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Kassianspitze 2574m - Lieblingsgipfel der "abendländischen" Wallfahrerwelt?


Published by alpensucht , 19 June 2016, 11h34.

Region: World » Italy » Trentino-South Tirol
Date of the hike:21 October 2015
Hiking grading: T4+ - High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Snowshoe grading: WT2 - Snowshoe hike
Waypoints:
Geo-Tags: I   Sarntaler Alpen 
Time: 10:30
Height gain: 800 m 2624 ft.
Height loss: 1200 m 3936 ft.
Route:Radlsee-Klausner Hütte-Latzfonser Kreuz-Samspitze-Kassianspitze-Schutzhütte LK-Fortschellscharte-Klausner Hütte - ca.16km

"Höchstgelegene Wallfahrtskirche Europas", "malerisches Höhenkirchlein" oder "mystischster Ort der Alpen" - recherchiert man etwas über unser heutiges Etappenziel, findet man reichlich Superlative und begeisterte Beschreibungen. In Vorbereitung auf unsere Tour entstand nicht unbedingt der Wunsch dort hin zu müssen. Unser Ziel heute ist ein Aussichtsgipfel der Extraklasse und das "Kennenlernen" der Familie Lunger, die das Schutzhaus am heiligen Ort bewirtschaften. Von der Existenz deren inzwischen berühmter Tochter erzählte uns abends ein Wanderer zwei Tage zuvor.


Radlseehütte-Klausner Hütte WT2, T2, 2h 45min
Ohne Eile verlassen wir 7:45 Uhr mit Schneeschuhen unser Rifugio der letzten beiden Tage. Nun lernen wir auch noch die letzte unbekannte Seite im Südosten der Königsangerspitze kennen. Flach, unschwierig und teils abgeblasen präsentiert sich unser Wanderweg. Meist können wir vor uns eine deutliche Trasse erkennen, verlieren diese aber von Zeit zu Zeit. Die Orientierung und Wegfindung ist trotz guter Sicht die größte Herausforderung auf diesem langen flachen Abschnitt bis zum Wegweiser, der hinauf zur Lorenzischarte weist. 10 Uhr.

Nun halten wir uns auf teils vereistem Untergrund immer direkt rechts neben einem Begrenzungsmäuerchen auf gleicher Höhe. Die Schneeschuhe sind längst am Rucksack verstaut. Nach einiger Zeit begegnen wir einem weiteren Wegweiser. Wir entscheiden uns wirklich erstmal nur bis zur Klausner Hütte mit dem Mehrtagegepäck auf breitem Fahrweg zu gehen. Zum Schluss zweigt der direkte Wanderweg nochmal links steil in den Nadelwald ab. Kurz vor der Hütte bahnen wir uns einen Weg durch chaotisch herumliegendes Holz- und Zweigwerk. Gegen 10:30 Uhr erreichen wir die Klausner Hütte.

In der Hütte genehmigen wir uns eine kräftige Stärkung von unserem Vorrat, checken ein, packen aus und um.


 

Klausner Hütte-Latzfonser Kreuz T1, 50min

Kurz nach halb 12 machen wir uns wieder auf zum Latzfonser Kreuz und einem schönen Gipfel. Gleich hinter der Hütte geht’s steil hinauf, erst recht, wenn man die engen Fahrweg-Serpentinen auf Wanderwegen abschneidet. Flach im Bogen durchquert der Fahrweg den Einschnitt, der zur Furtschellscharte hinauf zieht. Steil geht’s nun flott hinauf.

Einige recht betagte Wanderer mit leichtem Gepäck halten mit unserem Tempo mit. Ein schöner Gedankenaustausch entfaltet sich und nebenbei lernen wir wieder einige Gipfel. Eine Stunde nach Aufbruch befinden wir uns inzwischen jenseits des berühmten Pilgerziels und gleichen das Kartenbild mit dem Gelände ab.


Aufstieg vom Latzfonser Kreuz Richtung Gipfel WT2, T3, 1h

Am ersten deutlichen Abzweig (Wegweiser und Markierungen) führt der Pfad nun wieder steiler auf einen alten Moränenrücken. Auf diesem marschieren wir einige 100m hinter. Kurz vor der Steilstufe hinauf zum See schnalle ich Schneeschuhe ab, Steigeisen an und trinke etwas. Frank geht an mir vorbei, merkt aber im oberen Teil der Stufe, dass Steigeisen angenehm und sicherer sind. So überhole ich ihn wieder. Der See trägt Eis. Um ihn herum führt eine kurze flache Passage, bevor der Aufschwung zum Joch wieder steil wird. Die Spur ist überall passabel, doch der Untergrund ist nicht festgefroren. Auch ohne Steigeisen zu gehen, wäre hier vertretbar (nur „Vertreten“ ist dann noch weniger erlaubt!). Zwei Wanderer steigen etwas wacklig mit Hilfe von Grödeln ab.
 

Samspitze, Kassianspitze und Abstieg T4, I, 1h 45min

Gegen 13:30 Uhr erreiche ich den Gratrücken, der Sam- und Kassianspitze verbindet. Der Grat zur Samspitze sah von unten schroff und wild aus. Deshalb entscheide ich mich für einen kurzen Abstecher auf deren Gipfel. Kaum 15min benötigen Geübte dafür. Es sind einige kurze und teils ausgesetzte Kraxelstellen dabei, die durch den Schnee spannend werden. Böse Steilstellen im Abstieg fürchtete ich vergebens.

