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Spektakuläre 17-Stunden-Tour über 22 Gipfel des Hochfeind-Kamms (mit Verspätung von 23 Jahren)


Published by Abenteurer&Bergrebell Ötzi II Pro , 26 June 2020, 10h06.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Radstädter Tauern
Date of the hike:24 June 2020
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 17:00
Height gain: 2300 m 7544 ft.
Height loss: 2700 m 8856 ft.
Access to start point:Mit PKW von Garmisch über Irschenberg, Bad Reichenhall, Salzachtal, Radstadt, Obertauern bis zum Parkplatz der Bahn bei Mauterndorf
Access to end point:Dieselbe Strecke über Salzburg u. Freilassing zurück. Empfehlung: Vignette kaufen!

Im Sommer 1997 hatte ich diese lange Grattour über den Hochfeind-Kamm nicht durchführen können, weil ich gegen Ende meiner Tour über den Weißeck-Kamm in seinem östlichen Bereich mir ein Bein verletzt hatte. An diesem Tag hatte ich 16 Gipfel mit mehr als 2000m Höhe überschritten, mein bisher persönlicher Rekord.
Seit einigen Jahren dachte ich wieder daran, diese Tour nachzuholen. Ich hielt es dabei für möglich, an einem einzigen Tag 20 Gipfel zu erreichen! Am Dienstag, 24.06.20, ergriff ich nach Einholen einer einigermaßen akzeptablen Wetterprognose für den darauffolgenden Tag, einem der längsten des Jahres, die Gelegenheit, zur Talstation der Gondelbahn zu fahren, die bei Mauterndorf unterhalb des Speierecks gelegen ist. Erst um 19.00 Uhr begann der Aufstieg auf einem nicht sehr guten Weg zur Oberfeldalm u. von dort aus weiter über einen mäßig steilen Grashang zum SO-Grat des Speierecks, wo ich in ca. 2120m Höhe mein Zelt aufschlug.

Am nächsten Morgen brach ich genau um 04.30 Uhr auf. Um 05.03 Uhr kam ich am Gipfelkreuz des Speierecks an, wollte dort aber nicht auf den Sonnenaufgang warten, auch weil es etwas kalt u. windig war. Ihn erlebte ich nahe des Kleinen Lanschützes, wegen der Wolken im Bereich der aufgehenden Sonne nicht so ganz optimal.

Nach der Überschreitung der leichten Wandergipfel beider Lanschütze stieg ich zum Passeggertörl ab. Die Wanderung erfolgte auf dem Steig, der im weiteren Verlauf südlich unterhalb der Kämpenköpfln entlangführt. An geeigneter Stelle verließ ich ihn, um im steilen Gras zwischen einzelnen Felsen ihren höchsten Punkt zu erklimmen. Am Grat entlang ging es daraufhin  zum nicht viel niedrigeren zweiten Gipfel, der kaum 200m weiter westlich liegt.

Nach Abstieg von dort zum Steig wanderte ich über ihn auf das Schareck.  Die obere Passage ist ziemlich steil u. schrofig (T4).

Ohne Schwierigkeiten fand die anschließende Überschreitung von Lampernigspitze, einem westlich von ihr gelegenen kleinen namenlosen Gipfel, dem flachen Viertleck und einer etwas niedirgeren Erhebung weiter nördlich statt.

Vom Steig u. den Markierungen ist streckenweise nicht mehr viel zu sehen. So verlor ich die richtige Route u. stieg einfach den sehr steilen, grasbewachsenen Südhang mit ein paar Schrofen (T5-) auf das Weißeneck. Von dort erreichte ich nach kurzem Marsch auch das Vordere Weißeck.

Nach Abstieg zur folgenen Gruberachscharte folgte ich dem Steig über einen grasigen Kamm. Wo der Steig in die Westflanke abgeht, sah ich nicht. So stieg ich über den Kamm, wobei ich auch einmal in die steile Südostflanke ausweichen musste, auf die Gruberachspitze. Der obere Nordgrat war unbegehbar, ich suchte nach einer anderen Abstiegsmöglichkeit von ihrem Ostgrat nach Norden. Ich hätte noch ein Stück an diesem Grat weiter absteigen müssen, um möglicherweise in gewünschter Richtung weitergehen  zu können, konnte von meiner Position aus aber nicht erkennen, ob das möglich ist.

