Gran Paradiso


Publiziert von Tasaio , 23. Januar 2016 um 12:55. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Italien » Aostatal
Tour Datum: 7 August 2015
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2200 m
Abstieg: 2200 m
Unterkunftmöglichkeiten:Rifugio Chabod

Nachdem wir schon tief hinab in die Erde gestiegen sind (Gouffre Berger, -1122m), wollten wir in derselben Woche auch noch hoch hinaus und suchten uns dafür den nahe gelegenen Gran Paradiso aus. Nach unserer Ankunft im Aostatal genossen wir erst einmal die gute italienische Küche und machten am Tag darauf eine kleine Akklimatisierungstour im Valnontey.

Danach wurde es ernst und wir fuhren am nächsten Tag zur Alpe Pravieux, um unseren Aufstieg zum Refugio Chabod zu beginnen. Der Hüttenzustieg entpuppte sich als sehr angenehm zu gehender Weg, welcher zuerst durch den schön schattigen Bergwald und dann oberhalb der Baumgrenze durch ein Bachtal zur Hütte führt. Wir ließen uns viel Zeit uns waren doch schon Mittags an der Hütte. Dort waren wir von der Ausstattung und der italienischen Gastfreundschaft sehr positiv überrascht. Es gibt nicht viele Berghuetten in den Alpen mit frei stehenden Betten im Schlafraum. Das sollte die Nacht ungleich viel angenehmer gestalten. Aber auch das Essen war absolut ausgezeichnet und die Preise beinahe auf Talniveau. Da kann sich der Großteil der überteuerten schweizer Hütten eine dicke Scheibe abschneiden. Das sehr freundliche und hilfsbereite Hüttenpersonal rundete den Gesamteindruck ab. Wir würden jederzeit gerne wieder kommen.

Nach dem Nachtessen ging es relativ schnell ins Bett und dank der freistehenden Betten kamen dann auch fast sieben Stunden Schlaf zusammen, bevor um kurz vor 04:00 morgens der Wecker klingelte. So gut haben wir noch nie vor einer Bergtour geschlafen. Schnell angezogen und ab runter in den Gemeinschaftsraum zum Frühstück. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der offenen Hüttentür vorbei....Moment....hier stimmt was nicht. Im T-Shirt schnupperten wir hinaus in die Nacht und es war kein bisschen kalt...mindestens 12 Grad. Uff...wir dachten sofort an eine matschige Gletschertour, die uns da bevor zu stehen schien. Naja, man kann es nicht ändern. Es wurde Frühstück gefasst und dann ging es hinaus, zusammen mit einer größeren Zahl weiterer Seilschaften (allerdings nicht ansatzweise so viele wie befürchtet). 

Zunächst führt der Weg oberhalb die Hütte ein wenig nach oben und krossiert dann den Gletscherbach. Danach geht es dann sehr steil, aber durchaus angenehm gehbar, eine angenehm feste Moränenrampe hinauf. Oben angekommen bewegt man sich durch Geröll und Eis bis zum Beginn des Gletschers auf etwa 3100m. Hier zogen wir dann die Steigeisen an und bildeten eine Seilschaft. Weiter ging es dann über den Gletscher in ausgiebigen Serpentinen (selbst ohne Spur sollte der Weg hier klar sein) zwischen den Abbrüchen hindurch bis auf den Sattel unterhalb des Gipfels auf etwa 3800m. An dieser Stelle vereint sich der Weg auch mit dem Normalweg von dem Rifugio Vittorio Emanuele. Hier bekamen wir dann auch das erste Mal die wärmenden Strahlen der Sonne zu spüren, da der gesamte Gletscheraufstieg auf der Nordseite des Berges liegt. Nach einer kurzen Pause ging es dann zum Endspurt auf den Gipfel. Der Bergschrund war dank installierter Leitern kein Problem und wenig später erreichten wir den felsigen Gipfelaufbau. Zunächst ließen wir den Madonnengipfel mit seinen Menschenmassen rechts liegen und kletterten direkt hinauf zum Hauptgipfel. Dort war dann erst mal eine ausführliche Fotosession angesagt. Währenddessen beobachteten wir die Massen von Gästen die von ihren Bergführern auf den Madonnengipfel gezogen wurden....der ihnen dann offensichtlich als höchster Punkt verkauft wurde. Natürlich brauchten wir auch noch ein Foto mit der Madonna und deswegen steigen wir ebenfalls schnell auf den Madonnengipfel.

