Lange Wand (3087m) - leichte und kurze Tour im Schatten des Großglockners


Published by BigE17 , 13 February 2020, 16h42.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Glocknergruppe
Date of the hike:16 June 2018
Hiking grading: T4+ - High-level Alpine hike
Mountaineering grading: F
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 5:15
Height gain: 1150 m 3772 ft.
Height loss: 1150 m 3772 ft.
Route:10 km
Access to start point:Von Lienz oder von Mittersill über den Felbertauern nach Huben im Iseltal. Hier fährt man nach Osten ins Kalser Tal. Man fährt fast bis zum Taurerwirt, kurz vorher zweigt rechts die mautpflichtige Straße zum Lucknerhaus ab. Dort gibt es einen riesengroßen Parkplatz.
Accommodation:Lucknerhaus, Lucknerhütte, Glorerhütte, Salmhütte, Stüdlhütte

Im Schatten des Großglockners - das trifft auf einige Gipfel in der Glocknergruppe zu, ganz besonders auf die doppelgipfelige Lange Wand. Jeder, der einmal beim Lucknerhaus war, hat die Lange Wand gesehen. Denn sie ragt auf der rechten Talseite hoch empor. Sie wird aber wenig beachtet, weil der Großglockner alle Blicke auf sich zieht. Die Berichte im Internet lassen auch vermuten, dass eine Besteigung der Langen Wand nicht ganz einfach ist. Das stimmt gottseidank nicht, sie ist einfach zu erreichen, außerdem sind relativ wenige Höhenmeter zu überwinden.

Weil die Lange Wand schon sehr früh im Jahr aper ist, entschieden ein Tourenpartner und ich, diese zu besteigen. Auf einer Webcam konnten wir bereits erkennen, dass sie vollkommen aper war - und das Mitte Juni. Wegen möglicher Niederschläge am Nachmittag starteten wir um 6:00 am Parkplatz. Wir folgten dem Fahrweg in Richtung Lucknerhütte, die wir dann auch erreichten. Nun folgten wir nur mehr kurz dem markierten Steig zur Stüdlhütte, auf knapp über 2300m zweigten wir dann in Richtung Mürztaler Steig ab. Wir gewannen sehr schnell an Höhe, bis wir auf knapp 2500m Höhe die nächste Kreuzung erreichten. Nun befanden wir uns auf dem Steig in Richtung Pfortscharte und querten die steile Westflanke der Langen Wand. Irgendwann gelangten wir zum Südwestgrat der Langen Wand. Kurz vorher verließen wir den Steig.

Nun galt es, kurz einen steileren Grashang aufzusteigen, dann legte sich das Gelände zurück. Allmählich wurde es ein wenig schuttiger, das Aufsteigen war aber nach wie vor sehr angenehm. Wir blieben dabei immer in der Nähe der SW-Kante, die mit steilen Platten abbricht. Das ganze sah schon ziemlich imposant aus. So ging es nun eine Weile nach oben, irgendwann erreichten wir dann den Südgrat. Hier traf dann auch die ebenfalls weglose Aufstiegsroute von der Pfortscharte ein. Nun waren es nur noch wenige unschwierige Meter bis zum Südgipfel der Langen Wand.

Der Übergang zum Hauptgipfel soll angeblich Kletterstellen im 2. Schwierigkeitsgrad beinhalten. Trotzdem versuchten wir es seilfrei. Doch welche Überraschung: Der Grat war zwar stets schmal, bestand aber am Anfang nur aus Gehgelände. Es folgte die eine oder andere felsige Stelle, dabei war auch so gut wie gar nicht zu klettern (Einzelstellen I). So ging es dann den ganzen Grat weiter, irgendwann war dann der Gipfel erreicht - viel leichter als erwartet.

Vor uns ragte nun der Großglockner gewaltig in die Höhe. Davor liegen unscheinbar die schwierigen Gipfel der Blauen Köpfe. Nach Süden hatten wir eine super Fernsicht, bis zu den hohen Dolomitengipfeln. Im Westen steht hinter den Gipfeln der Granatspitzgruppe die Venedigergruppe. Leider ist die Sicht nach Osten ein wenig eingetrübt, weil dort eine Wolkendecke ist.

Dann begannen wir mit dem Abstieg. Der Rückweg entlang des Grates zum Südgipfel war problemlos, ebenso der Abstieg in der Nähe des Grates zum Steig. Nun nahmen wir noch eine Abkürzung. Wir folgten dem Steig wenige Meter bis ins Kar unterhalb der Pfortscharte. Nun stiegen wir geradewegs über einen steilen Grashang nach unten. So konnten wir uns dann doch einiges an Zeit sparen. Erst unterhalb der Lucknerhütte erreichten wir den Fahrweg. Diesem folgten wir bis zum Parkplatz beim Lucknerhaus, den wir um 11:15 erreichten.

Erwähnenswertes:

1. Sowohl unser Aufstieg durch die Flanke nahe des SW-Grates, als auch der Aufstieg von der Pfortscharte aus sind bis zum Südgipfel unschwierig. Der Gratübergang zum Hauptgipfel ist auch leicht, allerdings doch ein wenig ausgesetzt.

2. Ein Seil benötigt man auf dieser Tour nicht, sichern wäre an den Kletterstellen möglich.

3. Eine Besteigung der Langen Wand kann mit den südlichen Nachbargipfeln Glatzschneid und Weißer Knoten kombiniert werden. Diese sind ähnlich einfach zu besteigen. Ein Übergang zu den nördlich gelegenen Blauen Köpfen ist jedoch sehr schwierig und gefährlich.

4. Wenn man von der Stüdl bzw. Lucknerhütte zur Glorer bzw. Salmhütte gehen möchte, und dabei die Pfortscharte überschreitet, kann man die Lange Wand ohne großen Zeitverlust mitnehmen.

5. Sollte man mit unerfahrenen Bergsteigern unterwegs sein, können diese den Südgipfel auf jeden Fall erreichen. Ob man dann weiter zum Hauptgipfel gehen möchte, ist jedem selbst überlassen.

6. Skitouren auf die Lange Wand sind sehr gefährlich wegen Lawinen.

7. In der Regel apert der Aufstieg zur Langen Wand bereits Anfang bis Mitte Juni komplett aus.

8. Wegen des angenehmen Geländes, der Nähe zum Großglockner, weil dieser Gipfel in der Nähe von 5 Hütten liegt und weil nur recht wenige Höhenmeter zu überwinden sind; sollte die Lange Wand eigentlich ein sehr beliebter Gipfel sein - wie z.B. das Böse Weibl und das Figerhorn, die ganz in der Nähe liegen. Leider wird sie als schwieriger Berg eingestuft, was einfach nicht stimmt. Die Lange Wand hätte sich sehr viel mehr Besuch verdient.

Hike partners: BigE17


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