Vergeletto - Ribia - Bocchetta di Gatögn - Alzasca - Val Fümegn


Publiziert von lynx Pro , 31. Dezember 2015 um 14:21.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:27 Dezember 2015
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Pizzo Cramalina   CH-TI   Gruppo Rosso di Ribia 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 2100 m
Strecke:Vergeletto - Zardin - Val Camana - Alpe Albezzona - P. 2108 - Rifugio Ribia - P. 2241 - Bocchetta di Catögn - Bocchetta di Cansgéi - Capanna Alzasca - Bocchetta di Doia - Alpe Categn - Val Fümegn - Val Camana - Vergeletto
Kartennummer:1311 Comologno - 1291 Bosco Gurin

So herrlich schön und mild mit blauem Himmel und Sonnenschein kann es Ende Dezember in den Tessiner Alpen sein. Die Gegend die wir heute und in den nächsten beiden Tagen besuchen gehört zu meinen liebsten Gegenden im Tessin. Besonders die weite, offene Alp Ribia.

1. Tag

Kurz nach dem Dorf Vergeletto, bei P. 922 führt eine geteerte schmale Strasse hoch nach Camana. Wir fahren bis zum Ende der Strasse und parkieren beim Wendeplatz oben.
Ab hier beginnt die Wanderung durchs Val Camana bis zu P. 1203. Hier steht ein Wegweiser mit der Aufschrift Alpe Albezzona welcher links weisend zu der genannten Alp hochführt. Diesen Weg nehmen wir mit dem Tagesziel Rifugio Ribia. Ginge man weiter durch das Val Fümegn hoch käme man zur Alpe Gategn oder man könnte optional auch bei P. 1402 zur Alp di Doia hochsteigen und von dort weiter zur Bocchetta di Doia und zur Capanna Alzasca. Der schnellste Weg aus dem Vergelettotal zur Alzasca-Hütte im Maggiatal.

Der Weg hoch zur Alpe Albezzona führt durch abwechslungsreiches Gelände. Durch einsame Buchen- und Lärchenwälder, über offene Wiesen mit schöner Sicht ins Val Vergeletto. Die Alp Albezzona liegt auf 1900 Metern. Von hier steigt man zu dem auf der Landkarte eingezeichneten P. 2108 hoch und erreicht damit den höchsten Punkt der heutigen Wanderung. Wir steigen durch den etwas ausgesetzten Weg rüber zur Alp Ribia und erreichen nach insgesamt ca. 5 Stunden das Rifugio.

Hier erwartet uns eine Überraschung. Kurz vor den Alpgebäuden sträubt Artus das Fell und er fängt heftig an zu verbellen. Ein paar Meter tiefer erhebt sich erschrocken eine menschliche Gestalt aus dem trockenen Gras. Es ist Vittorio, wie wir bald erfahren, der hier oben schon vor Weihnachten eingezogen ist und bis zum ersten Schnee bleiben wird. Er freut sich riesig, völlig unerwartet Besuch zu bekommen.
Das Rifugio hat er während der Zeit die er hier oben verbringt in ein Museum verwandelt. Eine Ausstellung mit diversen kleinen Gegenständen ziert alle Fenstersimse im Innern wie auch Ausserhalb der Hütte. Der Tisch vor der Hütte ist belegt mit hunderten von Gegenständen welche wohl noch darauf warten den richtigen Platz in der Kollektion zu finden.
Vittorio schleppt täglich Lärchenholz aus der Umgebung zur Hütte. Der Holzvorrat in der Hütte ist auf ein paar wenige total verastete Buchenholzklötze, welche sich kaum spalten lassen, geschrumpft. 
Wasser ist hier oben zur Zeit ein rarer Stoff. Es herrscht extreme Trockenheit. Im Süden des Tessins hat es seit über 60 Tagen (!)  n i c h t  mehr geregnet. Die Bäche sind in den höheren Lagen alle ausgetrocknet. Stellen wo noch spärlich Wasser floss sind bis auf den Grund vereist. Vittorio schleppt Eis welches er in den ausgetrockneten Bächen abpickelt in einem Melkkessel an.
Die Bäche sprudeln nicht. Aber Vittorio sprudelt pausenlos und schnell. Er erzählt und erzählt, referiert und gestikuliert. Er lebt zweifellos in einem anderen Bewusstseinszustand als die meisten anderen Menschen. 

