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Von Arolla auf den Mont Brulé (3589 m): Firn gut, alles gut!


Published by morphine , 24 August 2013, 13h46.

Region: World » Switzerland » Valais » Mittelwallis
Date of the hike: 6 July 2013
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Mountaineering grading: PD-
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Time: 10:00
Height gain: 1700 m 5576 ft.
Height loss: 1700 m 5576 ft.
Route:Arolla - Haute Glacier´d Arolla - Col Collon - Westgratgipfel - Mont Brulé
Maps:283 Arolla 1:50000

Von langer Hand geplant...

war der Gletscher-Firn-Hatscher von Arolla auf den Mont Brulé nach meinem vergeblichen Versuch von vor zwei Jahren. Diesmal sollte es allerdings ohne Übernachtung im Bouqetins-Biwak direkt 1700 Höhenmeter -bei einer Aufstiegslänge von ca. 12 km- als Tagestour bis hinauf zum Gipfel gehen. Knapp eine Woche zuvor, bei meiner Wanderung im Tal von Arolla, hatte ich noch ernste Zweifel, ob ich dem gewachsen sei. Doch wie so oft erholte ich mich recht schnell nach den anfänglichen konditionellen Problemen. So stand ich an diesem Morgen um 4.45 Uhr startklar auf dem Parkplatz von Arolla und konnte es kaum erwarten.


Aufstieg zum Col Collon mit Abgründen!

Zügig stieg ich in der aufkommenden Morgendämmerung auf dem Wanderweg durch den Talschluss und dann die Steilstufe hinauf bis unterhalb von Plans de Bertol. Zwischendurch verschwand der Weg mit seinen Drahtseilversicherungen auch mal unter den noch mächtigen Schneefeldern. 

Nach dem Steilstück erwartete mich der schon bekannte etwas nervige Abstieg auf das weite Gletschervorfeld des Haut Glacier d`Arolla. Den Markierungen im Gletscherschotter folgend vorbei an "Höhlenmalereien" über immer mehr Schneefelder ging es der Gletscherzunge entgegen.

Über ein Moräne an der linken Seite (im Aufstiegssinn) ging es dann hinauf auf´s Eis. Ich hielt mich immer an der Moräne und verließ diese etwas weiter oben nach rechts um den Gletscherboden diagonal zu überqueren. Die Richtung wurde dabei vom noch recht weit entfernten Einschnitt des Col Collon vorgegeben. Dreibeine markieren normalerweise die Route. An diesem Tag lagen sie aber alle noch flach auf dem Gletscher und waren daher von weitem nicht zu erkennen.

Kurz bevor ich über die Seitenmoräne den Gletscher verlassen wollte um die Schlussetappe zum Col anzugehen, machte ich dann noch Bekanntschaft mit den hier tückischen firnbedeckten Spalten. Sie sind nicht besonder groß, aber ich würde darin bequem verschwinden können.

Ich war zu schnell und nicht konzentriert genug unterwegs. Ohne Vorwarnung verschwand mein rechtes Bein komplett in einem dunklen Loch. Mühsam befreite ich mich und blieb zu meinem eigenen Erstaunen bei der ganzen Aktion ruhig und unaufgeregt. Ein -zu später- Blick auf die Karte verriet mir nun, dass hier tatsächlich ein kleines Spaltenfeld existierte. Vorsichtig umging ich nun diese Region und betrat die anvisierte Seitenmoräne etwas weiter oben.  Außer einer Schürfwunde auf dem Schienbein und Blutergüssen war ich noch mal heil davongekommen.

Nun stieg ich zunächst die schneebedeckten Schotterhänge weiter hinauf bis wieder das Eis begann. Mit der gebotenen Vorsicht erreichte ich dann etwas später über dem flachen Gletscherarm den Col Collon. Dieser war noch fast komplett schneebedeckt.


Firn gut, alles gut!

Der steile Firnhang hinauf zum Westgrat des Mont Brulé zeigte sich von hier prächtig verfirnt. Kein Vergleich zum grauen Blankeis von vor zwei Jahren. Der ersten Steilstufe am Fuß des Hangs wich ich in einer weiten Schleife nach rechts aus.

Von weiter oben kam mir eine Dreierseilschaft entgegen. Drei freundliche ältere italienische Herrschaften. Von ihnen erfuhr ich, dass es bis zum Gipfel noch ca. 2 Stunden dauern würde und die mächtigen nach Norden überhängenden Wächten auf dem Westgrat gut zu umgehen seien.

Zügig gings nun den steilsten (geschätzt 40°) Abschnitt des Firnhangs weiter hinauf. Dabei weitete sich die Aussicht zusehends und vor allem Dent Blanche & Co. machten jetzt mächtig Eindruck. Der Hang lief weiter oben als wunderschöner Firngrat aus, welcher im sogenannten Pointe Marcel Kurz 3498 m gipfelte. Dieser Punkt stellt eine Art Vorgipfel des Mont Brulé im Westgrat dar.