So fand ich auf der Westseite des Südgrates eine steile Grasrinne, die ich abstieg. Das war etwas schwieriger (T6) als gedacht, da sie abrutschgefährdet war. Ich musste noch eine IIer-Stelle abklettern. Weiter unten ging es sehr steil über geröllbedeckte Stufen auf der linken Seite der Rinne abwärts, nicht ganz so heikel wie im glatten Gras in der Mitte. Unten angekommen sah ich, dass weiter im Süden noch 2 Rinnen liegen, die ich mir vielleicht vorher hätte von oben anschauen sollen.

Im weglosen Gelände querte ich den feuchten Hang mit Firnresten, bis ich zur Scharte östlich der Zeppspitze aufsteigen konnte. Der Steig war nicht mehr zu sehen, nur an zwei kurzen Passagen zu erahnen. Von der Scharte, an der mir unglücklicherweise der Rucksack ca. 100hm abstürzte, erklomm ich die Lackenspitze im Schrofengelände mit ausgesetzter Passage (T5). Am Morgen hatte ich noch gedacht, am 13. Gipfel wird nichts passieren, aber bei der Lackenspitze handelte es sich tatsächlich um den 13. Gipfel dieses Tages!
Über die Aufstiegsroute wollte ich nicht unbedingt zurückgehen, daher stieg ich südwärts über den grasigen Rücken ab, bis ich über den steilen Grashang der Westseite in eine ebenfalls grasige Rinne gelangte, die ich vorsichtig abstieg (T5+). Unten angekommen, musste ich den Hang ein Stück queren. Diese Abstiegsroute hatte mich etwas zu weit hinabgeführt  u. so sah den Rucksack bald ca. 30hm über mir. Über dieselbe Route wie beim Aufstieg hätte ich bestimmt 10min. gespart.

Nach Wiederaufnahme des Rucksacks folgte der zweite Anstieg zur Scharte u. dann einfach, aber steil über den Kamm mit geringen Resten des einstigen Steigs auf die Zeppspitze. Von ihr aus ging ich südwärts zur Malutzspitze, vor der ich den Rucksack abstellte. Es waren aber keine 30hm mehr zu ihrem Gipfel zu bewältigen. Auf grasigem Untergrund querte ich anschließend den wenig steilen Hang zur Gwändscharte, von der ich auf der Steigspur 250hm zum Scharzeck überwinden musste. Jetzt spürte ich den relativ schweren Rucksack mit Zelt u. Schlafsack u. musste daher unterwegs mehrere kurze Pausen einlegen.

Vom Schwarzeck ging ich ziemlich genau auf dem Grat bis vor die Gödernierkarköpfe. Dabei kletterte ich nach Abstellen des Rucksacks ein ganz kurzes Stück auf eine aus gelbem Kalkgestein bestehende turmartige Erhebung, die jedoch keinen Gipfel darstellt. Diese kurze Reibungskletterei machte mir einfach Spaß!

Nachdem ich vom Grat einen Abstecher zum grünen  NO-Gipfel des Gödernierkopfs gemacht hatte, stieg ich im teils steilen, aber kurzen Firnhang auf seinen Hauptgipfel. Von der auf der Wanderkarte eingetragenen markierten Route war nichts zu sehen. Südwärts kam ich von diesem Gipfel wegen steiler Felsen nicht herunter. So stieg ich auf seinem grasigen SO-Grat ein Stück abwärts, bis ich in dessen Südflanke absteigen konnte. Der Abstieg musste ganz schön weit hinunter erfolgen, wobei ich mich schwertat, da ich ungern allzuviel Höhe verliere. Eine Querung nach rechts war wegen des rutschigen Geländes aus geröllbedecktem Schiefer, Firn u. auch glattem, feuchtem Gras zu heikel! Immerhin konnte ich meine leeren Wasserflaschen unterwegs auffüllen! Schließlich querte ich das oben äußerst steile, die ganze Flanke bedeckende Firnfeld zu einem Grasrücken unter dem Hochfeind. Dieses Gras war zu rutschig, außerdem hätte ich weiter oben nach rechts in das genannte Firnfeld hineinqueren müssen. So stieg ich nach links querend die Schrofenflanke auf. Dann ging es geradeaus nach oben über einen steilen Schrofenhang mit senkrecht gestellten Bündeln von Schieferplatten, an denen man sich gut festhalten kann. Diese Anstiegsroute ist wohl der Schwierigkeit T5 zuzuordnen. Bei diesem Anstieg hatte ich neu aufkommende Kräfte verspürt, ich stand ja auch unter Zeitdruck!

