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Zwischen Valle Onsernone und Valle Maggia - 4 Tage im Ribia - Alzasca Gebiet


Published by lynx Pro , 21 October 2018, 23h40.

Region: World » Switzerland » Tessin » Locarnese
Date of the hike:17 October 2018
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: Gruppo Pizzo Cramalina   CH-TI   Gruppo Rosso di Ribia 
Time: 4 days
Access to start point:Locarno - Ponte Brolla - Tegna - Cavigliano - Auressio - Loco - Berzona (letzte Tankstelle im Tal) - Mosogno - Russo - Ponte Oscuro (Abzweigung ins Valle Vergeletto) - Vergeletto - Zott
Maps:Comologno 1311 - Bosco/Gurin 1291

Diese viertägige Tour beschreibt eine einmalige Gegend in den einsamen Tessiner Alpen, dem sogenannten Ticino Selvaggio im Locarnese. Hier wo das Tessin mit seinen Tälern Verzasca, Maggia, Onsernone, Vergeletto und Cento Valli am ursprünglichsten und wildesten ist. Eine Gegend die Einsamkeit garantiert. Kein Massentourismus, von Ausnahmen abgesehen keine Seilbahnen, keine alpinistischen Highlights mit 4000er Gipfeln, nichts was das Ego der klassischen Alpinisten anregt oder erregt. Wer allein unterwegs sein will, Abenteuer, Stille und traumhafte Aussichten und Weiten in den Bergen sucht, wer sich neu erden, vom Alltagsstress runterfahren will, der findet hier eine optimale Arena für seine Unternehmungen. 

Die einzelnen Tagesetappen sind durchschnittlich was die konditionellen Anforderungen des Berggängers betrifft und sie haben trotzdem mehr als nur den Charakter eines längeren Spaziergangs. Mit Vollpackung geschultert sind auch die 1000 Höhenmeter aus dem Vergelettotal auf die Alpe Ribia kein Zuckerschlecken. Der Abstieg von der Btta Gatögn erfordert Trittsicherheit.

Im Rifugio der Alp Ribia bist du Selbstversorger. Das heisst du kochst dir deine Mahlzeiten selber. Du spaltest das Holz selber, machst selber Feuer und wäschst dein Geschirr selber ab und verlässt die Hütte (hoffentlich) wieder sauber, so das sich die nächsten Berggänger freuen können wenn sie die Unterkunft an dem idyllischen Ort betreten. Es gibt nur kaltes Wasser. In den Wintermonaten holst du das Wasser an einem der nahe gelegenen Bächen und schleppst es selber zur Hütte oder, du schmilzt Eis und Schnee.

Die Capanna Alzasca ist vom Frühsommer bis ende Oktober bewartet. Das heisst, du kriegst hier zum Nachtessen ein Dreigang-Menu serviert (manchmal auch einen Vier- oder Fünfgänger). Die Küche ist immer hervorragend delikat. Im Zweiwochentakt sind hier Freiwillige als Hüttenwarte eingestellt. Die Hütte gehört dem SAC Locarno. Hier geniesst du einen nicht selbstverständlichen Luxus in den Tessiner Alpen. Unter anderem gibt es hier die Möglichkeit warm zu Duschen inklusive Aussicht in die umliegende Bergwelt. Die sanitären Einrichtungen sind Top.
Dieses Wochenende (20. und 21. Oktober) wird die Alzasca Hütte auf Winterbetrieb umgestellt. Das heisst es gibt keine Bewartung mehr, nur noch die Küche und der Speisesaal sind geöffnet. Das Wasser abgestellt. Die Hütte ist in dieser Zeit eine Selbstversorgerhütte und es gelten dann die gleichen Bedingungen wie im Rifugio Ribia auf der gegenüberliegenden Seite des Bergkammes. 