Was für ein prächtiges Panorama von hier oben. Der Westgrat war bei diesen Bedingungen einfach atemberaubend schön und der Dent d´Hérens als nächster benachbarter Viertausender drückte der Aussicht immer mehr seinen Stempel auf.

Vom Vorgipfel senkte sich der Westgrat nun zunächst ca.100 m ab. In genügendem Sicherheitsabstand konnte ich dabei auf der Spur meiner Vorgänger den großen Wächten ausweichen.

Auf dem nochmals sehr steilen Schlusshang präsentierte sich der Firn für die Steigeisen nach wie vor in Bestform. Kein Einsinken aber die Zacken konnten sich wunderbar festkrallen.

Den breiten Hauptgipfel des Mont Brulé erreichte ich nach gut 6 Std. auf seiner linken Ecke. Von hier überschritt ich die breite Gipfelkuppe bzw. den Gipfelgrat nach Süden. Der mittlere schwach ausgeprägte Firnbuckel erschien mir dabei der höchste Punkt zu sein. 


Aussichtsloge ersten Ranges!

Gemessen an dem, was sonst noch hier so alles in der Gegend rumsteht, ist der Mont Brulé ein eher unauffälliger Gipfel. Es ist die eindrucksvolle Rundumsicht auf das "who is who" der Umgebung mit dem der Berg punkten kann. Ich spare mir an dieser Stelle aber eine Aufzählung und verweise lieber auf die Bilder weiter unten. An einem klaren Herbsttag wirkt die Aussicht sicherlich noch weiter. Dafür konnte ich jetzt im Frühsommer eine wahrhaft prächtige firnüberwallte Bergwelt bestaunen, die fast ein wenig an  Frühjahrsbilder erinnert.


Abstieg unter gleißender Sonne!

Nach extralanger Gipfelrast machte ich mich wieder auf den langen Weg zurück nach Arolla. In der windstillen Senke zwischen Haupt- und Vorgipfel bekam ich auf den Firnflächen das gleißende Sonnenlicht erstmals so richtig zu spüren. Langsam kämpfte ich mich wieder hinauf zum Vorgipfel (Pointe Marcel Kurz). Der Firn blieb aber stabil und so erreichte ich zügig wieder den Col Collon, wo der Stern im weiten Firnkessel erneut ordentlich einheizte.

Vorbei an den Wilden Felswänden von L´Evêque stieg ich im Luxus-Sulz hinab zum Hauptgletscher. Dort lauerten nun wieder die Spalten auf mich. Unzählige male rammte ich nun den Eispickel in den Schnee bis mir der Arm fast abfiel. Doch die Mühe und Vorsicht war keinesfalls umsonst, denn tatsächlich erstocherte ich auf dem Rückweg zum sicheren Moränengelände auf der anderen Seite des Gletschers drei Spalten, welche komplett unsichtbar waren. 

Jetzt am Nachmittag wurde ich bei stetig steigenden Temperaturen auf dem Gletscher regelrecht gegrillt. Aber mit dem Gipfel im Gepäck und der nun überwundenen Spaltengefahr konnte mir nichts mehr die Stimmung vermiesen.

Ich schlich ganz langsam vom Gletscher hinunter und weiter durch das Gletschervorfeld. Immer wieder blieb ich stehen und genoss im jetzt wieder aufkommenden wohltuenden Wind diesen prächtigen Sommernachmittag in vollen Zügen. Prall gefüllte Gletscherbäche strömten dem Talboden entgegen. Das alles vor der mächtigen Kulisse des Glacier du Mont Collon.

Im Schneckentempo gings weiter und nach all der Bummelei erreichte ich erst um 19.00 Uhr wieder den Parkplatz von Arolla. Die Lange Rückfahrt durch das abendliche Wallis zu meinem Hotel in Oberems war dann trotz Müdigkeit und einer dicken Beule am Schienbein nur noch Genuss pur.


Fazit!

Meinen lang gehegten Gipfelwunsch in den Bergen von Arolla hab´ ich mir nun erfüllt. Landschaftlich einmalig schöne Tour. Aber fast anfängerhaft die Routenwahl. Wenn überhaupt, ist eine Solotour über den Gletscher von Arolla nur bei aperen Verhältnissen zu empfehlen. Man muss dann jedoch auf ausreichend Firn oberhalb des Col Collon hoffen. Besser bei Alleingängen ist aber immer die gletscherfreie Südroute von Italien aus dem oberen Valpelline über Comba d´Oren hinauf zum Col Collon. Dort gibt es für eine Aufteilung auf zwei Tage mit dem Rif. Collon bw. Rif. Nacamuli zwei Unterkünfte. Diese Route mit schönen Bildern wurde von akka hier beschrieben.

