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 Short report 

No Matter...it horns!


Published by lorenzo , 18 May 2019, 20h25.

Region: World » Switzerland » Valais » Mittelwallis
Date of the hike: 2 September 2016
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Mountaineering grading: AD
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Time: 2 days 11:00
Height gain: 1895 m 6216 ft.
Height loss: 1895 m 6216 ft.
Access to start point:cff logo Zermatt, Schwarzsee
Access to end point:dito
Accommodation:Hotel Restaurant Schwarzsee, Hörnlihütte
Maps:LK 2515 Zermatt-Gornergrat; H. Biner, Hochtouren im Wallis, SAC 1994; D. Silbernagel, S. Wullschleger, Walliser Alpen, topo.verlag 2010; www.camptocamp.org

Oder: "In Zermatt only the Horn matters", wie sich sein Erstbesteiger Edward Whymper laut Christoph Klein villeicht noch ein bisschen eleganter ausgedrückt hatte...

Um sich dem Gewöhnlichen nicht stellen zu müssen, kann man sich das Aussergewöhnliche vornehmen und dieses so lange vor sich herschieben, bis man hoffentlich wieder auf dem Boden der Realität landet, sprich: sich die mittelmässigen eigenen Fähigkeiten eingesteht. So ging es mir zuerst mit dem Mont Blanc, den ich - wenn schon - mindestens über den Peutereygrat oder noch lieber über den Frêneypfeiler besteigen wollte, bis ich realisierte, dass u.a. wegen der grossen Höhe und meiner anfälligen Konstitution - um es gelinde auszudrücken - bereits die Normalroute über den Dôme du Gouter eine genügend grosse Herausforderung für mich darstellen würde. Entsprechend bereitete ich mich u.a. mit einer Skitour auf den Grand Combin und Läufen auf den Niesen und das Schilthorn sorgfältig darauf vor, bis die Überschreitung des Mont Blancs dann bei einem zweiten Versuch schliesslich klappte.


Auch beim Matterhorn wies ich den Gedanken an eine Besteigung über den angeblich brüchigen und verkackten Hörnligrat, dem höchsten der Gefühle jedes Normalbergsteigers, zunächst hochmütig von mir und träumte jahrelang vom Zmuttgrat oder sogar der N-Wand. Aber Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall, diesmal zum Glück bloss vor jenem von hochtrabenden Plänen zur realistischen Selbsteinschätzung, an "Hörnli mit Ghacketem" längstens genug zu beissen zu haben. Wie ein eigenwilliges Stück von Thelounious Monk mit "Hornin'in" betitelt ist, hiess meine Devise von nun an "Hornin'up" - oder zu Deutsch: "Ab uf ds Horu!"

Da ich v.a. den berüchtigten Massenandrang und damit verbunden Staus und Steinschlag befürchtete, machte ich einen ersten Versuch Mitte September 2014 während der Umbauphase für die Hörnlihütte im Hinblick auf das 150-jährige Jubiläum der Erstbesteigung am 14. Juli 1865, indem ich mir wegen der reduzierten Infrastruktur im Ersatzbasislager Hirli mit Zelten aus Alu und Holz einen geringeren Besucherandrang und dadurch freiere Bahn erhoffte. Ich übernachtete auf Schwarzsee, startete früh, begegnete zunächst nur wenigen Seilschaften und kam bis zur Solvayhütte gut voran. Vor der oberen Moseleyplatte herrschte aber plötzlich wie aus dem Hut - bzw. wohl eher aus der Solvayhütte gezaubert - ein Getümmel von Seilschaften, das zu einem Stau führte. Ich wurde als Alleingänger angerempelt, ich gefährde durch mein ungesichertes Klettern die Andern. Trotzdem riss ich mich zusammen, kletterte hinauf und weiter bis zum unteren roten Turm, wo sich vor dem Fixseil schon wieder ein Stau gebildet hatte. Beim weiteren Aufstieg "in der Schlange" wurde mir angesichts des Gedränges, des bevorstehenden langen Abstiegs, bei dem wieder mit Staus zu rechnen war, und aufziehender Wolken immer mulmiger zumute, so dass ich mich auf der Schulter zur Umkehr entschied. Enttäuscht, aber auch erleichtert machte ich mich an den Abstieg, der ausser einer kurzen Wartepause beim Gebiss, wo eine zu weit nach links geratene Seilschaft beim improvisierten Abseilen gefährlich Steine lostrat, problemlos verlief. Inzwischen war der Himmel zwar leicht überzogen, und am Matterhorn hängte die übliche Wolkenfahne, aber rückblickend war das Wetter wohl kein ausreichender Grund für einen Abbruch der Tour gewesen, dann schon eher das Gedränge und Gerempel und wieder einmal die schwachen Nerven...

