Von Arolla auf den Mont Brulé (3589 m): Firn gut, alles gut!
|
||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
Von langer Hand geplant...
war der Gletscher-Firn-Hatscher von Arolla auf den Mont Brulé nach meinem vergeblichen Versuch von vor zwei Jahren. Diesmal sollte es allerdings ohne Übernachtung im Bouqetins-Biwak direkt 1700 Höhenmeter -bei einer Aufstiegslänge von ca. 12 km- als Tagestour bis hinauf zum Gipfel gehen. Knapp eine Woche zuvor, bei meiner Wanderung im Tal von Arolla, hatte ich noch ernste Zweifel, ob ich dem gewachsen sei. Doch wie so oft erholte ich mich recht schnell nach den anfänglichen konditionellen Problemen. So stand ich an diesem Morgen um 4.45 Uhr startklar auf dem Parkplatz von Arolla und konnte es kaum erwarten.
Aufstieg zum Col Collon mit Abgründen!
Zügig stieg ich in der aufkommenden Morgendämmerung auf dem Wanderweg durch den Talschluss und dann die Steilstufe hinauf bis unterhalb von Plans de Bertol. Zwischendurch verschwand der Weg mit seinen Drahtseilversicherungen auch mal unter den noch mächtigen Schneefeldern.
Nach dem Steilstück erwartete mich der schon bekannte etwas nervige Abstieg auf das weite Gletschervorfeld des Haut Glacier d`Arolla. Den Markierungen im Gletscherschotter folgend vorbei an "Höhlenmalereien" über immer mehr Schneefelder ging es der Gletscherzunge entgegen.
Über ein Moräne an der linken Seite (im Aufstiegssinn) ging es dann hinauf auf´s Eis. Ich hielt mich immer an der Moräne und verließ diese etwas weiter oben nach rechts um den Gletscherboden diagonal zu überqueren. Die Richtung wurde dabei vom noch recht weit entfernten Einschnitt des Col Collon vorgegeben. Dreibeine markieren normalerweise die Route. An diesem Tag lagen sie aber alle noch flach auf dem Gletscher und waren daher von weitem nicht zu erkennen.
Kurz bevor ich über die Seitenmoräne den Gletscher verlassen wollte um die Schlussetappe zum Col anzugehen, machte ich dann noch Bekanntschaft mit den hier tückischen firnbedeckten Spalten. Sie sind nicht besonder groß, aber ich würde darin bequem verschwinden können.
Ich war zu schnell und nicht konzentriert genug unterwegs. Ohne Vorwarnung verschwand mein rechtes Bein komplett in einem dunklen Loch. Mühsam befreite ich mich und blieb zu meinem eigenen Erstaunen bei der ganzen Aktion ruhig und unaufgeregt. Ein -zu später- Blick auf die Karte verriet mir nun, dass hier tatsächlich ein kleines Spaltenfeld existierte. Vorsichtig umging ich nun diese Region und betrat die anvisierte Seitenmoräne etwas weiter oben. Außer einer Schürfwunde auf dem Schienbein und Blutergüssen war ich noch mal heil davongekommen.
Nun stieg ich zunächst die schneebedeckten Schotterhänge weiter hinauf bis wieder das Eis begann. Mit der gebotenen Vorsicht erreichte ich dann etwas später über dem flachen Gletscherarm den Col Collon. Dieser war noch fast komplett schneebedeckt.
Firn gut, alles gut!
Der steile Firnhang hinauf zum Westgrat des Mont Brulé zeigte sich von hier prächtig verfirnt. Kein Vergleich zum grauen Blankeis von vor zwei Jahren. Der ersten Steilstufe am Fuß des Hangs wich ich in einer weiten Schleife nach rechts aus.
Von weiter oben kam mir eine Dreierseilschaft entgegen. Drei freundliche ältere italienische Herrschaften. Von ihnen erfuhr ich, dass es bis zum Gipfel noch ca. 2 Stunden dauern würde und die mächtigen nach Norden überhängenden Wächten auf dem Westgrat gut zu umgehen seien.
Zügig gings nun den steilsten (geschätzt 40°) Abschnitt des Firnhangs weiter hinauf. Dabei weitete sich die Aussicht zusehends und vor allem Dent Blanche & Co. machten jetzt mächtig Eindruck. Der Hang lief weiter oben als wunderschöner Firngrat aus, welcher im sogenannten Pointe Marcel Kurz 3498 m gipfelte. Dieser Punkt stellt eine Art Vorgipfel des Mont Brulé im Westgrat dar.
