Uri's Finest: Bächenstock - Zwächten - Krönten


Publiziert von Bergamotte Pro , 19. März 2017 um 14:59.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:16 März 2017
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 7:45
Aufstieg: 2165 m
Abstieg: 2785 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Färnigen
Zufahrt zum Ankunftspunkt:PW bis Restiberg
Kartennummer:245S / 255S (R. 580, 583b, 590a)

Die hochalpine Arena rund um den Glatt Firn mit Spannörtern, Krönten, Schlossberg und Zwächten hält jedem Superlativ stand. Das gilt genauso für meine heutige Überschreitung vom Meiental ins Erstfeldertal, bei welcher ich drei 3000er mitnehme und mir einen lange gehegten Tourentraum erfülle. Den letzten Gipfel auf meiner Urner Skisafari, den Krönten, begehe ich dabei gemeinsam mit Alpinist und Kollege, welche mir am Zwächten zufällig über den Weg laufen.

Kurz vor sieben Uhr breche ich von Färnigen im Meiental auf. Vor mir parkieren bereits mehr als ein Dutzend Autos an der Sustenpassstrasse. Fast alle Gipfel in der Gegend werden an diesem prächtigen, frühlingshaften Donnerstag angegangen. Zügig und problemlos absolviere ich den Aufstieg durch den Färnigenwald, um anschliessend die weite Mulde der Sewenalp zu erreichen. Ich erkenne Türler, welche sich in der langen Traverse unterhalb vom Sewenchegel abmühen. Das muss nicht sein; besser man hält sich tief und steigt erst nach dem Seelein Richtung Sewenstöss hoch. Im Aufstieg lassen sich die grossen Lawinenkegel einigermassen angenehm passieren, aber abfahren möchte man hier nicht.

Über einen Steilhang, stellenweise knapp 40°, erreicht man den weiten Sewenzwächten und befindet sich ab sofort inmitten der Urner Hochalpen. Man erblickt den Bächenstock, welcher aus dieser Perspektive neben dem Hoch Sewen geradezu mickrig wirkt. In der Ferne erkenne ich zwei Türler, welche just zum Fussaufstieg über den Nordgrat zu eben diesem Hoch Sewen ansetzen. Später kann ich gar ihren Gipfeljubel hören. Die Überquerung des harmlosen Gletscherchens kann an beliebiger Stelle erfolgen. Am steilen Südhang unterhalb des Gipfels deponiert man die Skier neben einem Felsvorsprung (oder nimmt sie mit, je nach Abfahrtsroute) und steigt zu Fuss zum Grat hoch. Hierfür montiere ich die Steigeisen, im angenehmen Trittschnee heute wär's aber auch ohne gegangen. Vereinzelt helfen Fixseile. Anschliessend in einfachster Kraxelei direkt über den Grat zum Bächenstock (3011m).

Das Panorama hier oben ist schlicht grossartig. Zu recht wird dieser lohnende, nicht allzu schwierige Gipfel deshalb sommers wie winters regelmässig besucht. Auch ich stand letzten September bereits oben (*klick). Noch besser ist die Aussicht hingegen auf dem benachbarten Zwächten - und genau dort zieht es mich nach einer ersten Pause hin. Direkt vom Gipfel steige ich zu Fuss die steile Westflanke runter, um anschliessend über den Verbindungsgrat nordwärts zu traversieren. Man hüte sich vor allfälligen Wechten. Weiterhin zu Fuss folgt ein kurzer Abstieg von vielleicht dreissig Metern vom Sattel P. 2912 auf den Bächenfirn. Hier kann wieder auf Skiern gewechselt werden. Man steigt zurück zur Grathöhe und erreicht in einem leichten Rechtsbogen den Zwächten (3079m) über dessen Ostflanke (kurz >35°).