Als es bereits stockdunkel ist kriegen wir noch zusätzlichen Besuch aus Kalifornien und Basel. Es herrscht richtig Leben hier oben in der Ribia. Das ist sehr ungewöhnlich in dieser Jahreszeit. 
Die beiden zuletzt angekommenen Besucher wollen bis zum Neujahr hier oben bleiben. Wir haben geplant am nächsten Tag zur Capanna Alzasca weiter zu gehen. Auf Anraten von Vittorio entschliessen wir uns den Weg über die Bocchetta di Gatögn zu nehmen.


2. Tag

An other Day in Paradise! Ein traumhafter Sonnenaufgang taucht die Alp Ribia in ein warmes diffuses Licht. Wir packen unsere Sachen und verabschieden uns von von unseren Berggefährten und marschieren Richtung Salariel und steigen an dessen Fuss hoch zu P. 2241. Hier nehmen wir an der Sonne unser Frühstück ein. Anschliessend queren wir im weglosen Gelände zu Füssen des Colmetto und Cima di Catögn in Richtung Pizzo Molinera ohne Höhe zu vernichten, bis zu der Stelle wo man zur Bocchetta di Catögn hochkraxelt. 
Oben angekommen eröffnet sich eine herrliche Sicht auf die umliegenden Berge. Der Kessel durch den wir nun absteigen liegt permanent im Schatten. Es ist kalt und stellenweise liegt ein Hauch Schnee und öfter noch grosse Eisflächen in der Gegend.
Wir steigen einige Meter ab und halten dann links. Ich gehe verschiedene Male hin und her um eine geeignete Stelle für den direktesten Abstieg zu suchen. Der Abstieg durch die Bachrinne, wie von Vittorio empfohlen, ist nicht machbar. Alles ist mit blankem Eis gefüllt. Ein reines Himmelfahrtskommando hier absteigen zu wollen! Wir gehen weiter links und queren ein riesiges Blocksteinfeld um nördlich über einen mit Gras bewachsenen Kamm zur Alpe Gansgei abzusteigen und dort auf den regulären von Cerentino her kommenden Weg zur Bocchetta di Cansgei und von dort zur Capanna Alzasca zu gelangen.

Die Alzasca-Hütte liegt einsam und mit verschlossenen Fensterläden vor uns. Wir machen Feuer und kochen das Nachtessen mit einer improvisierten Tomatensauce. Die Vorgänger die vor zwei Tagen vor uns hier waren haben ihre übrigen Tomaten hier gelassen. Mit Tomatenpüree, fein geschnittenen Tomaten, etwas Wasser, Curry-Paste, Curry, sonstigen Gewürzen und zwei fein in Würfel geschnittenen Bratwürsten kreiere ich eine neue, leckere Sauce für die Spaghetti welche wir mit einem Tessiner Merlot verspeisen.


3. Tag

Wir steigen von der Capanna Alzasca zum Lago Alzasca hoch und von dort weiter zur Bocchetta di Doia. Von dort steigen wir ab und gehen rechts den Hang traversierend weiter bis zu Alpe Gategn und steigen durch's Val Fümegn ab nach Camana wo das Auto steht.

Tourengänger: lynx


Galerie


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Kommentare (2)


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Seeger Pro hat gesagt: Super Bericht
Gesendet am 1. Januar 2016 um 15:59
Ciao Thomas
Das hast Du aber toll gemacht.
Danke für den Bericht und die schönen Fotos.
Zum Träumen schön...
E Guets Neus mit vielen erfolgreichen Touren wünscht Dir
Andreas

lynx Pro hat gesagt: RE:Super Bericht
Gesendet am 3. Januar 2016 um 11:41
Hallo Andreas

Danke!

Es war wirklich einmalig, das Wetter, die milden Temperaturen, die Trockenheit, …. ich kann mich nicht erinnern so etwas in den letzten 50 Jahren in dieser Jahreszeit erlebt zu haben - traumhaft!

Ich wünsche dir Gesundheit, Zeit und Kraft um auch im Neuen Jahr viele Touren machen zu können.

Liebe Grüsse

Thomas


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