Hochjoch (2019 m), Mittjoch (1955 m) und Kohlbergjoch (1883 m): "Go West" am Ammergauer Danielkamm!


Publiziert von Vielhygler Pro , 15. September 2015 um 14:48.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum:10 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1100 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von der Umgehungsstraße, aus Heiterwang kommend, kurz vor der Ortschaft Bichlbach nach rechts ausgeschildert zur Talstation Almkopfbahn abfahren. Wir sind gleich wieder links (Unterführung) zum kleinen P (Foto). Sonst P an der Almkopfbahn (nur 5 Minuten länger zu Fuß)
Unterkunftmöglichkeiten:Heiterwang, Bichlbach...auf der Tour gar nichts, Wasser aus zwei kleinen Quellen direkt am Weg, dem "Unteren" und dem "Oberen Trögle"
Kartennummer:DAV 4/1 Wetterstein- und Mieminger


Für die meisten Liebhaber der Ammergauer beginnt der Danielkamm in seinem Westen erst mit der Kohlbergspitze. Ganz so, als begänne weiter westlich wirklich der "Wilde Westen", werden drei direkt über Heiterwang und dem gleichnamigen See aufragende Gipfel fast wie Outlaws gemieden. Darunter auch das Hochjoch (2019 m), ein wunderbarer Ammergauer Zweitausender, auf den es bisher bei hikr.org noch nicht mal einen einzigen Tourenbericht gibt. Wir waren heute oben und fanden was? The Wild West? The Last Frontier der Ammergauer? Latschenrodeo mit einem Splitter- und Bröckelfels- Cocktail "on the rocks"? Von wegen! Der Danielkamm über Heiterwang ist mitnichten ein "Wilder", sondern könnte vielmehr ein "Milderer" Westen gar nicht sein! Also: let' s go west-  auf eine einfache, schnelle und superschöne Genußtour auf drei einsame, freie Gipfel: ohne Kreuz, ohne Buch, ohne Wanderer...

Die drei Westgipfel des Danielkamms





Die heutigen Ziele vom *Tauern (1841 m) gleich gegenüber aus gesehen (das Bild ist zwei Tage vorher entstanden) Vor den helleren Felsen und den Schuttkaren der Kohlbergspitze steht westlich (rechts) noch eine dunklere Wald- und Latschenformation direkt über dem Heiterwanger See. Die etwas schräg vom Danielkamm  nach Nordwesten abknickende Gruppe besteht aus drei Gipfeln: Links das Hochjoch (2019 m), in der Mitte- logisch- das Mittjoch (1955 m) und rechts das Kohlbergjoch (1883 m). Die ganze Gruppe wird von den Einheimischen manchmal auch pauschal als "Kohlberg" bezeichnet und das rechts steil über Heiterwang aufragende Kohlbergjoch wird offenbar auch gelegentlich "Niederjoch" genannt. Aber sicher ist das nicht. Wir haben uns natürlich im Tal erkundigt und unser Interesse wurde durchweg freundlich aufgenommen. Aber entweder bekamen wir gar keine richtige Auskunft oder zwei Einheimische benannten drei Berge gleich sechsmal unterschiedlich. Eine eherne Bergregel, leider auch hier: Die wenigen Einheimischen, die etwas wissen, sagen nichts und die vielen, die etwas sagen, wissen nichts!  

