Pazolastock (2740m) und die Seelein im vorderen Val Maighels bei klirrender Kälte


Publiziert von Chrichen Pro , 5. Dezember 2016 um 13:38.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum: 3 November 2016
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-UR 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1000 m
Strecke:ca. 15.5 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem ÖV: Zug via Göschenen nach Andermatt / Von Andermatt mit dem Bahnersatzbus bis zum Oberalppass
Zufahrt zum Ankunftspunkt:(Gleicher Weg umgekehrt)

Die Region um das Val Maighels bietet zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen und Wintertouren. Für ÖV-Nutzer ist sie besonders attraktiv, denn der Oberalppass lässt sich auch in der Zwischensaison durchgehend mit dem Zug erreichen. Im Herbst versprüht die Region einen eigenen Zauber, der sich nur schwer in Worte fassen lässt. Ganz zu schweigen von der Einsamkeit, die der Wanderer hier zu dieser Jahreszeit findet. Etwas Vorsicht geboten ist wegen den im Spätherbst oft vereisten Wegen.

Nach einer kleinen Störung war ein Zwischenhoch für den Donnerstag (Tourendatum) vorausgesagt. Da ich an diesem Tag frei hatte, wollte ich nochmals in die Berge gehen. Jedoch fiel es mir äusserst schwer, die Wetterprognose zu interpretieren hinsichtlich der vorausgesagten hochnebelartigen Bewölkung. Schlussendlich entschied ich mich, den Plan A (Arnigrat) zu verwerfen und stattdessen dem Pazolastock und vorderen Val Maighels einen Besuch abzustatten. Wahrscheinlich war das keine so schlechte Wahl, auch wenn der Start im Nebel stattfand und die Temperaturen nicht gerade strandtauglich waren.

Oberalppass - Pazolastock (T2)
Bei eisiger Kälte und dichten Nebel steige ich mit zwei anderen Wandern morgens um 09:46 Uhr am Oberalppass aus dem bestens organisierten Bahnersatzbus aus. In Anbetracht der Bedingungen wäre ich am liebsten grad im Bus geblieben. Die beiden "Leidensgenossen" machen ebenfalls einen wenig begeisterten Eindruck. Aber von nichts kommt nichts, und so mache ich mich wackeren Mutes wie geplant auf den Weg zum Pazolastock. Diesen muss ich zuerst suchen, denn wegen dem ungewohnten Halteort an der Strasse und dem Nebel habe ich keine Ahnung wo ich grad stehe und wo der Pazolastock wäre.

Nach gefundenem Einstieg (GPS sei Dank) geht es auf gutem Weg dem Gipfel entgegen. Die Landschaft wird dominiert von einer hauchdünnen Schicht Schnee, der vermutlich aus dem Nebel gefallen ist, und von Rauheis. Ein steifer Wind bläst mir um die Ohren. Der zum Teil eisige Weg führt mich via P.2375 und P.2577 angenehm dem Gipfel entgegen. Einzig beim Schlussaufstieg geht es auf oft stark vereisten Pfaden durch steile Flanken, was Vorsicht und behutsames Gehen verlangt. Die Steigeisen bleiben aber im Rucksack.

Auf einer Höhe von ca. 2400m gab es einen ersten Lichtblick: Die Wolken gaben ein erstes Mal kurz den Himmel frei. Bis zum Gipfel hat sich schliesslich schon recht ansehliches Wetter eingestellt. Die Sonne strahlt, die Wolken weichen langsam und geben mehr und mehr die Sicht auf die umliegenden Berge frei. Da sich wettermässig einiges tut, warte ich dem kalten Wind zum Trotz eine gute halbe Stunde auf dem Gipfel, bevor ich weitergehe.

Pazolastock - Fil Tuma - Badushütte - Tomasee (T2)
Nach einem kurzen Abstieg vom Gipfelbereich geht es nun dem Grat entlang via P.2685 und P.2743 der Martschallücke entgegen. An einigen Stellen müssen die Hände kurz aus dem Hosensack genommen werden. Zur Martschallücke selbst wird nicht abgestiegen. Stattdessen folgt der Weg erneut einer Krete und geht via Fil Tuma in der Südflanke direkt zur Badushütte. Das Gelände ist recht sanft. Man könnte auch die Badushütte auslassen und beispielsweise von der Martschallücke direkt zum Tomasee absteigen. Auf dem Weg zur Badushütte mache ich eine gemütliche Rast, denn der Wind hat nun nachgelassen, und die Sonne wärmt.

