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Nicht gesucht, und doch gefunden


Published by rojosuiza , 22 October 2017, 11h56.

Region: World » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike:26 September 2017
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 

 

Eine gelungene Wanderung zeichnet sich durch exakte Vorbereitung aus. Genau zur rechten Stunde wird aufgebrochen, alles ist vorgezeichnet, die Route steht fest; man weiss im vornherein, was im Nachhinein stattfindet. Die Route dauert genau die geplante Zeit und genau zur abgemachten Stunde trifft man wieder zu Hause ein, wo man sich ans bereitstehende Nachtessen setzt, vorzüglich um genau 18:00 Uhr.

 

Bei vielen geht’s wohl so zu – es sei ihnen gegönnt! – bei rojosuzia entartet fast jedes Plänchen im Grunde ganz und gar. Was hier geplant ist, wird als Nachsatz noch erzählt, und auch, was man an Mühen aufgewendet hat, um die Planung doch durchzuführen, obwohl man eigentlich schon wusste, dass man es am Ende sowieso lassen würde. Wie hat es aber angefangen?

 

rojosuiza trifft in Goppenstein ein. Ja, Züge kennen eine genaue Planung und halten sich im Allgemeinen brav an sie – Ausnahmen betätigen nur die Regel! – Es kommt vielleicht daher, dass sie auf Schienen laufen, so kommt es bei der Eisenbahn eigentlich nur ganz, ganz selten zu einem wirklichen Ausbruch. rojosuiza betätigt sich noch kurz als Hilfskondukteur, als das alte Frauchen kommt und auf den letzten Treppenstufen ausruft: Ich kann wirklich nicht schneller! Als die Türen sich schliessen, ist sie drin, und rojosuiza ist froh. Die gute Tat für diesen Tag ist getan, ab jetzt kann einer frei laufen.

 

Abwärts ist immer gut. Die Lonza schäumt und gischt abwärts, der Verkehr tost um rojosuiza, und der lässt sich immer hinabrollen, ins Tal hinab. Verbauungen, Brücken und noch mehr Brücken, Einfahrten und Tunnel, Unter- und Überführungen, nichts ist den Goppensteinern zu toll, rojosuiza zu erfreuen.

 

Bald aber tänzelt rojosuiza neben einer Galerie, die ihn vom Autoverkehr abschirmt. Was ist das in der Ferne? – Die Bauer haben eine extra Wanderer-Galerie hingestellt, sodass rojosuiza schmunzeln muss. Man läuft ein längeres Stück so dahin, links neben sich Verkehr und rechts die Lonza. Die Lonza stört gar nicht mit ihrem Rauschen, und der Verkehr hält sich hübsch in Grenzen – es mag an der Zwischensaison liegen, nichts los hier.

 

In Mittal gilt es aufzupassen. Hebt hier nicht rojosuizas Weg ab in die Lüfte, steil in einen unwegsamen ‚Chrachen‘ hinauf? – Aber kein Weg ist da, kein Hinweis. Galerien überall, alle so neu, dass der Weg wohl hinter ihnen verschwunden ist. Der Weg steht doch auf der Landeskarte, aber der Zugang ist privatisiert. Also tut rojosuiza etwas Unerhörtes: er geht ZURÜCK. Er steigt auf die Galerie hinauf und sucht auf dem Deckel zwischen Kuh und Schaf nach dem Einstieg. Er findet ihn nicht. Henusodë, der Plan ist beerdigt. Dann halt weiter den Galerien entlang hinab…

 

Am alten Strässchen steht ein Ferienhaus. Zutritt zum Bauplatz verboten, sagt das Schild. Das lenkt die Augen noch einmal  zum Häuslein hin: hinten ist ein Felsstück frisch aus der Wand ausgebrochen und geradewegs auf das Ferienhaus gefallen. Vorne ganz, hinten ganz zertrümmert! – Ist vielleicht der Weg oben durch meinen ‚Chrachen’ auch so bröckelig, dass man ihn mir nichts dir nichts aufgehoben hat?

 

Ah, aber diese Galerie ist ganz besonders schön. Leicht gerundet sind die Verstrebungen, und die Strasse verschwindet schliesslich im Berg. Wann kommt sie wieder heraus? – Sie kommt nie mehr heraus. Zur Überraschung des alten Berghelden, der diese Strecke von einer früheren Radtour doch etwas anders im Gedächtnis hat, verschwindet die Strasse im Tunnel, und taucht wohl erst im Haupttal wieder ans Tageslicht.  Friedlich geht rojosuiza mitten auf der alten Passstrasse, keine Sau zu sehen! Wo der Wanderweg von der Strasse abgeht, tut es ihm fast leid, dass er sie verlassen muss und er spielt ganz kurz mit dem Gedanken, einfach bei ihr zu bleiben. Sein Wanderweg ist ein alter Saumweg und der führt prachtvoll durchs Gebiet – weit unten auf der anderen Seite der Lonza sieht rojosuiza ab und zu seine Passstrasse durchschimmern.

 

Beim alleinstehenden Haus auf 780 Metern kommt der Paukenschlag! – Die Brücke ist weg. Hochwasser hat sie weggerissen, und keiner kommt trockenen Fusses hinüber. Gewiss kommt keiner durch mit einem Auto, und auch ein Radfahrer wird sich wundern. Wäre rojosuiza hinübergekommen? Er steigt ins Flussbett, und jetzt, bei Niedrigwasser wäre das mit Steinehüpfen kein Problem. Aber wehe dem, der bei Hochwasser oben der Verleitung der Passstrasse nachgegeben hätte…

 

Wisst Ihr, wie schön es ist, eine Passstrasse ganz für sich allein zu haben, und das bei herrlicher Sonne und milder Luft? Ganz vergnügt erreicht rojosuiza den Talboden bei Gampel-Steg. Die Cappuccino-Quellen wollen ihn aber dort nicht, also latscht er weiter. Er geht zum Bahnhof.

 

Na ja, er geht zum Bahnhof? – Manche Leute können eben nicht von ihren Plänen abweichen. Sie sind engstirnig, und müssen immer genau ausführen, was sie sich vorgenommen haben, nicht wahr? Wer kennt solche Leute nicht? – Also kann man jetzt rojosuiza sehen, wie er sich stundenlang hinaufkämpft, bis er an seinem Bahnhof angekommen ist.

 

Was war nämlich der Plan? rojosuiza  hatte sich vorgenommen, von Goppenstein zum Bahnhof Hohtenn zu gehen, und das hat er am Ende auch richtig getan… Nur das ‚via‘ hat sich am Schluss geändert, von Imine zu Steg.

 

 

Gesucht hat er, und nicht gefunden. Am Ende hat er gar nicht mehr gesucht und doch gefunden

 


Hike partners: rojosuiza


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