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Comments (11)


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alpstein Pro says:
Sent 24 August 2013, 13h56
Unglaublich schöne Fotos! Zum Glück ist das auf dem Gletscher nochmals gut gegangen. Deine Berichte würden mir hier fehlen.

Beste Grüße
alpstein

morphine says: RE:
Sent 25 August 2013, 19h16
Hallo alpstein,

danke erstmal. Die üppige Firnbedeckung und die Tatsache, dass der Hüttenzustieg zum Bouquetin-Biwak üblicherweise von fast allen Tourengängern unangeseilt gemacht wird (so auch an diesem Tag), hat mich zu leichtsinnig werden lassen. Klassische Fehleinschätzung. Die Schrammen und Beulen auf meinem Schienbein: Ein Denkzettel!

Gruß
morphine

Ole Pro says:
Sent 24 August 2013, 14h42
Schöne Bilder aus einer ganz tollen und einsamen Gegend. Wenn es einen neuen Bericht von dir gibt, freut man sich immer auf die tollen Bilder.
Finde es ganz schön mutig von dir diese Tour alleine zu machen.


Grüße
Ole

morphine says: RE:
Sent 25 August 2013, 19h24
Hallo Ole,

freut mich, dass Dir die Bilder gefallen. Da ich eigentlich ausschließlich Solotouren mache, brauchte es für den Mont Brulé aus meiner persönlichen Sicht keinen Mut. Aber es hätte bei der Routenwahl (siehe Fazit des Berichts) deutlich mehr Umsicht gebraucht. Ich kannte ja den gletscherfreien Zugang zum Col Collon und habe doch keinen Gebrauch von meinem Wissen gemacht. Das war sehr dumm von mir.

Gruß
morphine

Sent 24 August 2013, 20h50
Ende gut alles gut, zum Glück!

Deine Bilder begeistern auch mich! Und der Bericht war auch nicht ohne.

Liebe Gruess
maria

morphine says: RE:
Sent 25 August 2013, 19h44
Hallo Silberhorn,

hier auf Hikr.org gehört es ja glücklicherweise dazu, dass man nichts schöner schreibt als es war. Fehlentscheidungen/Fehlverhalten welche gefährliche Situationen hervorufen, gehören mit in den Bericht. Solotouren sind ja grundsätzlich nicht zur Nachahmung geeignet. Wenn dabei selbstverschuldet was schief läuft, sollte man trotzdem auch davon berichten. Das ist man den Lesern von Tourenberichten meiner Meinung nach schuldig.

Gruß
morphine

Fenek says: Pt. 3498
Sent 25 August 2013, 13h15
Gratuliere zu dieser Tour! Ging ja zum Glück gut.....

Dein Punkt 3498 den du als Westgrat Vorgipfel benannt hast hat einen Namen: Pointe Marcel Kunz
Diese Info findet man auch im SAC Führer Walliser Alpen 3 von Maurice Brandt

LG
Fenek

morphine says: RE:Pt. 3498
Sent 25 August 2013, 18h54
Hallo Fenek,

ja, da hatte ich deutlich mehr Glück als Verstand in dieser Situation.
Bezüglich Punkt 3498 danke ich Dir für den Hinweis. Hab den Namen des Wegpunktes korrigiert.

Gruß
morphine

Sky says:
Sent 29 October 2013, 12h36
Hello morphine !
Yesterday I saw your report, and I realized you went not so far from where I have been in August (la Vierge).
First of all, congratulation ! The snow-ridge seems to be not so easy ! And what a difference in the snow on the Haut Glacier d’Arolla : you found it all covered with snow, while in August it was totally uncovered. There were some crevasses, but they were easy to see, so it was no problem even if I was alone as you. I guess you had more troubles, hadn’t you ?
Thank you for your photos, revealing some sights of Dent Blanche, Weisshorn, etc. new to me !
Take care
Luca

morphine says: RE:
Sent 29 October 2013, 14h56
Hello sky,

Thank you for your feedback on my tour.

On my first attempt in September 2011, there was no snow on the glacier. The crevasses were then easy to recognize, but the climb to the snow ridge was too dangerous without snow. That's why I came back this year in early summer once again for another attempt. Now the glacier was dangerous snow-covered and my right leg sank into a hidden crevasse. But I could free myself from this situation well. In contrast, the snow ridge with crampons was good to walk on. But I had to look dangerous cornices.

Your tour to La Vierge I have read with interest. A fascinating viewpoint. Fenek was obviously motivated to repeat this summit shortly after you.

greeting
morphine

Sky says: RE:
Sent 3 November 2013, 19h00
Actually, Fenek repeated this summit indipendently - he saw my report only when he was back home ;-).
Really nice viewpoint, la Vierge, and quite unknown !
It would be nice to make something together, one day..
Bye
Luca


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