Auf das winterliche Platthorn (3345m)


Published by SCM , 24 September 2017, 21h08.

Region: World » Switzerland » Valais » Unterwallis
Date of the hike: 9 September 2017
Hiking grading: T3+ - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 
Time: 3 days
Height gain: 3200 m 10496 ft.
Height loss: 3200 m 10496 ft.
Route:37.6 KM

Das Platthorn und das Mettelhorn oberhalb von Zermatt standen schon lange auf unserer Todo Liste, vor allem wegen der ungewohnten Aussicht vom Gipfel Richtung Westen. Man sieht nicht nur das Matterhorn und die anderen berühmten Gipfel im Süden von Osten und Süden von Zermatt, sondern auch das Obergabelhorn, die Wellenkuppe, das Zinalhorn usw.

Prinzipiell könnte man das Platt- und Mettelhorn auch als Tagestour von Zermatt aus besteigen. Vor allem mit der Anreise wird das dann aber ein ziemlich langer Tag. Ausserdem gibt es mit dem Hotel du Trift eine gute Unterkunft am Berg, und neben dem Platt- und Mettelhorn gibt es in der Gegend auch noch viele andere Ziele. Aus diesen Gründen entscheiden wir uns für eine Drei-Tagestour.

Tag 1: Bahnhof Zermatt --> Berggasthaus Trift
(T2, 2h15, 4.3KM, 870HM, 100HM)

Für Samstag, 09. September 2017 sind die Wetterprognosen nicht sehr gut. Es soll mehr oder weniger den ganzen Tag über regnen, vor allem ab dem Mittag. Deshalb haben wir es nicht wahnsinnig eilig und nehmen einen Zug mit dem wir kurz nach 10.00 in Zermatt ankommen. Nach einer Kaffeepause und Provianteinkauf starten wir unsere Tour. Das Platt- und Mettelhorn sind bereits beim Bahnhof ausgeschildert. Die Wegweiser führen uns auf der Hauptstrasse durch das autofreie Zermatt hindurch. 500 Meter nach dem Bahnhof biegt der Wanderweg rechts ab. Diese Abzweigung ist leicht übersehen, weil die Wegweiser ein wenig versteckt sind.

Es geht gleich ordentlich zwischen den letzten Häusern von Zermatt bergauf. Nach ungefähr 10 Minuten hat man diese Häuser hinter sich gelassen und der Wanderweg führt nun weniger steil über eine Wiese bis zum Triftbach. Auf einer Brücke wird der Trifbach überquert und anschliessend geht es auf dessen orographisch rechten Seiten in vielen Kehren im Wald steil bergauf.

Das nächste Etappenziel ist das Gasthaus Edelweiss das kühn auf einem Felsvorsprung hoch oberhalb von Zermatt thront. Wir legen eine kurze Pause ein und geniessen die Aussicht. Anschliessend folgen wir dem Wanderweg Richtung Trift. Zunächst geht es flach oder sogar leicht abwärts weiter, bis wir wieder näher an den Triftbach kommen, der hier in Form eines Wasserfalls eine Felsstufe überwindet. Der Wanderweg führt auch in zwei Kehren am Wasserfall entlang über diese Felsstufe.

Oberhalb des Wasserfalls steigt der Wanderweg weiterhin an und man entfernt sich immer weiter vom Triftbach. Mittlerweile ist das Wetter deutlich schlechter geworden und Nebel zieht auf, so dass wir oft nur noch das Rauschen des Baches hören. Irgendwann beginnt es auch leicht zu regnen. Wir zögern den Zeitpunkt zwar hinaus, aber irgendwann müssen wir einsehen, dass es Zeit wird die Regenschutzausrüstung anzuziehen.

Kaum haben wir das erledigt, taucht im Nebel vor uns eine Schweizer Fahne auf. Wir sind ein wenig überrascht, aber es scheint tatsächlich so, als ob wir bereits beim Hotel du Trift angekommen sind. Einige Minuten dauert es dann aber doch noch bis auch die Hütte selbst aus dem Nebel auftaucht.

Den Rest des Nachmittages verbringen wir in der warmen Gaststube der Hütte mit Essen, Trinken und Karten spielen. Nach dem Abendessen stellen wir fest, dass es angefangen hat zu schneien. Wir hoffen, dass es nicht zu viel schneit, so dass eine Besteigung des Platthorns und/oder Mettelhorns doch noch möglich ist. 

Tag 2: Berggasthaus Trift --> Edelweiss Stausee Zmutt --> Höhbalmen --> Berggasthaus Trift
(T3, 6h45, 18.3KM, 1300HM, 1300HM)

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, sehen die Bedingungen nicht sehr gut aus. Es ist immer noch stark bewölkt mit dichtem Nebel, leichtem Schneetreiben und es liegt zwar nicht viel Schnee, aber doch eine mehr oder weniger geschlossene Schneedecke.