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1. Tag - Locanda Zott 975 Meter (Vergelettotal) auf die Alpe Ribia 1996 Meter 
1000 Höhenmeter Aufstieg - Gehzeit: 3 Stunden - Schwierigkeit: T3


Schon die Fahrt von Ponte Brolla eingangs des Maggiatals durch das Cento Valli und ins Onsernonetal ist ein Erlebnis. Schmal schlängeln sich die Strassen durch die engen Täler dieser wilden Bergwelt. Kommt dir dann noch das Postauto oder ein Sattelschlepper beladen mit gigantisch grossen und schweren Granitquadern auf seinem Tieflieger entgegen, hast du schon den ersten Adrenalin-Kick. Der bekannte Onsernone-Granit wird nämlich in der hintersten Ecke des Vergelettotals, einem Seitental des Onsernonetals, in einem Steinbruch abgebaut und zu Tal gefahren. Für den LKW-Fahrer selber ist diese Strecke schon eine Herausforderung. Wie viel mehr für dich. Oft hat er nur wenige Zentimeter Spielraum zwischen den engen Gassen der Häuser in den Dörfern des Tales um durchzukommen. 
Diese Woche ist die Strasse ins Tal wegen Bauarbeiten irgendwann vom Vormittag bis Nachmittag 16.00 Uhr gesperrt. Ich habe Glück. Die Bauarbeiter sind kulant und lassen mich nach etwas Warten passieren.

Irgendwann kommt eine Abzweigung (Ponte Oscuro) bei der man das Onsernonetal verlässt und ins Vergelettotal einbiegt. Der Hauptort Vergeletto, der einzige wirkliche Ort neben dem Weiler Gresso welcher etwas weiter oben erhöht an einem schön und ganzjährig besonnten Platz liegt, gibt es hier nur vereinzelt Zeichen von Zivilisation.
Die Dörfer kleben wie Nester an den steilen Hängen der Täler. Alles ist eng und schmal. Kaum Parkmöglichkeiten für Autos. Aber genau das ist es was diese Gegend so charakteristisch und speziell macht. 

Zott, der Ausgangspunkt meiner Tour liegt weit hinten, fast zu hinterst im Vergelettotal. Ich parkiere bei der gleichnamigen Locanda, der Locanda Zott. Von hier führt eine Seilbahn, die einzige in diesen beiden Tälern, auf die Alpe Salei. Von dort ist man nach ein paar Höhenmetern an einem idyllischen Bergsee und auf dem Pizzo Pilone. Man steht auf diesem Gipfel direkt an der Grenze zu Italien.

Man könnte um auf die Alpe Ribia zu gelangen mit dem Auto noch ein Stück weiter hochfahren. Da ich aber geplant habe über das Val Fümegn/Val Camana zurückzukehren parkiere ich bei der Locanda Zott respektive auf dem Parkplatz bei der Seilbahn. Das hat dann den Vorteil, dass ich mir das Gehen auf der Asphaltstrasse auf zwei Etappen halbiere. 

Der Weg von hier auf die Alp Ribia ist mit Sicherheit der kürzeste, schnellste aber auch der steilste. Bei P. 1048 kannst du an der Strasse bei einer kleinen Parkbucht parkieren (nur ca. 3 Fahrzeuge) oder noch ein paar Meter dem ungeteerten Strässchen entlang hochfahren bis zum Fahrverbot vor der Siedlung Pièi (1098 Meter). Hier können sechs bis sieben PW's parkiert werden.
Diese Route bin ich das letzte Mal vor etwa 16 Jahren gegangen. Lange bevor ich die hikr.org Seite kannte (wie lange es diese überhaupt schon gibt?). Von den Wegpassagen ist mir wahrlich nicht mehr viel im Bewusstsein geblieben. Höchste Zeit also, diesen Weg wieder einmal zu machen. Damals fing ich nach langer Leidenszeit wieder an in die Berge zu gehen, trotz Abmahnen von Seiten der Mediziner. Niemand, nicht einmal ich selber habe damals geglaubt je wieder einen Berg zu besteigen. Wie heisst es so schön: "Totgeglaubte leben länger".  .......