 

Aufgrund der hohen Temperaturen war es auf dem Gipfel wirklich recht angenehm, so dass wir uns irgendwann zum Aufbruch zwingen mussten. Wir stiegen wieder vom Gipfel ab bis auf den Sattel, wählten dann aber den anderen Normalweg hinunter zur Rifugio Vittorio Emanuele. Zunächst ging es mäßig steil bergab…immer der Schulter folgend. Natürlich müssen aber auch hier über 1000 Höhenmeter überwunden werden und so überraschte es uns nicht, das der Gletscher relativ plötzlich sehr steil abfiel. Und so stiegen wir vorsichtig in langen Serpentinen diesen, in unseren Augen nicht ungefährlichen, Steilhang hinab. Hier kam dann der erste „Was wenn wir hier hochgekommen wären“ Gedanke auf. Unten wurde der Gletscher dann weich und matschig. Es wurde immer schwieriger einen anständigen Weg durch den Schneesumpf zu finden. Nachdem wir den Gletscher dann hinter uns gelassen hatten wurde das Gelände nicht unbedingt besser. Wir bewegten uns durch das ehemalige Gletscherbett. Der Gletscher ist hier noch nicht lange weg, und das Erdreich und Gestein noch sehr instabil. Das Resultat war ein sehr unangenehmer Weg. Eine andere Gruppe, die auch im Abstieg unterwegs war, hatte das fast am eigenem Leibe zu spüren bekommen, und ist nur knapp einem kleinen Felssturz entwischt. Weiter unten wurde das Gelände dann besser und wir kamen schneller voran. Die letzten paar Meter zur Hütte ging es dann nochmal durch einen unangenehmes Felsenfeld. Dann aber konnten wir endlich bei bestem Wetter ein leckeres Mittagessen auf dem Rifugio Vittorio Emanuele geniessen. Beim Essen dachten wir darüber nach, wie ekelhaft es gewesen wäre, den Anstieg zum Gipfel hier zu starten und sich dann durch den ganzen losen Schrott nach oben zu kämpfen.

Nachdem wir anständig gegessen und getrunken hatten, machten wir uns an den Abstieg hinunter nach Pont. Von der Hütte aus ist der Weg sehr angenehm und wir kamen schnell voran. Auf dem Weg nach unten kamen uns Duzende von Hochtourengängern entgegen. Morgen würde am Paradiso wirklich die Hölle los sein. Wir waren sehr froh das wir einen Tag eher dran waren. Nach einem langen Abstieg waren wir froh wieder im Tal zu sein. Die Schuhe waren schon ganz schön am rauchen. Aber  noch waren wir nicht am Auto..wir hatten noch zwei Kilometer entlang der Strasse nach Alpe-Pravieux vor uns. 

Alles in Allem eine tolle Tour mit Top Wetter. Und die Erkenntnis das der Klimawandel ehemalige Normalwege in lose Schutthalden verwandelt, leider.



 


Tourengänger: Tasaio, Elminster


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Kommentare (1)


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Nik Brückner hat gesagt:
Gesendet am 23. Januar 2016 um 13:10
Herrliche Tour, Gratulation!

Wir waren zwei Wochen vor Euch droben, und da war's auch schon so warm. Uns wurde erklärt, dass man den Berg vermutlich sperren würde, wie kurz zuvor schon den Mont Blanc - das ist offenbar nicht geschehen. Da hattet Ihr Glück.

Also nochmal: Glückwunsch!

Grüßle,

Nik


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