Wildes Maggiatal – Rund um den Cramalina


Publiziert von Seeger Pro , 24. Juni 2017 um 01:14.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:17 Juni 2017
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Pizzo Cramalina   CH-TI 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 2515 m
Abstieg: 2515 m
Strecke:27.2km: Someo 378m – Capanna d’Alzasca 1717m – Passo di Doja 2054m – Pianca del Rodan Pt.1948 – Alpe del Lago 1904m – Passo della Bassa 1804m – Alpe Canaa 1843m – Nagairom 1715m – Alpe di Pii 1607m – Corte Vecchio 1474m – Alpe di Tramossa 1632m – Alpe Zucchero 1352m – Cöll 1123m – Monti d’Arzasca 1043m – Ör Trocia 602m – Someo 378m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Someo
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Someo
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna d’Alzasca und Capanna Canaa. Primitives Biwak (ohne Matratzen und Wolldecken, jedoch mit Kochmöglichkeit) auf Alpe Pii.
Kartennummer:1292 Maggia , 1291 Bosco Gurin

Die Öffnung der Capanna Canaa im obersten Teil des Val Lodano ist ein wahres Geschenk! Grazie ai risponsabili von Lodano. Und es wird noch weiter gehen mit dem teils markierten, teils bereits ausgeführten Höhenweg von der Alzasca-Hütte zur Canaa. So ist meine langgehegte Idee mit „Rund um den Cramalina“ nun machbar geworden.

1.Tag:  Someo – Capanna Alzasca . 8.66km, Auf 1551m, Ab 187m, 6 Stunden, T2

Die Wettervorhersage lässt eine 3-tägige Tour zu. In Someo 378m starte ich den Hüttenaufstieg zur Capanna d’Alzasca 1717m. Zwischenhalt bei Thomas im Corte di Sotto zu einem fantastischen Geissenkäse. Unbedingt besuchen!
In der Nachmittagshitze freue ich mich, in den Wald eintauchen zu können. Der Laubwald wechselt zum alpinen Lärchenwald und irgendwann erreiche ich die Hütte.
June und Nathalie sind am Morgen heraufgeflogen und beginnen ihre Freiwilligen-Woche als Hüttenwart. Welch ein herzlicher Empfang! Rund 10 Gäste belagern die zwei Tische zum feinen Abendessen. Tessiner und Deutschschweizer, auch Polen. Alle aus dem gleichen Holz geschnitzt und teils in heikle Diskussionen verwickelt. Ja na, irgendwann muss man Schlafen gehen.

Mir kommt das Kinderbuch, welches ich meinen Grosskindern gerne erzähle, in den Sinn:  „Das vergessliche Eichhörnchen“. Da findet schlussendlich der vorerst fiese Eichelhäher, dass es schön sei, Freunde zu haben. Als immer alleine unterwegs zu sein. Mein Ebenbild?! (ohne fies)
Mit diesen Gedanken schlafe ich ein…

2.Tag:  Capanna Alzasca – Capanna Canaa. 8.84km, Auf 742m, Ab 633m, 7 Stunden (teils weglos). T4. Abkürzungs-Variante möglich (siehe Text)

7 Uhr Frühstück mit einem 1 Jahr lange gereiften Bergkäse. Wie wird man in der Alzasca-Hütte verwöhnt! Ganz herzlichen Dank auf diesem Weg an Euch Super-Hüttenchefinnen.
Ich steige zum Alzascasee hinauf und dort nach links zum Passo di Doja 2054m. Ein umwerfendes Panorama erwartet mich: In der Tiefe das Val di Vergeletto, am Horizont die Monte Rosa-Gruppe und all meine „alten Bekannten“ von Rosso di Ribia bis Catögn.

