Piz Julier (3380m) ab Julierpass
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Howdy,
Es muss ja schon ein besonderer Berg sein, wenn er den Namen mit einer bedeutenden Passstrasse teilt. Und nicht ohne Grund, denn er ist der höchste in der näheren Umgebung. Letzteres wiederum erklärt seine Anziehungskraft auf Alpinwanderer. Für Flachländer wie mich ist die Tour aber nicht ganz ohne, da das Gelände zeit- und die Höhe kraftraubend ist.
Route:
Der Weg ist von der Chamanna dal Stradin bis auf den Gipfel durchgängig gut markiert, einerseits mit weiss-blau-weissen Markierungen (manchmal auch wbw Punkten), andererseits mit gelegentlichen Steinmannli. Zusätzlich weisen einem im oberen Teil (Fuorcla Albana bis Gipfel) verschiedentlich Kettensicherungen den Weg.
Beim Parkplatz (das erste Hügeli zwischen den zwei Gebäuden hoch) weist ein blaues Schild den Weg auf die alpine Wanderung zum Piz Julier. Gleich geht es zwischen riesigen Felsbrocken durch, aber einigermassen eben, zum ersten Hangaufschwung, der mit seiner Steilheit und dem rutschigen Untergrund allfällige Sonntagsspaziergänger abschrecken dürfte. Es ist die erste von drei Passagen, für die ich - besonders für den Abstieg - stark zum Einsatz von Wanderstöcken rate. Danach wird der Aufstieg etwas sanfter, aber immer noch stetig an Höhe gewinnend und führt auf meist gut erkennbarer Spur dem ersten Geröllfeld entgegen (Munteratsch suot). Fortan bestimmt dieses Blocksteingelände das Fortkommen. Teils tellergross, teils hausgross, und in allen Grössen dazwischen. Ein eigentlicher Weg ist keiner mehr erkennbar, aber man kann sich auf die regelmässigen Markierungen verlassen. Über einen wieder steileren Aufschwung, feinschuttig/sandig und entsprechend rutschig gelangt man quasi wieder eine Ebene höher (Munteratsch sur). Sogleich geht's wieder weiter auf Geröll: kurzer ebener Verlauf, dann kurzer Abstieg und schliesslich ein rutschig-steiler Hang durchquerender Aufstieg zur Fuorcla Albana, dem Sattel zwischen den zwei Piz Julier und Albana. Dieser Platz, egal ob man von der kleinen Schutzhütte Gebrauch machen will oder nicht, bietet sich für eine Pause geradezu an.
Jetzt folgt der nicht minder anspruchsvolle, aber doch genüsslichere Teil der Wanderung. Im nun meist soliden Fels, teils kettenversichert, gelangt man über den Ostgrat auf den Gipfel des Piz Julier. Mal direkt auf dem Grat, mal leicht in die nördliche, mal in die südliche Flanke ausweichend führt der erstaunlich geschickt angelegte Steig auf den Gipfel. Ein Alpinwandererlebnis erster Güte. Unterwegs am Grat sollte man nicht den Tiefblick auf den Vadret Güglia (Julier-Gletscher) verpassen. Oben auf dem Gipfel ist es dann v.a. das Panorama, das bei gutem Wetter unbegrenzt scheint. Zwar offenbarte die so oft gepriesene super Fernsicht nicht das volle Potenzial. Dafür war einerseits die Luftfeuchtigkeit etwas zu hoch und zum anderen doch relativ einiges an Gewölk am Himmel. Trotzdem war das Panorama auf dem Piz Julier ein Genuss und dank nur sehr moderatem Wind einladend für eine ausgiebige Gipfelpause. Dass ich genügend Zeit zur Verfügung hatte, ermöglichte mir auch im Abstieg die eine oder andere Foto- resp. Aussichtspause und somit immer wieder mal etwas Entspannung für meine Oberschenkel (ein Muskelkater, wie ich ihn über mehrere Tage nach dem Lenzer Horn hatte, ist NICHT erstrebenswert! ...und auch nicht im selben Masse eingetreten).
Bemerkungen:
- Beim Finden der Chamanna dal Stradin hatte ich früh morgens etwas Mühe (nicht angeschrieben, erst beim alpinen Wanderschild)
- Nach den ersten paar Metern habe ich gemerkt, dass ich im Hotel die Brille nicht gewechselt habe (ich benutze für "strengere" Wanderungen meine alte, sehr leichte Brille); das bedeutete unentwegt die Brille vom unteren auf den oberen Nasenrücken hochzuschieben. Genau genommen bei rund 7h Nettogehzeit und alle 2min hochschieben: 7 * (60/2) = rund 200 mal hochschieben.
