Gib ihm den Saurer!


Published by Henrik , 27 September 2018, 16h45.

Region: World » Switzerland » Tessin » Bellinzonese
Date of the hike: 8 September 2018
Hiking grading: T1 - Valley hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Pizzo Campolungo 
Time: 2:30
Height gain: 180 m 590 ft.
Height loss: 430 m 1410 ft.
Route:Gourmessa allein
Access to start point:ÖV
Access to end point:ÖV
Maps:Saurer in der Leventina

... am frühen Vormittag am Nordrand  der CH in Koblenz dem Claudiamobil entstiegen, am Abend Rückkehr vom flugrostroten Bahnhof in Rodi – ein Spagat gleichermassen – obgleich der Aargau so viele Wege bietet, bin ich ins Tessin gefahren. Und habe mich erstmals seit einem Jahr ins Gewühl des Bahnhofs Zürich HB „getraut“ – da fühl ich mich nicht wohl. Auch wenn die Entlastung des gesamten Bahnhofs eindrücklich baulich gelungen zu sein scheint, sind die Perrons eng, nach wie vor. Die Zwischenstocklösung bringt einen in der Tat etwas näher zum Anschlusszug. Der ICN nach Lugano ist rappelvoll. Mir gegenüber ein Paar aus den USA, die, so stellt sich im Gespräch heraus, gar nicht wussten, dass sie bald den längsten Eisenbahntunnel durchfahren werden – dafür lagen drei smartphones auf dem Pano-Tisch!
 
... der Anschlusszug war nicht gewährleistet – mir ist das heute egal. Dann eben die S-Bahn. Andere scheinen nicht ganz so glücklich über diese Tatsache. Die Sonne blendet.
 
... in Erstfeld hatte ich gerade mal eine gute halbe Stunde für deren ausgezeichnete Küche, ich kann die „Milchküche“ jedes Mal nur loben – sie kennen mich auch zwischenzeitlich, manchmal erfolgt ja ein Besuch, nur um dort Mittagstisch zu halten, just so. Dann die Weiterfahrt mit der RE nach Airolo – beidseits der Alpen ein Sonnentag, ein Samstag. Und erstaunlich, rund um den Bahnhof in Airolo schien es mir, als wäre ein Feiertag oder sonst was Aussergewöhnliches: kaum Verkehr, schon gar nicht irgendwelche Massen... die standen ab Quinto im Stau, helau!
 
 
... der einzige Fahrgast ab Airolo bis nach Dalpe Villago – Paese. An einem bewegten Samstagnachmittag nach 13 Uhr... ich staune und freue mich über den anstehenden bewegten Tag. In Dalpe ratterten die Rasenmäher und Granitsteine wurden gewuchtet – Vögel zwitscherten und Schafe gaben auch Laute von sich. Ich stieg gemächlich hinan, verliess das Dorf und fand mich in bekanntem Gelände. Die Rot-Weiss-Markierung gilt für den Campo Tencia wie auch für Cès. Dort wo die erste Passage in die Ebene bei Polpiano übergeht, zweigt der Weg ab, den ich nun wähle: Abstieg. Mir war lediglich wichtig, kurz gestiegen zu sein, der Kondition wegen. Den Wald verlassen, eröffnet sich insbesondere der Blick in die gegenüberliegende Hanglange der Leventina... wo ist denn Tina, hallo? Nein, Henrik , Tina ist fiktiv. Claudia ist unterwegs nach Ramsen, Schaffhausen, deshalb bin ich nun hier im Süden der Schweiz. Etwas in Übermut rausche ich hinunter: Dalpe – Nordhang. Hinunter nach Prato _ Leventina.
 
 
... genau mittig zwischen Dalpe und Prato steht eine wuchtige Bank, mit Neuanstrich. Hier habe ich auch schon kurz gerastet.  Es unterbleibt heute. In Prato höre ich weder Kirchenglocken, noch Rasenmäher, noch Bohrmaschinen, keine Autoreifen, ich höre lediglich das Rauschen meiner Blutbahn einer ans Ohr gehaltenen Meeresmuschel  - Menek freut sich schon auf die Deutschfassung!
 
 
 
... die Wegmarkierungen sind im Vergleich zu 2006 so markant besser geworden, dass ich finde, jetzt reicht es dann. Ich folge dem Erlebnisweg Monte Piattino, dem wir schon im April 2018 begegnet sind. Ich verbleibe im „Talboden“, springe wie ein Böcklein dort und hin und ob, bis ich am Dazio Grande ankomme. Grün, sattes Grün im Wald, am Rand und draussen – das Kontrastprogramm zur Autobahn, die mich ein paar Meter begleitet.  Dazio Grande, ich hab’s anderswo schon festgehalten... hat nichts mehr von seiner ausser baulichen Grösse... das Restaurant ist nur noch am WE offen.  Ich quere die Kantonsstrasse und bummle hinunter zum Werkhof-ähnlichen Areal. Dort fallen mir die wuchtigen, eisernen Container auf und schliesslich stehe ich im flugrostroten Bahnhof Rodi – wo nichts hält... seit zwei Dekaden.
 
 
... ich halte inne: die Schienen, die müssen in den Kasten. Etwas weiter, die Terrasse des Hotel Baldi in Rodi, da bestelle ich mir einen Tee und verstohlen hole ich mir die Nussrollen aus dem Rucksack – nein, eine Bouillon soll es heute nicht sein, man erinnere sich ggf. daran? Gleich neben dem Baldi ist eine Tankstelle... lautes Motorengeräusch, klingt wie ein Schwertransporter, ich erhebe mich vom Tisch und schau hinüber: ha! Ein Saur(i)er. Ein Postbus Saurer. Dann sind andere nicht weit – ha. Ich bezahle und laufe der Strasse entlang... zur Poschti-Haltestelle „Fiesso – Paese“, bei „Rodi – Posta“ hält die 191 eben nicht! Was für ein Schauspiel: die Veteranen SAURER in verschiedenster Montur bewegen sich gemächlich heran. Tränen nahe, stehe ich da und bin gerührt. Eine Servo-Lenkung  gab’s damals noch nicht mal in den Träumen.  Ich hatte ja mal  einen 1988-er Land Rover, Serie II, der hatte auch keine Servo-Unterstüng... Saurer.. die einst stolze Fahrzeugschmiede... zu Besuch im Blenio-Tal, wurde mir zugerufen... Ein bewegter Moment, da kommen ja viele Erinnerungen herauf, auch mit dem Range Rover Classic, dem ich seit 35 Jahren treu geblieben bin. So fertig luschtig.
 
... in Airolo legte ich nochmals eine Pause ein, auf der Terrasse des Hotel-des-Alpes. Und samstags rollen die Züge in geänderter Formation und Zeit.  In Erstfeld regnete es und in Arth-Goldau zog der Wind über den Bahnhof hinan.
 
... im ICN reibten sich Reisende die nackten Füsse sauber an den Sitzen...  toll, wenn man im Netz Clips ansehen kann, die davon berichten, dass in der Schweiz es nicht gern gesehen ist im Zug die Schuhe und nackten Füsse auf den Sitzen ruhen zu lassen...

Hike partners: Henrik


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Comments (1)


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dominik says: Wir hätten uns fast getroffen
Sent 27 September 2018, 21h10
Bin am 8. September mit dem Rennvelo die Leventina hoch gefahren und hab mich auch an den ganzen entgegenkommenden Saurern erfreut. DAS waren halt noch richtige Maschinen!


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