Die Gummfluh und die Gstaader Dolomiten


Publiziert von Zolliker Pro , 14. September 2015 um 18:19.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Saanenland
Tour Datum:12 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VD 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 700 m
Abstieg: 700 m
Strecke:Gummalp - Trittlisattel - Gipfel
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Gstaad Grund über ein Fahrsträsschen durch das Meielsgrund zur Gummalp

Jan Lukas (12) will auf die Gummfluh. Mit ihr hat er noch eine Rechnung offen, mussten wir doch vor ein paar Jahren umkehren. Zu steil, zu ausgesetzt, zu kalt, das ist seine Erinnerung. Die Gummfluh ist das Wahrzeichen des Saanenlandes. Der markante Zahn vermittelt zusammen mit seinen umliegenden Nachbarn ein tolles Dolomitenfeeling. Die zerfurchten Kalkformationen bieten viel Kraxelspass und grandiose Sicht auf die Berner Oberländer Alpenkette.

Der Föhn überrascht uns in Lauenen mit einem stahlblauen Himmel, damit hatten wir heute nicht gerechnet. So fahren wir erwartungsvoll von Gstaad über das schmale Fahrsträsschen durch das Meielsgrund zur Gummalp auf fast 1800m. Die Alp ist schon verlassen, die Fensterläden der Häuser verriegelt, der Bauer räumt gerade seine letzten Siebensachen aus dem Stall. Ein kurzer Schwatz, ein Wunsch zum guten Gelingen, dann laufen wir los.

Wir folgen zunächst dem Weg zum Col de Jable, kürzen dann aber off-road ab. Wir steigen über reich mit Silberdisteln bestückte Wiesen hoch zum Pfad, der entlang der Südflanke der Gummfluh sanft steigend zum Trittlisattel führt. Dort angekommen verlassen wir den Wanderweg und zweigen ab auf einem unscheinbaren Weg, der dem Grat entlang nach oben führt. Die Route ist weder markiert noch beschildert, die Wegführung aber dank Pfadspuren und Steinmännli immer gut erkennbar.

Der blockige Grat bietet eine gute Sicht auf die senkrechten Wände der Pointes de Sur Combe, gleichzeitig aber auch auf „die Hand Gottes“ – das Saanenland mit seinen fünf Tälern. Jan Lukas läuft zügig voraus – wie lange mag ich ihm wohl noch nachkommen? Der Trampelpfad wird immer steiler, mein Puls schlägt höher als mir lieb ist. Auf 2250m flacht die Route etwas ab, wir traversieren nun unterhalb der Felsen, holen wieder etwas Luft und pausieren dort, wo beim letzten Versuch Schluss war.
Von jetzt an muss das Gras zunehmend dem Schutt Platz machen, auf dem Pfad sind Trittsicherheit und Balance gefragt. Wir erreichen den Fuss der Gummfluh-Südwand und erkunden die Routenführung zum schmalen Band, das den Durchstieg auf den Gipfelgrat ermöglicht (siehe Foto). Da der Fels so wunderbar griffig ist, schlage ich vor, eine direktere Kraxelroute zu nehmen. Das brauche ich dem jungen Gipfelstürmer nur einmal zu sagen….

Die Schlüsselstelle ist weniger ausgesetzt, als ich befürchtet hatte. So erklimmen wir zügig die anspruchsvollste Passage der Tour zum Gipfelgrat. Von hier aus sind es dann keine zehn Minuten mehr über mässig steiles Schrofengelände zum Gipfel. Jan Lukas kann kaum warten das Gipfelkreuz zu sehen und rennt förmlich hinauf.

Die Gummfluh bietet eine grandiose Aussicht auf das Saanenland und auf die Berner Oberländer Alpenkette vom Wetterhorn im Osten bis zu den Diablerets im Westen. Dahinter zeigt sich der Mont Blanc, aber auch eine ganze Reihe Walliser Viertausender. Auch den Genfersee und die Jurahöhen sehen wir – Föhn sei dank – bestechend scharf. Letzterer zwingt uns aber auch, auf der Nordseite ein windgeschütztes Plätzchen einzunehmen, wo Jan Lukas sich gleich an die Produktion unserer „Blevita mit Le Parfait“-Sandwiches macht.

Der Abstieg über denselben Weg fordert an der Schlüsselstelle nochmals grösste Aufmerksamkeit. Nach getaner Arbeit produzieren wir ein Selfie, dann machen wir uns an die Planung des Resttages. Wir möchten mehr Dolomiten-Feeling und beschliessen, nachmittags noch über die Via ferrata auf das Rüeblihorn (Le Rubli) zu steigen. Wir überzeugen Yael und Pauli telefonisch, ihre Klettersteigsets einzupacken und treffen uns um halb Zwei zum zweiten Abenteuer des Tages. Wie das geht, steht in einem älteren Blogbeitrag schon beschrieben.

Den vollbebilderten und mit interaktivem Kartenausschnitt versehenen Tourenbericht findest Du auf meinem Wanderblog: http://www.edwinwandert.com/2015/09/die-gummfluh-und-die-gstaader-dolomiten/

Tourengänger: Zolliker


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