Bei der einsamen Badushütte mache ich noch kurz einen Abstecher zum nahegelegenen Aussichtspunkt mit Steinmann. Danach wähle ich die längere Wegvariante zum Tomasee hinab, denn die kürzere scheint etwas vereist zu sein. Ausserdem möchte ich gerne am Seelein vorbeilaufen.

Tomasee - Lai Urlaun / Lai Carin (T2)
Der in tiefem Schatten liegende Tomasee ist heute vollständig von einer weiss überzuckerten Eisschicht bedeckt. Nach einigen Fotos gehe ich dem Weg folgend am linken Seeufer entlang bis zu dessen Ende, wo der Auslauf einfach überquert werden kann. Auf steinigem und etwas undeutlichem Pfad geht es ein paar Meter die wilde Schlucht hinab, bis der nun wieder deutliche Wanderweg nach Südost in die Flanke hinausquert. Die hauchdünn mit Schnee bedeckten Blocksteinplatten sind ein bisschen rutschig. Nach der Querung des Kessels bei Plaunca da Vadials gilt es in einigen Serpentinen eine kleine Gegensteigung zu bewältigen. Schliesslich geht es hinunter zum Lai Urlaun.

Bei den Seelein nehme ich mir viel Zeit, um Fotos von der sich wunderbar im stillen Wasser spiegelnden Bergwelt von allen Seiten und Winkeln her zu machen. Einmal breche ich dabei im sumpfigen Untergrund in eine unvermutet tiefe Wasserlache ein und hole mir kurz nasse Füsse. Der Gummizug an der Tourenhose verhindert glücklicherweise das Schlimmste. Das Tal ist schon weitgehend in Schatten getaucht und es wird allmählich wieder kälter. Die mit Rauheis verzierten Grasbüschel und halb zugefrorenen Seelein unterstreichen die Stimmung. Bald beginnt auch der sumpfige Untergrund wieder zuzufrieren, und ich mache mich auf den Weg zurück zum Oberalppass.

Lai Urlaun / Lai Carin - Oberalppass (T2)
Der schneeweissen breiten Naturstrasse folgend schlendre ich hinunter bis Plidutscha und zweige anschliessend auf den Wanderweg links ab. Via P.2056 und Plauncas Cuflegl schreite ich dem Oberalppass entgegen, während die Abenddämmerung über die Landschaft hereinbricht. Im Halbdunkel erreiche ich ca. um 17:30 die Passhöhe und muss nicht mehr allzu lange auf den Ersatzbus nach Andrematt warten, dessen einziger Fahrgast ich bin.


Wieder einmal konnte mich der unvergleichliche Charme des spätherbstlichen Val Maighels in seinen Bann ziehen. Wunderbar sind die Einsamkeit, das Licht, der Wechsel aus Sonne und Schatten, Eis und goldgelbem Gras. Der Start im tiefen Nebel machte die Wanderung sogar noch abwechslungsreicher, wenn auch unerwartet kalt. Eigentlich wären dieselben Kleider wie für Wintertouren angebracht gewesen. Die beschriebene Wanderung weist so gut wie keine Schwierigkeiten auf, dennoch kann die Mitnahme von Steigeisen im Spätherbst von Vorteil sein. Die aktuellen Verhältnisse lassen sich im Voraus schwer einschätzen. Eine Wanderung vom letzten Herbst in der gleichen Region zum Badus / Six Madun habe ich *hier beschrieben.


Tourengänger: Chrichen


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Kommentare (2)


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Stijn hat gesagt: Gratuliere
Gesendet am 5. Dezember 2016 um 22:03
Gratuliere Christian, super Spiegelungsfotos!

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 6. Dezember 2016 um 10:47
diese - und die gesamte Wanderung: ein Bijou!

lg Felix


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