Man steht nun inmitten der hochalpinen Glatt Firn-Arena. Eine schönere Sicht auf die Spannörter gibt es nirgends. Auf dem Bächenstock hatte ich zuvor mit dem Gedanken gespielt, den Krönten noch anzuhängen. Doch Hin und zurück würde um die 2.5h veranschlagen. Zudem sind meine Batterien leer, genauso der Proviantsack. Also richte ich mich für eine ausgiebige Mittagsrast ein, um anschliessend wie geplant über den Rossfirn ins Juzfad abzufahren. Eine Stunde später, just vor meinem Aufbruch, treffen die Hoch Sewen-Bezwinger ein. Es handelt sich um Alpinist und seinen Kollegen Hannes. Als ich von ihrem Plan der Kröntenbegehung höre, sind meine Vorbehalte plötzlich wie weggeblasen. Zumal sie ein Auto im Erstfeldertal deponiert haben. Ich darf mich ihnen anschliessen und wir fahren gemeinsam zum Glatt Firn bis ca. 2800m ab (kurze Steilstelle bei der Gratquerung).

Genussvoll ziehen wir Richtung Krönten, wobei wir uns höheneffizient wenig nördlich vom Grat halten. Nach der Kröntenlücke steilt das Gelände vorübergehend auf (bis gut 35°) und verjüngt sich anschliessend in einen verblasenen Gratrücken. Hier lassen wir die Skier zurück ein Stück. Nach gut zehn Minuten Fussmarsch stehen wir vor dem Hauptturm des Krönten (3108m). Dieser Felsaufschwung, obschon nur wenige Meter hoch, ist leicht überhängend und knifflig (man könnte die Stelle auch nordseitig, aber ausgesetzt umgehen). Alpinist würgt sich irgendwie an der Fixschlinge hoch und lässt uns das Seil runter. Selbst damit braucht es einen unakrobatischen Kraftakt, um hochzukommen. Aber dann ist es geschafft und das Gipfelglück perfekt.

Der Abstieg vom Turm gestaltet sich nicht weniger flapsig... ohne Abseilen wirklich nicht trivial. Alpinist löst die Angelegenheit elegant mit dem "Kröntensprung"... Mit Bergschuhen werde ich das auch mal versuchen. Wer glaubt, es folge nun einfach eine 2000Hm Genussabfahrt ins Erstfeldertal, sieht sich getäuscht. Wobei der Auftakt besser nicht sein könnte: Vom Skidepot können wir lohnend über den Glatt Firn Richtung Graw Stock abfahren. Anschliessend wird die Unterlage schnell ruppig. Und vor allem bedecken riesige Lawinenkegel fast die gesamte Obersee-Mulde. Ein paar Flüche später fellen wir unweit der Kröntenhütte nochmals an und steigen 100Hm zur Päugenegg hoch, wo sich der Blick auf die Windgällen öffnet.

Der zweite Teil der Talabfahrt führt über die Ellbogen-Alp, um bei P. 1374 den Eienbach zu überqueren. Wir folgen zu Fuss dem Wanderweg durch den aperen Wald. Alternativ könnte man auf ca. 1340m direkt in den Lawinenzug von Ribi queren. Auch wir machen nach der Portage unsere liebe Bekanntschaft mit ihm. Er ist so grob mit Lawinenkegeln verstellt, dass an Fahren gar nicht zu denken ist. Glücklicherweise entdecken wir bald eine verschont gebliebene Schneezunge und können auf ihr im wilden Sträucherslalom talwärts rutschen. Oberhalb vom Bodenberg erreichen wir wieder gutmütige Weidehänge, welche uns fast ohne Portagen zum Auto auf Restiberg (870m) bringen. Hier findet die fast achtstündige Rallye vom Meien- ins Erstfeldertal ihr wohlverdientes Ende.

Besten Dank an Hannes und Alpinist, hier sein Bericht.


Zeiten
3:10  Bächenstock
0:50  Zwächten
1:25  Krönten
2:15  Erstfeldertal

Tourengänger: Bergamotte


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Kommentare (3)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 19. März 2017 um 15:18
Gratuliere Dir zu dieser fantastischen Tour! Eine der schönsten Skitourengegenden meiner Meinung nach.

Vermutlich warst Du aber am 16. März und nicht wie im Bericht am 17. März unterwegs.

Frei müsste man unter der Woche haben ;-)

Gruss
Bombo

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 19. März 2017 um 15:22
Absolut richtig, danke für den Hinweis. Die Flexibilität bezüglich spontanen Ferien-tagen war bei der Stellensuche natürlich ein wichtiges Kriterium!

Alpinist hat gesagt: :-)
Gesendet am 19. März 2017 um 18:15
Kuul gsie einen weiteren Hikr kennen gelernt zu haben.



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