- Die letzten 500 Hm waren ungewöhnlich streng (wenn man auf durchschnittlich 500 m.ü.M. lebt, sind 3000er+ halt schon eher starker Tobak)
- Meine Gipfeljause begann mit einem Apfel: seit Ewigkeiten hat mir ein Apfel nicht mehr sooo gut geschmeckt! (und ich mag Äpfel wirklich)
- Bedingungen können sich schlagartig ändern; auf dem Gipfel eines Piz Julier ist man dann am Arsch der Welt. Eine Wolke, die den Gipfel urplötzlich eingenebelt hat, war glücklicherweise nach ein paar Minuten wieder weitergezogen. In der unteren Hälfte des Abstiegs fielen später sogar ein paar Regentropfen. Zum Glück blieb es dabei.
- Am Vorabend habe ich mir an einem Racletteofen eine Stelle am Finger verbrannt; genau dieselbe Stelle habe ich mir bei dieser Wanderung am Fels abgeschürft: wenn schon ein Glas auf den Boden fällt, dann am besten eines, dass schon einen Sprung hatte. ;-)
- Für den Abstieg muss man sich bewusst sein, dass der zeitliche Aufwand beinahe jenem des Aufstiegs entspricht. Das hat v.a. mit dem weitläufigen Blocksteingelände zu tun.
- Der Piz Julier war 10 Jahre auf meiner gedanklichen Projektliste. Fast schon so was wie eine Jubiläumswanderung.
Facts zur Wanderung:
- Die Schwierigkeiten verteilen sich auf die ganze Route; meine Bewertung T4+
- relativ warmer Spätsommertag (Julierpass ca. 15°C am Nachmittag, Piz Julier ca. 5°C)
- Flüssigkeit 1.5 Liter auf Mann (bei diesen Temperaturen war die Menge gut bemessen)
- Hilfsmittel: Wanderstöcke
- Zeit 9 Std inkl. 2 Std diverser Rast- und Fotopausen
Grüsse, countryboy (Solowanderung)
Es muss ja schon ein besonderer Berg sein, wenn er den Namen mit einer bedeutenden Passstrasse teilt. Und nicht ohne Grund, denn er ist der höchste in der näheren Umgebung. Letzteres wiederum erklärt seine Anziehungskraft auf Alpinwanderer. Für Flachländer wie mich ist die Tour aber nicht ganz ohne, da das Gelände zeit- und die Höhe kraftraubend ist.
Route:
Der Weg ist von der Chamanna dal Stradin bis auf den Gipfel durchgängig gut markiert, einerseits mit weiss-blau-weissen Markierungen (manchmal auch wbw Punkten), andererseits mit gelegentlichen Steinmannli. Zusätzlich weisen einem im oberen Teil (Fuorcla Albana bis Gipfel) verschiedentlich Kettensicherungen den Weg.
Beim Parkplatz (das erste Hügeli zwischen den zwei Gebäuden hoch) weist ein blaues Schild den Weg auf die alpine Wanderung zum Piz Julier. Gleich geht es zwischen riesigen Felsbrocken durch, aber einigermassen eben, zum ersten Hangaufschwung, der mit seiner Steilheit und dem rutschigen Untergrund allfällige Sonntagsspaziergänger abschrecken dürfte. Es ist die erste von drei Passagen, für die ich - besonders für den Abstieg - stark zum Einsatz von Wanderstöcken rate. Danach wird der Aufstieg etwas sanfter, aber immer noch stetig an Höhe gewinnend und führt auf meist gut erkennbarer Spur dem ersten Geröllfeld entgegen (Munteratsch suot). Fortan bestimmt dieses Blocksteingelände das Fortkommen. Teils tellergross, teils hausgross, und in allen Grössen dazwischen. Ein eigentlicher Weg ist keiner mehr erkennbar, aber man kann sich auf die regelmässigen Markierungen verlassen. Über einen wieder steileren Aufschwung, feinschuttig/sandig und entsprechend rutschig gelangt man quasi wieder eine Ebene höher (Munteratsch sur). Sogleich geht's wieder weiter auf Geröll: kurzer ebener Verlauf, dann kurzer Abstieg und schliesslich ein rutschig-steiler Hang durchquerender Aufstieg zur Fuorcla Albana, dem Sattel zwischen den zwei Piz Julier und Albana. Dieser Platz, egal ob man von der kleinen Schutzhütte Gebrauch machen will oder nicht, bietet sich für eine Pause geradezu an.