Schließlich erreichte ich den Grat, der in einem Tourenbericht von "Andy84" erwähnt wird. Beim Weitergehen konnte ich keinen Steig erkennen, höchstens vermuten, wo er verlaufen sein konnte. Statt im unangenehmen Bruch - dessen Begehung von "Andy84" in seinem Bericht beschrieben wird - zu queren, kletterte ich im nicht sehr steilen Felsgelände aus festem Kalk (I-II-) auf den Gipfel westlich des Hochfeinds, von dem ich leider (noch) keine Höhenangabe ermitteln konnte. So schätzte ich seine Höhe mithilfe der Höhenlinien der online-Karte.

Am Grat entlang, überwiegend etwas unterhalb auf seiner Nordseite kraxelte ich (I) langsam abwärts zur Scharte, von der der Hochfeind überwiegend im Gehgelände in Kürze erstiegen werden kann.

Er hat zwei Erhebungen. Ich ging gleich weiter zur zweiten, etwas höheren, auf der ein Steinmann errichtet worden ist. Das Kastl mit dem Gipfelbuch entging in der Kürze der Zeit - es war schon etwa 19.00 Uhr - meiner Wahrnehmung.

Am zunächst einfach zu begehenden Grat ging es weiter Richtung Großer Guglspitze. Dann muss ein Felsaufschwung auf einem Band mit Wegspur ausgesetzt u. etwas abdrängend begangen werden. Die Route führt wohl in der Flanke weiter zum Gipfel. Wegen steiler Schneefelder zog ich es vor, auf den Grat zu klettern (I-II), um an ihm entlang unschwierig zum höchsten Punkt zu gelangen.

Nach kurzem Abstieg erreichte ich zuletzt im ziemlich ebenen Gelände die Kleine Guglspitze mit Kreuz. Ich trug mich kurz nach 20.00 Uhr ins Buch ein. Kurz darauf trat ich den Abstieg über den Steig Richtung Zedernhaus an. Beim Abstieg musste ich langsam gehen, da mir die Beine und Füße etwas wehtaten. So war es bei Ankunft an der Schieferalm schon ziemlich dunkel. Zu dieser Zeit hielt sich dort niemand auf, nur Kühe auf dem oberhalb gelegenen Weidegelände. Unter dem Balkon des Almgebäudes legte ich mich im Gras schlafen.
Nachts regnete es das erste mal kurz, ab frühmorgens schon etwas länger. Gut, dass ich nicht wie zunächst geplant in mehr als 2300m Höhe geblieben war!

Fazit: kurz vor Vollendung meines 57. Lebensjahres war das meine längste Tages-Hochgebirgstour. Mehr als 22 Gipfel mit mehr als 2000m Höhe werde ich an einem Tag wohl nicht mehr überschreiten können!
Mit dem Aufstieg zum Übernachtungsplatz am Vortag kamen etwa 3250hm im Anstieg zusammen.



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Comments (4)


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Plauscher says: Gratuliere!
Sent 26 June 2020, 19h17
Hallo Abenteurer&Bergrebell Ötzi II,

da hast du ja eine gewaltige Wegstrecke zurückgelegt.
Hoffe, dass ich mit 57 auch so fit bin ;-)

LG vom Plauscher

Sent 27 June 2020, 15h38
Danke Plauscher, das wünsche ich Dir natürlich!

klemi74 says:
Sent 28 June 2020, 14h16
Schön, dass der Weg 745 nun auch mal komplett beschrieben wurde - der Eintrag im AVF von Herrn Holl ist ja reichlich kurz und hilft eigentlich 0,0 weiter.

Gruß,
Karsten

Sent 29 June 2020, 15h54
Der Weg ist so lang, dass ihn normalerweise kein Wanderer komplett am Stück abgehen kann. Die Zeiten sind leider vorbei, in denen solch ein Weg in Schuss gehalten wurde.


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