Zwei Jahre später, nach einer erfüllten Tourensaison, die mich u.a. ins Misox, in die Engelhörner, ins Bleniotal sowie in einer Tagestour auf das Wetter- und das Mittelhorn geführt hatte, fühlte ich mich Anfang September 2016 bereit für einen zweiten Versuch am Horu. Ich übernachtete wieder auf Schwarzsee, startete aber noch eine halbe Stunde früher. Als ich die Hörnlihütte erreichte, waren die Leute noch beim Frühstück oder Sich-Bereitmachen, so dass ich als erster beim Einstieg war. Das hatte zwar den Vorteil ausbleibender Staus, aber auch den Nachteil, bei Dunkelheit die richtige Route selber suchen zu müssen. Weil ich sie vom letzten Versuch vor 2 Jahren noch vage in Erinnerung hatte, gelang mir dies zum Glück. Ab dem zweiten Drittel begann die einsetzende Morgendämmerung die Orientierung zu erleichtern, und vor der unteren Moseleyplatte traf ich erstmals auf einen anderen Bergsteiger, einen Japaner, dem ich den weiteren Routenverlauf erklärte. Auch nach der Solvayhütte hatte ich freie Fahrt und genoss die schöne Kletterei in am Grat recht guten Fels. Erst bei der Schulter kam mir eine englische Dreierseilschaft im Abstieg entgegen, die im Rifugio Carrel übernachtet hatte und über den Liongrat aufgestiegen war. Bei trockenem Fels und gutem Trittschnee gelangte ich schliesslich auf den Schweizer und weiter auf den Italiener Gipfel, wo eine ebenfalls über den Liongrat aufgestiegene Seilschaft Rast hielt. Was für eine Freude! Zurück beim Schweizer Gipfel traf ich einen Zermatter Führer mit Gast, der kurz nach mir eingetroffen war. Nachdem ich das grossartige Panorama genossen hatte, stieg ich nach einer Viertelstunde wieder ab. Unter der Schulter wurde ich von besagtem Zermatter Führer, der die Route in- und auswendig kennt und seinem Gast mächtig einheizte, überholt, und weiter unten traf ich dann die drei Engländer wieder. Beim hellen Turm baute ich kurz einen Verhauer und musste 10m an einer vorhandenen Schlinge abseilen, fand aber schliesslich wieder zur Route zurück. Gemeinsam mit den Engländern gelangte ich wohlbehalten zurück zum Einstieg. Nach einer Pause bei der Hörnlihütte begegneten wir uns zum letzten Mal auf dem Hüttenweg, und auf Schwarzsee verabschiedete ich mich von ihnen.

So kam ich trotz langem Aufschieben schlussendlich doch noch zu einer gelungenen Besteigung des Matterhorns, von der ich noch lange zehrte. Z.B. hängte ich am Kühlschrank Fotos vom Horu auf und las vom Bergführer und Hüttenwart der Hörnlihütte, Kurt Lauber, "Der Wächter des Matterhorns" und "Matterhorn - Bergführer erzählen", sowie von Herve Barmasse "Der innere Berg". Und wenn ich seither andere Berge besteige, kommen sie mir, verglichen mit dem "schönsten Berg der Welt" und ungeachtet seiner klischeehaften Ausstrahlung und Vermarktung, immer ein wenig unscheinbar und unbedeutend vor...

Zustieg

Vom Hotel Restaurant Schwarzsee (2581m) auf dem weiss-rot markierten Bergweg S am Schwarzsee (2551m) vorbei zur Bergstation der Sesselbahn Hirli (2775m), S am Hirli (2889m) vorbei, dem Felsriegel entlang und durch diesen hinauf zum Grat bei P. 2869. N und NW entlang dem Grat und zuletzt im Zickzack der NE-Kante entlang zur Hörnlihütte (3262m), 1h 45min-2h, T2.