Jetzt folgt der nicht minder anspruchsvolle, aber doch genüsslichere Teil der Wanderung. Im nun meist soliden Fels, teils kettenversichert, gelangt man über den Ostgrat auf den Gipfel des Piz Julier. Mal direkt auf dem Grat, mal leicht in die nördliche, mal in die südliche Flanke ausweichend führt der erstaunlich geschickt angelegte Steig auf den Gipfel. Ein Alpinwandererlebnis erster Güte. Unterwegs am Grat sollte man nicht den Tiefblick auf den Vadret Güglia (Julier-Gletscher) verpassen. Oben auf dem Gipfel ist es dann v.a. das Panorama, das bei gutem Wetter unbegrenzt scheint. Zwar offenbarte die so oft gepriesene super Fernsicht nicht das volle Potenzial. Dafür war einerseits die Luftfeuchtigkeit etwas zu hoch und zum anderen doch relativ einiges an Gewölk am Himmel. Trotzdem war das Panorama auf dem Piz Julier ein Genuss und dank nur sehr moderatem Wind einladend für eine ausgiebige Gipfelpause. Dass ich genügend Zeit zur Verfügung hatte, ermöglichte mir auch im Abstieg die eine oder andere Foto- resp. Aussichtspause und somit immer wieder mal etwas Entspannung für meine Oberschenkel (ein Muskelkater, wie ich ihn über mehrere Tage nach dem Lenzer Horn hatte, ist NICHT erstrebenswert! ...und auch nicht im selben Masse eingetreten).
Bemerkungen:
- Beim Finden der Chamanna dal Stradin hatte ich früh morgens etwas Mühe (nicht angeschrieben, erst beim alpinen Wanderschild)
- Nach den ersten paar Metern habe ich gemerkt, dass ich im Hotel die Brille nicht gewechselt habe (ich benutze für "strengere" Wanderungen meine alte, sehr leichte Brille); das bedeutete unentwegt die Brille vom unteren auf den oberen Nasenrücken hochzuschieben. Genau genommen bei rund 7h Nettogehzeit und alle 2min hochschieben: 7 * (60/2) = rund 200 mal hochschieben.
- Die letzten 500 Hm waren ungewöhnlich streng (wenn man auf durchschnittlich 500 m.ü.M. lebt, sind 3000er+ halt schon eher starker Tobak)
- Meine Gipfeljause begann mit einem Apfel: seit Ewigkeiten hat mir ein Apfel nicht mehr sooo gut geschmeckt! (und ich mag Äpfel wirklich)
- Bedingungen können sich schlagartig ändern; auf dem Gipfel eines Piz Julier ist man dann am Arsch der Welt. Eine Wolke, die den Gipfel urplötzlich eingenebelt hat, war glücklicherweise nach ein paar Minuten wieder weitergezogen. In der unteren Hälfte des Abstiegs fielen später sogar ein paar Regentropfen. Zum Glück blieb es dabei.
- Am Vorabend habe ich mir an einem Racletteofen eine Stelle am Finger verbrannt; genau dieselbe Stelle habe ich mir bei dieser Wanderung am Fels abgeschürft: wenn schon ein Glas auf den Boden fällt, dann am besten eines, dass schon einen Sprung hatte. ;-)
- Für den Abstieg muss man sich bewusst sein, dass der zeitliche Aufwand beinahe jenem des Aufstiegs entspricht. Das hat v.a. mit dem weitläufigen Blocksteingelände zu tun.
- Der Piz Julier war 10 Jahre auf meiner gedanklichen Projektliste. Fast schon so was wie eine Jubiläumswanderung.
Facts zur Wanderung:
- Die Schwierigkeiten verteilen sich auf die ganze Route; meine Bewertung T4+
- relativ warmer Spätsommertag (Julierpass ca. 15°C am Nachmittag, Piz Julier ca. 5°C)
- Flüssigkeit 1.5 Liter auf Mann (bei diesen Temperaturen war die Menge gut bemessen)
- Hilfsmittel: Wanderstöcke
- Zeit 9 Std inkl. 2 Std diverser Rast- und Fotopausen
Grüsse, countryboy (Solowanderung)
Tourengänger:
countryboy

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