Beim Frühstück verspricht uns Hugo, der Hüttenwirt, eine Wetterbesserung am Nachmittag und vor allem strahlend schönes Wetter am Montag. Wir entscheiden uns, unsere Pläne ein wenig zu ändern und die Besteigung der beiden Gipfel um einen Tag zu verschieben. Stattdessen werden wir heute dem Panoramaweg einen Besuch abstatten. Eigentlich wollten wir am Montag über diesen Weg absteigen.

So gehen wir nach dem Frühstück auf dem Aufstiegsweg zurück zum Hotel Edelweiss. Noch können wir an eine Wetterbesserung nicht so recht glauben. Es ist immer noch kalt und nass. Beim Hotel Edelweiss gehen wir nicht zurück nach Zermatt, sondern Richtung Hubel. Zuerst führt der Weg ein wenig mehr als 100 Höhenmeter durch den Wald bergauf, bevor wir den Wald verlassen und auf Alpweiden wieder einige Höhenmeter absteigen.

Bei Hubel reisst dann die Wolkendecke tatsächlich zum ersten Mal ein wenig auf, und wir können zumindest zeitweise Zermatt und den Gornergrat sehen. Von Hubel aus gehen wir in Richtung Südwesten. Schon bald kommen wir an eine Wegkreuzung. Hier haben wir zwei Möglichkeiten. Wir könnten über Zmutt zur Staumauer gehen, oder aber oberhalb von Zmutt auf zum Stausee queren. Wir entscheiden uns für die obere Variante und gehen auf einem schönen Höhenweg oberhalb von Zmutt vorbei Richtung Stausee. Dabei können wir auch zum ersten Mal kurz das Matterhorn erblicken, bevor es wieder von den Wolken verdeckt wird.

Kurz vor der Staumauer vereinigen sich die beiden Wege wieder. Hier könnte man nun eigentlich auf dem Wanderweg rechts des Stausees bis zu den Gletscherseen des Zmuttgletschers gehen, doch wie uns Hugo schon vorgewarnt hat, ist dieser Wanderweg momentan gesperrt. Wir wissen nicht wieso und wie lange noch, aber wahrscheinlich herrscht Steinschlaggefahr. So gehen wir eben auf dem langweiligeren Weg an der linken Seite des Stausees entlang zu den Gletscherseen.

Bei den Gletscherseen wechseln wir die Talseite und gehen dann hoch auf die Seitenmoräne des Zmuttgletschers. Schon bald kommen wir an eine Weggabelung. Geradeaus würde es weitergehen zur Schonbielhütte. Wir biegen rechts ab und gehen hoch nach Arben auf gut 2550 m.ü.M. Nun beginnt der schönste Teil der Wanderung. Nur noch leicht ansteigend gehen wir auf einem Höhenweg nach Osten. Die Aussicht auf das Matterhorn, das Monte Rosa Massiv und all die anderen Berge ist sehr gut.

So vergeht die Zeit sehr schnell und schon bald erreichen wir Schwarzläger, den höchsten Punkt der Wanderung. Von nun an geht es bei immer noch guter Aussicht leicht abwärts nach Höhbalmen. Hier müssen wir uns von der Aussicht auf das Matterhorn verabschieden. Bei nun am späteren Nachmittag schon deutlich tieferen Temperaturen beginnen wir mit dem kurzen aber steilen Abstieg zur Trift, wo wir um kurz nach 16 Uhr ankommen.

Tag 3: Berggasthaus Trift --> Platthorn --> Bahnhof Zermatt
(T3+, 8h00, 15KM, 1050HM, 1800HM)

Am nächsten Morgen erleben wir eine sehr positive Überraschung. Der Schnee um die Hütte ist geschmolzen und es schaut so aus, als ob die Gegend bis ca. 3000 MüM ziemlich schneefrei ist. Ausserdem ist das Wetter sehr schön und der Himmel strahlend blau. Deshalb starten wir möglichst bald nach dem Frühstück mit dem Aufstieg Richtung Platthorn. Wir wandern für einige 100 Meter in das Tal hinein. Beim P. 2452 biegt unser Weg rechts ab, während der Wanderweg zur Rothornhütte weiter geradeaus führen würde.

200 Höhenmeter über uns können wir einen Steinbock sehen der uns neugierig beobachtet. Vorsorglich machen wir bereits aus der grossen Entfernung einige Fotos. Das wäre allerdings nicht nötig gewesen, denn der Steinbock bleibt dort stehen, auch als wir uns nähern. Wir haben nichts dagegen, so gelingen bessere Fotos :)

Nachdem wir den Steinbock ausgiebig bestaunt haben, gehen wir weiter und erreichen beim P. 2725 eine kleine Hochebene. Dort würde auch der Weg nach Zermatt und zum Wisshorn abzweigen. Wir durchqueren allerdings die Hochebene. Hinter der Hochebene geraten wir in felsigeres Gelände. Immer noch einfach geht es nun steiler bergauf. Auf ca. 2950 MüM treffen wir auf den ersten Schnee und ab ungefähr 3050 MüM liegt eine geschlossene Schneedecke.

