Tschuggen Südaufstieg – Gauschla Chammegg


Publiziert von Delta Pro , 7. Juli 2008 um 20:16.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:29 Juni 2008
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alvier Gruppe   CH-SG 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 2260 m

Zwei lohnende und steile Aufstiege hoch über dem Seez-Tal – DIE Tour für konditionsstarke Alpin-Wanderer!
 
Die hier beschriebene Tour verbindet den kürzlich von Alpin_Rise vorgeschlagenen Tschuggen-Südaufstieg mit der bestechenden Himmelsleiter – Chammegg – an der Gauschla und der Traverse zum Alvier. Alle drei Abschnitte sind für sich alleine lohnende Touren im des klassischen Alpin-Wanderns. Als Kombination sind sie logisch und ergeben eine nicht zu unterschätzende, strenge Tour der Voralpen-Superlative!
 
Tschuggen Südaufstieg (T6, III; mit Stahlseil T5+)
Beim Südaufstieg auf den Tschuggen überwindet man in kürzester Zeit die steilen 1400 Höhenmeter vom Grund des Seez-Tales. Die Wege bis zu den schönen Alpen von Spina sind in gutem Zustand, abwechslungsreich und steil. Erst ab einer Höhe von 1500 m.ü.M. wird der Tschuggen-Südaufstieg anspruchsvoller und führt durch mediterran anmutendes Gelände. Der Routenverlauf ist hier im Detail beschrieben – danke Alpin_Rise. Die Kraxelei bis zum Fixseil ist nicht eigentlich schwierig. Die Ersteigung des Rundchopfs durch Legföhren und Schrofen (war ich hier auf der Idealroute?) ist etwas mühsam (T5, I). Nach dem Sattel hinter dem Rundchopf hält man leicht nach links, wo ein Gemspfad durchs Unterholz führt. Die Fixseilpassage am Gipfel ist ohne Zuhilfenahme der Seile machbar (eine kurze Passage III). Ziemlich dehydriert kam ich am Gipfel an – Start um 12 Uhr und ein schneller Aufstieg in den Südflanken zollen Tribut…
 
Gauschla Chammegg (T6)
Die Chammegg ist DIE Linie an der Gauschla. Der anfangs flache, gegen die Gauschla ziehende Grat, versteilt sich immer mehr und sticht schlussendlich als beinahe senkrechter Sporn auf den Ostgrat hinauf. Dieser Sporn scheint die einzige Aufstiegsmöglichkeit durch die jähe grasige und felsige Südflanke der Gauschla zu vermitteln. Die Chammegg ist dem erfahrenen und sicheren Graskletterer vorbehalten, scheint aber dennoch ab und zu begangen zu sein. Trittspuren und ein nicht allzu Vertrauen erweckendes Fixseil in der Schlüsselstelle beweisen dies. Im Abstieg und bei Nässe lässt man es mit Vorteil bleiben.
 
Man steigt auf dem anfangs wenig steilen Wiesengrat gegen die Felsbastion in der unteren Hälfte der Chammegg. Hart unter dieser quert ein guter Gemspfad nach links über eine plattige Schlucht. Anschliessend geht es in nicht sonderlich steilem, aber unzuverlässigem Gelände in der breiten Rinne in die Höhe (abwärts geschichtete Platten und schlechte Rasentritte). Am besten quert man sobald wie möglich wieder nach rechts gegen den grasigen Sporn. Über diesen erreicht man den sehr steilen Endaufschwung. Diese Grashalde zieht sich über rund 100 Meter schräg nach rechts aufwärts und ist am Schluss gegen 60° steil. Der Aufstieg ist sehr ausgesetzt, da das Gelände unmittelbar unter dem Rasen abbricht. Die Überwindung dieser Schlüsselstelle ist jedoch wegen der guten Tritte (Wegspuren) trotzdem im grünen Bereich. Die letzten 30 Höhenmeter sind gar mit einem (freilich nur im Gras verankerten) Stahlseil abgesichert. Vom Ausstieg der Chammegg umgeht man den ersten Grataufschwung noch auf einem Gämsweg in der Südflanke. Die anschliessende Felspassage  ist sehr schön und wird ausgesetzt entlang des Grates begangen (T5+, II).
 
Gauschla – Alvier (T5, mit Schnee im Couloir T6)
Die Alvier–Gauschla Traverse ist recht häufig begangen. Dennoch ist sie problematisch, falls im Aufstiegscouloir zur Abgelösten Gauschla noch Schnee liegt (dies scheint oft bis weit in den Sommer der Fall zu sein!).
Von der Gauschla führt ein guter Pfad durch die abschüssige Südflanke in den Sattel vor der Abgelösten. Die letzten Meter vor der tief eingeschnittenen Scharte müssen abgeklettert werden (I). Ohne Schwierigkeiten auf einem Pfad auf den formschönen Gipfel der Abgelösten Gauschla (T5). Gemäss Gipfelbuch wurde am Vortag ihre Südflanke begangen – wenn es T7 gibt, dann dort! Im nordseitigen Abstieg von der Scharte liegt noch meterweise Schnee – besonders im engen und steilen ersten Teil des Couloirs sehr störend! Mit zwei Dreimeter-Sprüngen kam ich runter, bergauf wär’s wohl nicht möglich gewesen. Ohne Pickel sind mir die steilen und auch nachmittags um drei Uhr noch harten Schneefelder zu heikel und ich stemme mich in der Schlucht zwischen Schnee und Fels bergab – mühsam, doch die Abkühlung ist willkommen!
 
Anschliessend auf dem Wanderweg auf den Alvier und zügiger Abstieg durch das Chemmi nach Palfries und über Hinter Spina ins Seeztal – am Schluss im endlich kühlenden Gewitterregen.

Tourengänger: Delta

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