann). Doch wir haben ein ambitiöses Ziel. Von der Bocchetta di Catögn führt ein leider vernachlässigter Weg direkt nach unten. Steinmännchen bestätigen das geistige Abtasten entlang der Cansgei-Flanke. Von der Bocchetta direkt nach rechts unten in ein Tälchen, welches seinerseits über eine Felswand abbricht. Daher vorher nach rechts einen Weg durch das Gestrüpp etwa 50m oberhalb des untenliegenden Abbruches suchen und den Hang traversieren bis ein Schutt-Couloir die Möglichkeit bietet, die Weiden schadlos zu erreichen…(T5). Ein gut sichtbarer Schafpfad leitet entlang des Cansgei-Kessel auf die Bocchetta hinauf.

Hier wählen wir den rot/weiss-markierten Weg direkt zur Capanna d’Alzasca 1734m.

Herzlicher Empfang von einer jungen Familie mit drei aufgestellten Kindern. Hier wechselt sich wöchentlich die Hüttenwart-Crew in Freiwilligenarbeit ab. Diese Freude – dieser Enthusiasmus. Fantastisch gekocht: Salat mit Linsen/Luganighe mit Gemüserisotto. Zum Dessert ein selbstgemachtes Tiramisu.

Nach gutem Übernachten folgt ein reiches Frühstück. So sind wir wieder topfit für die 3. Etappe.


3. Tag: Capanna d’Alzasca – Capanna Alpe Canaa. 8.02km, auf 800m, ab 695m, 6 – 8 Std.

Von der Capanna d’Alzasca 1734m steigen wir durch den Wald zum Lago d’Alzasca. Windstill und spiegelglatt liegt er da zwischen den Lärchen, überragt von den steilen Flanken. Immer wieder von neuem ein Erlebnis! Weiter führt ein sehr gut erhaltener Weg zur Bocchetta di Doia 2054m.
Nun trennen sich unsere Wege: jimmy und lucama wählen den Weg über den Pizzo Cramalina: aus der Mulde zuoberst im Tal des Ri di Vergeletto von etwa 2000 m auf 2040 m ansteigen auf einer Wegspur, die sich unter den Felsen horizontal in die Pianca del Ròdan fortsetzt. Statt weiter in die Westflanke des Pizzo Cramalina zu traversieren steigen wir den steilen Grashang hoch zu P 2260 auf dem W-Grat und werden schon hier mit eindrücklichem Tiefblick nach N belohnt. Der felsige Grat zum Gipfel ist leicht zu begehen. Im Abstieg folgen wir dem Pfad nach S bis etwa 2100 m und queren hier hinüber zu zwei markanten Felstürmen, wo ein Weg in die E-Flanke hinab und zum neuen Weg (Strasse?) zur Hütte führt.
 
Ich folge von der Bocchetta di Doia dem Weg leicht ansteigend bis zur Anhöhe. Vor mir liegt die Alp Rodan, welche glücklicherweise noch von Schafen bestossen ist. Heute möchte ich einen weiteren Weg von hier zur Capanna Canaa erkunden. Ich steige zu den Ruinen von Rodan ab. Der Wegweiser führt den Weg zur Alpe del Lago 1904m nach links hoch auf, doch sind die Markierungen noch nicht angebracht. Ich finde den Einstieg mithilfe der LK (oberhalb des ersten Felskopfes rechts). Total überrascht bin ich von der Qualität des Weges. Irgendwann gibt’s dann ein Menü 1. Am Horizont sehe ich meine beiden Kollegen auf dem Rücken des Cramalina… Angenehmstens erreiche ich Alpe del Lago.

Hier könnte ich wie letztes Mal mit weniger Höhenunterschied über den Passo della Bassa zur Hütte wandern oder eben wohl den direkteren Weg in Angriff nehmen. Je ufe – desto abä! 
Von der Alpe del Lago führt ein Weg leicht linkshaltend hoch und mündet in den horizontalen Weg, der von links herkommt (welchen ich das letzte Mal gewählt habe) ein. Entlang der Route zum Cramalina kämpfe ich mich in der Affenhitze hinauf. Endlich kommt die Abzweigung auf etwa 2100m nach rechts zum Verbindungsweg, welcher zum Eischnitt führt. Nach dem Pässchen folgt ein breiter Weg über mit Schafen bestossenen Weiden. Etwas mitgenommen stosse ich zu meinen Kollegen auf Alpe Canaa 1843m.