Was für ein prächtiges Panorama von hier oben. Der Westgrat war bei diesen Bedingungen einfach atemberaubend schön und der Dent d´Hérens als nächster benachbarter Viertausender drückte der Aussicht immer mehr seinen Stempel auf.
Vom Vorgipfel senkte sich der Westgrat nun zunächst ca.100 m ab. In genügendem Sicherheitsabstand konnte ich dabei auf der Spur meiner Vorgänger den großen Wächten ausweichen.
Auf dem nochmals sehr steilen Schlusshang präsentierte sich der Firn für die Steigeisen nach wie vor in Bestform. Kein Einsinken aber die Zacken konnten sich wunderbar festkrallen.
Den breiten Hauptgipfel des Mont Brulé erreichte ich nach gut 6 Std. auf seiner linken Ecke. Von hier überschritt ich die breite Gipfelkuppe bzw. den Gipfelgrat nach Süden. Der mittlere schwach ausgeprägte Firnbuckel erschien mir dabei der höchste Punkt zu sein.
Aussichtsloge ersten Ranges!
Gemessen an dem, was sonst noch hier so alles in der Gegend rumsteht, ist der Mont Brulé ein eher unauffälliger Gipfel. Es ist die eindrucksvolle Rundumsicht auf das "who is who" der Umgebung mit dem der Berg punkten kann. Ich spare mir an dieser Stelle aber eine Aufzählung und verweise lieber auf die Bilder weiter unten. An einem klaren Herbsttag wirkt die Aussicht sicherlich noch weiter. Dafür konnte ich jetzt im Frühsommer eine wahrhaft prächtige firnüberwallte Bergwelt bestaunen, die fast ein wenig an Frühjahrsbilder erinnert.
Abstieg unter gleißender Sonne!
Nach extralanger Gipfelrast machte ich mich wieder auf den langen Weg zurück nach Arolla. In der windstillen Senke zwischen Haupt- und Vorgipfel bekam ich auf den Firnflächen das gleißende Sonnenlicht erstmals so richtig zu spüren. Langsam kämpfte ich mich wieder hinauf zum Vorgipfel (Pointe Marcel Kurz). Der Firn blieb aber stabil und so erreichte ich zügig wieder den Col Collon, wo der Stern im weiten Firnkessel erneut ordentlich einheizte.
Vorbei an den Wilden Felswänden von L´Evêque stieg ich im Luxus-Sulz hinab zum Hauptgletscher. Dort lauerten nun wieder die Spalten auf mich. Unzählige male rammte ich nun den Eispickel in den Schnee bis mir der Arm fast abfiel. Doch die Mühe und Vorsicht war keinesfalls umsonst, denn tatsächlich erstocherte ich auf dem Rückweg zum sicheren Moränengelände auf der anderen Seite des Gletschers drei Spalten, welche komplett unsichtbar waren.
Jetzt am Nachmittag wurde ich bei stetig steigenden Temperaturen auf dem Gletscher regelrecht gegrillt. Aber mit dem Gipfel im Gepäck und der nun überwundenen Spaltengefahr konnte mir nichts mehr die Stimmung vermiesen.
Ich schlich ganz langsam vom Gletscher hinunter und weiter durch das Gletschervorfeld. Immer wieder blieb ich stehen und genoss im jetzt wieder aufkommenden wohltuenden Wind diesen prächtigen Sommernachmittag in vollen Zügen. Prall gefüllte Gletscherbäche strömten dem Talboden entgegen. Das alles vor der mächtigen Kulisse des Glacier du Mont Collon.
Im Schneckentempo gings weiter und nach all der Bummelei erreichte ich erst um 19.00 Uhr wieder den Parkplatz von Arolla. Die Lange Rückfahrt durch das abendliche Wallis zu meinem Hotel in Oberems war dann trotz Müdigkeit und einer dicken Beule am Schienbein nur noch Genuss pur.
Fazit!
Meinen lang gehegten Gipfelwunsch in den Bergen von Arolla hab´ ich mir nun erfüllt. Landschaftlich einmalig schöne Tour. Aber fast anfängerhaft die Routenwahl. Wenn überhaupt, ist eine Solotour über den Gletscher von Arolla nur bei aperen Verhältnissen zu empfehlen. Man muss dann jedoch auf ausreichend Firn oberhalb des Col Collon hoffen. Besser bei Alleingängen ist aber immer die gletscherfreie Südroute von Italien aus dem oberen Valpelline über Comba d´Oren hinauf zum Col Collon. Dort gibt es für eine Aufteilung auf zwei Tage mit dem Rif. Collon bw. Rif. Nacamuli zwei Unterkünfte. Diese Route mit schönen Bildern wurde von akka hier beschrieben.