Nun zweige ich nach links ab und wechsle hinüber in die Alp Rodan, den Cramalina d’Arbaia umrundend. Auf etwa 2000m verlasse ich den Wanderweg nach Links und quere auf dieser Höhe oberhalb den Ruinen der Alpe von Rodan (Rote Markierungen für den Bau des neuen Höhenweges),  bis der schwach ausgeprägte Pfad bei  Pianca del Rodan Pt.1948 von der Alp heraufkommt.
In leichter Steigung auf 2000m um die Rippe herum und direkt zur Alpe del Lago 1904m (Ohne Lago: der See ist ausgetrocknet) hinunter.

Noch bevor man zur Alpe del Lago hinunter steigt, kann man neulich nach links hoch über den Sattel bei 2080m unterhalb des Cramalina in knapp 1 Stunde die Capanna Canaa erreichen!!!

Ich weiss im Moment von Nichts und folge den Wegspuren von Alpe del Lago bis oberhalb der Alpe Bassa. Dort wechsle ich auf den Pfad zum Passo della Bassa 1804m. Nun ohne grosse Höhendifferenzen zur Alpe Canaa 1843m. Super neu eingerichtete Selbstversorgerhütte, überragt vom Cramalina (Von hier bequem in 2 Stunden zu besteigen). Getränke und einfache Esswaren im Verkauf.

Ich rekognosziere noch den Sattel unterhalb des Pizzo Cramalina auf dem neuen Weg.

Alleine. Wieder alleine. Keine Gespräche. Kein Krächzen des Eichelhähers…..Der Schlaf übermannt mich beim Einnachten.

3.Tag:  Capanna Canaa – Alpe Tramossa - Someo. 9.93km, Auf 329m, Ab 1813m, 10 Stunden, teils weglos, T4+

Die Schafe blöken mich aus dem Schlaf. Also doch nicht alleine. Abwaschen, Aufräumen und los geht’s dem schönen Wanderweg entlang nach Nagairom 1715m. Über Nagairom thront majestätisch der Güi oberhalb eines imposanten Talkessels. Die Hütten sind in Schuss und es scheint, als Jäger hier sich einnisten konnten.

Hundert Meter tiefer und schön zu erreichen liegt die  Alpe di Pii 1607m. Das ehemalige Wohn/Käserei-Haus steht als einfaches Biwak zur Verfügung. Sauber und spartanisch: Ohne Wolldecken und Matratzen. Von hier könnte ich auf dem angenehmsten Weg das Tal (Lodano) erreichen.

Doch möchte ich ja den Cramalina umrunden.

Bis Corte Vecchio 1474m ist der Weg  nach Anfangsschwierigkeiten gut zu erreichen. Einige Häuser ausgebaut. Heliunterstützt. Grosse Umgebungswiesen gemäht. Der Ausblick gegen den Cramalina in den immensen Talkessel „Sotto le creste“ (unter den Felswänden) ist fantastisch.

Nun beginnt das Abenteuer: Im Bereich des Bachübergangs ist alles paletti. Dann sollte der Weg eine Fortsetzung haben. Eigentlich. So steht es auf der Karte, auch wenn nicht eine durchgezogene Weglinie. Doch nach dem Queren einer erlenbewachsenen Rinne lande ich im Gjätt. Ich entschliesse mich, durch die Wildnis aufzusteigen und erreiche tatsächlich 50m weiter oben knappe Wegspuren, welche immer ausgeprägter werden. So erreiche ich das ehemalige Weidegelände der Alpe di Tramossa 1632m. Die Gebäude sind am Zerfallen. Schade für diesen Aussichtspunkt.

Zwei Mal durchatmen (oder vielleicht etwas mehr) und es zieht mich weiter. Durchgezogene Weglinie zeigt die Karte. Na Bravo! Ich lande gottvergessen in felsigem (auf der Karte nicht erkennbar) Gelände. Auf 1400m finde ich einen horizontalen Jägerpfad, welcher mich nach rechts auf den alten Alpweg zurückleitet. Und wo ist da die Alpe Zucchero 1352m? Man muss gut hinschauen, bis man in diesem Wald/Wiese-Gemisch eine Hütte sieht. Eine ist erhalten, die andern am Zerfallen. Offensichtlich nicht alles Zucchero in Zucchero….

