Prättigau 1/2: Rätschenhorn, drei Joche und Riedchopf


Publiziert von countryboy Pro , 12. August 2016 um 17:47.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Prättigau
Tour Datum: 7 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   A 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1320 m
Abstieg: 1430 m
Strecke:ca. 16km: Station Madrisa - Saaser Calanda - Rätschenhorn - Rätschenjoch - Gafier Joch - Pt. 2460 - Gafiersee - St. Antönier Joch - Riedchopf - Engi - Partnunstafel (Berghaus Sulzfluh)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit dem Zug bis Klosters Dorf und anschliessend mit Gondelbahn auf Bergstation Madrisa
Zufahrt zum Ankunftspunkt:als Tagestour müsste man vom Berghaus Sulzfluh noch bis St. Antönien Rüti weitergehen, von wo man das Postauto nach Küblis nehmen und anschliessend den Heimweg mit dem Zug vollenden kann
Unterkunftmöglichkeiten:Berghaus Sulzfluh sowie Alpenrösli, www.sulzfluh.ch
Kartennummer:online Kartenausschnitt 1:25'000

Howdy! 

Naja, jetzt ist es halt anstatt des Prättigauer Höhenwegs einfach Wandern im Prättigau geworden. Zweieinhalb von fünf Tagen im Regen herumzutrampeln oder in Hütten auszusitzen ist dann doch nicht so unser Ding und so haben wir am Sonntag schwermütig unsere Reservation für Di+Mi in der Schesaplanahütte abgesagt. Was blieb, waren je eine Übernachtung im Berghaus Sulzfluh und in der Carschinahütte SAC. Der Erlebnisfaktor lässt trotzdem nichts zu wünschen übrig, spielte sich doch unser Tun einmal mehr in der Bergwelt oberhalb St. Antöniens ab.

Facts zur Wanderung / Bewertung der Teilstücke:
> Madrisa - Saaser Calanda - Rätschenhorn; T2
> Rätschenhorn - Rätschenjoch; T3- (südöstlicher Abstieg Rätschenhorn durch groben Schutt, gut markiert)
> Rätschenjoch - Weggabelung auf Höhenlinie 2300; T2
> Aufstieg zum Gafier Joch; T3 (sehr steiler Aufstieg, rutschige Wegspur)
> Gafier Joch - Pt. 2460 - Gafiersee - Pt. 2482; T2
> Pt. 2482 (NW-Ausläufer Gargäller Chöpf) - St. Antönier Joch; T3 (seilgesicherte Stelle südlich kurz vor Joch)
> St. Antönier Joch - Weggabelung Riedchopf auf Höhenlinie 2500; T3- ("nur für Geübte" beschildert, aber problemlos)
> Riedchopf; T3+ (v.a. Umkraxeln eines flach abfallenden Felsblocks beim Gipfelzustieg)
> Weggabelung Riedchopf auf Höhenlinie 2500 - Engi; T3 (v.a. anfangs steile Schotterpassagen)
> Engi - Partnunstafel; T2
Wetter: sonnig, Temperaturspanne 12° bis 20°C
Zeit: brutto 9h, netto 7 1/2h
Flüssigkeit: 1 3/4 Liter (grösstenteils getrunken)
Hilfsmittel: Wanderstöcke (talwärts)

Wanderbericht:
Wie erwähnt sollte es Tag 1 (Sonntag) von 5 sein, um mehrheitlich auf dem Prättigauer Höhenweg von Klosters bis nach Malbun (FL) zu wandern. Schon vor Antritt der Wanderung hatte sich die Wettervorhersage für Dienstag und Mittwoch aber so verschlechtert, dass wir uns für Dienstag mit Prexit-Plänen befassten und schliesslich am ersten Abend dann die Übernachtungen für Tag 3 und 4 stornierten. Für die ersten zwei Tage hatte ich ein etwas ausgiebigeres Programm als countrygirl geplant und ausgerechnet die für sie ebenfalls längeren Wanderstrecken fielen wegen der wetterbedingten Verkürzung unserer Wanderung nun weg. Das bereitete mir schon ein etwas schlechtes Gewissen. Da sie aber auch aus kürzeren Strecken genügend Wanderfreude tanken kann, trägt sie's mit für mich "kaum zu fassender Fassung". Oder es ist einfach die Zufriedenheit über ihre erste Übernachtung im Massenlager einer SAC Hütte, die sie mit erstaunlich positiver Einstellung über die Runden gebracht hat? 