war der Gletscher-Firn-Hatscher von Arolla auf den Mont Brulé nach meinem vergeblichen Versuch von vor zwei Jahren. Diesmal sollte es allerdings ohne Übernachtung im Bouqetins-Biwak direkt 1700 Höhenmeter -bei einer Aufstiegslänge von ca. 12 km- als Tagestour bis hinauf zum Gipfel gehen. Knapp eine Woche zuvor, bei meiner Wanderung im Tal von Arolla, hatte ich noch ernste Zweifel, ob ich dem gewachsen sei. Doch wie so oft erholte ich mich recht schnell nach den anfänglichen konditionellen Problemen. So stand ich an diesem Morgen um 4.45 Uhr startklar auf dem Parkplatz von Arolla und konnte es kaum erwarten.
Aufstieg zum Col Collon mit Abgründen!
Zügig stieg ich in der aufkommenden Morgendämmerung auf dem Wanderweg durch den Talschluss und dann die Steilstufe hinauf bis unterhalb von Plans de Bertol. Zwischendurch verschwand der Weg mit seinen Drahtseilversicherungen auch mal unter den noch mächtigen Schneefeldern.
Nach dem Steilstück erwartete mich der schon bekannte etwas nervige Abstieg auf das weite Gletschervorfeld des Haut Glacier d`Arolla. Den Markierungen im Gletscherschotter folgend vorbei an "Höhlenmalereien" über immer mehr Schneefelder ging es der Gletscherzunge entgegen.
Über ein Moräne an der linken Seite (im Aufstiegssinn) ging es dann hinauf auf´s Eis. Ich hielt mich immer an der Moräne und verließ diese etwas weiter oben nach rechts um den Gletscherboden diagonal zu überqueren. Die Richtung wurde dabei vom noch recht weit entfernten Einschnitt des Col Collon vorgegeben. Dreibeine markieren normalerweise die Route. An diesem Tag lagen sie aber alle noch flach auf dem Gletscher und waren daher von weitem nicht zu erkennen.
Kurz bevor ich über die Seitenmoräne den Gletscher verlassen wollte um die Schlussetappe zum Col anzugehen, machte ich dann noch Bekanntschaft mit den hier tückischen firnbedeckten Spalten. Sie sind nicht besonder groß, aber ich würde darin bequem verschwinden können.
Ich war zu schnell und nicht konzentriert genug unterwegs. Ohne Vorwarnung verschwand mein rechtes Bein komplett in einem dunklen Loch. Mühsam befreite ich mich und blieb zu meinem eigenen Erstaunen bei der ganzen Aktion ruhig und unaufgeregt. Ein -zu später- Blick auf die Karte verriet mir nun, dass hier tatsächlich ein kleines Spaltenfeld existierte. Vorsichtig umging ich nun diese Region und betrat die anvisierte Seitenmoräne etwas weiter oben. Außer einer Schürfwunde auf dem Schienbein und Blutergüssen war ich noch mal heil davongekommen.
Nun stieg ich zunächst die schneebedeckten Schotterhänge weiter hinauf bis wieder das Eis begann. Mit der gebotenen Vorsicht erreichte ich dann etwas später über dem flachen Gletscherarm den Col Collon. Dieser war noch fast komplett schneebedeckt.
Firn gut, alles gut!
Der steile Firnhang hinauf zum Westgrat des Mont Brulé zeigte sich von hier prächtig verfirnt. Kein Vergleich zum grauen Blankeis von vor zwei Jahren. Der ersten Steilstufe am Fuß des Hangs wich ich in einer weiten Schleife nach rechts aus.
Von weiter oben kam mir eine Dreierseilschaft entgegen. Drei freundliche ältere italienische Herrschaften. Von ihnen erfuhr ich, dass es bis zum Gipfel noch ca. 2 Stunden dauern würde und die mächtigen nach Norden überhängenden Wächten auf dem Westgrat gut zu umgehen seien.
Zügig gings nun den steilsten (geschätzt 40°) Abschnitt des Firnhangs weiter hinauf. Dabei weitete sich die Aussicht zusehends und vor allem Dent Blanche & Co. machten jetzt mächtig Eindruck. Der Hang lief weiter oben als wunderschöner Firngrat aus, welcher im sogenannten Pointe Marcel Kurz 3498 m gipfelte. Dieser Punkt stellt eine Art Vorgipfel des Mont Brulé im Westgrat dar.
Was für ein prächtiges Panorama von hier oben. Der Westgrat war bei diesen Bedingungen einfach atemberaubend schön und der Dent d´Hérens als nächster benachbarter Viertausender drückte der Aussicht immer mehr seinen Stempel auf.