Noch ist das aber kein Problem. Wir müssen nur noch auf einem grossen Schneefeld einen mässig steilen Hang durchqueren und schon sind wir beim Furggji. Der Weg ist hier zwar kaum mehr auszumachen und wir müssen ein wenig spuren, allerdings besteht an keiner Stelle wirklich Absturzgefahr. Im schlimmsten Fall würde man wohl ein paar Meter auf dem Schneefeld abrutschen.

Beim Furggji angekommen ist es wegen dem Wind der hier bläst ziemlich kalt. Wir entscheiden uns auch ziemlich schnell dazu, dass wir das Mettelhorn heute auslassen werden, weil der Gletscher komplett zugeschneit ist, es überhaupt keine Spuren hat, wir nicht dafür ausgerüstet sind, und auch der Schlussanstieg auf das Mettelhorn mit dem Schnee und der fehlenden Spur als zu heikel erscheint. Stattdessen beginnen wir gleich mal mit dem Aufstieg zum Platthorn. Den Wanderweg kann man unter dem Schnee zwar nicht sehen, aber auch so ist es offensichtlich wie man zum Gipfel gelangen kann. Einfach immer mehr oder weniger dem Grat nach in direkter Linie zur Antenne auf dem Gipfel.

Am Anfang ist der Aufstieg noch wenig steil, doch das ändert sich schon bald und wir ziehen die mitgebrachten Steigeisen an. Der Unterschied ist deutlich spürbar und es geht nun viel besser voran. Trotzdem zieht sich der Aufstieg noch erstaunlich lange hin und es wird uns nochmals so richtig warm bis wir den höchsten Punkt erreichen.

Wir geniessen die Aussicht und machen einige Fotos, halten uns aber nicht all zu lange auf dem Gipfel auf, weil wir noch einen weiten Weg vor uns haben und Nebel aufzieht. Wir folgen unseren Spuren und sind nach wie vor froh um unsere Steigeisen. Dieses Mal behalten wir die Steigeisen beim Furggji gleich an und gehen mit ihnen weiter, bis die geschlossene Schneedecke aufhört. Einige Minuten später finden wir auf 3000 MüM einen sonnigen Platz für eine späte Mittagspause.

Nach der Mittagspause geht es weiter mit dem langen Abstieg zur Trifthütte die wir am Nachmittag erreichen und wo wir kurz halten um unser zurückgelassenes Gepäck aufzuladen. Mit nun deutlich schwereren Rucksäcken gehen wir weiter zum Edelweiss und von dort weiter Richtung Zermatt.  Kurz vor Zermatt machen wir noch einen kurzen Abstecher zu einem grossen Kreuz bei P. 1705 das direkt über den letzten Häusern von Zermatt steht. Anschliessend gehen wir hinein nach Zermatt und nach einer kurzen Pause weiter zum Bahnhof.

Hike partners: SCM, melo, sestefan


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Geodata
 37162.gpx Tag 1: Zustieg Trifthütte
 37163.gpx Tag 2: Panoramaweg
 37295.gpx Tag 3: Platthorn

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Comments (6)


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nprace says: Schön!
Sent 25 September 2017, 08h01
Das Platthorn war meine erst Wanderung in der Schweiz als ich vor 12 Jahren in das Land umgezogen bin. Sie bleibt einer der bedeutendsten. Danke für die schöne Erinnerung!
Gruss
N

SCM says: RE:Schön!
Sent 25 September 2017, 21h53
Es wundert mich nicht, dass die Tour dir immer noch in Erinnerung bleibt. Es ist definitiv eine meiner Highlight Touren bis jetzt.

Primi59 says:
Sent 5 October 2017, 19h19
.. schöner, am schönsten ! Die Bilder sind einfach nur wow !! super Tour, gratuliere dir/euch herzlich dazu...

Gruss Primi

SCM says: RE:
Sent 13 October 2017, 15h10
Hi Primi

Danke vielmals! Gruass Sebastian

Deleted comment

SCM says: RE:
Sent 13 October 2017, 15h08
Hi Ruedi
Danke. Genau die Tour die du beschrieben hast wollten wir ursprünglich machen. Leider hat das Wetter nicht ganz mitgespielt, so dass wir ein wenig umplanen mussten und das Platthorn statt das Mettelhorn auswählten.

LG Sebastian


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