Ritzlihorn oder Hitzlihorn...?


Published by Alpin_Rise , 31 August 2016, 09h35.

Region: World » Switzerland » Bern » Oberhasli
Date of the hike:26 August 2016
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Mountain-bike grading: F - Easy
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BE 
Time: 2 days
Height gain: 2650 m 8692 ft.
Access to start point:cff logo Innertkirchen
Accommodation:Gaulihütte SAC, hier muss aber erst einige Meter zur Hängebrücke abgestiegen werden, bevor's aufs Ritzlihorn geht

... das war die Frage auf dieser Hitzewellen-Tour Ende August 2016. Nach längerem Sinnen, wo hin die/der R(e)ise am Wochenende geht, fällt mir der lange gehegte Wunsch Ritzlihorn wieder ein. Denn schattige, bevorzugt westseitige Aufstiege sind nun das einzig erträgliche. Genau das bietet der massige Koloss im Oberhasli à discretion. Die Eckdaten der Route sind gesamthaft eher abschreckend, ab der letzten ÖV-Haltestelle in Innertkirchen sind schlappe 2650 Höhenmeter zu tilgen. Davon verlaufen mehr als die Hälfte im weglosen, teils mühsamen Gelände der Westflanke. Dem Gegenüber steht die Aussicht auf Einsamkeit und auf einen 360°-Gipfelkranz, der seines Gleichen sucht.

Damit das Ritzlihorn nicht gänzlich zum Hitzlihorn verkommt, wähle ich die Variante "Bike 'n' biwak 'n' hike", was sich vor allem am zweiten Tag als sehr umsichtig erweist. Auch ohne Mountainbike lässt sich die  Alpstrasse bis Rohrmatten bequem fahren schieben (Fahrverbot ab Mürvosess!).

Hitzeflucht aufs Ritzlihorn

Mein Start erfolgt erst um 13 Uhr in Innertkirchen. Die Velostrecke gestaltet sich dann mit dem schattigen Steilstück (das Stadtvelo stossend...), dem Fahrtwind und einem Bachbad im Urbachtal als erstaunlich genussvoll. Velodepot kurz vor Rohrmatten, dann fast unerträglich heiss ohne einen Lufthauch zum Mattenalpsee. So richtig geniessen kann ich den landschaftlich wunderbaren Aufstieg nicht, mangelnde Hitzeresistenz...
Irgendwann ist es auch geschafft und vor 18 Uhr reicht es gerade noch für eine Erfrischung in den letzten Sonnenstrahlen im fast leeren Mattenalpsee. Gemütliche, sternenklare und doch warme Biwaknacht ebendort.

Am nächsten Morgen start um 6:15, zum Auffinden der schwachen Wegspur durch den Erlengürtel hilft dieses Topo von Spez, ich wünschte ich hätte es im Abstieg ausgedruckt dabei gehabt...
Nach längerer Zeit finde ich endich einen Rythmus und allzu gedankenverloren steige ich in den Bockweng prompt zu weit nach rechts, in der Meinung das gesuchte Couloir sei beim makanten Gesteinswechsel. Auf 2600m bemerke ich meinen Irrtum und quere mühsam etwas Höhe verlierend in die richtige Rinne. Nun gehts am besten etwas links (nördlich) in prima gestuftem Gelände bis auf die Gratschulter auf 3240 m, sodann leicht zum blockigen, wenig markanten Triangulationspunkt P. 3263 mit Gipfelkreuz- /buch*. Über den Blockgrat (eine Stelle II) in wenigen Minuten zum Hauptgipfel P. 3278

Beste Fernsicht, absolute Windstille und das Gipfelbuch lassen mich eine Dreiviertelstunde verweilen, bis der Abstieg unweigerlich ruft:
Nun etwas südlich der Rinne, einige seichte Geröllrinnen absurfend zügig ans Ende der Rinne. Dann versagt mein Plan, einfach die Aufstiegsroute retour zu gehen, da diese ja falsch war. Prompt quere  ich auf 2300m zu weit nördlich (über das markante Loch hinaus) und werde mit überaus steilem, "Erlebnisreichem" Gelände bestraft. Am morgen habe ich mir die Durchschlüpfe durch den Gürtel zu merken versucht, verpasse die optimale Linie jetzt um einige Dutzend Meter - von oben kaum auffindbar...  reichlich abgekämpft erreiche ich meinen Biwakplatz, gut vier Stunden nach meinem Aufbruch ebendort. 

Vom Mattenalpsee zügig und mit viel Gegenverkehr zu Tale, je tiefer desto heisser, selbst vormittags. Der Fahrtwind auf dem Velo ist dann die meine Erlösung und das Hopfengetränk nach dem Bad im Brienzersee fast eine Offenbarung ...

Fazit: lohnende, aber anstrengende Tour. Vergleichbar mit dem Bristen, wenn auch mühsamer. Die Orientierung in der 1400 Meter Hohen Westflanke ohne Wegspur ist anspruchsvoll, darum stimmt die Bewertung mit T5 für mich, obwohl das Gelände nie wirklich schwierig oder sehr ausgesetzt ist.
Erlenfrei, aber länger ist die Variante via Hängebrücke und Grasband Band auf 2150m.

* Die Gipfelbuchlektüre offenbart (nebst den auf hikr bekannten Einträgen) allerhand erstaunliches, z.B. dass
- die beliebteste Route scheinbar via Mattenllimmi und NW-Grat auf den Gipfel führt
- einzelne Aspiranten von Guttannen via Wachtlammstock hochsteigen
- auf den Tag genau fünfzehn Jahre vor mir eine Begehung des ehemaligen Gaulihüttenwartes von der Handeck übers Ärlengrätli in unglaublichen 4:15 erfolgte (ein anderer Eintrag aus gleicher Feder berichtet sogar von 3:55...!)
- meine Aufstiegszeit ab Mattenalpsee in 2:30 im Vergleich zu den einheimischen Routiniers nicht mehr so zügig erscheint...

PS: der Zufall will es, dass ich etwas mehr als 24 Stunden nach dem Ritzlihorn exakt auf gleicher Meereshöhe, aber 80km weiter östlich stehen werde - mit einem bekannten hikr auf dem Piz Tambo!

Hike partners: Alpin_Rise


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Comments (3)


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Zaza says: The day after
Sent 31 August 2016, 13h44
Tambo?

amphibol says: RE:The day after
Sent 31 August 2016, 14h39
..oder Ringelspitz?

Zaza says: Ritzel-Räzel
Sent 13 September 2016, 20h06
+10 ;-)


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