Nebliger Sonnenuntergang auf dem Alvier


Publiziert von Krokus Pro , 6. Juli 2017 um 20:47. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 3 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alvier Gruppe   CH-SG 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2020 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:19 Km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ab Sargans mit Bus über Trübbach bis Oberschan, mit Privatseilbahn bis Kurhaus Alvier
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Ab Kurhaus Voralpsee mit Bus über Grabs bis Buchs und weiter mit SBB nach Sargans
Unterkunftmöglichkeiten:Gipfelhütte Alvier

Heute sind wir auf einer Vereinstour zu fünft unterwegs, der älteste Teilnehmer ist 79 jährig. Kurz vor acht Uhr kommen wir mit ÖV in Oberschan an und im Wissen, dass das Kurhaus Alvier montags Ruhetag hat, versuchen wir den Kaffeeglust im Rössli zu stillen. Aber wir werden durch die offene Haustüre mit giftigem Hundegebell empfangen. Ist eben noch früh. Also hinauf zur Talstation. Auch hier sind wir erst einmal nicht willkommen, heute ab 8 Uhr sollen Revisionsarbeiten anstehen. Weil dies nirgends angekündigt war, (Rekotour vor 2 Wochen), wählen wir die angegebene Telefonnummer.Wir haben Glück. Weil es erst 3 Minuten nach acht ist, dürfen wir die Bahn noch benutzen.
 
Bei der Bergstation wandern wir gleich los. Glücklicherweise regnet es nicht mehr, aber der Nebel hängt sehr tief. Auf schönem Wanderweg gehts über Purlifenz zum Schnapsgrotzen, dann 800 Meter auf Hartbelag bis zum Einstieg in den Türlerweg, den wir der Nässe wegen dem geplanten Vormsweg vorziehen.In gleichmässiger Steigung gehts unterhalb der Felsen des Guggstein durch, dann über eine Brücke und nach zwei steilen Kehren und Alpwiesen (diesmal ohne Mutterkühe) erreichen wir nach 1¾ Std Stofel auf der Schaneralp. Die Hühner und Hunde draussen sehen so glücklich aus, dass wir fragen, ob wir hier einen Kaffee trinken können. Freundlich werden wir in die gute Stube eingeladen, wo uns vom Südtiroler Alphirt fröhlich lachend ein feiner Kaffee serviert wird, während sein Sohn uns mit Musik auf seinem Örgeli unterhält. Die Hirtenhunde liegen im Türeingang und scheinen an der Musik Gefallen zu finden. Welch ein gemütlicher Aufenthalt!
 
Nach dem feinen Kaffee gehts weiter. Immer noch ist rundum alles nebelverhangen, aber wenigstens fällt kein Regen. Wir wandern durch ein Meer von Alpenrosen 2 Stunden auf dem Bergweg hinauf bis kurz vor den Barbielergrat und machen noch einen Abstecher zum Alvierseeli, das immer noch schneegekühlt ist, also nichts mit Baden. 15 Minuten später stehen wir beim Wegweiser auf dem Barbielergrat und die letzten sehr steilen 300 Hm läuft jeder und jede nach eigenem Gutdünken dem Gipfel zu. Um 14.45 sitzen alle 5 vor der Alvierhütte bei Kaffee und Kuchen. Der Nebel gibt immer wieder ganz kurz die Sicht frei auf den Walensee oder die Gauschla. Nur wir und 2 weitere Gäste werden diese Nacht hier verbringen.
 
Um 18 Uhr gibts Abendessen, eine delikate Tomatensuppe, Kartoffelgratin und eine geräuchte Wurst, anschliessend ein Dessert. Jetzt warten wir auf den Sonnenuntergang, der im Hochsommer erst um 21.20 stattfinden soll. Bis dahin vergnügen wir uns mit dem Feiglingwürfeln. Zum Sonnenuntergang treibt der Nebel weiterhin sein Possenspiel, aber wenigstens ist kurzzeitig ein Teil des roten Feuerballes im Wolkenspiel zu sehen. Bald wird es richtig kalt. Jedermann sucht nochmals das aussichtsreiche, aber etwas entfernte stille Örtchnen auf, in der Hoffnung, diesen Gang erst am Morgen wieder zu machen. Im bequemen Matratzenlager lässt es sich gut schlafen, kein Schnarchen ist zu hören.
 
Nach dem Genuss des fantastischen Bergpanoramas mit Kesch, Palü, Bernina, Ringelspitz, Tödi und Churfirsten verlassen wir nach feinem Frühstück um 8 Uhr die Alvierhütte und die sympathische Wirtin. Der Himmel ist fast wolkenlos, aber an den Berghängen liegen immer noch Nebelfetzen. Wir steigen den steilen, rotweiss markierten Pfad (in Schweizmobil nur schwarz gestrichelt) hinunter ins Aferisloch. Ein steiles Schneefeld muss noch traversiert werden. Doch die guten Geister in unserem Trupp schlagen Stufen. In den Guliplanggen staunen wir ob den unzähligen Versteinerungen an Steinen und Felsen. Immer weiter gehts abwärts bis zum schönen Alpstall von Malschüel Obersäss auf 1777 Metern. Nachdem wir uns noch weiter abwärts (auf Markierung achten!) an einer Mutterkuhherde mit Muni vorbeigeschlichen haben, ist endlich wieder Aufsteigen angesagt. Zwischen Chöpf und Berglihalden erreichen wir Obersäss (auch Altsässobersäss genannt 1776m).
 
Die 250 Hm hinauf auf Glanna führen durch ein wunderbares Blumenparadis mit sehr vielen Männertreu, roten und dunklen. Auch die wilde Hochebene von Glanna mit ihren Seen und tiefen  Spalten ist einzigartig. Während ein Teilnehmer noch den schönen Glannachopf besteigt, halten wir Mittagsrast. Auf dem Isisizgrat trennen wir uns. Zwei Sprinter kraxeln noch hoch zum Margelchopf, wo sie als Belohnung Edelweiss bestaunen dürfen. Anschliessend steigen sie über Oberlänggli und Unterlänggli zum Voralpsee ab.
 
Wir anderen drei wandern ganz gemütlich am Margelchopf vorbei zur Alp Isisizsess und zum Schlösslichopf, wo uns ein Blick zum gerade unter uns liegenden Voralpsee zeigt, wie steil es noch hinuntergeht, erst auf gutem Bergweg bis Inggernast. Der Schlussabstieg zum Voralpsee ist durch den Viehauftrieb und den Regen zur Zeit ziemlich morastig, aber wir haben ja Zeit und gleichzeitig mit den Kollegen treffen wir am Voralpsee ein. Noch 15 Minuten Aufstieg zum Kurhaus Voralp, wo wir den wohlverdienten Abschiedstrunk geniessen. Mit dem Bus fahren wir die kurvenreiche Bergstrasse hinunter nach Grabs und weiter mit ÖV über Sargans heim ins Zürcher Oberland.
 
 
  

Tourengänger: CampoTencia, Krokus


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