Auch hier verfügt die Hütte über ein breites Getränke- und sogar Essensangebot. So wählen wir Spaghetti mit Basilikum-Pesto nach einer Instantsuppe. Nach gutem (und verdientem) Schlaf verwöhnt uns lucama wieder mit seinem Porridge Schottische Art.
Wieder Abrechnen, Aufräumen, Wischen, Abwaschen und bereit zur 4. Etappe.


 4. Tag: Alpe Canaa – Loco

Wieder gut beschildert und markiert ist der breite und fast horizontale Weg (Tessiner-Massstab) von Alpe Canaa 1843m zum Passo della Bassa 1804m. Auch dort ist der Weg zum Passo della Maggia 1973m angegeben und durchgehend (teils sogar neu) markiert.
Ich folge der bewaldeten, felsigen Rippe, meistens in der rechten Flanke, um vor der Wand des Peloso nach links 30 hm in Tiefe zum „offiziellen“ Anfang des Weges hinunterzusteigen. Der folgende Abschnitt über die traumhaften Weiden bringt mich noch heute ins Schwärmen. Von einem Felsgrat überragt zieht sich die Alp dahin mit einer einzigartigen Flora. So treffe ich meine beiden Kollegen auf dem Passo della Maggia. jimmy und lucama erstiegen unterdessen den Madone 2018m.

Der Abstieg nach Loco 678m ist sehr abwechslungsreich und ohne Orientierungsprobleme. Immer wieder erkenne ich im Maggiatal, Onsernone, Vergeletto „Erinnerungsstücke“. Ist halt schon meine Welt. So baue ich die 1300hm gemütlich ab und lasse meine Kollegen ziehen.

Im Beizli in Loco treffen wir uns wieder. Das gestellte Auto ist schon hier.

Der Zug in Cadenazzo….ja, den könnten wir erreichen. Eine Stunde. Super!

Abschied.

Herzlichen Dank Euch Beiden.

Wieder ein Erinnerungsstück. Ein ganz grosses!

Tourengänger: Seeger, jimmy, lucama


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Kommentare (4)


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basodino Pro hat gesagt: Wunderschön
Gesendet am 20. August 2017 um 15:58
Hallo Andreas,

wunderschöner 4-Täger im Herzen des Tessin! Weiterhin gute Touren, ich lese sie immer wieder gern.

Liebe Grüße
Marcel

PS: Die Mausrettung hätte mich ja schon etwas näher interessiert.

Seeger Pro hat gesagt: RE:Wunderschön
Gesendet am 20. August 2017 um 16:20
Hallo Marcel
Danke für Dein Kompliment.
Mausrettung:
Eine Maus hat es nicht geschafft, den Plastiksack im Mülleimer zu verlassen.
Wegen dem Geräusch erwachte ich mitten in der Nacht und musste die Maus retten. Ich legte den Kübel samt Plastiksack und Maus vor die Türe, damit sie wieder raus konnte. Du kannst Dir vorstellen, wie schnell ich wieder einschlafen konnte....Ein gutes Gewissen ist das beste Ruhekissen.
Gruss
Andreas

mong Pro hat gesagt:
Gesendet am 26. August 2017 um 23:38
Deine präzisen Wegbeschreibungen sind für mich immer ein Genuss.
Vielleicht weil ich selber das nicht so gut kann ;-)))

Seeger Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 27. August 2017 um 10:20
Ciao Jerry
Ich habe ein selektives Erinnerungsvermögen mit einer Vorrangstellung von Wegen. Dann Mogle ich auch gerne mit Beiziehen der LK bis der Aha-Effekt eintrifft :-))
Gruss
Andreas


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