Tristencholben durch die Schafreiti


Publiziert von Delta Pro , 17. Oktober 2008 um 08:01.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:15 Oktober 2008
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Churfirsten 
Zeitbedarf: 3:45
Aufstieg: 1190 m

Ein steiler und abenteuerlicher T6-Aufstieg durch die Südwand des Tristencholbens mit einem denkwürdigen Verhauer.

 

Der Tristencholben ist ein wenig prominenter Felskopf, der den Chäserrugg gegen Osten abschliesst. Bei Kletterern sind vor allem die steilen, gutgriffigen Routen in der Südwand beliebt. Der Berg hat aber auch für den Alpinwanderer einige Anziehungskraft. Der Steilaufstieg von Lüsis durch die Schafreiti gehört zu besten, was die Region in diesem Sektor zu bieten hat. Die Route ist nicht eigentlich schwierig, dennoch sollte man sich im T6-Bereich sicher bewegen. Man ist über rund 700 Höhenmeter in steilem Gelände unterwegs. Längere Kletterstellen im II. Grad wechseln sich mit Graspassagen ab.

Ich legte in den Südflanken des Tristencholbens einen denkwürdigen Verhauer an den Tag, den ich zumindest zum Teil auf die Beschreibung im Führer abschieben kann. Dort ist einleitend vermerkt: „durch die markante Rinne westlich des Tristencholbens“. Na, durch welche nun? Ein Blick auf die Karte macht klar: Da gibt es vor allem eine Rinne, die (freilich von ein paar Felsstufen unterbrochen) bis in den Sattel westlich des Tristencholbens führt. Diese Rinne beginnt wenig NW der Alp Brunnen. Und das ist die falsche Rinne! Die richtige ist schon markant, falls man von Lüsis aus dem richtigen Blickwinkel in die Höhe schaut und die Sicht ausreichend ist. Sie startet eigentlich direkt in der Falllinie des Hauptgipfels und führt dann immer leicht schräg links in die Höhe. Zu meinem Unglück stimmten die ersten drei Fixpunkte gemäss Führer exakt mit meiner Rinne überein, so dass ich anfangs glaubte, richtig zu sein. Und steht man mal in der Wand, fehlt die Übersicht… Eher durch Glück als durch Intuition fand ich die richtige Route dann doch noch. Ich beschreibe hier also meine (im unteren Teil neue) Route durch die Schafreiti, die kaum schwieriger als die herkömmliche, jedoch bedeutend umständlicher ist.

 

Von Lüsis (erreichbar per PW auf sehr steiler Kiesstrasse) auf dem Wanderweg zur Alp Brunnen. Wo man in den Wald eintritt, biegen rechts Trittspuren ins Dickicht ab. Auf diesem passablen Weg wandert man auf dem Kamm östlich der („falschen“) Rinne hinauf. Bald durch steiles Gras mit Schrofen (T6, Pickel hilfreich) etwas links haltend auf die Wiesenhänge der Chämm. Hier steht man vor der eindrücklichen Wand und fragt sich, wo man hier am besten hoch“wandert“. Weiter auf dem Kamm östlich der Rinne an den Fuss der Felsen und etwas rechts über eine grasige Felsstufe (II auf 10m, Trittspuren). Dann auf einem ausgesetzten Bändchen nach links, über eine weitere Felsstufe (II auf 5m) und einfacher eine Grasmulde hoch, die in eine weitere, schwach ausgeprägte Rinne mündet (I). Von hier quert man leicht absteigend nach links in die grosse Mulde. Bald kann man unter die abschliessenden Felswände hochkraxeln, unter denen sich ein guter Gämspfad durch die ganze Wand zieht. Auf diesem habe ich dann zuerst ganz links, dann ganz rechts verzweifelt nach einem Durchschlupf durch die rund 50m hohe Felsbastion gesucht – vergeblich… Als ich schon aufgeben wollte, entschloss ich mich nochmals ganz links aussen zu suchen und querte auf dem gut begehbaren Grasband ca. 500 Meter gegen Osten. Nach der zweiten Mulde fällt das Gelände ab und – siehe da – eine breite Rinne durchreisst die Felswand. Der richtige Aufstieg ist gefunden!

 

Vom Fuss der Rinne (Normalroute) zuerst über eine Felsstufe (II auf 7m) und dann durch eine ziemlich lange Schlucht mit abgeschliffenen Felsen (I-II auf 30m, 1 H). Danach erreicht man über gut begehbare Grashänge den Seilblock der Wildheuer. Sogar eine Ruine eines kleinen Unterstandes findet man hier! Von dort zuerst etwas rechts, dann in der Direttissima den steilen Schrofenhang hinauf (T6, teils leichte Kletterei). Die markante Felsrinne, die in den Sattel vor dem Tristencholben führt, ist gut sichtbar. Da diese scheinbar häufig nass ist, habe ich mich etwas weiter links in der Sonne gehalten. Auch dort kann man durch einen kurzen Kamin (II auf 10m) bis auf die flacheren Hänge aufsteigen. Die Route auf den Gipfel des Tristencholbens ist nur kurz etwas steil und ausgesetzt. Momentan ist die NW-Flanke jedoch komplett durchnässt und daher ziemlich heikel. Man hält auf guten Wegspuren links hinauf (im unteren Teil zwei Stufen, II auf 5m), dann über trittiges Moos auf den aussichtsreichen Gipfel.

 

Auf dem Wanderweg zum Chäserrugg, unter dem Gamserrugg durch und Gegenaufstieg zur Nideri. Dieser Umweg ist beträchtlich! Bis hierher (Luftlinie rund 500m vom Tristencholben) brauchte ich trotz schneller Gangart 50 Minuten. Dennoch scheint es unmöglich vom Tristencholben direkt nach Norden abzusteigen. Am schnellsten wäre es wahrscheinlich, durch den obersten Teil der Schafreiti abzusteigen und dann auf Grasbändern in der Südflanke direkt zu Nideri zu queren.


Tourengänger: Delta

Galerie


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