Rampenfieber


Published by rojosuiza , 28 October 2015, 09h41.

Region: World » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike:13 September 2015
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 
Access to start point:Naters
Access to end point:Lalden Bahnhof


Manche Leute haben Lampenfieber, rojosuiza hat das Rampenfieber. Sie liegt einem schliesslich geradezu vor den Füssen, diese Rampe. Es ist die Südrampe der BLS, das heisst, ihr neuester Teil. Jetzt kann sie direkt von Naters aus angegangen werden, das ist ein Wandern nach rojosuizas Geschmack.
 
Immer das selbe Stück - zwei Mal in Stücken, und schliesslich auch ganz. Und damit man weiss, dass die Sache gar nicht ungefährlich ist, will ich schon mal verraten, dass es bei mir dabei zum Bergunfall und zur Begegnung mit dem gefährlichen Ungeheuer gekommen ist.
 
Die erste Runde ist die Solo-Wanderung am späten Nachmittag. Hurtig huscht rojosuiza den Berg hinauf und läuft, bis es fast dunkel ist. Vor dem Riss des Mundbaches geht ein kleines Weglein steil hinab nach Gamsen.
Es gibt dabei Gelegenheit zu einer kleinen Exkursion: rojosuiza steigt hinunter zum Wasserfall, ein kleines Türchen gibt dazu ein wildes Weglein frei.
Danach ganz hinunter, quer übers Tal nach Gamsen selber, und schliesslich hinauf nach Glis, ins Feriendomizil. Das Abendlicht in Gamsen ist bezaubernd, gar vieles im Schatten und man selbst im hellen Licht.
 
Die zweite Runde ist die Solo-Wanderung in der Gegenrichtung, nach dem warmen Bad im Brigerbad. Die Zeit wird knapp, vom Göttergatten werd ich erwartet zum Abendbrot, da heisst es abzukürzen. Der nämliche Abstieg wird gewählt, aber dieses Mal wird die neue Brücke über die Mundbach-Schucht auch benützt, doch ab jetzt ist alles das nämliche: das letzte Licht, die heitere Atmosphäre von Gamsen, der Zauber der Stunde. Aber dann wird das Ende anders. rojosuiza sticht der Hafer: bei der Wallfahrtskirche geht er kurz zum Friedhof hinauf, wegen dem Licht, und nicht wegen der Toten. Beim Hinabsteigen gibt es neben den Treppenstufen zwei blöde, kleine Stufen in den Blumenrabatten. Ah, hier lässt sich abkürzen; da rojosuiza die Napoleonstrasse nach oben nehmen muss, kann ein kleiner Sprung zur Einsparung von sage und schreibe 25 Höhen-Zentimetern führen. Der Fuss tut einen kleinen Sprung, der Mensch macht einen kleinen Rutsch, und voila! rojosuiza fällt voll auf die Nase und bremst fachkundig mit Kinn, Nase und rechter Flanke. Das schürft wie toll. So kommt der Bergsteiger für die nächsten Tage zu einem beeindruckenden Aussehen.
 
Die letzte Runde schliesslich ist der vollständige erste Teil der Wanderung, von Naters nach Lalden, wie es sich gehört. Sie wird mit dem Lebensgefährten durchgeführt und dauert 3 x die normale Zeit, mit viel Absetzten und Anhalten. Schön ist sie trotzdem. Am Anfang gibt es tollen Gegenverkehr, ganze Schulklassen. Schliesslich wird es ruhig. Die Sprühanlagen im Schutzwald der BLS sprühen und halten den Wald feucht. Die Regenjacke muss verwendet werden, die Kamera muss aus rojosuizas Hand in den Rucksack. Das macht, dass die denkwürdige Begegnung am Weg nicht fotografisch festgelegt ist. rojosuiza sitzt still auf einem Stein und wartet auf den verspäteten Gefährten. Auf dem Weg kommt ihm entgegen ein Fuchs, holadio, mit einem Stück Aas in der Schnauze. Er sieht nichts und hört nichts und riecht nichts - ausser Aas wohl. Freude herrscht bei ihm ob dem herrlichen Braten. Er nähert sich lustig wandelnd dem gespannten rojosuiza immer weiter, bis auf 2 Meter heran. Es ist kein Jungtier, es ist ein ausgewachsener Fuch; der ist doch recht gross, wenn er so nahe kommt. Viel näher will der Grosse Mensch ihn nicht haben. 'Was wird denn das?' frag ich deshalb. - 'Au, saudumm', sieht man den Fuchs denken, 'ein Mensch! da habe ich aber ganz und gar nicht aufgepasst, das kann ins Auge geben, schleunigst weg!' und weg rennt er auf dem Wanderweg, bis er aus meiner Sicht verschwunden ist.
So profitiert der unbewaffnete Wanderer von dem Ruf, der ihm die Verwandtschaft mit dem Jäger verleiht. Ein Hoch dem Jägersmann!
 
rojosuiza kommt in Lalden rechtzeitig zur Abdankung der Automaten. Der Leckereien-Automat, wo er sein Kägifret holen will, ist schon leer. Den Billetautomaten findet er noch, und kauft die Rückfahrkarte nach Brig. Was sagt der Walliserbote am nächsten Tag darüber: der Automat wird zu teuer und er wird abgebaut. Stattdessen kauft man wieder beim Menschen; der Kondukteur kommt zum Kartenverkauf zum Kunden...
 
Bergab, bergauf - 3 x auf der selben Rampe wie ein Verrückter: ein rechtes Rampenfieber!

Hike partners: rojosuiza


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