Vorbereitung

Als die Vielhyglerin und ich am Tauern zwei Tage vorher angefangen haben, uns für Hochjoch & Co zu interessieren, haben wir natürlich noch recherchiert:
Zunächst in Natura: Die Nordseite über dem Heiterwanger See? Zu steil! Der Westgrat über Heiterwang könnte weglos an sehr steilen Absätzen weit oben richtig tricky werden, ebenfalls ein klares Nein! Im Süden sieht es schon besser aus, aber man kann das Gelände ganz oben vom Tal, etwa von Bichlbach, nicht genau einsehen, weil es on top etwas abflacht. Man sieht also nicht, ob es dort überhaupt freie Wiesen zwischen den Latschen gibt.  
Auf der AV- Karte sah die Südseite ebenfalls am vielversprechendsten aus. Zwischen Heiterwang und Bichlbach zeigt sie auch einen rot eingezeichneten Weg, der im Süden zwischen den Bachgräben "Krumptal" und "Kehrtal" am "Unteren" und am "Oberen Trögle" vorbei mindestens in die Nähe der drei Gipfel führen müßte.
Im AV-Führer ist von den drei Gipfeln überhaupt nur das Hochjoch (2019 m) (und genau dieser Südanstieg) erwähnt, gerade so, als ob es das Mittjoch und das Kohlbergjoch gar nicht gäbe. Ebenfalls erwähnt ist dort der Abstieg vom Hochjoch zum Schärtle und damit zum Weg auf die Kohlbergspitze. Immerhin etwas!
Da dachten wir dann schon, daß bei hikr.org mindestens auf das Hochjoch (2019 m) einiges zu finden sein müßte, aber weit gefehlt, denn bei hikr.org gab es ausgerechnet über dieses keinen einzigen und über die anderen zwei etwas niedrigeren Gipfel nur genau einen einzigen *Bericht. mabon hat sich, und das auch noch bei winterlichen Verhältnissen, ausgerechnet den weglosen Westgrat von Heiterwang aus vorgeknöpft. Eine T6- Tour de Force durch Schnee und Krummholz. Richtiger Wilder Westen, ein kühner Ritt und ein schöner Bericht: Respekt! Einzig die Verortung des Mittjochs ist in diesem Bericht ein Wermutstropfen, oder, um im Wildwestbild zu bleiben, ein kleiner Schluck Whisky  am (Jack) Daniels- Kamm. Dort nämlich, wo Mabon in der Meinung, schon am Mittjoch zu sein, die Tour abbricht, zeigt sein Foto den Weiterweg auf das vermeintliche, nicht mehr erreichbare Hochjoch mit dem Fotokommentar: "Felsabbrüche"... Wir sind uns aber ganz sicher, daß Mabon am Kohlbergjoch über dessen vorgelagerten Sichtgipfel hinaus nicht weiter als bis zum latschigen höchsten Punkt desselben gelangt ist, denn Mabons Foto des Weiterwegs zeigt, von derselben Stelle wie ein Foto von uns heute, eindeutig erst: das noch weit entfernte Mittjoch. (Das Hochjoch steht noch weiter östlich direkt dahinter und ist vom Kohlbergjoch aus hinter dem Mittjoch fast nicht zu erkennen. Anyway, nix für Ungut und schöne Grüße! 
Schließlich noch Google: Ein einziger Treffer immerhin auf Hoch- und Mittjoch, ein Bericht aus 2008 über den Anstieg von Süden, der durchaus noch aktuell und brauchbar ist.
Um es vorwegzunehmen: Natürlich ist es dieser Südanstieg dann auch geworden und wir waren dann doch noch überrascht, wie ganz besonders leicht und einfach auch am Kohlbergjoch dann alles ging - wir haben uns nicht mit einer einzigen Latsche duellieren müssen!

Kurzer Steckbrief 

Kinder, Hunde? Ja!  Es ist an keiner einzigen Stelle ausgesetzt!  Mühsam? Nein, überhaupt nicht!  Eine lange Tour? Ebenfalls nicht! Der Weg? Bequemer geht' s eigentlich  gar nicht!  Latschen? Bestens ausgeschnitten! Aussichten? Superklasse! Nachteile? Hmm, keine! Warum trotz ausgeschnittener Latschen auch von den Einheimischen kaum jemand hier hinaufgeht und warum es keine Kreuze und nur einmal ein winziges Steinmanndl gibt? Wir wissen es nicht und wir verstehen es auch nicht! Anyway, go west, denn es lohnt sich, that' s all we know for sure...

Das Wetter

hatte heute ebenfalls Showtime, denn wir sind an einem warmen Spätsommermorgen gestartet und haben dann on top und live erlebt, wie der Herbst schon Mittags eine wahre Stampede aus Nebelwolken in die Täler gejagt hat. Als wir in die Suppe hinein abstiegen, war es schon Herbst geworden!

Die Fotos

beschreiben den Tourenverlauf auch in den Details recht genau und nachvollziehbar. So sind es auch ein paar mehr geworden als sonst. Aber es sind auch deshalb mehr geworden, weil es uns einfach so gut gefallen hat heute!
So long...wir wünschen einen schönen Wanderherbst! 


Tourengänger: Vielhygler


Galerie


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Kommentare (2)


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trainman hat gesagt:
Gesendet am 15. September 2015 um 23:28
Schöne Stimmungen auf unbekannten Bergen, gratuliere!! Da muss ich auch mal hinauf.
Beste Grüsse
trainman

Vielhygler Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. September 2015 um 00:10
Danke! Lohnt sich wirklich! Es ist eine nicht besonders lange Tour und bestimmt auch gut im Spätherbst, wenn noch kein Schnee liegt! (Schnee magst du, glaub ich, nicht so sehr)

Viel Spaß wünscht dir
Andreas


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