Das Gipfelbuch ist voll, deshalb packe ich es ein. Der andere Gipfel, die eigentliche Aussichtsloge im Gebiet, scheint weit entfernt von hier aus. So beeile ich mich ziemlich und stehe schnaufend nach kaum 15min dort drüben. Weder Gipfelkreuz noch Panoramatafel fehlen hier. Meine deponierten Schneeschuhe sind als kleiner roter Punkt unten im Gelände wahrnehmbar.

Zu dieser Jahreszeit gehen offensichtlich immer noch regelmäßig Wanderer hier hinauf, doch jeden Tag nur wenige im Vergleich zum Sommer insgesamt. Nach halbstündiger Pause bewegen wir uns wieder Richtung Schutzhaus. 15:15 Uhr.

Dort plaudere ich zunächst mit Thomas Lunger, dessen Tochters Gesicht das Werbeplakat der diesjährigen European Outdoor Filmtour ziert und gebe ihm das Gipfelbuch der Samspitze.

Eine junge Dame setzt sich eben an einen der Tische, als ich sie frage, ob sie das sei auf dem Plakat neben der Eingangstür.

Des isch de Schweschter“ antwortet sie freundlich.

In kleiner Runde sitzt kurz darauf die Familie samt Hunden am Tisch und alle lassen es sich in der Sonne schmecken, was zum Kaffee aufgetischt wird. Dass ich nur wenige Wochen später die „richtige“ Tamara Lunger (Achtung bei Klicken des Links könnte u.a. Werbung von Northface auftauchen) bei der EOFT in Berlin kennenlernen würde, konnte ich noch nicht wissen.

Zunächst gehe ich eher obligatorisch die Kapelle besichtigen, nehme dann aber doch noch sehr viel Zeit dort drin in Anspruch. Es ist tatsächlich ein besonderer Ort, sofern man die unsichtbare Besonderheit an das eigene Innere heran lässt. Ein paar Zeilen für das Buch (Gläubige und Hoffende schreiben meist ihre Sorgen und Bitten dort hinein) und eine längere Stille Zeit kosten erneut deutlich mehr Zeit als eingeplant.

Über die Furtschellscharte zur Klausner Hütte WT2+ , 2h

Nach dem verlängerten Aufenthalt am Zielort der Wallfahrerwelt treten wir erst 16:15 Uhr die Rückkehr zum Alpenvereinshaus an. Wir halten uns links am steilen Südosthang vom Ritzlar und erreichen auf schmalem Pfad einen Aussichtspunkt. Wir sehen die Entfernung zur Furtschellscharte und entscheiden uns nach kurzem Diskurs für die lange Abstiegsvariante.

Nach der langen Tour heute wirkt ein nur geringfügig steiler Aufschwung zur Scharte besonders anstrengend und schwierig. Dass man sich in Richtung Scharte permanent weiter vom Ziel entfernt im Wissen, dass es in kurzer Zeit dunkel wird, verstärkt diese Wirkung erheblich. Doch welchen Grund sollte es zur Unruhe geben? Wir haben Stirnlampen und sämtliche analogen Orientierungshilfen dabei und fühlen uns nach dem langen Aufenthalt wieder kräftig.

Landschaftlich und auch sonst ist dieser Abschnitt sehr zu empfehlen! Mein Tourenpartner ist nicht einverstanden, dass ich in jedem Falle auf dem Weg bleiben möchte, sofern er zu finden ist. Er will direkt durch das Gelände und den weiten Bogen über die Scharte auslassen. Aus ökologischer Sicht wäre das fatal und außerdem ist das Gelände dazwischen sehr unwegsam und würde am Ende sogar längere Zeit in Anspruch nehmen.

So gehen wir den Bogen trotz Gegenanstieg bis zum Schluss aus und müssen in der Scharte sogar nochmal die Schneeschuhe anlegen. Viel Schnee wurde hierher verfrachtet. Zuerst auf breiterer Trasse, später wieder auf schmalem Weg bewegen wir uns zügig abwärts. Der Pfad schlängelt sich durch Latschengelände. Immer häufiger muss ich nun warten. Die Dolomiten tauchen in der Ferne ins warme Licht des dahinweichenden Tages.

Endlich erreichen wir die Wegkreuzung am Fahrweg oberhalb der Runggerer Hütten und schreiten zielstrebig (außer kurzer Dolomiten-Schnappschüsse) gen Refugium und Kohlenhydratversorgung.


 

Ein langer Tourentag klingt aus. Auf der Speisekarte steht das gleiche Nachtessen für heute wie auf der Radlseehütte. Dort war es mir deutlich zu wenig. Hier dagegen bin ich trotz des großen Bedarfs satt geworden (im Vgl. beinahe doppelte Portion!). Den abendlichen Abstecher über die Scharte würde ich nach so einem langen Tag nur sehr ausdauernden Berggängern empfehlen.

Nach Rückkehr aus den Sarntalern lernte ich Tamara persönlich kennen. Sie ist war mit ihrem Vater, Simone Moro und einem kleinen Team auf Winterexpedition am Nanga Parbat! Nach ihrer gesunden Rückkehr wollte ich gern mit ihr eine Eistour im Frühjahr 2016 machen. War aber, als es soweit war nicht fit genug mit ihr mitzugehen und habe das deshalb verworfen.


Hike partners: alpensucht


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