Spätestens jetzt heisst es im Schweisse deines Angesichts hochzustapfen. Mit 17 Kilo Gepäck am Rücken kein Spaziergang. Ich schleppe wieder einmal mehr viel Wasser mit, weil in einem Bericht vor ca. zwei Wochen von Wasserknappheit und keinem Wasser mehr auf der Ribia die Rede war. 
Schon oberhalb des kleinen Älpchens Pianaccio auf 1585 Metern fliesst munter Wasser durch die kleinen Rinnsale des Ri di Ribia zu Tal. In der Hütte oben angekommen fliesst das Wasser aus aus allen Rohren (Wasserhahn Küche, Brunnen vor dem Haus). Ich schleppe auch Klopapier, Feuerzeuge etc. mit hoch, weil diese angeblich auch fehlen. Im Speigelschrank des WC's sind aber noch mindestens 5 Rollen am Lager. Feuerzeuge, Anzündwürfel, alles vorhanden. 

In diesem Rifugio erlebst du immer wieder Überraschungen. Einmal fliesst kein Wasser, ein anderes Mal ist kein Brennholz mehr da oder es haust ein Freak schon seit mehreren Wochen da oben und hat die ganze Hütte in ein Museum verwandelt. Zur heutigen Überraschung zählt unter anderem das die Batterien des Solarsystems leer sind. Irgend ein Idiot hat ein Licht brennen lassen und den Hauptschalter nicht ausgeschaltet nach dem er die Hütte verlassen hat. Kerzen sind keine da und der Wein ist wie so oft ausgegangen. Handy laden kannst du natürlich auch vergessen. Das einzige Licht wird das Feuer im Kamin sein - auch nicht ideal um zu lesen. ..... aber es kommt noch deftiger, knüppeldick, Freunde! 
Im hinteren Bereich der Hütte wo das Holzlager ist, ist es dunkel. Ich öffne die Hintertür damit ich etwas Licht habe um Holz zu spalten. Zuerst lese ich am Boden die feinen Holzsplitter zusammen welche das Anfeuern erleichtern sollen. Auf einmal kommt ein unappetitlicher Duft in meine Nase. Meine Hände sind voll Kacke. Die Schuhsohlen meiner Bergschuhe auch. Hier hat doch tatsächlich so ein Sauhund, damit meine ich jetzt nicht einen Hund der Gattung Canis lupus familiaris, sondern ein Homo sapiens sauhundus, seine Notdurft verrichtet. Ein heftiger Fluch entwischt meinen Lippen ....... Nach dem ich meine Hände gewaschen habe und die Sohlen meiner Schuhe draussen am Brunnen gereinigt habe mache ich mich daran das Feuer in Gang zu setzen. Bald lodert und knistert es im Kamin. Ich bin erst nach dem Mittag hochgestiegen und inzwischen dämmert es bereits. Ich bereite mir eine Mahlzeit welche ich draussen vor der Hütte zu mir nehme. Danach sitze ich am Feuer sinniere über das Leben über das Werden und Vergehen und geniesse die Einsamkeit hier oben in den Alpen des Tessins bevor ich mich bis zum nächsten Morgen in die Horizontale begebe. Artus und ich sind allein auf der Ribia. 



2. Tag - Alpe Ribia 1996 Meter zur Alpe Alzasca 1734 Meter über die Btta Gatögn 2165 Meter und Btta Gansgéi 2036 Meter
400 Höhenmeter Aufstieg - 600 Höhenmeter Abstieg - Gehzeit: 4 1/2 Stunden - Schwierigkeit: T4 (für Abstieg durch den Kessel bei der Btta Gatögn), ansonsten alles T3