Auf- und Abstieg über den NE- oder Hörnligrat
Aufstieg: von der Hörnlihütte (3262m) nach WSW auf einem Weg zum Einstieg (3277m), 15min, T2. Rechts einer Gedenktafel an Fixseilen über die erste Stufe (20m), nach links auf einen Absatz und schräg gegen rechts durch einen steilen Riss (3min). Auf einem Schuttfeld S unterhalb vom Grat auf Wegspuren (rote Markierungen) zum 1. Couloir. Durch dieses kurz hinauf, dann Querung auf einem ausgeprägten Band ca. 20m nach links. Durch einen Kamin empor, dann nach rechts hoch zurück an den linken Couloirrand, im Zickzack über Absätze und nach rechts hinauf zu einer gut gestuften Verschneidung (II), die zu einem  ersten Schuttband führt. Auf diesem S eines hellen Turms nach links und über einen Absatz auf ein zweites Schuttband, das erstmals zum Grat leitet. Auf diesem über dem 2. Couloir (Fixseile) bis vor einen Turm (Eisloch), der zuerst links an einem Fixseil umgangen, dann durch eine blockige Verschneidung (II, Bh) erklettert wird (auf dem Grat), 45min.

Rechts vom Turm abklettern in eine Lücke, rechts an einem nächsten Turm vorbei (Bh) und ein Couloir (ev. Schnee) querend horizontal auf ein zu Beginn gelb-braunes Band (elwe Fad). Auf diesem parallel zum Grat ansteigend bis zu einem Schuttfeld (Steinschlag), links um einen Turm herum, und ca. 60m über gute Felsstufen (II) gerade hoch zu einem breiten Band (Bh). Auf diesem leicht ansteigend zu einer markanten Rippe (Eseltritte) und über diese durch mehrere kleine Kamine und auf Wegspuren  zu einem kleinen vorstehenden Turm ca. 50m unterhalb des Grats (Bh). Rechts um den Turm herum nach links, horizontal über ein Couloir (ev. Schnee) und parallel unter dem Grat hinauf (Eisenstifte) zum nördlichen Fuss eines markanten Turms (3745m, Bh). Auf einem Band nach links zu einem Absatz (Reste der früheren Hütte), weiter unterhalb des Grats ca. 100m (II) hinauf auf ein Band, das (Eisenstifte) zu einer Rippe führt (faules Eck). Über Platten (Bh) schräg nach links hinauf zu einem Band (Gebiss) und auf diesem (Eisenstifte, Bh) und weiter (Bh, Kabel) bis zur unteren Moseleyplatte. Über diese (III+) und die folgenden Stufen (Bh) zur Solvayhütte SAC (4003m), 1h 30min.

Links (W) der Hütte über die obere Moseleyplatte (IV-, Bh) auf den Grat und diesem folgend, Hindernissen links ausweichend, zum unteren roten Turm, der an Fixseilen, zuletzt links haltend umgangen wird. Weiter auf dem Grat und über einen weiteren Turm (Bh) zur Schulter (ca. 4200m), 1h. Über diese und den Schultergrat (Eisenstifte), Hindernisse links umgehend, zu einer Lücke zuoberst eines Couloirs aus der N-Wand. Weiter zum oberen roten Turm, der von links erklettert wird (Hk) und über den Grat zum Beginn der Fixseile. Diesen folgend hinauf, und über ein erstes Firnfeld (unteres Dach), eine Felsstufe (Eisenstift, Hk) und eine zweites Firnfeld (oberes Dach) auf den Schweizer Gipfel (4478m, Madonna) und über den Gipfelgrat auf den Italiener Gipfel (4477m, Kreuz), 1h, insgesamt 4-6h, ZS.

Abstieg: über die Aufstiegsroute. Die Route bis zur Solvayhütte SAC über den NE-Grat ist klar, danach verläuft sie wie oben beschrieben in der E-Flanke, wobei in deren unterem Teil der Turm auf dem Grat als Orientierungspunkt dient. Abseilen ist nur an der oberen und unteren Moseleyplatte oder allenfalls an dafür eingerichteten Bh-Ständen am Gebiss, am Ende des breiten Bands oder unter dem hellen Turm sinnvoll, indem zusätzliche Abseilschlingen und -haken höchstwahrscheinlich von Verhauern stammen. Insgesamt 4-6h.

Bemerkungen: Steinschlaggefahr u.a. beim Gebiss, vom Schultergrat und bei Ausaperung vom Dach. Bei Nässe, Schnee, Vereisung bzw. einem Wettersturz können zudem u.a. Gebiss und untere Moseleyplatte heikel werden.

Material: übliche Kletterhochtourenausrüstung mit 20m 7,5mm Einfachseil (für Seilschaften 30-40m Einfachseil), 3 Express, 3 Schlingen, Kk-Set, 2-3 mittleren Friends und 2 Eischrauben.

Fahrplan: 2 Uhr Schwarzsee, 3.45 Hörnlihütte, 6.30 Solvayhütte, 8 Uhr Matterhorn, 9.45 Solvayhütte, 11.30 Hörnlihütte, 13 Uhr retour Schwarzsee.

Hike partners: lorenzo


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