7 Voralpengipfel zwischen Fulfirst und Alvier


Publiziert von Delta Pro , 15. Oktober 2008 um 16:21.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:12 Oktober 2008
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alvier Gruppe   CH-SG 
Zeitbedarf: 6:45
Aufstieg: 2180 m

Einsame und wilde Voralpentour auf die vergessenen Gipfel der Sichelchamm-Gauschla-Kette

 

Die über 50 Kilometer lange Bergkette zwischen dem Ricken und Sargans bildet den grössten zusammenhängenden Gebirgszug der Nordostschweiz. Sie baut sich aus den Gipfeln der Speer-Gruppe, den Churfirsten und der zerrissenen Sichelchamm-Gauschla-Kette auf. Die meisten Gipfel sind ziemlich einfach zu besteigen – von was auch rege Gebrauch gemacht wird. Zwischen Alvier und Fulfirst haben sich jedoch einige Gipfel versteckt, die selten begangen werden – und sich als einige der letzten der Nordostschweiz meiner Besteigung entzogen hatten. Die beschriebene Tour kombiniert wilde und einsame Bergwelt mit schönen und aussichtsreichen Graten. Die Schwierigkeiten bewegen sich teilweise deutlich im T6-Bereich. Die kurzen Kletterpassagen sind jeweils brüchig und erfordern Vorsicht.

 

Malunfurggel (T6)

Die Malunfurggel ist der einzige (für Normalsterbliche) praktikable Passübergang zwischen der Nideri und dem Chemmi (Alvier). Der Aufstieg von Süden ist aber nicht ganz trivial. Besonders im unteren Bereich sind die Grasflanken steil und schlecht gestuft. Dazu ist Steinschlag nicht auszuschliessen. Von Pt. 1082 (Fahrverbot oberhalb Berschis) auf dem Fahrsträsschen gegen Sennis und dann auf einem markierten Wanderweg zur grossen Alp Malun. Die Aufstiegsrinne zur Furggel ist auf der Karte besser zu sehen als im Gelände. Von der Alp rechts haltend an den Fuss eines Schuttkegels. Als Einstieg können zwei verschiedene Rinnen gewählt werden, die durch einen markanten Felsturm voneinander getrennt sind. Die rechte schien mir besser geeignet, wahrscheinlich benutzen Gämsen aber eher die linke (nordwestliche) Rinne. Am besten alles in der Rinne aufsteigen, eine kurze Felsstufe muss überklettert werden (T6). Ausweichen in die Grasflanken bringt nichts, da das Gras dort schlecht gestuft ist. Steil hinauf in einen kleinen Sattel (Vereinigung der beiden Rinnen) und hart unterhalb der Felsen in die Hauptrinne queren. In dieser steigt man jetzt angenehmer hinauf (Trittspuren), vorbei an einem frischen Felsausbruch. Die Furggel erreicht man zuletzt steil auf einem Gämspfad. Chapeau vor 3614adrian, der diese Route bei dieser grossartigen Tour im Abstieg begangen hat.

 

Gärtliegg – Gärtlichopf (T6, II)

Die Überschreitung des Gärtlis ist eine durchaus lohnende Unternehmung. Die Schwierigkeiten liegen im grünen Bereich, erfordern aber Sicherheit in steilem Grasgelände, auf ausgesetzten Graten und in brüchigem Fels. Von der Malunfurggel zieht sich die Aufstiegsrinne direkt weiter und durchbricht die Südabbrüche der Gärtliegg. Durch diesen originellen Durchschlupf ist der First erreichbar. Auf guten Gämsspuren in die sich verengende Rinne. Man erklettert die Felsstufe wenige Meter links der Rinne (II auf 15m, gut gestuftes, aber brüchiges Gestein). Abschliessend durch unterschiedlich steiles Grasgelände, das immer noch einige Vorsicht bedingt, auf die Gärtliegg. Weiter auf der Gratschneide bis zu einem rund 5 Meter hohen Aufschwung. Diesen begeht man leicht links der Kante (II, ausgesetzt). Auf dem teils wunderschön exponierten Grat weiter zum Gipfel des Gärtlichopfs (T5+). Es lohnt sich kaum nach der tiefen Scharte nochmals zum Grat hochzusteigen (kurzer steiler Abstieg von einer Kanzel, T6, erdig). Besser folgt man Schafwegen in der Ostflanke.

 

Gross und Klein Fulfirst (T5)

Auf einem guten Schafweg erreicht man den NE-Kamm zum Gross Fulfirst. Kurz vor dem Gipfel, wird der Grat exponiert (T5), was die viele Wanderer vor der Besteigung des Hauptgipfels abhält. (So auch den Local mit Disco-Sound, der scheinbar die Gipfel der Region Tag für Tag bewacht.) Abstieg durch die steile, verschneite NW-Flanke zur Scharte zwischen den Fulfirsten (gefrorener Schnee, Pickel im Moment unabdingbar, im Sommer T5-, Wegspuren). Ohne Schwierigkeiten auf den erstaunlich selten begangenen Chli Fulfirst (T4+). Querung teils auf Schafwegen, teils weglos unter Gross Fulfirst und Gärtlichopf an den Fuss des Chrummensteins (nicht immer offensichtliche Route durch steile Grasflanken, Stellen T5).

 

Chrummenstein (T6, II)

Der Chrummenstein ist ein formschöner Gipfel, der im Schatten von Alvier und Fulfirst steht. Die Besteigung ist auf keiner Route ganz trivial. Dennoch weist das Gipfelbuch (auf dem NW-Gipfel, nicht kotiert) rund 20 Einträge pro Jahr auf. Ich bin über den Nordrücken direkt zum NW-Gipfel aufgestiegen. Einfacher ginge es wohl durch die durchwegs grasige Nordflanke. Den Rücken erreicht man über eine steile Stufe, die man ziemlich weit rechts erkraxelt (T6, II, leichtere Varianten wohl möglich). Dann einfach über den Rücken bergauf. Am Schluss hält man sich an den linken Rand, wo man die Platten gut umgehen kann (T5, ohne Schnee vielleicht einfacher). Zwischen Gipfelbuch-Gipfel und dem Hauptgipfel liegt ein kurzes, sehr ausgesetztes Grätchen (T6, II).

Der SE-Grat zum Pass Pt. 2100 ist ein deutliches T6 und weist insgesamt vier Aufschwünge auf. Den obersten habe ich wegen dem Schnee ziemlich weit in der Nordflanke umgangen. Der zweite wird zuerst auf einem exponierten Grätchen und dann durch eine steile, aber gut gestufte Grasflanke begangen. Die dritte Stufe gleich wie die zweite, wobei eine Passage äusserst steil ist (ca. 70° auf 15m, Gras und Fels, Pickel hilfreich). Der letzte Aufschwung ist kaum direkt begehbar. Auf einem abschüssigen Gämspfad erreicht man den Wanderweg durch die Nordflanke.

 

Chli Alvier und Alvier (T3)

Ohne Schwierigkeiten auf dem Wanderweg und durch die Nordflanke auf den Chli Alvier (T3). Von der Scharte zwischen Chli und Gross Alvier direkt durch felsiges Gelände auf die obersten Wiesen (kurz T5, brüchiges Gestein). Auf dem Alvier hat es massenweise Volk! Wieso nur geht niemand auf den Chrummenstein an so einem Traumtag?? Schneller Abstieg durch das Chemmi und über Malun zurück nach Sennis.

 


Tourengänger: Delta

Galerie


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