Einer neuer Tag erwacht. Heute gehen wir weiter zur Capanna Alzasca. Wir steigen auf bis zum P. 2241. Hier führt der reguläre Weg durch den Fornale di Categn hinunter zur Alpe Gategn. Ich steige hier aber nicht ab sondern gehe die Höhe haltend unter Colmetta Richtung Btta Gatögn (2165 Meter) rüber und steige auf den genannten Übergang. Oben angelangt fliegt ein Pilatus Porter der Armee 10 Meter über meinem Kopf über die Btta Gatögn und schiesst im Sinkflug hinunter in den Kessel und verschwindet im Steigflug über die Btta di Gansgèi. Ich versuche den Pilatusporter zu fotografieren aber das geht alles so schnell. Bis meine Kamera schussbereit ist, ist die Maschine meinen Blicken entschwunden. Hoch oben über dem Pizzo Molinera sehe ich die Fracht die er abgeworfen hat - ein Haufen Fallschirmspringer welche nun über diesem Gebiet gleiten. Auch herrlich diese Welt hier oben auf diese Art zu erleben. 
Hier gibt es keine Wegweiser, keine Markierungen, nicht einmal Steinmännchen die dir den Weg durch die Blocksteinwüste weisen. Du musst dir selber den geeigneten Weg durch's Geröll suchen. Tendenziell nur wenig Höhenmeter absteigen und dann weit links ausholen und über einen der machbaren Grate absteigen in den Kessel. Hier liegt das Problem vor allem darin, dass du von oben kommend nicht siehst wo gangbare Abstiege möglich sind. Versuchst du ohne weit links auszuholen abzusteigen wirst du dich unweigerlich vor senkrechten Abgründen finden und wieder zurückgehen müssen. So wird dich die Topographie zwingen den grossen Bogen links herum zu machen.
Unten im Kessel angelangt steigst du durch wegloses Gelände wieder auf Richtung Btta Gansgèi. Du wirst früher oder später auf den Weg kommen der vom Valle di Campo auf die Btta Gansgèi führt. Von der Bochetta führt ein Weg höhe haltend hoch über dem Alzasca See durch. Ein bezaubernder Anblick für deine Augen auf diese Perle von See blicken zu können. In weniger als einer Stunde gelangst du von hier auf dem markierten Weg zur Capanna Alzasca.

In der Alzasca Hütte angekommen gönne ich mir erst ein dunkles Einsiedler Bier (auch so ein Luxus hier oben) und anschliessend einen Café Grappa bevor ich mir den Schweiss unter der warmen Dusche von der Haut spüle.

Diese Woche ist Toni und ein Kollege von ihm hier oben, beide Tessiner aus der Gegend. Toni ist 79 Jahre alt und voll fit. Er erzählt mir von Skitouren die er immer noch macht in diesem Gebiet. Toni ist immer in der letzten Woche hier wo die Hütte bewartet ist. Früher Architekt, heute immer noch aktiver Berggänger und ambitionierter Koch. Später treffen Freunde von ihm auf der Hütte ein. Sie sind mal so schnell von Someo im Maggiatal aufgestiegen um hier zu essen. Allesamt Globertrotter. Sie erzählen von den Reisen die sie zusammen gemacht haben im Atlasgebirge, im Himalaya, in Äthiopien, Eritrea und als Toni vor ca. 40 Jahren mal wegen einer Angelegenheit in Sachen Um- oder Ausbau in der Hütte in 1 1/2 Stunden von Someo zur Alzasca Hütte hochgerannt ist. Der eine der mit hochgekommen ist um sich hier kulinarisch verköstigen zu lassen ist bereits 70-jährig der Andere um die 45ig, 50ig, in der Kantonsregierung des Tessins tätig - ein Vollblutpolitiker. Was ich noch nicht weiss, ist, dass die nach dem Nachtessen um 22.00 Uhr in stockdunkler Nacht wieder absteigen. Leute das sind schnell 2400 Höhenmeter um ihrem Freund einen Besuch abzustatten und eine Mahlzeit zu geniessen. Hut ab vor den Jungs! Sieben Leute, darunter Globetrotter, Politiker, Architekt, Jurist und Profiradfahrer sind an diesem Abend anwesend.



3. Tag - Alpe Alzasca 1734 Meter - Btta Doia 2054 Meter - Alpe Gategn - P. 2241 - Alpe Ribia 1996 Meter
800 Höhenmeter Aufstieg - 450 Höhenmeter Abstieg - Gehzeit: 4 1/2 Stunden - Schwierigkeit: T3 (meist nur T2)