Mein Tag startet mit der Anreise nach Klosters Dorf. Mein Zug trifft wenige Minuten vor Start der Madrisa Gondelbahn ein, also optimal. Diese über 700m erkaufe ich mir nur zu gerne, denn das Tagesprogramm ist auch so anstrengend genug. Aus der gleichen Überlegung lasse ich auch Geisshorn und Bockhorn links liegen und steuere ohne allzu grossen Pausen auf den Saaser Calanda zu, wo ich nach 2 1/4h eintreffe. Eindrücklich sind die Tiefblicke in die nordwestlich senkrecht abfallende Wand der Rätschenflue. So macht dann auch die Namensgebung des Calanda Sinn, steht dahinter doch das griechisch-lateinische Verb "calare", was soviel wie herablassen, abrutschen, abgleiten bedeutet. Beim Saaser Calanda weichen Wiese und Flora der auf den ersten Blick leblosen Kalkgesteinlandschaft des Rätschenhorns. Nach kurzer Pause leichter Abstieg und sofortiger Gegenanstieg auf das rund 120m höher liegende Rätschenhorn, mit 2703m höchster Gipfel des heutigen Tages. Die Rast fällt aufgrund des doch recht kühlen Windes wiederum eher kurz aus, diese hole ich dann aber schön windgeschützt auf halbem Weg zum Rätschenjoch nach. Auf den hellen Kalk, der aus etwas Entfernung wie Altschnee aussieht, folgt das ganz dunkle Gestein der Madrisa. Nach dem Joch ein längerer Abstieg, teils romantisch einem Bergbächlein entlang, bis schliesslich ein steiler Aufstieg zum Gafier Joch wieder nach richtig strammen Waden verlangt. Beim Gafier Joch lockt mich ein vermeintlicher Weg in die Westflanke und stellt sich bald als Lockvogel in unwegsames Gelände (T4) heraus. Mit etwas Kraxelei finde ich wieder auf den Normalweg auf dem Grat und erreiche bei Punkt 2460 bald den nächsten Aussichtspunkt. Es folgen Abstieg zum Gafier See, wo ich mein Leitungs- mit frischem Bergwasser ersetze, und schliesslich wieder der Gegenanstieg aufs St. Antönier Joch, wo ich nach nicht ganz 7h eintreffe. Bis hierher nur wenige T3-Abschnitte, fast durchgehend T2.

Es folgt noch ein Abstecher auf den Riedchopf, der mit einem Zustieg auf einem gut begehbaren Grätchen und schliesslich dem Schlusshindernis, einem flach abfallenden Felsblock, aufwartet. Letzteren umgeht man wahlweise links oder rechts (punkto Schwierigkeit etwa gleich, T3+). Obwohl es sich da oben zwei Ösi-Mädels gemütlich gemacht haben, mache ich auch hier nur kurz Gipfelrast, habe ich doch noch den ganzen Abstieg nach Partnun vor mir. Erst noch recht steil und schotterig (T3), dann kurz durch ein Blockfeld, wird der Weg schliesslich recht einfach, zieht sich bis und Partnun dann aber noch ganz schön hin.

Es folgt genüssliches Durstlöschen, gefolgt von einem leckeren Nachtessen mit feinem Tröpfchen aus der Bündner Herrschaft im Berhaus Sulzfluh. Da sich countrygirl, die heute von St. Antönien (Rüti) zum Berghaus gewandert ist, mit Wein degustieren anstatt Weintrinkens begnügt, liegt es an mir, die ganzen 5dl ihrer Bestimmung zuzuführen. Ich ergebe mich diesem Schicksal und hoffe zugleich, dass das gute Essen und eine gute Mütze Schlaf dabei helfen, schmerzenden Füssen und müden Beinen für den nächsten Tag neues Leben einzuhauchen. Nachtrag: Dazu noch eine inoffizielle Fortsetzung am darauf folgenden Wochenende.

countryboy

Tourengänger: countryboy


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»