Vom Vorgipfel senkte sich der Westgrat nun zunächst ca.100 m ab. In genügendem Sicherheitsabstand konnte ich dabei auf der Spur meiner Vorgänger den großen Wächten ausweichen.
Auf dem nochmals sehr steilen Schlusshang präsentierte sich der Firn für die Steigeisen nach wie vor in Bestform. Kein Einsinken aber die Zacken konnten sich wunderbar festkrallen.
Den breiten Hauptgipfel des Mont Brulé erreichte ich nach gut 6 Std. auf seiner linken Ecke. Von hier überschritt ich die breite Gipfelkuppe bzw. den Gipfelgrat nach Süden. Der mittlere schwach ausgeprägte Firnbuckel erschien mir dabei der höchste Punkt zu sein.
Aussichtsloge ersten Ranges!
Gemessen an dem, was sonst noch hier so alles in der Gegend rumsteht, ist der Mont Brulé ein eher unauffälliger Gipfel. Es ist die eindrucksvolle Rundumsicht auf das "who is who" der Umgebung mit dem der Berg punkten kann. Ich spare mir an dieser Stelle aber eine Aufzählung und verweise lieber auf die Bilder weiter unten. An einem klaren Herbsttag wirkt die Aussicht sicherlich noch weiter. Dafür konnte ich jetzt im Frühsommer eine wahrhaft prächtige firnüberwallte Bergwelt bestaunen, die fast ein wenig an Frühjahrsbilder erinnert.
Abstieg unter gleißender Sonne!
Nach extralanger Gipfelrast machte ich mich wieder auf den langen Weg zurück nach Arolla. In der windstillen Senke zwischen Haupt- und Vorgipfel bekam ich auf den Firnflächen das gleißende Sonnenlicht erstmals so richtig zu spüren. Langsam kämpfte ich mich wieder hinauf zum Vorgipfel (Pointe Marcel Kurz). Der Firn blieb aber stabil und so erreichte ich zügig wieder den Col Collon, wo der Stern im weiten Firnkessel erneut ordentlich einheizte.
Vorbei an den Wilden Felswänden von L´Evêque stieg ich im Luxus-Sulz hinab zum Hauptgletscher. Dort lauerten nun wieder die Spalten auf mich. Unzählige male rammte ich nun den Eispickel in den Schnee bis mir der Arm fast abfiel. Doch die Mühe und Vorsicht war keinesfalls umsonst, denn tatsächlich erstocherte ich auf dem Rückweg zum sicheren Moränengelände auf der anderen Seite des Gletschers drei Spalten, welche komplett unsichtbar waren.
Jetzt am Nachmittag wurde ich bei stetig steigenden Temperaturen auf dem Gletscher regelrecht gegrillt. Aber mit dem Gipfel im Gepäck und der nun überwundenen Spaltengefahr konnte mir nichts mehr die Stimmung vermiesen.
Ich schlich ganz langsam vom Gletscher hinunter und weiter durch das Gletschervorfeld. Immer wieder blieb ich stehen und genoss im jetzt wieder aufkommenden wohltuenden Wind diesen prächtigen Sommernachmittag in vollen Zügen. Prall gefüllte Gletscherbäche strömten dem Talboden entgegen. Das alles vor der mächtigen Kulisse des Glacier du Mont Collon.
Im Schneckentempo gings weiter und nach all der Bummelei erreichte ich erst um 19.00 Uhr wieder den Parkplatz von Arolla. Die Lange Rückfahrt durch das abendliche Wallis zu meinem Hotel in Oberems war dann trotz Müdigkeit und einer dicken Beule am Schienbein nur noch Genuss pur.
Fazit!
Meinen lang gehegten Gipfelwunsch in den Bergen von Arolla hab´ ich mir nun erfüllt. Landschaftlich einmalig schöne Tour. Aber fast anfängerhaft die Routenwahl. Wenn überhaupt, ist eine Solotour über den Gletscher von Arolla nur bei aperen Verhältnissen zu empfehlen. Man muss dann jedoch auf ausreichend Firn oberhalb des Col Collon hoffen. Besser bei Alleingängen ist aber immer die gletscherfreie Südroute von Italien aus dem oberen Valpelline über Comba d´Oren hinauf zum Col Collon. Dort gibt es für eine Aufteilung auf zwei Tage mit dem Rif. Collon bw. Rif. Nacamuli zwei Unterkünfte. Diese Route mit schönen Bildern wurde von akka hier beschrieben.
Tourengänger:
morphine

Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden
Kommentare (11)