Ich stehe früh auf und marschiere um 7.30 Uhr los zum Lago Alzasca und von dort weiter über die Bochetta di Doia und von dort hinab nach Doia
Vom geplanten Übergang auf dem Rückweg zur Ribia über die Bochetta Molinera, einem Gamsweg der nur von Jägern und Wild benutzt wird, sehe ich heute, obwohl geplant, ab.
Wenn man alleine unterwegs ist geniesst man nicht nur die Ruhe der einsamen Bergwelt und der Natur. Man denkt auch viel an vergangene Zeiten, Erlebnisse und Begegnungen mit Menschen in dieser Gegend. So bin ich in Gedanken bei Enrico der in Camana wohnt und hier ab Doia mit seinem Bruder den Weg mit dem Pel-Job Bagger bis zur Alpe Categn vor einigen Jahren neu gemacht hat. 
Während ich über den Fornale di Gategn auf dem Weg zurück zum Rifugio Ribia hochsteige denke ich, wie besonders diese Gegend ist und wie besonders, dass man in diesem kleinen übervölkerten Land doch noch Orte findet wo man tagelang die Gegend durchstreifen kann ohne einer Menschenseele zu begegnen, da taucht aus dem Nichts eine junge Frau auf, die ihrerseits grad die selben Gedanken hatte und die sich wunderte, dass sie ganz alleine in der Hütte war die letzte Nacht. Wir unterhalten uns eine zeitlang bevor jeder wieder seinen Weg geht. Dabei frage ich sie wie's den mit dem Licht in der Hütte stehe. Sie sagt mir, dass es nur ganz schwach brennt, nicht genug um zu lesen. Ich bedaure dies, weil ich keine Taschenlampe dabei habe, keine Kerzen in der Hütte sind und ich die im Handy integrierte Lampe natürlich auch nicht brauchen will da der Strom die Akkuzelle aufzuladen auch nicht vorhanden ist. Da schenkt sie mir freimütig ihre LED-Taschenlampe. 

3/4 Stunden später bin ich wieder im Rifugio Ribia angelangt wo 1/4 Stunde später ein Paar aus Australien auftaucht. Da sie morgen wieder zurückfliegen wollten sie doch vorher noch schnell eine Bergtour machen. Wir unterhalten uns während einer Stunde miteinander und essen etwas. Anschliessend steigen sie wieder ab.

Auch diese Nacht verbringen Artus und ich alleine auf der Alpe Ribia. Den restlichen Nachmittag geniessen wir an der Sonne vor der Hütte mit Lesen, jedenfalls ich, Artus chillt sonst ein bisschen rum. ;-) Am Abend sitzen wir am Kaminfeuer, und heute Abend kann ich dank der Taschenlampe auch am Feuer noch etwas lesen bevor ich in den Schlafsack krieche.



4. Tag - Alpe Ribia 1996 Meter über P. 2108 auf die Alpe Albezzona 1900 Meter ins Val Camana P. 1203 Meter und nach Camana 1036 Meter und Abstieg in die Talsohle nach Zardin 922 Meter mit anschliessenden Aufstieg zum Ausgangsort Locanda Zott 975 Meter 
300 Höhenmeter Aufstieg - 1200 Höhenmeter Abstieg - Gehzeit: 4 1/2 bis 5 Stunden - Schwierigkeit: T3