Damit ich den Weg nach Cöll 1123m nicht verfehle, muss ich die Karte konsultieren. Grob gesagt wandert man dem Wiesentälchen zwischen den Ruinen hinab, wo bei der letzten Ruine linker Hand ein schier unfassbarer, monumentaler alter Alpweg beginnt, welcher mich zu der sehr gepflegten Siedlung Cöll führt. Wasser. Zum Glück!

Bei den südlichsten Häuser von Cöll führt ein nicht gut ersichtlicher Pfad über die Wiese hinunter in den Wald und wird immer ausgesprochener. So bin ich ziemlich rasch auf den Monti d’Arzasca 1043m, wo die Fortsetzung nach links unten zu suchen ist.

Jetzt ist „eingefädelt“….Auf aufwändig erstelltem Saumweg kämpfe ich mich in die Tiefe. Zum Glück gibt’s da eine Kapelle mit Unterstand und weiter untern nochmals eine bei  Ör Trocia 602m. Ein Blick von dort hinauf in die Kuppen erraten, weshalb meine Beine langsam schwer werden.

Bei Sonnenuntergang erreiche ich den Talboden. Auf der Hängebrücke schwebe ich über die Maggia und erreiche mein Auto in Someo 378m.

Einmaliges Erlebnis für Wilderness-Fans.
Und dennoch die tip-top Infrastruktur beider Hütten.
 
 
 
 
 
 
 
 

Tourengänger: Seeger


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (6)


Kommentar hinzufügen

Kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 24. Juni 2017 um 18:06
Schöne Tour. Am meisten Mühe hätte ich wohl mit der Hängebrücke ... ;-)

Seeger Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. Juni 2017 um 19:25
Du hättest jetzt auch durch die Maggia waten können :-)) Hat sehr wenig Wasser.

Henrik Pro hat gesagt: .......................................&
Gesendet am 24. Juni 2017 um 22:45
Quote: "Ich suche dringend eine Piste für dieses FZ"!

> Einmaliges Erlebnis für Offroad-Fans.

Seeger Pro hat gesagt: RE:.......................................&
Gesendet am 24. Juni 2017 um 23:30
Besser so ??
Danke für den versteckten Tipp.
Gruss
Andreas

lynx Pro hat gesagt:
Gesendet am 25. Juni 2017 um 21:37
Hallo Andreas

Eine sehr schöne Tour in einer meiner liebsten Gegenden des Locarnese hast du da gemacht. Mich freut es riesig, dass du immer noch genug Energie und Kraft hast solche ausgedehnten Touren zu machen. Gratuliere! Hut ab!

Ich wusste nichts von dieser Hütte auf der Alpe Canaa! Vielleicht besuche ich sie auch bald. Seit wann gibt es die als Selbstversoregerhütte? Ich war schon länger nicht mehr im Tessin .... und langsam aber sicher zieht es mich immer mehr wieder dorthin .... Übergang von Faed über Foioi auf die Alp Sevinera nach San Carlo (steht schon lange an). Das Zwischenstück von Corte di Mezzo rüber nach Corte Grande fehlt steht noch aus, Alpe Bedu, Alpe Larecchia zur Alp Fiorasca auf dem alten Weg (den ersten Teil von Fontana hoch bis Larecchia habe ich ja bereits gemacht) und natürlich inspiriert von deinem neusten Tourenbericht Canaa. .....

.... und natürlich habe ich auch Sehnsucht nach der Alpe Ribia. Diesen Ort/Gegend liebe ich besonders. ...

Einen lieben Gruss

Thomas


Seeger Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Juni 2017 um 22:48
Ciao Thomas
Danke für Dein Feedback.
Capanna Canaa ist etwa ein Jahr für die Öffentlichkeit offen.
Das Bavona lässt auch mich nicht cool. Vielleicht bin ich da mal unterwegs. Wer weiss.
Und wenn Du Mal auf der Ribbia bist, mach die Querung des Quarantära :-))
Gruss
Andreas


Kommentar hinzufügen»