Heute bricht der letzte Tag meines Aufenthalts hier in den Bergen an. Ich wähle meine Lieblingsroute in diesem Gebiet. Diese führt oberhalb des Rifugio Ribia an einem Punkt der auf der Karte mit Baitell bezeichnet ist rechts respektive Richtung Osten und verlässt den regulären markierten Wanderweg. Diese Strecke weist nur noch vereinzelt die farbigen Markierungen auf und diese sind ziemlich verblichen und nur noch schwach sichtbar. Auch der Wegverlauf ist nich mehr auf der gesamten Länge erkennbar. In etwa bewegt man sich aber auf der Höhenlinie Richtung P. 2108 Meter. Zwei Stangen dienen entlang der Strecke als Orientierung wenn man sie sieht. Das ist je nach Lichtverhältnissen unterschiedlich. Ein sehr wilder Weg der etwas in meiner Seele zum klingen bringt. Warum das so ist weiss ich selber nicht. Wenn du bei diesem P. 2108 angekommen bist öffnet sich der Blick über die Alpe Albezzona und in die Ferne. Herrlich, einfach herrlich dieses Bild - himmlisch. Es hat etwas verzückendes. Ein kontemplativer Lobpreis erhebt sich aus meiner Seele bei diesem Anblick.
Der weitere Abstieg führt durch einen sehr lieblichen Lärchenwald durch den ein Bächlein fliesst. Etwa auf 1800 Metern überquert man dieses Bächlein (Rio d' Albezzona). Fortan plätschert es über einen längeren Abschnitt rechtsseitig vom Weg zu Tal. Der Weg führt dann später durch reinen Buchenwald ins Val Camana. Dieser letzte Abschnitt durch diesen Buchenwald ist der steilste Part der Route. 
Im Val Camana angekommen, bei P. 1203 Meter wo sich auch ein Wegweiser befindet der hier angibt, bis zum Rifugio Ribia vier Stunden zu benötigen. An dieser Stelle wechselt auch die Namensgebung des Tals. Der obere Teil wird Val Fümegn genannt, der untere Val Camana. Übrigens lohnt es sich auch dieses Tal zu durchwandern. Der Bach der auf der Alp Gategn entspringt hat viele idyllische Stellen auf seinem Weg ins Tal.
Ich wandere aber weiter ins Tal. Nach dem man aus dem bewaldeten Teil austritt kommen bald zwei gegenüberliegende Ruinen zwischen denen der Weg durchführt. Etwas weiter unten führt eine Brücke rechts über den Bach. Die Strasse führt in den kleinen Ort Camana. Fast am Ende der Strasse führt ein Weg über die offene Wiese hinunter durch den Wald nach Zardin
Nimm nicht den Weg welcher ganz am Ende von Camana durch die Wiese führt. Er ist auf der Karte bis zu einem Bachtobel eingezeichnet und hört dort abrupt wie eingezeichnet. Schon der Teil vorher ist nicht ohne. Der Weg wird seit langem nicht mehr unterhalten oder begangen. Wenn du unbedingt willst, kannst du dir in diesem abschüssigem verwilderten Gelände die Arme und das Gesicht an Dornen zerkratzen und nach Überqueren des Bachtobels im geduckten Kriechgang auf den Knien wählen welchem Wildpfad du durch die Pampas folgen willst. Ich dachte, dass hier wahrscheinlich ein traversierender Weg bis nach Zott führt. Dem ist aber nicht so. Ich kehre wieder um und gehe den Weg über die Wiese und durch den Wald nach Zardin. Den Rest laufen wir auf der geteerten Fahrstrasse bis Zott wo meine Seifenkiste auf uns wartet.


Viele, unendlich viele Geschichten, schöne, traurige, spannende, erotische, gefährliche, geruhsame, idyllische, fantastische könnte ich euch aus dieser Gegend noch erzählen, Geschichten, Erlebnisse und Begegnungen mit Menschen und Tieren welche mein Leben tief geprägt haben und ihm eine andere Richtung gegeben haben. Meine Seele ist tief verwurzelt mit dieser Gegend. Die Geschichte dieser Tour ist vorerst die Letzte aus diesem Gebiet, eine weitere, die sich an die Vorgängigen reiht.

Hike partners: lynx


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Comments (4)


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Sent 22 October 2018, 12h20
> Lange bevor ich die hikr.org Seite kannte (wie lange es diese überhaupt schon gibt?).

Seit bald 16 Jahren, nächstes Jahr ist es soweit. Einen kleiner persönlicher Abriss zum Zehnjährigen und über die Anfänge.

Nach einem erfolglosen Versuch vor einem Monat schaff ichs vielleicht auch mal nach Ribia - freu mich schon drauf!

G, Rise

lynx Pro says: RE:
Sent 23 October 2018, 09h33
Hallo Alpin_Rise

Danke für den interessanten Link betreffend hikr.org Historie!

Viel Spass dann im Ribiagebiet!

Gruss Lynx

Seeger says: Ich glaube,
Sent 22 October 2018, 21h35
dass dieser Bericht Dein absolutes Herzstück bedeutet.

Es gibt sie noch, die Orte, an denen Du Deine Seele lässt und immer wieder zu ihr zurück kehrst.

Solange Du kannst....

Vielen Dank für die simultane Übertragung per sms.

Seeger


lynx Pro says: RE:Ich glaube,
Sent 23 October 2018, 09h30
So ist es Andreas. Das hast du völlig richtig erkannt. :-)

Meine Gedanken sind oft bei dir, ganz besonders wenn ich im Tessin wandere.

Einen lieben Gruss

Thomas


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